Industrielle Kalkfarbe




Ich hatte ein Gespräch mit einem Freund, es ging um rollbare Sumpfkalkfarben, die man ganz bequem und gleichmässig mit einer Walze auftragen kann, es gibt teilweise auch bekannte Hersteller (K..z). Laut Inhaltsangaben, enthalten solche Farben lediglich Sumpfkalk, Marmormehl und eine kleine Menge Zellulose. Mein Freund sagt, dass es noch künstliche Inhaltsstoffe drin sind, denn komprimierte Additive müssen nicht deklariert werden.
Nun meine Frage wäre, ist es möglich, mit Sumpfkalk, Marmormehl und Zellulose eine wischfeste, rollbare Farbe herzustellen, die nicht aufbrennt und ähnliche Eigenschaften hat wie normale Dispersionsfarben (mit Hilfe von Dissolvern etc.), oder ist es unmöglich? Es sei denn, man verwendet noch irgendwelche künstliche Additive?

Hoffe jemand kann ein Licht ins Dunkle bringen.



Kalkkaseinfarbe als Alternative



Ich hab Kalkkaseinfarbe selber gemischt aus Quark, CL90, Marmormehl und Kreide. Bequem ist anders. Der Untergrund war der historische dunkelblaue Anstrich und es hat 4 Anstriche bis zum decken gebraucht. Auch konnten wir als Anfänger Wolkenbildung an manchen Wänden nicht verhindern. Einer hat mit der Rolle aufgetragen und der andere mit der Malerbürste einmassiert. Auf die Weise tropft und saut es nicht so doll.



Kalkfarbe, selber machen



Bei Kreidezeit arbeiten ehrliche Menschen, bei Naturfarben ist die Volldeklaration pflicht, wenn da "Additive" drin sind muss es drauf stehen.

https://www.brandeins.de/magazine/brand-eins-wirtschaftsmagazin/2006/kapitalismus/wie-luft

In der Tat ist die Kalkkaseinfarbe was Deckkraft und Verarbeitung anbelangt der Dispersionsfarbe am nächsten.

Hier wird Milcheiweiß (Kasein) mit Kalk zu einem waserlöslichen Leim aufgeschlossen. Mit dieser Leimlösung kannst du dann Pigmente binden. Nach dem Trocknen ist der Leim wasserunlösöich.

Für eine weiße Wandfarbe emfiehlt sich eine Mischung (Pigment und Füllstoff) von Marmormehl, Schlämmkreide, und weißer Tonerde (Kaolin).

Die Farbe muss immer täglich frisch zubereitet werden und neigt zur Thixotropie, hier hilft kräftiges Aufrühren.

Gerade deswegen ist die Verarbeitung mit dem Pinsel günstiger, da die Scherkräfte der Borsten den Anstrich gut in die Oberfläche einmassieren.

Die Sumpfkalkfarbe der Fa. Kreidezeit ist gut. Aber Rollen sollte man die auch nicht unbedingt. Zum einen wird beim Rollen die Farbe nur mehr oberflächlich abgelegt und der duch die Rollbewegung wieder aufgerissene Anstrichfilm ist nun auch kein Qualitätsmerkmal, guter Handwerkskunst.

Also das Streichen mit Pinsel oder Quast, im Kreuzgang, sollt das Mittel der Wahl sein. Ich verwende gerne größere Flächenstreicher.

Wenn du die Kalkfarbe wie aus der Kreidezeit selber machen willst rate ich die dazu einen Kübel Sumpfkalk zu kaufen. Empfehelnswert ist die handwerkliche Qualität der Fa. Holzkalkbrennerei Körndl.

Die bieten einen holzgebrannten Marmorsumpfkalk an.

Da nimmst du einen 11 Liter Kübel das sind ca. 15 kg (1 Liter / 1,34 kg).

Auch besorgst du dir eine Methylcellullose, da kannst du ein Päckchen Farbenleim Glutolin L oder (im Baumarkt wohl eher zu bekommen) Methylan, normal kaufen.

Nur Methylcellullose ist in Kalk beständig. Auch auf "normal" achten andere Leime sind mit möglicherweise Kunstharzen verstärkt.

Dann rührst du eine Packung Leim (125 g) in 3 Liter Wasser an.

Ebenfalls sumpst du 5 kg Marmormehl (0,03 mm, 30 my) in 3 Litern Wasser ein.

Beides rührst du dan in den Kalkteig (15 kg) ein und verdünnst dann auf Streichkonsitenz mit 4 Litern Wasser.

Fertig.

Solche Glutolinleimkalkfarben sollten nur für Innenanstriche verwendet werden.



Kalkkaseinfarbe


Kalkkaseinfarbe

Ich vrwende selbstgemischte Farbe in meinem Keller. Ich nehme nur CL 90, Magerquark und Wasser Die Farbe deckt spätestens beim zweiten mal wenn die Konsistenz stimmt, der Farbton hat einen leichten Stich ins gelbliche. Das stört mich nicht und wenn kann man das mit ein bisschen blauer Abtönpaste korrigieren. Konsistenz und Mischungsverhältnis muß man durch Probieren optimieren, beim Auftragen aufpassen damit keine Nasen laufen.
Zum Auftragen nehme ich eine Bürste.



Additive



Also wie es scheint, sind die Inhaltsangaben doch korrekt. Danke für diese professionelle Rückmeldung.



Kalk Einsumpfdauer



Was ist die Mindesteinsumpfdauer von Kalk, um durchwegs brauchbar zu sein?
Für Farben mit Marmormehl und Cellulose spielt das wahrscheinlich keine Rolle, da der Kalk nicht carbonatisiert, sondern der Leim übernimmt hier diese Aufgabe?



Lagerfrist



Der Leim ist nur Zusatzbindemittel und soll helfen das die füllstoffreiche Farbe ohne zu kreiden auftrocknet. Dadurch erreicht man aber in aller Regel nach zwei Anstrichen die volle Deckung. Der Kalk für die Farbenherstellung wird im Disolver dispergiert und entfalltet so hohe Haftkraft, das er selbst auf matten Dispersionsfarben hält.
Für den Hausgebrauch muss man sich da mit etwas weniger zufrieden geben.

Der frisch gelöschte Kalkteig ist im Prinzip nach 24 Stunden Rast verwendbar.

Angeboten wird Mauerkalk nach drei monatiger Lagerzeit.

Für einfache Anstriche würde so ab sechs monatigiger Lagerzeit verwenden können.

Die Holzkalkbrennerei liefert Kalk mit 24 Monaten Lagerzeit aus, der dürfte für die meisten Anwendungen gut geeignet sein.



Stückkalk, Qualität



Ist Stück-kalk mit Calciumgehalt von 70-75% zum einsumpfen noch brauchbar? Oder ist das eine minderwertige Qualität?



Kalkqualität



Probiere es doch aus. Früher schon hat man die Kalke nach ihrer Volumenzunahme beim Löschvorgang bewertet. Der "fette" Kalk hat sein Volumen mindestens verdoppelt.

Ich glaube damals wurde das gebrannte Gestein nach dem Gehalt an Kalk und Verunreinigung klassifiziert.

Lösche doch den Kalk in einer Wanne zunächst mit etwa 2 Litern Wasser pro Kilogramm Branntkalk.

Dann rührst du die Kalkmasse unter zugabe von weiteren Wasser zu einer Kalkmilch, diese läst du über ein feinmaschiges Sieb in den Lagerbehälter laufen.

Da wird schon "taubes" Mineral abgetrennt, dass geht nur mit stückigen Kalk, sonst ist ja alles schon fein gemahlen. In der Kalkgrube setzten sich dann weitere Verunreinigungen ab, da sie ein spezifisch höheres Gewicht haben.

Der obere Teil müsste bei der Lagerung einen besonders reinen und ergiebigen Kalkteig ergeben.

Am besten du erkundigst dich beim Kalkhändler vor Ort wie das traditionell gehandhabt wurde. Es wurde ja Überall mit Kalk gemalt auch dort wo keine besonders reinen Jura-, Marmor- oder Muschelkalkvorkommen waren.

Vielleicht betreibt ja jemand noch ein Kalklager, wo du für deine Farbenproduktion was abgreifen kannst.