Kalkmörtel




Guten Abend,
eine Frage, für eine kleine Mauer (Hühnerhaus) habe ich Lehmsteine und würde gerne mit reinem Kalkmörtel mauern. Ist das statisch möglich? Höhe ist ca. 180cm, Breite ca.180cm abzgl. 60cm Tür. Also zwei Mauerstreifen mit nem Sturz für die Tür. Alles Gewicht das aufliegt ist also das Eigengewicht (einmal ca. 30cm), einmal ca. 80cm sowie ein Balken oben als Abschluss.
Ist es möglich das mit reinem Kalkmörtel zu mauern oder muss ich auch Zement verwenden (den würde ich wenn möglich gerne weglassen).
Danke schonmal für Eure Antworten!
Grüße
Ugo



Lehmsteine Mauermörtel



Hallo Ugo!

Kalk und Zement brauchst Du dafür nicht, nimm einfach Lehm. Wenn Du keinen Lehm da hast kannst Du auch ein paar Steine einsumpfen.

Viele Grüße

Lehmbauer Marc



Vorrat



Hallo Marc,
danke für Deine rasche Antwort. Lehm hatte ich auch schon gedacht, den müsste ich aber erst besorgen, ein paar Säcke Kalkhydrat liegen hingegen noch hier.

Viel Zeit ist auch nicht, muss vor dem Winter passieren, idealerweise zum Wochenende hin, da das Wetter ziemlich gut sein soll.

Die Lehmsteine muss ich eh gut wässern vor dem Vermauern, oder?
Grüße
Ugo



Lehmsteine Mauermörtel



Hallo :-)

"Die Lehmsteine muss ich eh gut wässern vor dem Vermauern, oder?"
Nein nicht gut wässern. Einmal grob abkehren und dann höchstens mit einem Sprühnebel anfeuchten oder einmal kurz in einen Wassereimer halten, das reicht.

Mir käme nie in den Sinn, Lehmsteine mit Kalk zu vermauern. Aber ehrlich gesagt fehlen mir da auch die Erfahrungswerte. Wie gesagt, wenn Du genug Lehmsteine hast, dann mach aus den Steinen deinen Mauermörtel.

Viele Grüße

Lehmbauer Marc



Menge



Danke Dir für Deine Ausführungen. Das mit dem in den Eimer tauchen hatte ich gemeint, bzw. hatte ich das so schon mal gelesen.

Naja, genug ist relativ, denke sie werden gerade reichen. Wie wäre der Lehmmörtel zu machen und wie lange dauert es, die Steine soweit aufzulösen, dass man sie als Mörtelmasse verwenden kann. Wasser ist da ja dann schon viel drin.



Mauermörtel aus Lehmsteinen



"Naja, genug ist relativ, denke sie werden gerade reichen."
Wenn die Steine zum Mauern gerade so reichen bleibt doch nicht mehr viel für den Mörtel übrig?! ... da gehen schon ein paar Steine drauf (und mit "paar" meine ich nicht nur zwei)! Bevor dir deine Steine ausgehen hol dir vielleicht doch lieber noch Lehm-Mauermörtel. :-)

"wie lange dauert es, die Steine soweit aufzulösen, dass man sie als Mörtelmasse verwenden kann"
Das hängt stark von der Zusammensetzung der Lehmsteine ab. Wenn Du mechanisch nachhilfst geht das relativ schnell: ab und zu mit dem Spaten in der Bütte rumstochern verringert die Zeit erheblich.

Frohes mauern! :-)

Lehmbauer Marc



Mal ne ganz andere Frage:



Hattet Ihr schonmal Hühner? Ich schon, und ich denke dass Lehmsteine für nen Hühnerstall nicht die beste Wahl sind.

So ein Hühnerstall muss regelmäßig sauber gemacht werden, da kommt bei uns auch einmal im Jahr der Hochdruckreiniger zum Einsatz. Das ist bei einer Lehmwand wohl ausgeschlossen.
Zumindest unsere Hühner nehmen das mit der Hygiene auch nicht so genau und schei… schon mal an die Wand wenn sie auf der Stange davor sitzen. Das würde bestimmt ein schönes Muster auf der Lehmwand geben.
Ich will´s Euch nicht ausreden, aber Lehm für einen Hühnerstall halte ich für suboptimal.

Grüße





Wegen der Hygiene würde man doch aber die Oberflächen mit Kalk streichen, das hat sich Jahrhunderte selbst im Schweinestall bewährt. Mindestens jährlich wird dann mechanisch vom Schmutz entfernt, abgewaschen und neuerlich mit Kalk renoviert.

Auch Holz wird angestrichen. Der Kalk wird dazu einfach mit fettarmer Milch verdünnt.





Bezüglich der Gewinnung von Lehmmörtel, kannst du mal über "Kleinanzeigen" prüfen ob in deiner Gegend nicht jemand noch Lehmsteine aus dem trockenen sauberen Rückbau verschenkt.

Auf Einer Baustelle war das mal so. Da haben wir gut 500 Kg Material bekommen. Das trägt ja au dem Recyclinggedanken Rechnung.

10 Steine ergeben dann etwa 17 Liter Mörtel und entspricht damit etwa einem 30 kg (Trocken-) Gebinde. Es war gang und gebe auf Baustellen den (Lehm-) Ziegelbruch zum Mauermörtel zu verwenden.

(Steine mit Hammer grob zerkleinern und mit einem knappen halben Liter Wasser pro Stein, ein paar Tage im Mörtelbottich "mauken" lassen.)



Sicher...



.. ist das richtig, dass auch in Ställen lange Zeit Lehm verwendet wurde.
Genauso sicher ist es aber auch, dass bestimmte Materialien dort nicht mehr verwendet werden, seit andere Materialien in ausreichender Menge zu bezahlbaren Preisen zur Verfügung stehen! Und dazu gehört ganz sicher Lehmbau im Stall!
"Mechanisch entfernen und ABWASCHEN" bei einer Lehmverputzten Wand ist (und ich weiß wovon ich rede) ist auf Dauer m.E. nicht optimal.
Man kann das sicher machen, sinnvoll scheint es mir nicht.
Wir sind auch über Jahrhunderte mit dem Pferdefuhrwerk in die nächste Stadt gefahren, heute nimmt man halt die Tram oder das Auto ;-)

Grüße & gutes gelingen



Handelt es sich um eine Fachwerkwand?



...oder um eine freistehende!
Sollte zweiteres sein, würde ich eher auf die Lehmsteine verzichten und einen normalen Ziegel wählen.
Diesen kannst du dann mit deinem Klakmörtel vermauern und die Wände nachher gleich noch damit streichen.
Desinfizierend wirkt das dann.

Alles andere erscheint mir zu risikovoll!



Antworten



Danke erneut für Eure Antworten! Nun aber der Reihe nach:

@Marc:
Ok, wenns soviel braucht, dann wirds schonmal kein Lehmmörtel aus Steinen, dann nehm ich den Kalk.
Gibt es außer der Tatsache, dass Du auf Lehm stehst (das ist keineswegs abfällig gemeint, ich steh so gesehen ja auch drauf, sonst würd ich andere Materialien nehmen) Gründe, warum Lehm Kalk in dem Fall vorzuziehen wäre? Es verbindet sich vermutlich besser, ist aber wohl auch nicht so haltbar/hart wie Kalk, oder? Also hast Du irgendwelche objektiven Gründe, warum man Lehm bei Lehmsteinen vorziehen sollte? Würde es gerne verstehen und lerne ja auch nie aus.

@Michael:
Problem ist natürlich bekannt, aber ich lass die Steine ja nicht nackt. Würde sie mit Kalk Verputzen und anschließend ne fette Kalkmilch drauf, wie man das halt seit Jahrhunderten schon macht. Das sollte dann einem Dampfstrahler auch widerstehen können und selbst wenn die Hälfte der Kalkmilch wieder abblättern sollte, kommt ja dann sowieso in dem Zuge ne neue Schicht drauf/drüber.

@Mario:
1) Meine Rede. :-)
2) Danke für die Zahlen, damit kann ich grob was anfangen. Das mit dem Recycling ist absolut richtig, aber ich kann den Sinn (bzw. objektive Gründe/Argumente) noch nicht erkennen, warum es unbedingt Lehm sein sollte.
Wenn also mich jemand fragt, warum Kalk und nicht Lehm, dann frag ich warum Lehm und nicht Kalk? Hätte einfach gerne ein paar Erfahrungswerte oder objektive Argumente die für das eine oder andere sprechen.

@Michael:
Ja, wenn das Jahrhunderte gut geklappt zu haben scheint, warum sollte ich dann was anderes nehmen? Früher hat man halt genommen was da war und in dem Fall hätte ich das da.
Ob es besser ist, dass heute jede Mami dreimal am Tag mit ihrem Auto in die Stadt fährt um Kinder abzuliefern/abzuholen und einzukaufen lasse ich dahingestellt. Da lieber wie früher einmal die Woche mit dem Fuhrwerk auf den Markt.
Die Frage, die sich mir stellt, weil ich es gerne verstehen/nachvollziehen können würde, WARUM sollten Lehmsteine nicht gut sein? Ich kann es auch aus Deinen Antworten nicht wirklich rauslesen. Man nimmt es nicht mehr, weils es (laut wem?) Besseres gibt heutzutage. Ok, besseres ist relativ. Derjenige, der Styropor verkauft wird sicher auch sagen, dass das für mein Haus besser sei als nix.
Du schreibst ja, dass Du weißt wovon Du sprichst. Es wäre sehr nett, wenn Du es bitte mal konkret machst, warum das schlechter sein soll als xy. Bleibt ja wie gesagt nicht nackt die Wand.
Dass heute andere Baustoffe verwendet werden ist natürlich klar, aber ich glaube auch, das liegt vermutlich daran, dass es streng genommen kaum noch Bauern gibt, sondern nur noch Landwirte, die sich 1000e m² große Hallen hinstellen.

@Udo:
Eine Fachwerkwand ist es nicht, da würde ich es wohl dann aber auch "richtig" machen mit historischem Aufbau.

Das sollte ich vielleicht noch erwähnen. Außen ist eine Schuppenwand, auf der anderen Seite ein Ecke eines gemauerten Häuschens, Boden ist Beton. Letztlich ist es nur die Verbindung von dem Eck zur Schuppenwand. Habe gerade nocmal gemessen, hoch ca. 180cm, Breite 145cm, davon 60cm Tür. also ca. 30 und 55cm Wand, 180cm hoch.

Hätte wahlweise auch noch (weiß aber nicht ob die genügen) so Betonporensteine/Bimssteine (?) so in Ziegelgröße ca.

Bitte versteht mich nicht falsch, will niemanden angreifen oder nerven, aber ich hätte einfach gerne objektivierbare Argumente dafür/dagegen oder Erfahrungswerte. Dass man bestimmte Dinge heute anders baut als damals ist schon richtig, aber ich sags mal so, Fachwerkhäuser stehen nach 100en von Jahren noch, ob wir das in 100 Jahren von den Häusern von heute behaupten können weiß ich nicht.
Meinungen sind an sich ja nett, aber mir wären Erfahrungsberichte oder Argumente ganz recht. Sonst bleibt mir nix anderes übrig als "Versuch macht kluch", aber dafür gibts ja solche Foren, dass man sich den ein oder anderen Fehler vielleicht sparen kann und gegenseitig vom Wissen aller profitiert. In diesem Sinne, Feuer frei und ein schönes Wochenende Euch!



Ein aufgebrachter Kalkputz...



… wird sich kaum lückenlos aufbringen lassen, erst recht nicht, wenn die Wand Teil eines Material-Konglomerats wird. Spätestens die Fugen zu den umliegenden Bauteilen lassen sich kaum sinnvoll abdichten. Bei einer Reinigung mit dem Hochdruckreiniger wird genau an diesen Stellen Wasser eindringen, die Lehmsteine saugen sich voll und verlieren Ihre Festigkeit. So wie ich mir Dein Vorhaben vorstelle, steht der Mauerfuß auf einer Betonplatte und dort wird sich die Wand wohl bei einer Naßreinigung auch vollsaugen können.
Backsteine saugen sich auch voll, klar, aber verlieren deshalb weder Ihre Festigkeit, noch lassen sie den zuvor aufgebrachten Putz los.

Wir haben im Wohnhaus sehr viel mit Lehm gearbeitet und sind da auch sehr zufrieden, im Hühnerstall wollte ich persönlich nicht auf die Hochdruckreiniger Option verzichten wollen. Im Haus lassen sich Verschmutzungen auch mit einem nassen Lappen beseitigen, aber selbst da muss man, verglichen mit hydraulisch abbindenden Putzen, Vorsicht walten lassen, auch mit Kaseingrundierung.

Ich persönlich würde beim betreffenden Projekt "im System" bleiben, d.h. die zu erstellende Wand genauso oder ähnlich wie die umliegenden Wände bauen, ob´s nun Holzständer/Schuppen-Bauweise oder Ziegelwand ist.

Grüße & schönes Wochenende