Kalkfarbe auf KS-Wände im Keller streichen, Farbe blättert wieder ab

27.12.2021 Flyer01

Kalkfarbe auf KS-Wände im Keller streichen, Farbe blättert wieder ab

Hallo zusammen,
wir sanieren derzeit eine DHH und sind gerade dabei, den Keller wieder hübsch zu machen. Allerdings kosten die Wände ganz schön Nerven.
Die Wände bestehen aus KS und sind ein bis zweimal in Ihrem Leben weiß gestrichen worden. Mit was, weiß ich nicht, ich vermute aber mit Kalkfarbe. Der Zustand der Wände ist total inhomogen und wechselt fast mit jedem Stein. Mal blättert die alte Farbe fast von alleine ab, mal sitzt sie bombenfest. Dort, wo ich die Farbe entfernt wurde, bleibt ein kreidender KS zurück.
Nun möchten wir im Keller bei Kalkfarbe bleiben und haben den ersten Eimer Streichkalk von Baumit verarbeitet. Mal unverdünnt, mal stark verdünnt als "Kalkmilch" als Grundierung. Nach einem Tag war das Ergebnis auch ganz ok, zwei bis drei Durchgänge waren meist erforderlich. Die Überraschung kam immer erst einige Tage später: 2/3 der Farbefläche ist gerissen und hat keinen Verbund mehr zum Untergrund. Ich glaube auf den Fotos kann man den Zustand ganz gut erkennen.
Es liegt nahe, dass der Untergrund ganz ohne Vorbehandlung scheinbar nicht geeignet ist, für die Kalkfarbe. Eine Testwand habe ich nun mit handelsüblicher Grundlierung LF gestrichen und nach dem Durchtrocknen mit Kalkfarbe gestrichen. Hier sind bislang keine Risse entstanden.
Bevor ich nun 100 m² Wand grundiere und streiche: Könnt Ihr mir bitte sagen, ob mein Vorgehen nun so korrekt ist und ob meine Probleme einfach nur mit dem kreidenenden Untergrund zu tun hatten?

Vielen Dank!

Gruß Christian



weitere


weitere

Bilder



und


und

nochmal....



Steht auf dem Eimer...



Streichkalk oder Sumpfkalk?



Es handelt sich um den...



Streichkalk von Baufan



Auf verputzen...



Wandflächen funktioniert das Produkt dagegen hervorragend. Hier blieb der Anstrich auch über Tage Feucht. Die KS Wände waren innerhalb von Minuten trocken, was für Kalk ja auch nicht gerade förderlich ist. Aber selbst ein Feuchthalten mit der Blumenspritze brachte keinen Erfolg. Ich denke, es liegt rein an der Haftung zum Untergrund, bzw. an dem Altanstrich ansich.



Mehrere Faktoren



Meiner Meinung nach sind da mehrere Fehler/Probleme aufgetreten.
So wie es auf den Bilder aussieht wurde die Farbe zu dick gestrichen, bei "zwei bis drei Durchgängen" dürften die abgeblätterten Schichten nicht so dick sein.
Zum Zweiten, KS-Steine saugen wie die Hölle, was zur Folge hat, dass die Farbe wahrscheinlich auch noch aufgebrannt ist ("Dort, wo ich die Farbe entfernt wurde, bleibt ein kreidender KS zurück") und dadurch keine richtige Haftung am Untergrund bekommen hat.
Zum Dritten sind KS-Steine extrem glatt, deshalb blätterts auch nur (oder hauptsächlich?) auf denen ab, auf dem etwas raueren Putz aber nicht, da sich die Schicht dort besser verkrallen kann. (ein Kratztest zeigt wie fest die Farbschicht sitzt)

Ich vermute, die Farbe hält in dem Fall überhaupt nur weil auch "Cellulosederivat, Additive" (Zitat aus dem techn. Datenblatt) drinne sind....was immer damit gemeint ist....."Cellulosederivat" ist höchstwahrscheinlich ein "Kleber", kann z. B. Methylcellulose, sprich Tapetenkleister sein....damit jeder Laie damit umgehen kann.....können sollte..... sorry für den Seitenhieb, der musst gerade mal sein ;-)

Reine Kalkfarben werden i. d. R. so dünnflüssig eingestellt und gestrichen, dass man nach dem ersten Anstrich erst etwas sieht, wenn der Anstrich völlig getrocknet ist. Erst recht wenn der Untergrund sowieso schon mehr oder weniger weiß ist. Anders gesagt, sieht man schon werden dem Streichen einen Farbunterschied, ist der Auftrag zu dick. Was zur Folge hat, dass der Anstrich kreidet oder sogar abblättert.
Und, nicht umsonst streicht man Kalkfarben am besten "frescal". Eben weil der Anstrich sonst recht schnell aufbrennt.
In dem Fall heißt das, die KS-Steine (nach der Reinigung) mehrfach und intensiv "fluten", damit sie so mit Wasser gesättigt sind, dass sie und die Farbe möglichst lange feucht bleiben, damit der Kalk Zeit zum Carbonatisieren hat.

Gruß,
KH



@ K.H., Brächte...



...in diesem Falle auch eine Silikatgrundierung eine Verbesserung? Fluten klingt so invasiv :-)

Die LF Grundierung des Fragestellers jedenfalls ist ungeeignet.

Bei den Altanstrichen freilich wird wohl alle Mühe vergebens sein. Auf (mutmaßlichen) Dispersionsfarben hält kein Kalk.

Grüße

Thomas



Kalkfarbe im Keller



Hallo,

hatte gestern schon den Eintrag gesehen. Inzwischen sind einige neue Antworten hinzugekommen. Befasse mich seit einiger Zeit als aktiver Altbausanierer mit dem Thema "Kalkfarbe" und gebe spontan ein paar Einschätzungen...

Die Farbe "Streichkalk von Baufan" besteht laut Sicherheitsdatenblatt aus "Kalkhydrat, Hilfsmittel und Wasser". Was immer Hilfsmittel sind? Man kann nur vermuten, Dispersionsfarbe, chemische Mittel, etc. Wenn Kalkfarbe, dann auch nur die Grundprodukte verwenden. Zum Streichen am besten Sumpfkalk, Wasser und ggf. noch ein Farbpigment (Champagner Kreide, etc.). Kalkfarbe ist an sich nicht stark "abriebfest", dies kann mit etwas Milch ggf. verbessert werden.

Würde den Untergrund bestmöglich runternehmen. Bei ggf. alter Dispersionsfarbe hält keine Kalkfarbe. Außerdem könnten die Fugen bei Bedarf etwas nachgearbeitet werden.

Hierauf ein paar Testflächen anlegen. Verschiedene Versionen der Kalkfarbe ausprobieren.

Vorher die Wand grundieren. Würde die dünnflüssige, transparente Flüssigkeit aus dem Sumpfkalk dazu verwenden. Hierauf dünnflächig mit einem Quast die Farbe auftragen. Am Tag danach nochmals. Dann schauen und ggf. eine finale dritte Schicht.

Dies als ein paar spontane Ideen, ...



Re: Silikatgrundierung



@Thomas,

ehrlich gesagt, eine Silikatgrundierung habe ich für einen Kalkanstrich noch nie ausprobiert. Wenn ich die Saugfähigkeit eines mineralischen Untergrundes reduzieren will, ihn aber nicht nur mit Wasser vornässen kann, verwende ich einfach Wasserglas. Aber als Grundierung für einen Kalkanstrich habe ich auch das noch nie benutzt. Bin da ein bischen "old style" und nässe lieber nur mit Wasser vor, wenn es nicht frescal streichen geht.
LF Grundierungen sind meines Wissens auf Acryl- oder Kunstharzbasis. Da hält reine Kalkfarbe nicht wirklich, und, richtig, auf Dispersionsfarbe erst recht nicht.

Zitat aus dem Eingangsbeitrag: "Der Zustand der Wände ist total inhomogen und wechselt fast mit jedem Stein. Mal blättert die alte Farbe fast von alleine ab, mal sitzt sie bombenfest."
Ich denke wegen dieser Aussage, die Wände sind nicht geeignet für einen Kalkanstrich. Dazu müssten alle alten Beschichtungen erst runter. Aber die bereits gestrichene LF Grundierung kriegt man nicht mehr ab. Die ist in die Steine/den Putz eingezogen.

Gruß,
KH



Also,



da inhomogen und grossteils ungeeignet als Untergrund, das größere Besteck:

Sanierfräse, und darauf ein Kalkfeinputz.

Das wäre so eine grundhafte Idee...



Gesundes Neues Jahr euch allen!



Und danke für den regen Gedankenaustausch. Den ein oder anderen, berechtigten, Seitenhieb kann ich gut verkraften ;)
Leider ist es so, dass die Kapazität in jeglicher Hinsicht bei der Komplettsanierung neben Vollzeitjob und Familie mit zwei Kindern irgendwann begrenzt ist und ich aus dem "Aufhübschen" des Kellers nicht wieder eine Wissenschaft machen wollte, wie beim Rest des Hauses... Der Baumit Streichkalk ist halt so ein Kompromiss. Die Farbe ansich soll aber gut funktionieren,wenn die Parameter passen.
Ich habe schon verschiedene Testflächen angelegt. Und auch ganz dünne Schichten, blättern nach der 2. Oder 3. Schicht ab. Ich streiche generell dünn, die Optik einer nassen Wand, die erst bei Trocknung weißer wird.
Interessant ist, dass die Farbe auf der LF Grundierung keine Probleme macht. Aber auch ich dachte schon an eine Grundierung aus Kaliwasserglas nach, statt des Acrylgrunds.
Und die Aussage, die Wände lieber abzufräsen und zu verputzen, habe ich natürlich auch befürchtet und ich weiß natürlich, dass es der einzig korrekte Weg wäre. Aber aus Zeitgründen ist das nicht drin, wir müssen irgendwann mal einziehen.
Und nun? Dispersionsfarbe bleibt erstmal wo sie ist, im Baumarkt. Ich versuche jetzt kaliwasserglas und ein noch stärkeres Vornässen. Vielleicht klappt es damit. Es hätte ja auch mal einfach sein können. Aber es reiht sich ein, in eine Serie von Pleiten, Pech und Pannen :)



Frohes Neues!



Deinem Eingangsbeitrag nach dachte ich mir schon dass eine "Komplettsanierung" der Kellerwände eher nicht in Frage kommt. Zur Zeit zumindest. Aber bevor du jetzt noch mehr Zeit und Energie womöglich umsonst investierst, wäre die Frage ob du dieses "Teilprojekt" nicht einfach nach hinten verschieben kannst, bis ihr eingezogen seit und alles Dringendere fertig ist. Denn so investierst du vielleicht umsonst. Auch wenn diese Kalkfarbe vielleicht nach ein paar weiteren Versuchen endlich hält, weißt du immer noch nicht wie lange. Ein paar Monate? Ein Jahr? Drei Jahre? Dauerhaft?
Je nachdem wie viel Feuchtigkeit in dem Keller ist, bzw. zukünftig sein wird, finden permanent chemische oder physikalische Prozesse statt, die Auswirkungen auf die Wände und deren Beschichtungen haben. (typisches Beispiel Salzausblühungen, Schimmelbildung, usw.)
Wenn es dir darum geht mineralische Farbe einzusetzen, könntest du auch Silikatfarben ausprobieren. Die sind i. d. R. sowieso "haltbarer" als Kalkfarben, aber genauso diffusionsoffen. Schau mal z. B. bei SIO-Farben oder Keim, ob da was für deinen Bedarf dabei ist. Jedenfalls haben beide Farben die auch auch schwierigere Untergründe gestrichen werden können:
https://sio-farben.com/
https://www.keim.com/de-de/
SIO hat den Vorteil, dass man anrufen und direkt mit dem Scheffe oder dem Produktentwickler reden kann.

Gruß,
KH



ja richtig...



Ihr zieht ja nicht in den Keller...

Ggf. nivelliert die Fräse auch hinreichend, so daß Ihr mit ein paar kreisbogensegmentförmigen Schleifspuren leben könnt und direkt aus's Gefräste streicht? Das Fräsen selber geht schnell.

Große Erfolge in 2022 wünscht

Thomas