Kann man alten Lehm wieder aufarbeiten?? Wenn ja, wie???

20.02.2005



Anfang diesen Jahres haben wir ein altes Haus (ca. 1870) mit Ständerwerk gekauft. Bei unserer Renovierung sind wir schon auf das erste Hindernis gestoßen. Die Balkendecke muß erneuert werden. Diese besteht aus Balken mit zwischenliegenden Hölzern, die mit Lehm ummantelt sind. Nun sind wir dabei alles zu lösen, Holz und Lehm zu trennen. Überall hört und liest man, das man Lehm wieder aufbereiten kann. Aber wie?? Die Beschaffenheit des Lehms ist zur Zeit fest, bröckelig und mit Stroh versetzt. Gerne würden wir wieder einen Teil des Lehms zum Bau eines Ofens mit Heizkassette nutzen oder eine Wand damit verputzen. Für Tips und Tricks wären wir Euch dankbar.

mfg
M. Schneider



Alter Lehm speichert alle Luftschadstoffe



Lehm hat die Eigenschaft, Schadstoffe aus der Luft zu 'absorbieren'. Diese werden jedoch nicht weggezaubert, sondern sind in dem Lehm eingelagert. Wenn z.B. in dem Raum geraucht wurde, ist dieses Nikotin und der Teer in dem Lehm enthalten.
Die Sporen eines eventuellen Schimmelbefalls, der im Laufe der Jahre mal dort gewesen sein könnte, sind ebenfalls noch vorhanden und leben bei Fechtigkeit wieder auf.
Da Lehm als reiner Rohstoff nicht viel kostet, lediglich die Aufbereitung Kosten verursacht (und Aufbereitung ist hier ebenfalls erforderlich), würde ich den alten Lehm nicht verwenden.
Die Aufbereitung von Lehm kann man in unseren Seminaren lernen.

Viele Grüße

Markus Schwarz



Lehmrecycling



Hallo nach NRW
Diese Hölzer, die mit Lehm umwickelt sind nennt man Lehmwickel, (es könnte auch eine "Stakendecke" sein) die ich nicht wegschmeissen würde; lasst sie doch drinnen!! da sind sie gut aufgehoben! Manche Museen lassen sie sich teuer einbauen!
Hört Ihr nicht die Decke schreien! Warum müssen die raus!!???
Wollt Ihr eine "bessere" Decke?? Wie sollte die denn aussehen?????


Florian Kurz



Buchtip und Anmerkungen



Erstmal ein Buchtip, alles Andere wäre hier zu umfangreich, leider nicht mehr im Handel aber Beschaffung über Stadt-Bücherrei, Antiquariat & Co sicher möglich:
Tamara Leszener / Ingolf Stein
Lehmfachwerk -alte Technik neu entdeckt-
ISBN 3-481-25491-1
Steht alles drin, Grundlagen und Rezepturen, Arbeitstechniken

Am Besten nehmt ihr nur raus, was wirklich lose ist...
Zu schwache Balken kann man oftmals auch verstärken, ohne die Deck komplett zu entfernen... Sollte man zumindest prüfen. Oft hilft schon ein stärkerer Dielenboden zur besseren Lastverteilung (bei einzelnen schwachen Balken)
Balken übrigens niemals drehen, auch bei starker Durchbiegung!
Früher waren meist auch noch die Balken mit Lehm verputzt. Auch wenn Balkendecken mit sichtbaren Balken heute IN sind:
Auch baupysikalisch hat die Ummantelung seinen Grund. Schließlich durchdringt der Balken häufig die Außenwand oder der Balkenkopf wird nur von wenigen cm Putz bedeckt, die luftdichte Abdichtung des Übergangs Balken/Gefach ist anders als mit vollständiger Ummantelung nur schwer, früher gar nicht herzustellen...
Darüber hinaus brennt Lehm (auch Strohlehm) nicht...

Ansonsten:
Ob der Lehm, der die letzten 130 Jahre als Filter fürs Grundwasser fungiert hat, sauberer ist, als der, den ihr in eurem Haus habt, halte ich zumindest für fraglich, wenn er wahrscheinlich auch auf die ärgsten Schadstoffe vom "Hersteller" getestet wird (wäre auch mal eine Frage wert...)
Wir haben außerdem die Beobachtung gemacht, das auf altem, widerverwendetem Lehm wesentlich weniger Schimmel wärend der Trocknung entsteht als auf neuem Lehm. Könnte am ph-Wert des Lehms liegen, Pilze mögens eher leicht sauer, aber wie es 1870 mit dem Sauren Regen war...?!
Gegen Schimmel hilft gut Lüften wärend der Trocknung, am Besten so viele Ventilatoren wie möglich...

Wolltet ihr alles gar nicht Wissen... Sorry, war im Schreib-Rausch, hoffe ihr habt nicht mehr Fragen als vorher...

Gruß Frank



Bäcker



Hallo,
Florian Kurz und Frank Holberg kann ich nur zustimmen- alles was in Ordnung ist, drin lassen und beiflicken, alles lose heraus, wieder aufbereiten und wiederverwenden. Das Schimmelsporenargument gilt meiner Meinung nach nur für vergammelte und Feuchte Altware. Wir haben schon oft alte Mischungen wieder aufbereitet und auch wieder eingebaut. Das loseste Zeug wird wieder so fest und stabil wie neu (mindestens!). Das geht hervorragend mit einer ausgedienten Bäckereiknetmaschine (eine mit Riemenantrieb). Die macht die Klumpen klein und das ganze geschmeidig. Diese Mischungen eignen sich hervorragend für Gefachreparaturen oder auch als Unterputz. Nimmt man neue Ware, so muß man fairerweise die Entsorgungskosten mitrechnen, nicht nur den neuen Lehm.



Vielen Dank!!! - Lehm aufarbeiten



Vielen Dank für die vielen Antworten. Natürlich wollen wir Altes bewahren, doch leider waren die Balken zu morsch. Der Zimmermann hat uns selbst davon abgeraten, damit ein kleines Gartenhäuschen zu bauen. Es bestand mal die Überlegung eine neue Decke über die Alte zu ziehen, das haben wir aber aufgrund des Wohnraumverlustes im Dachgeschoss verworfen und wer möchte schon eine 50 cm dicke Decke haben. Also haben wir uns dazu entschlossen, die Decke auseinander zu nehmen, das heißt zur Zeit gibt es einige Bündel mit Holzleisten und einige Regentonnen mit Lehm. Theoretisch könnten wir die Decke mit neuen Balken wieder neu aufbauen. Aber aufgrund der Aussage das sich alle Giftstoffe im Lehm befinden und wir zwei Kinder haben, möchten wir den Lehm doch lieber entsorgen. Oder gibt es irgendwo eine Prüfstelle, wo man den Lehm preiswert untersuchen lassen kann? Aber das Buch werde ich mir besorgen. Da uns einiges mit Lehmarbeiten vorschwebt.
Nochmals vielen Dank.

mfg

M. Schneider

P.S. Hier ein Bild, von unserer Decke!!!



Lehmrecycling



Hallo Familie Schneider

Sie schreiben:
"… Aber aufgrund der Aussage das sich alle Giftstoffe im Lehm befinden…"
muß ich doch noch mal einen Einwand schreiben.
Der erste Beitrag handelte von Teer und Nikotin im Lehm, der sich da mit heimtückischem Schimmel verbrüdert und wartet über uns / Sie herfallen zu können.
Also meistens werden diese Schadstoffe (falls sie je vorhanden waren), die hier beschrieben sind in der äußersten Schicht meist "gefiltert" und das war meist ein Kalkputz, der oftmals gekalkt wurde (Kalk desinfiziert in gewisser Weise)
Ich schätze die Schadstoffbelastung der Decke und oder Wände in ihrem Haus nich so dramatisch ein, wie Herr Schwarz.
Ich denke Sie und Ihre Kinder werden bei einem Einkaufsbummel in einer beliebige Stadt mit mehr Schadstoffen in Kontakt kommen, als in einem Leben mit Ihrer Lehmdecke.
Leider kann man bei mir keine Lehmkurse besuchen ………!!

"keine Angst vor dem schwarzem Lehm"


mit beruhigenden Grüssen aus Nürnberg

Florian Kurz



Nochmal ich...



Hallo,

Irgendwie ist diese "Beitragsreihe" mächtig vom Thema abgekommen, ihr wolltet wissen wie es geht und wir spekulieren über mögliche Schadstoffe... Ein letzter Einwand hierzu: Alle anderen Baustoffe sind mindestens so schädlich wie euer alter Lehm, manche sicherlich wesentlich problematischer...

Wirkliche Argumente für und gegen das Arbeiten mit Lehm sind doch eher die Kosten (meist gering bei Eigenleistung), Arbeitsaufwand (habt ihr die Zeit, es selbst zu machen), Zeit für Trocknung (hoch), ideelle Ansprüche...

Hoffe, ihr habt euch nicht abschrecken lassen und werdet es irgendwann einfach ausprobieren.

Gruß Frank



lehmaufbereiten



hallo!

du brauchst den lehm einfach in eine Wanne mit wasser geben, organische stoffe schwimmen dann noch oben, jenes abschöpfen, dann wasser ausgiessen, und mehr lehm dazu, bis richtige konsistent, gut ist Sand dazu und stroh,...zuviel wasser ist nicht gut wegen den trockenrissen die dabei entstehen....sonne verdampft eh immer wasser....geduld, oder zusatzstoffe wie sand, lehmpulver!

alles gute und viel spaß