Gestaltung Hoftor 19. Jahrhundert Brandenburg

09.07.2015 nettgendorfer



Unser Hoftor ist wahrscheinlich noch etwa aus der Bauzeit des Hauses, ca. 1880-1900. Nach ca. 40 Jahren musste ich es dringend mit Halböl und einem ersten Anstrich mit Standölfarbe versorgen, damit es nicht weiter aufspringt und bröselt.
Nun sind wir uns nicht so richtig einig, wie es weitergehen soll und brauchen einen Rat. Ziel ist es, das Tor weitgehend wieder so zu gestalten, wie dies um die Wende 19./20. Jahrhundert üblich war. Welche Farben - außer Ochsenblutrot - hat man in Brandenburg um diese Zeit an Hoftoren vorgefunden? Liegt unser jetziges "taubenblau" (RAL5014, Kreidezeit) komplett daneben?
Waren die senkrechten Latten farblich abgesetzt oder waren die Tore um diese Zeit eher einfarbig gestrichen?
Für fundierte Einschätzungen danke ich schon jetzt, bin im Netz bisher noch nicht so richtig fündig geworden...
uwe





Hallo,

fragen Sie doch mal Ihren Kreisdenkmalpfleger, oder gucken Sie sich einfach um.
Manchmal sind solche Befunde ja überraschend, ich fürchte aber, alles war lindgrün, auch nichts abgesetzt.





Hallo,

fragen Sie doch mal Ihren Kreisdenkmalpfleger, oder gucken Sie sich einfach um.
Manchmal sind solche Befunde ja überraschend, ich fürchte aber, alles war lindgrün, auch nichts abgesetzt.



Historische Torgestaltung



In der Region Niederer Fläming gibt es gute, engagierte Hausforscher, die Mitglied in der Interessengemeinschaft Bauernhaus (IGB) sind. siehe www.igbauernhaus.de
Frag mal Wolfgang Beelitz in 14822 Linthe, Tel. 033844-51595. Er weiß sehr viel von den regionalen Zusammenhängen.
Um die Originalfarbgebung festzustellen, hättet Ihr Euer Tor vor dem firnissen und Streichen gründlich untersuchen können und sollen. (Das soll kein Vorwurf sein.) Normalerweise wären in Kanten und Fugen noch alte Farbanstriche nachweisbar gewesen, - auch abhängig von der Himmelsrichtung.

Eines bin ich mir zumindest sicher: Aufgesetzte Leisten waren zur Bauzeit bestimmt nicht farbig abgesetzt. Habt Ihr noch alte Fenster aus gleicher Bauzeit? Da lassen sich eventuell noch farbliche Zusammenhänge herstellen. Es sind aber eine Reihe von Erfahrungen nötig, da sich die Farben (Bindemittel, aber auch die Pigmente) im Laufe der Jahrzehnte sehr verändern können durch UV-Strahlung Sonne und durch die Witterung insgesamt.



Danke für die Hilfe



Danke für diese ausführliche und hilfreiche Antwort. Ja eigentlich... aber dazu fehl derzeit Geld und Zeit. Kommt Rente, kommt Zeit, dauert noch etwas.
Es geht erst einmal darum, den weiteren Verfall zu stoppen und in zweiter Linie abzuklären, ob "taubenblau" historisch ok ist oder nicht.(Reste von Rot sind vorhanden, so sollte es aber nicht unbedingt wieder werden, grün auch nicht so richtig gern)
Danke vor allem für den Hinweis mit dem Absetzen der Leisten, persönlich finde ich es auch schöner, wenn das Material durch das eigene Relief zur Geltung kommt. Das sah man beim letzten Anstrich vor 40 Jahren wohl anders...
An Originalen ist nur noch ein ehemals weiß gestrichenes altes Fenster auf dem Dachboden, der Rest der Fenster wurde wohl verheizt. Auf den Bildern ist ja zu sehen, dass da 1972/1978 vieles verhunzt wurde.



Wenn...



...ein Befund da ist und ignoriert wird - dann streicht Ihr ja drauf, was Euch gefällt...

Ich halte es durchaus für wahrscheinlich, daß das Tor farblich dem Klinkerfarbton nahe sein sollte. Zudem sind "ochsenblut" ähnliche Farbtöne in dieser Zeit weit verbreitet, weil das Pigment recht billig ist.

Ich persönlich würde meinen Geschmack hinten anstellen und auf Basis des Befundes streichen. Nebeneffekt: Neben dieser (Fenster-) Flickenwirtschaft entsteht ein optischer Ruhepunkt.

Grüße

Thomas



Nachdem



ein Eisenoxidrot als Befund erkennbar war, würde ich das ebenfalls als Vorgabe ansehen. Nun ist das Taubenblau einmal drauf..... okay.
Wie sieht das Rundfenster im Giebeldreieck ganz rechts aus ?

Das Torhaus wirkt aufgrund der hellen Putzfläche links etwas zerrissen. Auch wenn der Raum dahinter heute zur Wohnung gehört, würde ich diesen Bereich farbig anders als das Wohnhaus absetzen, um zu vermitteln.
Das sollte aber nicht zu "laut" wirken.