Fachwerkneuling hat Fragen

20.12.2011



Hallo zusammen und willkommen bei meinem ersten Beitrag.
Zum hintergrund: Ich möchte mir ein altes Fachwerkhaus kaufen und es selbst sanieren. Das ganze im süd-westlichen Raum von Stuttgart. Leider sind die Preis hier sehr hoch, so dass nur ein sanierungsobjekt in Frage kommt. Ich habe mir auch schon einiges Angesehen und immer wieder die gleichen Probleme gesehen. Ich selbst komme aus dem Kfz-Mechanikerrichtung und bin Ingenieur. Theorie zu Werkstoffkunde, Statik, elastostatik, elektrotechnik sind mir vertraut. Meine Gebäiube Erfahrung beschränkt sich momentan auch allegemeine Bedienung aller Maschinen, Installation und die Kleinigkeiten ver Renoviererei.

Grundsätzlich haben sich bei mir schon zwei Fragen aufgetan:

Ist es notwendig ein Strebe wieder mit Verbindungselementen aus Holz zu fertigen, oder sind Metallbozen/schauben heute kein Tabu mehr?

Ich wollte die Gefachfüllung durch Glausschaumplatten ersetzen: hoher Preis, gute Dämmung hohe Festigkeit bei geringer Dichte, Dampfdicht). Ist das möglich, oder habe ich einen entscheidenen Nachteil übersehen?





lass die Strebe von einem Fachmann ansehen, ein Teil auszutauschen kostet nicht die Welt, muss aber möglicherweise aufwändig gesichert werden.

Beim Glasschaum sehe ich ein Problem. So ein Ständerwerk bewegt sich temperatur- und feuchtigkeits-abhängig. Die Ausfachung sollte diesen Bewegungen in ausreichender Weise folgen können. Wenn nicht wird's an den Anschlüssen zum Balken Risse geben. Dieses Material kann die in einen Riss eingetretene Nässe auch nicht abtransportieren, das Holz wird so Schaden nehmen.

Warum nicht einfach die Wände so wieder herstllen, wie se einmal waren?



Glasschaumplatten als Fachwerkfüllung...



... macht keinen Sinn. Einmal recht kostenaufwändig und dann noch dampfdicht.

Der Anschluss zum Holz ist unsicher. Jegliches Kondensat muss dann das Holz abarbeiten. Auf Dauer kann es sogar zur Schädigung des Fachwerks kommen.

Bei dem Kauf würde ich bereits jemanden mitnehmen, der viel Erfahrung in Sachen Sanierung von Fachwerk hat.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



Moin Stephan,



bei den Fachwerkfüllungen würde ich eher "old-school" bleiben und lieber hiermit arbeiten:

http://www.manufaktur-freiburg.de/produkt.htm

Die habe ich verwendet und bin sehr zufrieden.

Wenn du magst, kannst du gerne mal vorbeischauen und selber angucken.

Wir haben unser Fachwerk fast überall wieder verputzt und daher aus Kostengründen mit Metallverbindungen gearbeitet.

Wie du an vielen alten Häusern sehen kannst, rostet das irgendwann und greift somit auch das Holz an. Das Problem wird wenn aber wohl eher deine Kinder und Enkel betreffen.

Im Sichtbereich isses ja wohl keine Frage......

Gruss aus Tübingen,

Boris



okay soweit.



Danke soweit...

Zu den beiden Fragen:

Glasschaum:
Ich wollte die Kontruktion so anlegen, dass ich mir die Dampfdichte zu nutze mache, also den übergang zwischen Plaate und Holz, dicht aber flexibel gestalte.
Alle Gebäube die ist gesehen habe sollen Abgerissen werden und weisen von der Füllung meißt schwere Mängel auf: Risse, Feutigkeit, oder einfach Löcher. Zusätzlich möchte ich natürlich eine Isolation die es mir ermöglicht langfristig ein Haus zu haben, was den heutigen ökologischen Standarts entspricht. Welche Isolierung ist da sonst zu empfehlen.


Holz:

Wie oben beschrieben reden wir nicht von Häusen, wo hier und da ein kleines Hölzchen ausgewechselt werden muss. So dass alle Balken die die Größe haben ohne schweres Gerät an Ort und Stelle gebracht werden können selbst zu wechseln. Größere Rahmenteile die mehrere Meter lang sind, sind natürlich nur mit externer Hilfe einzusetzten.



"übergang zwischen Platte und Holz, dicht aber flexibel"



hört sich ein wenig nach Silikonabdichtung an.

Tu's nicht.

So eine inhomogene Sicht-Fachwerk-Wand wird niemals von außen komplett abzudichten sein Das Holz selbst hat ja auch Risse und das Ständerwek hat Fugen. Die Nässe wird sicher irgendwo eindringen und bewegt sich dann in den Anschluss Fugen.

Wenn man diese Fugen versucht zu sperren, kommt die Nässe eben nie wieder 'raus.

Man benötigt einen Baustoff, der ausreichend plastisch ist und die Feuchtigkeit aus den Fugen abtransportieren kann.



Du brauchst ...



... auf jeden Fall einen Fachmann, vor allem muss alles sehr sorgfältig geplant werden.



Sanierungskosten



ich kene jetzt die Hauspreise bei euch nicht, aber hast du dir die Gesamtkosten mal durchgerechnet? Wenn du schreibst, dass du dir abbruchreife Häuser ansiehst, hätte ich die starke Befürchtung, dass die Sanierung DEUTLICH teurer würde als ein Neubau. Ich hab auch erst durch eingehendere Beschäftigung herausbekommen, wie unglaublich das ins Geld gehen kann. Und da du nicht vom Fach bist gibt es sehr viel, was du nicht selber machen kannst.

Nimm es mir bitte nicht übel, aber ich habe das Gefühl, du willst nur ein billiges Haus, ob Fachwerk oder nicht ist dir egal. Daher würde ich an deiner Stelle darüber nachdenken, ob es nicht sinniger (und billiger) wäre, ein Abbruchhaus zu kaufen und dann tatsächlich abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen. Auch wenn ich für diesen Vorschlag hier jetzt vermutlich gesteinigt werde.





Für angehende Fachwerksanierer sind folgende Bücher sehr Hilfreich:Wolfgang Lenze Fachwerkhäuser restaurieren-sanieren-modernisieren, Eckhardt Hähnel Fachwerkinstandsetzung ,Manfred Gerner anschuhen,verstärken ,auswechseln.

Nagelverbinder,HVV Nägel,etc.haben in einem Fachwerk nix zu suchen,bleib mit Deinen Materialien im Bestandssystem!

Grüße Martin



zusammenfassen



Danke für die anregende Diskussion. Ich bin auch nicht beleidigt.

Meine Kalkulation: 200000 euro. Wobei 100000 qanschaffung ist. Dabei sind baugebiete genauso teuer oder mehr.

Die Sanierungskosten von 100.000 liegen setzen sich aber so zusammen, dass alles was möglich ist in Eigenleistung stattfindet. Wir reden also von 100.00 Baustoffkosten.

Um mal einen eindruck zubekommen:
http://www.immobilienscout24.de/62306407?is24EC=IS24&ftc=9004STF&_s_cclid=1323512031

Die Immobilie ist leider auf der Rückseite abgestützt!!!

Ich bin morgen mit einem Bauingenier da der eine eigene Firma hat und wir werden es uns ansehen.



Hauskauf



Hallo Stephan,
eine Abstützung kann ich auf der Rückseite nicht erkennen.
Was ein wenig Probleme bereiten könnte wäre der Giebel des Wohnbereiches.
Mit dem Bauingenieur sollten sie vorsichtig sein, wenn er eine eigene Firma hat. Kann sein das nicht immer Objekivität bei seinen Vorschlägen gegeben ist.
Grundsätzlich sollte die Planung und die Ausführung in getrennte Hände gegeben werden.

Viele Grüße



Hallo Stephan ,



nix überstürzen ist die erste Bauherrn-Pflicht .
Es braucht ein bißchen Wahnsinn , sich in solch eine Sanierung zu stürzen , das Ergebnis kann aber unvergleichlich sein !
Mit den anvisierten Baukosten könnte das bei dem Bauvolumen knapp werden und es braucht auch "Zeitverbrauch" .
Der Giebel weist zB. typische Schäden nachträglich Verputzer schon vorgeschädigter Fachwerke auf .
Das läßt sich nicht aus dem Handgelenk in einen feinen
modernisierten Zustand bringen , ist aber machbar und lohnend scheint es schon , zumal wenn ich übliche Kaufpreise in Eurer Region erinnere !
Gruß aus Minden
Jürgen Kube