Was tun wenn feuchtes Holz bei Fachwerksanierung verwendet wurde?

14.11.2003


Wir haben unser Fachwerk im letzten Jahr von einem Zimmereibetrieb und einer Maurerfirma sanieren lassen, da ein Balken gebrochen war und es drohte einzuknicken. Der Zimmermeister hat offensichtlich jedoch zu feuchtes Holz verwendet, denn es ist nun stark geschrumpft und hat jetzt schon bis zu 5 cm starke Risse. Die Ausfachungen wurden von der Maurerfirma mit Ytong-Steinen ausgeführt, die dann verputzt wurden. Diese Ausfachungen sind inzwischen (nach einem Jahr) schon ca. 1 cm weit herausgekommen und drohen demnächst herauszufallen. Sämtliche Fenster haben sich verzogen und lassen sich kaum noch öffnen. In unserer Wohnung sind überall Risse entstanden und die Fliesen im Bad sind gesprungen. Weiterhin sind zwischen den neuen Balken und den Ausfachungen Ritzen entstanden (ca. 0,5 - 1 cm breit ) , durch die Wind und Wetter ins Haus eindringt ( Wir haben ein Sichtfachwerk im Treppenhaus ). Wir haben bei beiden Firmen Mängelanzeige gestellt. Die Maurerfirma entzieht sich der Verantwortung und sagt, der Zimmerer sei schuld, weil er zu feuchtes Holz eingebaut hat. Der Zimmerer schlägt vor die Ritzen mit PE-Hinterfüllmaterial ( eine Art Schaumgummiwurst ) abzudichten, so daß es einigermaßen dicht ist. Nun meine Frage an die Fachleute: Ist dies die Lösung ? Gibt es ein besseres Material, die Fugen dicht zu bekommen ( ich vermute, das Holz arbeitet weiter. ) Und- was sollte ich gegenüber beiden Firmen unternehmen- sollte ich mich mit der vorgeschlagenen Lösung zufriedengeben ? Was ist mit weiteren Folgeschäden ? Vielen Dank für Ihre Anregungen.



Scherbenhaufen...



Ich denke und verzeihe mir bitte den Ausdruck: Du hast hier richtig in die Scheiße gegriffen! Und jetzt will Dir die Firma gleich noch weiteren Schwachsinn andrehen und Dir das Geld aus dem Kreuz leiern. In Deinem Fall ist scheinbar alles falsch gelaufen, was nur falsch laufen konnte. Ob Holz zu feucht oder nicht ist eine wichtige Frage, aber auch techn. Ausfachungen, Verarbeitungsrichtlinien (Verleistungen im Gefach), Innenaufbauten, Winddichtigkeit etc. etc. Zu der Lösung Deiner Zimmerei ist nur soviel zu sagen, daß sie lieber Holzschuppen bauen sollte oder Zäune für Hunde, damit wenn's nicht funktioniert, der Hund gleich hinterhergerannt kommen kann, um in den Arsch zu beißen! Zum Thema Abdichten kann ich Dir nur empfehlen einen Spritzkork zu verwenden und diesen in die Holzfugen einzupressen mittels Kartuschenspritze (ist in Schlauchbeuteln). Die Holzflanken sollten aber staubfrei sein, wenn möglich geölt. Zur Bauschadensbegrenzung und -begutachtung könnte ich Dir einige Bausachverständige benennen, um erstmal festzustellen, wie Deine damaligen Bauverträge gestaltet wurden. Zu weiteren Fragen stehen wir gern parat und würden auch Deinen Bauschaden mit begutachten, um Schadensbegrenzung zu erzielen. Grüße aus der OL



Andersrum, Udo...



da geht einem ja sogar als Unbeteiligtem die Hutschnur hoch! Meine Empfehlung fällt allerdings in Nuancen anders aus als die von Udo: Zuerst zum Rechtsanwalt (aber einen mit Fachgebiet privates Baurecht), Beweissicherungsverfahren einleiten und durch Sachverständigen (aber keinen allgemeinen, sondern einen mit Erfahrungen bzw. Spezialisierung auf Holz und/oder Denkmalpflege) begutachten lassen. Der RA soll zuerst prüfen ob Verträge, Angebotsbeschreibungen und Auftragsbestätigungen korrekt sind und keine Fallstricke aufweisen. Dann sollte überprüft werden ob die Mängelanzeige formal richtig gestellt wurde. Wenn nicht, nochmal und mit anschließender Nachfristsetzung. Da die Arbeiten ja wahrscheinlich schon abgenommen wurden, liegt die Beweispflicht bei Ihnen, daher die Einleitung eines Beweissicherungsverfahrens. Was ich hier beschreibe ist die harte Tour, aber so wie es bei Ihnen den Anschein nimmt, hilft da auch nix anderes mehr. Fahren Sie die Kanonen auf volle Breitseite aber achten Sie darauf das formal alles richtig läuft (deshalb der RA) sonst geht die Ladung nach hinten los. Zum Technischen: die Lösung von Udo gefällt mir besser, aber ein Gebastel bleibts allemal. Grüße aus Leipzig von



Aktueller Nachtrag



Habe gerade mal noch in einem anderen Forum gestöbert und zum für und wider, mit und ohne Beweissicherungsverfahren einen hervorragenden Thread gefunden, in dem alles irgendwie erklärt wurde: http://www.bauteam.org/forum/showthread.php?s=&threadid=2563
Vielleicht hilfts irgendwie weiter.



Ich fass es nicht



Hallo ,
auch ich bin bei solch einem Beitrag einfach nur noch fassungslos.
Ein Fachbetrieb MUSS es wissen. Nasse Balken gehören nicht ins Fachwerkhaus.
Ausmauern mit Ytong ist seitens der Maurerfirma auch nicht empfehlendswert.
Um ehrlich zu sein:Das wird viel Ärger, Nerven und Schreibkram geben.
Wie einer meiner Vorgänger bereits sagte,sie sind GUT BERATEN wenn sie einen Rechtsanwalt einschalten.
In wie fern die Firmen sich herausreden können: Wir haben sie darauf aufmerksam gemacht,dass.......
Dies bleibt zu prüfen.
Auf keinen Fall würde ich nochmals einen der Firmen an mein Haus lassen.
Diesen Schaden zu beseitigen wird nicht einfach.
Entweder ganz krass: alles raus und neu
oder: Jahrelang beiflicken,und immer wissen,es ist nicht okey.Denn bis ein solcher Balken je nach Stärke trocken ist, vergehen Jahre.
Ich bestehe bei meinen Kunden immer darauf, alte Balken zu verwenden.
1.wegen der Optik (verwittrete Oberfläche) 2.wegen des Verwindens und Schwindens
In einen Mercedes bauen sie nach einem Unfall auch keine neue Fordlampe ein.



Oh weia,



Hallo Herr Schrems, Sie können einem echt leid tun. Zum Thema Holz: Nachdem unsere Heizung jetzt läuft, sind die alten 100 Jahre alten Fenster auch etwas "geschrumpft" und haben Lücken an den Stoßkanten. Immerhin 2 mm (auf 70 cm). Holz arbeitet nunmal, das ist völlig normal. Außerdem ist altes ausgebautes HOlz erheblich teurer für den Bauherrn als frisches. Ich denke mal, der Preis hat vielleicht auch eine Rolle gespielt (?). Zum Thema Ytong, das machen viele Firmen, Sie sind halt einfach an die falschen geraten. Wir hatten zuerst einen Architekten - auch mit Fachwerkhaus - der auch bei uns alles mit Ytong ausmauern wollte. Viele denken, sie würden sich mit Fachwerk auskennen, aber das ist leider nicht so. Wenn die Ytong-Steine also drohen herauszufallen (ich würde sagen, Ihnen kann nix besseres passieren, schmeissen Sie sie raus), dann hat der Maurer sicherlich keine Leisten an den Gefächern angebracht, so haben die STeine keinen Halt. - Eine Frage noch: Warum haben sich sämtliche Fenster verzogen? - Es wurde doch nur ein Balken ausgetauscht?! - Es ist halt schwierig, normalerweise gehört alles neu und richtig gemacht, sonst ärgern Sie sich ein Leben lang. Ob Sie mit einem Rechtsstreit weiterkommen ist die Frage - der dauert oft Jahre (und es tröpfelt weiterhin ins Treppenhaus) und es ist nicht gesagt, dass Sie gewinnen, bzw. dann macht die Firma pleite und Sie sehen eh keine Entschädigung... Grüße Annette



Lose Gefache?



Guten tag, martin und die Anderen haben den richtigen Rat gegeben. Zum Letzten Beitrag möchte ich anmerken, dass es durchaus sein kann, dass der Maurer Dreikantleisten verwendet hat. Wenn das Holz so feucht war, ist es uch in der Dickenebene der Wand geschwunden. Es ist also möglich, dass die Ausfachung, dank Leisten, geblieben ist wo sie war und "nur" das Holz geschrumpft ist.
Viel Erfolg beim kommenden Rechtsstreit
Ulrich Arnold