Fassadendämmung bei Denkmalschutz




Hallo,
bin ein neues Fachwerk.de-Mitglied und Besitzer eines denkmalgeschützen Hauses.Ist zwar kein typisches Fachwerkhaus mit sichtbarer Holzständer-Bauweise, zwar Holständer-Bauweise aber diese nur bei den Innenwänden und beidseitig verputzt (Bj.1920).
Ich möchte nun die Aussenwände des OG wärmedämmen. Die effizienteste Dämmung ist meiner Meinung immer noch die Dämmung von aussen her, was jedoch auf Widerstand bei der Denkmalschutzbehörde stossen könnte ?
Hat jemand das schon in dieser Kombination gemacht oder hat Erfahrungen mit der Dämmung von Aussenwänden bei denkmalgesch. Gebäuden ?
Eine Innendämmung möchte ich eigentlich nicht machen, da dies, rein physikalisch, keinen Sinn macht(Feuchtigkeit + Schimmelbildung) und ich zudem ein massives Platzproblem (kleine Räume) habe.

Schonmal Besten Dank an alle Antworter und Gruss aus dem Schwarzwald !



Hallo,



es gibt verschiedene Ansaätze zur Dämmung. Bervor aber in die ein oder ander Richtung gedacht wird sollt, wie schon angedacht das Vorhaben mit der Denkmalschutzbehörde abgesprochen werden.

Grüße





Hallo Gregor,
ich würde mich mal im Bekanntenkreis und bei anderen Besitzern von denkmalgeschützten Häusern erkundigen, wie die Damen und Herren vom Denkmalamt so drauf sind in Deiner Gegend. Die haben einiges an Ermessensspielraum und je nachdem wie sie drauf sind wird der unterschiedlich gehandhabt. In meiner Gegend haben mir Bauherren berichtet, dass die sehr pingelig und orthodox sind, von Freunden & Bekannten weiß ich, dass im Raum Mainz ,Worms sehr vernünftig und konstruktiv sind.
Was die meistens nicht mögen sind Veränderungen der Ansicht. Wenn ich Dich richtig verstehe hast Du auch ein Untergeschoß das nicht gedämmt werden soll. Wenn Du oben dämmst kriegst Du einen Versprung rein, odr? Außerdem wird der Dachüberstand kleiner und die Fenster sitzen weiter drin. Da könnten die eventuell was dagegen haben.
Das mit der Außendämmung ist richtig. Wenns mein Haus wäre würde ich ein Wärmedämmsystem mit Weichfaserplatten nehmen, da das einigermaßen ökologisch ist und:auf alle Fälle Dampfdiffussionsoffen. Wichtig ist dann noch dass der Putz auch dampfdiffussionsoffen ist.
Könnte eine Fassadenverbretterung oder Verschindelung eine Alternative zum Verputzen sein?
Ich wohne zwar bei Stralsund komme aber aus Baden, daher kenne ich die dortigen Baustiele einigermaßen.
Gruß von Nordvorpommern in den Schwarzwald
Ralph





Hallo Gregor,

solch eine Maßnahme ist alleine nicht sinnvoll, da gehört ein Konzept her.

- Wie steht es um Deine Fenster, Deinen Dachboden und Deine Heizanlage?

Hier richtig angesetzt sind mehr Einsparungen zu erwarten als bei einer Fassadendämmung.

- Wie hoch sind die Heizkosten bisher und was erwartest Du an Einsparungen?

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Leichtputz



Hallo,
sie koennten mit einem Kalk-Waermedaemmputz die Fassade verputzen, z.B. von Hessler:
http://www.hessler-kalkwerk.de/hks-produkte/items/hp9sl.html
Gruss N. Hoepfer



...



Hallo Gregor,

bin kein Experte aber möchte Dir aus meiner eignen Erfahrung berichten:

Seit ein paar Monaten sind wir ebenfalls dabei unser denkmalgeschütztes Häuschen (massiv, BJ 1920) von oben bis unten zu sanieren. Am Anfang steht freilich die Planung und in punkto energetische Sanierung haben wir uns dabei einfach für einen Energieberater entschieden. Du solltest Dich dabei an den BAFA-Kriterien orientieren, die helfen sollen einen gewissen Qualitätsstandard zumindest in Bezug auf den Inhalt des Beratungsberichtes zu garantieren (Leider darf sich fast jeder Energieberater nennen der schon mal was davon gehört hat).
Trotzdem auch da aufpassen, denn die Genauigkeit der Prognosen die dort abgegeben werden hängen stark von den angestzten Parametern, und der Beschreibung der Bauteile ab. Gern werden hier mal falsche Mauerwerksaufbauten oder aber Orientierungen vom Praktikanten eingegeben. Kostenpunkt für so eine Beratung liegt so zwischen 300-500€ die Du tragen mußt (wird zu 50% von der BAFA gefördert, macht der E-Berater).

... Lange Rede kurzer Sinn! ... Aus solch einem Beratungsbericht kannst Du dann ansatzweise ablesen was man am sinnvollsten machen kann, wo man zuerst ansetzen sollte, und wann sich sowas armortisiert. Wenn Du den Berater gleich noch nach einer raumweisen Heizlastberechnung fragst ( haben wir leider nicht gemacht ) kannst Du diese Daten später gleich auch für die evl. erforderliche Neuauslegung einer Heizungsanlage samt Heizflächen nutzen (optimal, der Heizungsbauer macht sich sonst wenig Mühe).

Weiterhin hast Du mit einem solchen Bericht erstmal ein paar mehr Argumente für das Denkmalamt in der Hand falls es später ans Eingemachte gehen sollte. Die Leute beim DA sind zumindest hier in Berlin nicht wirklich bewandert was Dämmung angeht und haben vor allem erstmal Angst um Ihre historische Bausubstanz. Wird vielleicht bei Dir auch nicht anders sein. Mit dem Bericht kannst Du aber harte Fakten über deine Benachteiligung gegenüber Normalbauten hinlegen. Uns hat das geholfen am Ende doch noch eine Solaranlage genehmigt zu bekommen, mit der wir nun die Nachteile bei der Dämmung anderweitig versuchen zu kompensieren.

Im Voraus macht es trotzdem Sinn sich mal mit dem DA kurzzuschließen oder nimm den E-Berater gleich mit nachdem er einen ersten Blick auf dein Häuschen geworfen hat. Legt das erstmal als lockeres, informatives Gespräch auf ohne gleich irgendwas mit dem DA festzurren zu wollen.
Je mehr der E-Berater weiß, was Du willst um so näher ist das was dann im E-Bericht steht (er muß nach BAFA 3 Alternativlösungen durchrechnen) an der Wirklichkeit.

... kommen wir zur Dämmung! ... Außendämmung hat genau wie Innendämmung Vor- und Nachteile. Erstere ist technisch einfacher aber auch bauphysikalisch mit manchen Problemen verbunden. Bei uns z.B. geht Außendämmung grundsätzlich nicht wegen der Fassade. Also nur Innendämmung und hier war ich auch erstmal lange wegen der Schimmelproblematik dagegen. Geholfen hat mir am Ende, daß z.B. Unger Diffutherm eine 15-jährige Garantie für Ihr Innendämmsystem gibt (Achtung Bedingungen lesen). Weiß nicht wie Du das siehst, aber mich hat das zumindest bewegt mich näher mit dem Thema zu befassen und am Ende auch überzeugt.

Wenn zu kleine Räume wirklich KO-Kriterium für Innendämmung dann schau zusammen mit dem E-Berater was am Haus sich minimal rechnet. Die ersten cm sind bei der Dämmung immer noch die Wichtigsten, und z.B. von Knauf gibt es inzwischen noch effizientere Verbundplatten welche die Dämmstärke leicht halbieren können. Ob's was taugt kann ich nicht sagen! Mußt halt selber entscheiden, ob dir Energiesparen wichtig genug dafür ist.

Wir haben uns jetzt soweit entschieden, daß wir 6cm Holzweichfaser Innendämmung machen ohne dabei zwangsläufig auf die ENEV-Werte zu kommen. Der Sprung von U-Wert 2W/m²K auf 0.6W/m²K war's uns Wert! Weiter kannst Du sparen bei Keller und Dach, Heizung, Türen & Fenstern (Letztere zum Schluss). Den Dämmputz kannst Du Dir als letzte Option offen halten (geht innen und außen). Kosten sind hoch, Dämmwirkung gering. Mußt Du einfach sehen ob's Sinn macht.

Auch findest Du hier im Forum sicher noch genug Hinweise zur besonderen Dämmproblematik von Fachwerkhäusern. Ansonsten kann ich Dir noch das Buch "Ratgeber energiesparendes Bauen" als Einstieg in die Thematik empfehlen. Ist wirklich das Geld wert!

Ansonsten steck das Geld lieber in einen Fachmann heißt Architekten mit entsprechender Erfahrung bevor Du selber experimentierst. Lass Dir Referenzen zeigen und versuch mit Leuten zu reden für die die gearbeitet haben. Die Vertreter der Dämmstoffindustrie werden Dir jedenfalls alles versprechen. Je mehr Du zum Thema weißt, desto eher wirst Du das selber erkennen. Ratsuchen hier im Forum ist OK, aber eine Lösung wirst Du vor Ort finden und bei alter Bausubstanz auf die entsprechenden Situationen anpassen müssen.


Hoffe konnte helfen!
Stephan



Danke !



Hallo liebe Antworter,

möchte mich bei allen ganz herzlich für die guten Tipps und Infos zu meinem Beitrag bedanken !

Ausser der Wärmedämmung der Fassade im OG werde ich bei all meinen Vorhaben zu Energiesparmassnahmen wohl keine Probleme mit dem DA bek. Neue Fenster mit Wärmeschutz-Isolierverglasung KW1.1 sind bereits mit DA abgestimmt und drin. Neue Heizung ist gerade in Arbeit und das Dach möchte ich später noch isolieren. Da das EG doppelwandig mit Hohlraum gemauert ist, ist eine zusätzliche Isolation dort nicht notwendig.

Da im OG jedoch rel. dünnwandig gemauert wurde und sich dort zukünftiges Schlafz. u. Arbeitsz. befinden, möchte ich diese Räume eigentl. schon dämmen. Was ich schlussendlich tun werde und darf, das werde ich nun prüfen müssen.

Nochmal Danke an alle Antworter !

Grüsse
Gregor S.