Gipsputz oder Lehmputz

20.11.2018 Marlon



Hallo alle zusammen!
Wir sind gerade dabei unser Haus in Ungarn zu renouvieren. Das ist nicht so leicht, da wir Laien auf dem Gebiet sind.
Nun ist da noch diese eine Wand aus Ziegelsteinen, die verputzt werden muss. Wir möchten dies möglichst ökologisch tun. Deswegen kommt für uns in erster Linie Lehmputz in Frage.
Auf die Empfehlung unseres ungarischen Handwerkers haben wir seinen Lehm genommen und sind seinen Anweisungen gefolgt. Wir haben den Lehm auf die Ziegelwand aufgetragen und das Ergebnis sah sehr schön aus. Eher rustikal, aber das mögen wir.
Am nächsten Tag waren jedoch schon die ersten Risse zu sehen. Diese haben wir die Tage darauf immer wieder versucht zu kitten, das heisst, wir haben den Lehm innerhalb der Risse verschmiert, auf das sie verschwinden.
Sie waren am nächsten Tag wieder da, doch sie wurden tendentiell kleiner.
Auf dem Foto könnt ihr das Ergebnis nach 5 Tagen sehen.
Der Handwerker meint, das sei normal und wir hätten gute Arbeit geleistet. Es müsse noch weiter trocknen und dann könne er in ein paar Tagen / Wochen alles mit einem Gipsputz überstreichen.
Ich hatte ihm gesagt, ich will den ganzen Lehm runterreissen und lieber NUR mit Gipsputz arbeiten. Das deckt sich auch mit vielen Meinungen aus dem Internet.
Nun lautet meine Frage: Wie würdet ihr anhand meiner Schilderungen und dem beigefügten Bild entscheiden?
Wie gesagt, einfaches Mauerwerk. Das Zimmer sollte alsbald fertig werden. Gipsputz ist in Ungarn leicht zu bekommen, diffusionsoffen, natürlich und nicht allzu teuer.
Oder doch besser den Lehm drauf lassen, der sich bereits fest in die Zwischenräume der Ziegel eingegraben hat.
Es wäre auch eine Überlegung nur den Lehm in den großen Zwischenräumen zu lassen...
Vielen Dank schonmal für eure Hilfe! :)
Marlon



2 Kommentare



1. Das sieht mir so aus, als ob da fetter Lehm auf der Wand ist und kein Lehmputz. In Lehmputz gehört die richtige menge Sand. nimmt man zu viel, rieselt es nimmt man zu wenig wird's rissig.
Wenn der Lehm zu schnell trocknet, kann's aber auch rissig werden (Wand vornässen, ggf. Grundierung)

2. wozu um alles in der Welt soll da noch ein Gipsputz drüber? Das verträgt sich wegen der unterschiedlichen Elastzität denkbar schlecht.
Es wird auch rissig werden und schließlich mglw. auch wieder runterfallen.

Lehm Grundputz, dann Lehmfeinputz, Grundieren mit Kasein, Streichen mit Lehm oder Kalkfarbe - fertig.

es gibt hierzu unzählige Handlungsanleitungen im I-net.



Lehm von der Wand?



Also am besten den fetten Lehm wieder runter?



Putzaufbau



Der verwendete Lehmputz ist sehr fett eingestellt und reißt daher beim Trocknen. Solange er am Mauerwerk ausreichend haftet, muss er nicht wieder entfernt werden. Möglicherweise wurde das Material dickschichtiger verarbeitet als vom Lieferanten vorgesehen. Für eine Dünnlagenbeschichtung (bis 4 mm) kann auch eine fettere Mischung funktionieren. Wenn das Material mit etwas Sand abmagert wird, bekommt man die Risbildung normalerweise weitestgehend in den Griff. Auf jeden Fall vorher eine oder mehrere Probemischungen herstellen und auf dem später zu beschichtenden Untegrund ausprobieren.
Auf den durchgetrockneten Grundputz sollte man eine dünnlagige zweite Lage auftragen und gleichmäßig strukturieren (Filzen, Glätten, patschen usw.)
Auf einen Lehmputz gehört nach allen Regeln der Technik kein Gipsputz. Auch wenn das mitunter hält, ist das doch eher Zufall und fällt normalerweise umgehend wieder ab, also besser die Finger davon lassen.
Frohes Schaffen und Grüße nach Ungarn, Andreas Wugk



Danke



Vielen Dank für die Antworten!
Wir haben uns entschieden, den Lehm wieder runterzunehmen und stattdessen mit Gips zu verputzen. Das nächste mal werden wir die Mischung besser kontrollieren.



jó estét kivanok



Dann doch lieber alles mit Lehm verputzen, wenn schon ein Teil davon dran ist. Die Luftfeuchteregulierung ist beim Lehmputz mindestens zehn mal besser als beim Gipsputz (siehe Datei im Anhang). Und ökologischer ist er allemal.



Lehmputz



Ja, das stimmt, aber es ist ja nur die Hälfte einer Wand (von vier, davon eine weitere Aussenwand) mit Lehm verputzt und wir wissen jetzt nicht genau, wie wir als Laien die Mischung so hinbekommen, das die Risse verschwinden und der Putz auch nicht runterfällt. Außen ist gedämmt mit Styropor. Also fraglich, ob sich der Aufwand mit dem Lehm wirklich lohnt.
Wenn wir selber bauen würden, würden wir gleich alles mit Lehm machen.



Lehmputz



Wenn Ihr euch nicht zutraut die passende Mischung selbst herzustellen, warum dann nicht auf fertig gemischte Sackware zugreifen ?

Alternativ würde ich da noch eher zu Kalkputz greifen, anstatt einen Gipsputz zu verwenden.

Viele Grüße
Hanno



Lehm in Säcken...



Genau DAS war ursprünglich mit dem ungarischen Handwerker auch abgesprochen.
"Hier, habe das günstiger gefunden!"
Und dann wurden die Regenwürmer und Maden vom Rest der Erde getrennt... :D

Edit: Danke für die Info mit dem Kalkputz. Allerdings soll der diffusionsdicht sein, wir wollen es ja diffusionsoffen machen. Also besser Gipsputz, oder was spricht dagegen?



Allerdings soll der diffusionsdicht sein,



bitte, wo hast Du diese Information her ?

Such Dir, via Suchmaschine, mal die Datenblätter verschiedener Kalkputze heraus,
dann wird Du davon überzeugt sein, dass Deine Info schlicht falsch ist.

Viele Grüße
Hanno



in der tat, deine informationen sind falsch



auch bei neubauten wo gipsputz wegen preis/leistung und leichter verarbeitung fast ausschliesslich eingesetzt wird, wird in feuchträumen doch meist auf einen Kalkzementputz zurückgegriffen. warum wohl?

der gips mag ja als diffusionsoffen beworben werden, doch kann er besser Feuchte aufnehmen als abgeben.

den lehm aus dem Garten muss man meist ordentlich abmagern (nicht nur von tierischem eiweis ;) )
darum Riss der.
lass dir da unten hochwertigen lehm rankarren, bzw sag dem guten man, daß du das bessere material erwerben möchtest. Unterputz erdfeucht im bigbag oder von der pritsche gibts da garantiert.
kann es sein, daß man es sehr günstig haben wollte?
vielleicht nur ein kommunikationsproblem...
gruß
micha



Diffusionsoffen



Nein.. ich möchte es so ökologisch wie möglich haben. Das hat nix mit dem Preis zu tun. Aber mit Lehm wird zu kompliziert, da ich kein Handwerker bin und die Ungarn mit Lehm nicht (mehr) arbeiten.
Da gips einfacher zu Verarbeiten sein soll, wurde mir das vorgeschlagen.
Sorry, hier liegt tatsächlich ein Missverständnis vor. ich dachte, es wurde mir von Kalk wegen der Diffusionsgeschichte abgeraten. dem ist aber nicht so, ich habe es gerade geklärt.



Kalkputz



Es ist geklärt!
Der Handwerker wird mit seinem Kollegen die 10 qm Wand mit einem Gemisch aus Kalk, Sand und Zement verputzen. Es gilt, größere Löcher zu stopfen und da eignet sich die Mischung wohl, meint er.
Danke für die Inspiration und die kompetente Hilfe, ich werde dieses Forum weiterempfehlen!



diffusionsfähigkeit: die mischung machts



es wird also ein einfacher kalkzementputz.
halten wird das dann, doch jeh mehr zement drin ist, desto weniger diffusionsoffen wird die fläche.
wenn die jungs das gut drauf haben kann das gut gehen...
wenn ich an den fetten lehm oben denke, beschleicht sich mir eher ein ungutes gefühl.
ist es nicht vielleicht besser erst die ideale sackware zu ermitteln , statt einer zufallsmischung zu vertrauen?
und nicht nur eine dicke schicht draufklatschen.
spritzbewurf/unterputz/oberputz/farbe

ging es nicht oben auch darum, daß ihr die oberfläche vom lehm mögt?
mit dem richtigen lehm unterputz und vornässen und nicht zu dickem auftrag bleiben die dicken risse weg und man kann dann einen schönen lehm Oberputz draufbringen mit kalk oder lehmfarbe.das wurde oben doch schon perfekt beschrieben.

ich bin alles andere als ein profi, aber irgendwie fehlt mir die linie in eurem vorgehen.
hier gibts sehr viele gute beiträge zum putzaufbau und baubiologie.
viel erfolg weiterhin
micha



lehmputz VS Gips..



Moin..Gipsputz so ohne weiteres auf fetten Lehmbewurf hält auch nur so lange bis die Handwerker ausser Sichtweite sind..
Was ist denn nur aus meinem Handwerk geworden,frag ich mich manchesmal..

wenn jedesmal die Antwort ist "kauf dir material beim Hersteller"geht in dem Moment jedesmal ein Stück Handwerkstradition den Bach herunter...

Ich selbst nutze dieses Material natürlich auch aber ich denke unter den Oben Geschilderten Bedingungen wäre ein Versuch den Vorhandenen Lehm zu nutzen durchaus angebracht :)

Also es wäre ein leichtes gewesen den ,zu Fetten Lehm wieder von der wand zu nehmen,und diesen dann Flüssig gerührt durch ein Sieb zu kippen 1 tag stehen lassen ,dann das Wasser herunterschöpfen noch besser erst nach 2 Tagen Ruhezeit.
Dann hat man eine Homogene Masse die weder Organische rückstände wie Holz o.ä. noch Steine enthält und diese Masse kann man dann Mit Sand und Strohäcksel Abmagern wie man sein Material benötigt....
zb 1 RT lehm 2,5-3 RT Sand mit Passender Sieblinie und Tüchtig Strohhäcksel im Unterputz...nur mal so als Richtschnur,sollte der Lehmunterputz dennoch reissen dann mehr Sand ,sollte er Sanden dann anteilig mehr Lehm,,,
für den Oberputz dann feineres Stroh und Feineren Sand Verwenden ,allerdings nicht zu Fein..
und wie immer gilt Putzproben Anlegen...
Greets Flakes...



Danke für die Infos...



...aber ich muss nochmal dazu erwähnen, das es lediglich um eine Wand eines Hauses geht, das in Ungarn erworben wurde und generell nicht wirklich ökologisch gebaut wurde. An der einen Wand soll es nicht scheitern, wir machen wir jetzt mit Kalkputz. Ich habe leider (noch) keine Ahnung von Lehmarbeiten und die Handwerker hier können es scheinbar auch nicht.
Nächstes Jahr möchte ich Sandsack Häuser (Earthbag Building) in Ungarn bauen, ich werde einen Fachmann für diese Arbeiten zur Seite haben, lernen und dann hoffentlich auch bald Gelerntes an andere weiterarbeiten. Dann wird von Anfang an alles richtig gemacht. Ich werde mich also hier noch öfter blicken lassen.
Bis dann! :)
Marlon