Muss immer eine Horizontalsperre eingebaut werden?




Ich möchte einen Kellerraum in meinem 70 Jahre alten Haus regelmäßig als Hobbyraum und Fitnessraum nutzen. Da ich die Terassenfläche vor dem Gebäude sowieso neu pflasten möchte und der besagte Kellerraum von innen zumindest einige Spuren von Kondenswasser hat (abgeplatzter Gipsputz) habe ich die Mauern dieses Raums bis auf knapp unterhalb einer bestehenden Drainage (Tonrohre) freigelegt (auch zur Kontrolle der Standleitung fürs Regenwasser). Die Kellerwände wurden aus s. g. Stampfbeton errichtet.
Ich habe einige Drainagerohre entfernt und festgestell, dass dort eine Bitumenpappe am Mauerwerk erkennbar ist.
Bin mir aber unsicher, ob die Pappe nur zum Schutz vor dem in der Drainageleitung abgeleiteten Wasser ist oder ob es sich um eine Horizontalsperre handelt.
weiss jemand ob Ende der 30-er Jahre schon Horizontalsperren eingebaut wurden?
Noch eine Frage: Für den Fall, dass es keine Horizontalsperre ist und ich die Kellerwand von außen mit Btumenanstrich abdichte und isoliere, führt das zu einer stärkeren Bildung von aufsteigendem Wasser in der Wand?

Es gibt kein Problem mit drückendem Wasser, da der Grundwasserspiegel über 3 mtr. unter Bodenniveau ist.

Für hilfreiche Infos schon mal vielen Dank.

Josef





Hallo Josef,

stell doch mal ein paar Bilder ein, dann lässt sich das besser beurteilen was Du da hast. Meine beiden Häuser (1905 und 1938) besitzen z. B. beide eine zweilagige Horizontalsperre.
Aus Deiner Schilderung wird mir aber nicht ganz klar, ob Du tatsächlich eine Horizontalsperre meinst, oder aber Bahnen/Anstrich an der Kellerwand selbst. Wenn ja, auch dieses hat es damals bereits gegeben.

Eine Abdichtung der Kellerwand mit einem Bitumenanstrich wird nicht zu aufsteigender Feuchtigkeit führen, da es diese genau genommen gar nicht gibt. Eine Äußere Abdichtung wird die Erdfeuchte ggf. draußen halten, kondensatbedingte Feuchtigkeit (falls vorhanden) wird es nach wie vor geben.


Gruß aus Wiesbaden,

Christoph Kornmayer



Hallo Christoph



ich habe mal ein paar Fotos von der besagten Stelle mit der Pappe und dem Drainrohr gemacht.
Die Pappe verschwindet, wenn man die Oberkannte des Keller- fußbodens nach außen überträgt ca. 15 cm unterhalb.Ebenfalls ist die Drainleitung irgendwie halb ins Mauerwerk eingbettet (?!). Jedenfalls befindet sich unterhalb noch ein Fundament (auch auf Foto erkennbar). An der Kellerwand ist kein Bitumenanstrich oder ähnliches. Lediglich von der ange- sprochene Pappe hoffe ich, dass es sich um eine bereits damals eingebaute Horizontalsperre handelt und ich somit garnicht mehr lange überlegen und entscheiden muss, ob der nachträgliche Einbau erforderlich ist. Wie gesagt, die Wand scheint, abgesehen von den beschriebenen Schäden, auch trocken zu sein. Vielleicht muss ich doch von innen mal den Kellerboden an der Außenwand ca. 15 cm tief aufstemmen um zu kontrollieren, ob die vermeindliche Horizontalsperre tatsächlich existiert. Andernfalls stellt sich wieder die Frage: Was tun? Horizontalsperre nachträglich einbauen, ja oder nein? Zu Deiner Aussage, dass es keine aufsteigende Feuchtigkeit gibt: Ist es denn nicht irgendwie so, dass durch das Verhältnis von Raumfeuchte/Raumtemparatur speziell zu der von außen wirkenden Bodenfeuchtigkeit diese ins Mauerwerk eindringt/steigt und dann ggf. nur noch im Rauminneren einen Ausweg findet (nach Bitumenbeschichtung?
Gruß aus dem Rheinland
Josef

ich hoffe, dass mit dem Bild hat funktioniert.





noch ein Foto



letztes Foto



irgendwie kriege ich das nicht hin, dass alle fotos in einem Beitrag zu sehen sind.

Jedenfalls das Schwarze ist die unbeschägigte, wenn auch schmutzige Pappe.
Rechts neben undleicht unterhalb des Drainrohres sieht man hell Punkt. Da ist das angesprochend Fundament.

Gruß

Josef



steter Tropfen



Hallo Josef,

dass dieses Tonrohr ein Drainrohr ist, kann ich mir irgendwie gar nicht richtig vorstellen. Aber – wie auch immer - es ist wohl trocken und wird nicht mehr benutzt. Bei einem aktiven Drain- oder Abflussrohr hättest Du ja irgendwie Feuchtigkeit feststellen müssen.

Die Pappe sieht nicht aus als würde sie um das Rohr herum liegen, sondern zwischen Betonfundament und dem darüber liegenden Bauteil. Je nachdem was dahinter liegt also schon eine Horizontalsperre. Auf jeden Fall sollte diese von außen betrachtet etwa 30 cm über dem Boden liegen.

Keller, naß => trocken: Vor irgendwelchen Maßnahmen sollte jeder der solch umfassende Arbeiten in Angriff nehmen will sich genau überlegen wie der Kellerbereich in Zukunft genutzt werden soll und ob dies dem den Hauses entsprechenden Möglichkeiten entgegenkommt.

Der nachträgliche Einbau von Horizontalsperren (Bleche, Matten, Injektion, u.v.m) ist zwar ein lohnendes Geschäft, aber ob das wirklich was bringt, kann man nicht einfach pauschal sagen. Dem Gedanken der Horizontalsperre geht die Vorstellung der aufsteigenden Feuchtigkeit voran, die man sich ja als "kapillar-wirkend" vorstellen kann.

- Beispiel: Neubau: kapillarbrechende Schicht (Split, Kies) verhindert das Erdfeuchte in die darüber liegenden Bauteile steigt. Also knapp gesagt "großes Korn" unter "dichterem" Bauteil, das kapillar aktiv werden kann => keine aufsteigende Feuchte

- Analogie zum Mauerwerk: Ziegel als "dichteres" kapillar wirkendes Material steht der "grobkörnigeren" Mauerfuge entgegen, die weitaus weniger Feuchtigkeit kapillar fördern kann als der Stein selbst. Spätestens nach dem zweiten, dritten Stein ist dann Schluss. Ein gutes Beispiel ist hier vielleicht die Hamburger Speicherstadt, die ja ein wahrer Schimmel- und Schwamm-Moloch sein müsste. Aber: Außer wenn Schiffe durch die Kanäle fahren ist da sogut wie nix mit aufsteigender Feuchtigkeit zu sehen. Ebenso: holländische Grachten, Passau, Regensburg ...)

Apropos Regensburg. Regen bringt Segen, sagt man. Üblicherweise steht bei älteren Häusern der Sockel/die Kellerwand aus statischen Gründen weiter hervor als die übrigen Wände. Regenwasser trifft dort auf und die Wand herunterlaufendes mach dort ebenso mal eine Pause. Spritzwasser und Regen sind die eigentlichen "Durchfeuchter" in diesen Bereichen – nicht aufsteigende Feuchte – nicht zuletzt sind auch hier die Horizontalsperren untergebracht.

Du schreibst "die Wand ist eigentlich trocken". So riesig wird dann der Handlungsbedarf ja nicht sein. Das einzige was in Deinem Keller anfallen dürfte ist Kondensfeuchte: also feuchte Luft trifft auf kühlere Wandfläche => Niederschlag! Eine Beschichtung des Mauerwerkes von Außen bringt da zwar etwas weniger Erdfeuchte, jedoch noch keine Temperierung der Wand.

Da gibt es nun verschiedene Möglichkeiten, von denen ich Dir aber aus der Ferne nicht wirklich die für Dich zutreffende empfehlen möchte, das wäre nicht wirklich seriös.

- "Hüllflächentemperierung" also Heizen in verschiedenen Facetten. Heizkörper, Heizleisten, Wandheizung, wie auch immer, es geht hier mehr um das Prinzip denn um eine Art besonders zu empfehlen.

– "Außendämmung" also Aufgraben, Dickschicht, Dämmung und das ganze Programm. Das hilft nun wohl den Wänden nicht gegen das Erdreich hin auszukühlen, aber ohne einer Kombination mit einer Heizung, die dauerhaft dafür sorgt den Taupunkt auf der Wandoberfläche ausreichend hoch zu halten ist das auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Wobei bei dieser Variante die Heizleistung recht gering sein dürfte. Eine weitere Spielart mit Belüftung wird hier gerade im Forum 87784 besprochen.

- "Innendämmung" nenne ich das mal frevelhaft. Zusammengefasst ein Abdichten der Hüllflächen von Innen her schafft ein dauerhaft gesättigtes Mauerwerk, Da findet dann kein großer Austausch der Feuchtigkeit mehr statt und die neuen Wandflächen sind natürlich warm genug, sodass kein Tauwasser anfällt. Heizung: klar. Ausreichende Lüftung: Viel wichtiger als bei den anderen Varianten! Näheres finden Sie hierzu bereits in vielen Foren durch Herrn Bromm vom Isar Bautenschutz, der eines dieser Systeme vertreibt.

Ich wollte hier nur darstellen was geht, keine anschließende Diskussion lostreten was besser ist, denn => ohne es gesehen zu haben würde ich ihnen hier nichts empfehlen, pauschale Lösungen gibt es nicht.

Suche Dir doch mal jemanden der sich das ansieht, einen der nicht von der Abdichtung lebt oder etwas außer seiner sachverständigen Meinung verkaufen will.

Gruß aus Wiesbaden,

Christoph Kornmayer



Hallo Christoph,



ich bin echt beeindruckt von Deiner ausführlichen und doch neutralen Stellungnahme.
Also, der Raum hat bereits ein Heizung und ich hatte mir auch zusätzlich zu der anstehenden Dickbeschichtung eine Außendämmung des freigelegten Kellerbereichs vorgenommen. Ich denke, dass sind dann erst mal Maßnahmen genug, da ja keine akute Feuchtigkeit exixtiert (abgesehen von Kondensfeuchte).
Werde mir die Diskussion um die Innendämmung mal ansehen.
Ansonsten habe ich noch vor, den Kellerraum mit einem anderen Innenputz zu versehen, der die Kondensfeuchtigkeit besser "verarbeitet". Ich denke dann noch leichtes Heizen und Lüften im Winter und im Sommer das Fenster weitgehend geschlossen halten, wird dann schon ausreichend sein, den Kellerraum für Hobbys und Fitness in gesundem Raumklima zu nutzen.
Vielen Dank für Deine Infos

Josef



Sperrschicht horizontal



Hallo,

Sperrschichten wurden etwa seit der Gründerzeit verwendet. Diese dürfte den zeitlichen Belastungen erlegen sein. Dem folgend ist eine Erneuerung der horizontalen Sperrschicht erforderlich.

Mit freundlichen Grüssen

A. Cyba





Hallo Josef,

ich würde es zunächst ganz genauso angehen, wie von Dir soeben beschrieben. Wenn sonst nichts akutes vorliegt kannst Du ja mal vor der Maßnahme punktuell an Wand- Boden- und Deckenflächen ein paar Temperatur und Feuchtemessungen durchführen und notieren. Nach Jahresfrist (bei ähnlichen Temperatur- und Wetterverhältnissen) kannst Du dann ja überprüfen wie sich das Kellerklima verändert hat.

Achtung: Sommer- und Wintermessungen werden zwar gerne von Kellertrockenlegern u. Ä. miteinander verglichen, sind nicht grundsätzlich nicht vergleichbar!

Gruß aus Wiesbaden,

Christoph Kornmayer