mal wieder: ein Dielenboden!

14.08.2014 Maike



Hallo,
nachdem ich nun gefühlt alle Beträge in diesem tollen Forum zum Thema Dielen gelesen habe, muss ich leider doch ein eigenes Thema aufmachen.
Folgende Situation:
Wir sanieren gerade ein 50er-Jahre Haus (kein Fachwerkhaus). Im ganzen Haus befindet sich ein Nadelholzboden auf Holzbalken, darunter Betondecken. Die Balken liegen auf kleinen Holzklötzchen und Keilen.
Für uns war von Anfang an klar, dass wir diesen Holzboden Aufarbeiten wollen. Ich bin sehr verliebt in ihn :-)
Er war mit mehreren Schichten PVC/Teppich usw. belegt und scheint so, als wäre er noch nie abgeschliffen worden. Es ist auch kein Ochsenblut drauf, evtl nur Klarlack? An einer Stelle war eine fiese Spachtelmasse aufgetragen, die ich mit einem Heißluftfön gut entfernen konnte.
Der Boden knarrt nur an einer Stelle und schwingt ansonsten zwar, aber nicht unangenehm, zumindest nicht für uns. Ein Zimmer, was unsere Küche wird, haben wir von den Dielen befreit, diese haben wir dann im Flur selbst neu verlegt.
Ihr merkt, ich hab schon so einige Zeit mit meinem Boden verbracht:-)
So, nun zu meinem Problem.
Nachdem jetzt so langsam alle anderen Arbeiten abgeschlossen sind, fing ich an mich mit der Endbehandlung des Bodens zu beschäftigen und kam dann schnell zum Ölen. Prima, Entscheidung gefallen. Dann hab ich hier im Forum so viel wie möglich darüber gelesen und sehr viele hilfreiche Tipps gefunden. Da fühle ich mich gut vorbereitet.
Was mir nun aber Bauchschmerzen macht und mich nicht schlafen lässt ist, dass ich nun einige Male gelesen habe "sanieren lohnt sich bei dem und dem Boden nicht mehr, leg lieber direkt neuen" (Häufig bei Nadelholz). Uaaaaah, und da bekam ich Angst! Ich muss gestehen, auf diese Idee, dass mein schöner Boden evtl. gar nix mehr taugen könnte kam ich noch gar nicht....
Was sollte ich da für Maßstäbe ansetzen? Wann sollte man es nicht mehr wagen, den Boden aufzuarbeiten? Kostenlos ist das Aufarbeiten und Ölen ja auch nicht...
Unsere Dielen sind ca 12 cm breit, ca 2 cm dick, haben keinen Wurmfrass und liegen alle 30 - 40 cm auf den Holzbalken.
Ich hänge mal Fotos an, aber leider lässt sich so ein Boden schwer knipsen...
Liebe Profis, wie ist euer Eindruck? Was würdet ihr mir raten?
Sorry, dass es so lang geworden ist!
Viele Grüße, Maike



Bild



ist es richtig, dass ich immer nur ein Bild pro Beitrag anhängen kann, oder mache ich was falsch?
Hier ist auf jeden Fall noch eins:-)



Moin Maike,



genauso Böden haben wir auch und die Entscheidung lautete "je nach dem":

In einem Zimmer waren die sooo uneben, knarzig und krumm, dass sie in den Ofen gewandert sind. Im Flur wars nur noch "Knäckebrot"...dito. In der anderen Haushälfte noch bestens; abgeschliffen, geölt, wunderbar. Da wo wir Parkett wollten, liebevoll ausgebaut und in 2 andere Zimmer "umgebettet".

Entscheidend ist ob sie überall noch so stramm liegen, wie auf deinem 2. Bild. Bei uns waren sie oft schon auseinander und dann abgeschliffen vllt. 18mm ohne den Verband von Nut und Feder.... dat is ne bissje dünne.... und muss knarzen.

Und nicht vergessen: Schleifen und ölen musst du den neuen Boden ja auch. Wenn euch der Boden so gefällt und technisch i.O. ist, ist aufarbeiten eindeutig die bessere Lösung. Und Patina kannste nich kaufen!

Viel Erfolg, Boris



weisses Zeug



Hi,
vielen Dank für eure Antworten, das hilft mir ja schon mal weiter.
Das weisse Zeug ich glaub ich nicht das Problem das ist "nur" die Unterseite vom Teppich, dieses Schaumzeugs halt.

Der Boden ist nicht überall so stramm wie auf dem zweiten Bild, aber es gibt auch keine größeren Fugen als 2-3 mm.

Ich messe später auf jeden Fall mal die genaue Dicke von den Brettern.
Beim rausmachen in dem einen Zimmer ist mir aufgefallen, dass (schon bevor ich die Bretter rausgehebelt hab) häufig unten die Feder angebrochen war. Das wird in den anderen Räumen ja ähnlich sein. Könnte das zum Problem werden?
Viele Grüße und einen schönen Samstag!
Maike



Moin Maike,



dann meinst du wahrscheinlich den unteren Teil der Nut. Da halten die Dielen dann nicht mehr richtig zusammen und knarren. Beim Ausbau kommt es zu weiteren kleinen Beschädigungen. Wenn ihr die dann an den Rand legt, wo niemand läuft, egal. In der Laufgasse federts und knarrts dann vermutlich.

Evtl. bietet es sich an einen Raum neu zu machen und nur die intakten Dielen weiterzuverwenden.

Gruss, Boris



Der Knackpunkt...



bei solchen Dielen sind die Nutwangen. 20mm ist mickrig, eine echte Sparvariante. Die Lagerholzabstände sind angepasst, somit hat das dennoch (gerade so) funktioniert. Liegen die Dielen nun eher wellig, werden einige Nutwangen stark abgeschliffen und brechen bei höheren Punktlasten. Hinterher wohlgemerkt, wenn alles eingerichtet ist. Reparabel ist das dann nicht wirklich.

Sofern also der Boden sehr eben liegt und mit Erfahrung möglichst wenig abgeschliffen wird, ist ein einmaliger Schliff möglich, aus technischer Sicht. Er ist aber damit nur gering belastbar. Punktlasten sind zu vermeiden.

In dermaßen schmale Brettchen könnte ich mich freilich nicht verlieben, und eine Neuverlegung richtiger Dielen ist nicht viel aufwändiger als die Erhaltung doch recht fragiler Brettchen. Die recht breiten Fugen wären für mich ein weiteres K.O. - Kriterium.

Grüße

Thomas



Es kosten...



nordische Kieferndielen 27mm stark / 190mm breit raumlang so um die 25 Euro. Die sind dann schon sehr sauber gehobelt und müssen bei penibel sauberer Verlegung gar nicht mehr geschliffen werden. Das wird Euch hoffentlich nicht ruinieren.

Sollte ich eine lackierte Diele schleifen sollen, wären auch 20-30€/m² fällig. Klar kann das auch der bauherr selber, aber es ist kaum Holz zum wegschleifen da, also keine gute Spielwiese für den Baueifer...

Gerade beim Fußboden sollte besser nicht auf Krampf gespart werden, das ist eine fundamentale Sache. Ultraökologische Team7 Vollholzmöbel, Fachwerkgarage oder Gegenstrompool kann man auch später hinzufügen. Es ist aber erfahrungsgemäß desaströs, wenn nach dem Einzug der Dielenboden langsam zerbröselt.

Grüße

Thomas