Kalksandstein als tragendes Mauerwerk innenseitig vor Fachwerk

06.02.2022 PhilundAlina

Kalksandstein als tragendes Mauerwerk innenseitig vor Fachwerk

Hallo zusammen,
für ein Fachwerkhaus mit Grenzwänden (weil Brandwände) in Kalksandstein empfiehlt unser Statiker eine tragende Kalksandsteinschicht innen vor das Fachwerk zu mauern. So würden die tragenden Wände innenseitig durchgehen und der neue Dachstuhl gleichmässig aufliegen. Ich hatte direkt bedenken bezüglich der Diffusionsoffenheit, der Statiker meinte er hätte gute Erfahrungen damit gemacht. Ich habe diesen Wandaufbau einmal in Ubakus gecheckt mit einer Holzfaserdämmung zwischen KS und Fachwerk und wurde selbst überrascht wie gut er abschneidet. Selbstverständlich habe ich Tauwasserausfall innenseitig an der Fachwerkwand aber deutlich weniger dramatisch als befürchtet.
Daher die Frage:
Macht dieser Wandaufbau tatsächlich Sinn oder sollte ich den Statiker noch ein bisschen stärker herausfordern?
Vielen Dank und besten Gruß,
Phil Aswerus



Re: Kalksandstein als tragendes Mauerwerk innenseitig vor Fachwerk



Hallo Phil,

der Ubakus-Rechner ist ziemlich genau im Vergleich zu professionellen Software-Tools. Er gibt u. U. sogar schlechtere Werte aus als sie nachher in der Realität sind. Insofern ist man damit auf der sicheren Seite.
Mit den 3 Tagen Rücktrocknungszeit seid ihr auch weit von "gefährlichen" Werten für das Fachwerk entfernt.
Ihr könntet also die Innenschale aus KS-Steinen so bauen.
Um etwas Platz zu sparen könntet ihr den Statiker nochmal fragen, ob es statisch ausreicht wenn ihr die Innenschale mit 17,5er statt den im Ubakus benutzten 24er KS-Steinen bauen könnt. Denn die Fachwerkwand trägt ja nach wie vor auch noch mit.

Gruß,
KH

PS: Der Vollständigkeit halber könntest du in der Ubakus-Berechnung noch den Außenputz auf den Gefachen eintragen, um zu sehen wie die Rücktrockungszeit dann ist.



Anpassung


Anpassung

Vielen Dank für die schnelle Antwort und den Hinweis!
Die Stärke des Mauerwerks könnte theoretisch geringer ausfallen, bei 24er ist es laut Statiker einfacher eine Ringschale zu setzen um die Dachlasten abzutragen.
Ich habe den Aussenputz als Kalkputz angepasst das hatte keine großen Auswirkungen.
Allerdings ist mir in dem Zuge aufgefallen, dass ich für das Gefache einen Strohlehm ausgewählt hatte.
Also habe ich diesen durch einen Faserlehm für Fachwerkgefache mit einer Rohdichte von 1400kg/cbm und annähernd gleichen Werten ersetzt. Dies hatte allerdings schon deutlichere Auswirkungen.
Befinden wir uns dennoch in einem annehmbaren Bereich?
Besten Gruß,
PA



Re: Anpassung



Du solltest auch nicht mit angenommenen/vermuteten/fiktiven Materialien rechnen, sondern die im Ubakus eintragen, die tatsächlich eingebaut sind (vorher Strohlehm vs. jetzt Faserlehm).
Unabhängig davon, die Ubakus-Auswertung zeigt dir im Ausdruck oben unter "Feuchteschutz" die Rücktrockungszeit, hier 23 Tage, und die Feuchtebelastung des Holzes, hier 0,0 %. Diese beiden Wert sind die für den Schutz des Holzes maßgebende Werte. So lange die Trocknungsdauer unter 90 Tagen bleibt schadet es dem Holz nicht. Dass in der Berechnung trotz 148 gr/m² Tauwasser die Holzfeuchte mit 0,0 % angegeben ist, ist dadurch bedingt dass der Lehm eine niedrigere Ausgleichsfeuchte als Holz hat. Das bedeutet, der Lehm trocknet schneller und mehr als das Holz. Dadurch entzieht er dem Holz die Feuchtigkeit.
Aus dem Grund wäre es für den gesamten Wandaufbau auch besser, wenn ihr auf die Innenseite der Fachwerkwand einen Lehmputz vollflächig aufzieht, bevor ihr die Holzflexmatten davor baut. Diese Lehmschicht kann den Balken dann auch von hinten, wo die Tauwasserzone liegt, die Feuchtigkeit entziehen und in der Fläche (Ausfachung) verteilen.

Gruß,
KH



Guter Hinweis


Guter Hinweis

Lehmputz ist hinzugefügt, guter Hinweis.
Die Gefache sind aktuell aus Bims-Steinen, Zementputz und allem was so da war ausgemauert daher werden diese neu ausgemauert.



Re: daher werden diese neu ausgemauert



Wenn ihr sowieso alle Gefache neu ausmauern wollt kannst du ja den Ubakus mit den neuen Materialien füttern. Zum Ausmauern von Sichtfachwerk sind im Ubakus z. B. die dazu zugelassenen Lehmsteine von Claytec mit 800 und 1200 kg/m³ hinterlegt. Falls du andere Lehmsteine eintragen willst, achte darauf dass sie der Anwendungsklasse 1A entsprechen. Die übrigen Daten musst du dir dann halt auf den Hersteller-websites holen und kannst sie im Ubakus selbst anlegen.

Gruß,
KH



2 Anmerkungen



Sorry wenn ich es nicht unterlassen kann meinen Senf hinzuzugeben.
Ubakus ist ein gutes Berechnungsprogramm, dass auf der Basis des Glaserverfahrens ein Bauteilquerschnitt berechnet. Nicht mehr und nicht weniger. Dafür ist es sehr gut geeignet.
Zur Beurteilung einer Gesamtsituation und zur Lösung der Anschlußbereiche sowie zum Diffusionsverhalten innerhalb kapillarer und diffusionsaktiver Baustoffe, ist es nur bedingt geeignet. Das sage nicht ich, sondern Herr Plag selber und verweist dazu auch auf die Hinweise und Hilfen auf der Seite.
In der Regel wird heute dazu geraten Fachwerk durchgehend bauphysikalisch diffusionsoffen innen zu dämmen, um in das Fachwerkgefüge eindringende Feuchtigkeit (an Wärmebrücken oder mangelhaft ausgeführten Durchgängen) wieder gut abzuführen.
Wenn ich, wie hier angedacht eine KS-Wand innen vor das FW stelle, funktioniert das nach Glaser so vermeintlich gut, weil der KS wie eine Dampfbremse wirkt. Das erzeugt aber auch die Probleme einer Dampfbremse in dem Systrem. Die Anschlüsse und Durchgänge der Balken müssen genauso diffusionsdicht ausgeführt werden. Diese Anschlüsse müssen auch die Bewegung und das Quellen und Schwinden des Holzes diffusionsdicht mitmachen. Des Weiteren habe ich keine Reserve, bei von außen eindringenden Feuchtigkeiten diese nach innen abdunsten zu lassen.

Der Statiker, der die Statik des Fachwerkhauses in weiten Teilen neu auf ein Mauerwerk auflasten will, weiß sicher was er tut. Ich halte die umfassen statische Berechnung und die Fehlermöglichkeiten dieses Systems (insbesondere der Aussteifung und erstellen des Verbundes zu Innenwänden) für deutlich aufwendiger als einfach weiter Vertrauen in den Bestand alter Fachwerkhäuser und deren Statik zu legen.

Um es auf den Punkt zu bringen. Ich rate von dieser Konstruktion dringend ab auch wenn sie vermeintlich bei Ubakus funktioniert.
Alles Gute für ihr Haus - M.Mattonet, Ingenieurbüro Bergisches Land.



Re: 2 Anmerkungen



Herr Mattonet, ich mag guten Senf, bitte mehr davon... ;-)
Sie haben Recht was den Ubakus-Rechner, bzw. das Glaserverfahren betrifft. Ich weiß dass das Verfahren nicht wirklich gut mit Feuchtigkeit umgehen kann. Vor allem was die kapillaren Eigenschaften der zu berechnenden Materialien und äußere Einwirkungen angeht. Ich kann zwar die Berechnungen nicht selbst rechnen, aber zwei Energieberater, mit denen ich zusammenarbeite, rechneten mir schon mehrfach mit ihren Programmen Ubakus-Ergebnisse gegen. Jedes mal waren die Ergebnisse der Profi-Tools besser als die vom Ubakus. Von daher denke ich, wenn Ubakus gute Werte ausgibt, ist man zumindest auf der sicheren Seite. Auch wenn das Ergebnis nicht optimal ist.
Und da die Feuchtebelastung, resp. Rücktrocknungsdauer lt. dem Ubakus-Ergebnis ja wirklich weit weg von gefährlichen Mengen und Zeiten ist, denke ich, dass man die Innenschale so bauen kann, ohne das Holz zu gefährden. Zumal es nach der letzten Planung/Berechnung (siehe 3. Ubakus-Ausdruck in "Guter Hinweis") von drei Seiten von Lehm umschlossen ist.
Den Grund, warum der Statiker des Fragestellers eine so massive Wand hinter das Fachwerk stellen will, kennen wir nicht. Das Argument "So würden die tragenden Wände innenseitig durchgehen und der neue Dachstuhl gleichmässig aufliegen." ist für mich auch erst mal kein stichhaltiges. Dazu müssten mehr Details her. Ich sehe es genauso wie Sie, warum sollte das Fachwerk plötzlich nicht mehr tragen? Einen Dachstuhl kann man auch auf einem Fw "gleichmässig auflegen". Um in meinem Beitrag eine Diskussion nicht in diese Richtung zu eröffnen nahm ich es einfach als gegeben hin.
Nichtsdestotrotz gebe ich Ihnen recht mit Ihren Bedenken zu "offenen" Anschlüssen/Durchgängen und der schlechteren Kapillarität, sprich Trocknung Richtung innen. Diese Probleme/Nachteile hat man aber bei anderen Vorsatzschalen auch (auch bei ansonsten sehr diffusionsoffenen Bauweisen sollte man die Anschlüsse zu Holzbauteilen "dauerelastisch" abdichten).
An die von Ihnen aufgezeigten Bedenken bezügl. der unterschiedlichen Steifigkeit oder Elastizität der beiden Wandarten habe ich nicht gedacht. Sie haben Recht, das kann im Laufe der Zeit zu anderen Problemen führen.

@Phil
Wenn ihr sowieso "das große Rad drehen" wollt, solltet ihr euch einen vorlageberechtigten Energieberater ins Boot holen, der euch die Subventionsmöglichkeiten (Bafa, KfW ist ja momentan nicht) erläutert und dabei behilflich ist. Bei der Gelegenheit kann er auch die Ubakus-Berechnungen genauer und umfassender machen.

Gruß,
KH




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