Fragen zu Fugen, Dämmung, Putz und Dachziegeln

25.06.2013 Vogelsang



Hallo!

Zuerst kurz zu mir und besonders meinem Haus:
Ich bin 30 Jahre jung und seit ca. 2 Jahren stolzer Besitzer eines Resthofs. Es handelt sich bei meinem Haus, der Diele und der Scheune nicht um Fachwerk, sondern um Backsteinbauten. Seit dem Kauf wird der Hof, auf dem ich auch bereits wohne, renoviert bzw saniert. Hierbei habe ich sicher schon so manchen "Fehler" gemacht, aber habe mir auch schon oft Hilfe und Tips von Fachleuten, unter anderem aber auch vieles hier aus dem Forum geholt.
Um Fehler noch weiter zu vermeiden, habe ich mich nun endlich mal angemeldet, um auch aktiv teilnehmen zu können.

Nun zu meinen ersten akuten Fragen:

1.: Dachbodensanierung.
Wir sind gerade dabei, den Dachboden des Wohnhauses zu überholen. Es muss zum Glück kein neues Dach her, aber das vorhandene bedarf ein wenig Pflege.
Wir reinigen gerade alles und werden das Holz des Dachstuhls mit Holzschutz von Remmers behandeln, um vorhandenen Insektenbefall zu bekämpfen und neuem vorzubeugen.
Des weiteren möchten wir, da es stellenweise durch die losen Ziegel regnet oder schneit, die Ziegel abdichten. Die Ziegel waren mal mit Mörtel verschmiert (ziemlich hart, vermutlich Zement), dieser hat sich aber größtenteils gelöst. Was ist hier die beste Lösung? Die erste Idee war PU-Schaum, aber nach einiger Recherche hier, scheint mir das nicht das richtige zu sein. Wieder verschmieren? Mit Kalkmörtel?

2.: Fugen.
Die Giebelwand der Scheune muss neu verfugt werden, da die alten Fugen sehr stark ausgewaschen sind. Es handelt sich um recht weiche Fugen, also vermutlich Kalkmörtel. Nun sollen die Fugen gründlich ausgekratzt und gereinigt und neu verfugt werden. Was nehmen wir am besten? Auch hier habe ich wieder recherchiert. Zement scheint wohl nicht das richtige zu sein. Kalkmörtel? In welcher Zusammensetzung und wwo bekomme ich den Mörtel oder die Bestandteile? Kann ich einfach den Hydraulischen Kalk nehmen, den es im Baustoffhandel gibt? Diesen haben wir auch zum Verputzen einiger Innenwände genommen. Gut, oder schlecht?

3.: Dachboden des Wohnhauses dämmen.
Wir wollen den Dachboden dämmen, um mehr Wärme im Haus zu halten und Heizkosten zu sparen. Dies soll durch eine Dämmung der oberen Geschossdecke geschehen. Wie kann ich das am besten machen? Die Idee ist, die Fußbodenbretter hochzunehmen, die darunter liegene Dämmung, vermutlich Lehmschlag entweder zu ersetzen oder zu erweitern. Aber womit? Anschließend wollte ich OSB-Platten verlegen, um den Bodenraum weiterhin nutzen zu können. Gut?

4.: Sattelkammer dämmen.
In der Scheune haben wir letztes Jahr einen Pferdestell ausgebaut. Jetzt ist die Sattelkammer dran. Diese sollte trocken sein und zumindest ein bischen geheizt werden können, damit in der feuchten Jahreszeit das Sattelzeug nicht schimmelt. Dies ist bisher nämlich passiert.
Die Kammer wurde bereits neu gepflastert mit einer dicken Sandschicht und einer Abdichtung drunter und nun sind die Wände an der Reihe. Zwei Aussenwände und zwei Innenwände. Diese wollte ich mit Lehmputz verputzen. Gut?
Ausserdem soll das Dach gedämmt werden. Was nehme ich hier am besten?

Abschließend sei noch gesagt, dass ich gern bewährte Baustoffe verwenden möchte, die dem Alter des Hauses entsprechen. Es muss nur Sinn machen und sollte bezahlbar bleiben!

Mir fallen noch einige Fragen ein, aber für`s erste soll es reichen. Ich möchte ja in den kommenden Tagen auch noch etwas zu schreiben haben. :-)

Ich hoffe, mein langer Text schreckt Euch nicht ab und Ihr gebt mir gute Hinweise.
Vielen Dank im Voraus!

Gruß,
Sepp



dicke Fragen



Hallo Sepp,
da ist ja alles dabei..

zu 1.

einfach die defekten Ziegel tauschen, alles andere ist Quatsch.
Oder meinst du die Firstziegel? Ebenso tauschen und neu einspeisen mit Zementmörtel (meine Meinung!).

Oft kommt die Nässe auch über durchgerostete Bleche an Kamin, Anbauten, Gauben etc rein...

Flugschnee im Winter ist für mich keine Seltenheit und als
aufmerksamer Hausbesitzer auch kein Problem. Zum Iglubauen hats auf dem Dachboden ohnehin nie gereicht.
Aber ich kenne auch die Dachneigung nicht.

Gruß P.



Zu 1. Wenn der Innenverstrich nur teilweise



defekt/ rausgefallen ist, dann sollte er ausgebessert werden.
Dachdeckermörtel mit Faserarmierung.
Was für eine Ziegeleindeckung ist vorhanden?

Mfg
Danilo



Sanierung



Hallo Sepp,

an trockenem Holz finden Schädlinge selten Gefallen, deshalb ist es wichtig, dass die Dachhaut intakt und dicht ist. Von Folien etc. unter den Dachziegeln halte ich persönlich nichts, da Folien die Begutachtung des Daches auf Dichtheit von innen behindern und auch gerne eine Kondensatebene darstellen. Wind- und Regen- (Schnee-)dichtigkeit mit Kalkverstrich von unten, bzw. gänzlich ohne Verstrich beim Biberschwanzdach in Doppeldeckung (meiner Meinung nach das beste Dach, da sehr Wind- und Regendicht aber hoch diffusionsoffen - ohne Glasur der Biberschwänze).

Mit Kaliwasserglas kann man Holz durch Verkieselung der Oberfläche uninteressant für Schädlinge machen.

Den vorhandenen Ziegelverstrich am Dach würde ich mit Haarkalkmörtel ausbessern/verschmieren. Kälberhaare gibts bei Ebay.
Kalkmörtel selbst mischen aus Kalkhydrat (z.B. Fels Weißkalkhydrat CL90 - Baumarktware in 25kg-Säcken) und Sand im Verhältnis 1:3 (bis max. 1:4) und entsprechend Wasser.

Für das Ausbessern der Fugen der Giebelwand ebenfalls nur Kalkmörtel verwenden. Kalk und Ziegelsteine haben nahezu identische Ausdehnungskoeffizienten, so dass die Gefahr von Rißbildungen sehr gering ist. Mit Zementmörtel verstrichende Fugen reißen gerne auf und Wasser dringt ein.

Zur Dämmung der oberen Geschoßdecke: Lehmschlag ist schon recht gut. Eine leichtere Dämmung würde hier das Temperatur-Amplituden-Verhältnis verschlechtern. Ggf. etwas mit Blähton aufschütten und einen dicken Holzbohlenbelag (wärmespeichernd und dämmend!) drauf legen.
OSB-Platten sind wasserdampfsperrend! Hier gibts dann ggf. Tauwasserprobleme.

Für die Wände der Sattelkammer würde ich Kalkputz nehmen. Lehm ist diffusionsoffen, kann jedoch viel Wasser speichern und dichtet auch gut ab.
Kalk ist diffusionsoffen und lässt Feuchtigkeit aus dem Mauerwerk abdampfen. Wasser fließt immer von der größeren Pore zur kleineren, niemals umgekehrt.
Der Grundputz wird mit groben Sand (0-4mm) angeworfen, was im Ergebnis gröbere Poren im Putz ergibt. Der Feinputz wird mit 0-2mm Sand (oder feiner) aufgetragen und ergibt kleinere Poren. So wird sichergestellt, dass Wasser aus der Wand durch den Putz abdampfen kann, Wasser von außen jedoch an der Grenze Feinputz/Grobputz an der Wanderung ins Wandinnere gehindert wird.

Ich habe meinen Sand/Kies auch vom Baumarkt bezogen. Da es dort keinen 0-4mm Kies gab, kaufte ich den 0-8mm Kies (eigentlich für Estriche vorgesehen) und siebte mir einem 4mm Sieb den gröberen Kies raus. Den Kies 4-8mm trockne ich und benutze ihn als schwingungdämmende Schüttung in einer Holzbalkendecke zwischen den Geschossen.

Grüsse aus Berlin
Sascha



Danke



Guten Morgen,
vielen Dank schon mal für die bisherigen Antworten!

@Peter und Danilo:
Es handelt sich noch um die ersten Dachziegel (1912). Es sind größtenteils lasierte Ziegel, die mit je zwei Nasen auf den Dachlatten aufliegen. Ich weiß nicht, wie die Bezeichnung dafür ist, aber ich werde mal Fotos machen.

Klar, defekte Ziegel werden ausgetauscht.
Aber da die Ziegel zum Teil nicht mehr perfekt liegen, und bei einigen die Nasen nicht mehr intakt sind, entstehen an den Fugen, größtenteils an den horizontalen, Spalte, durch die dann Wasser eindringt.
Ein komplett neues Dach kommt preislich nicht in Frage und ist auch noch nicht nötig. Das Abdecken und neu Eindecken kommt für mich derzeit auch nicht in Frage.
Die horizontalen Fugen waren halt auch verschmiert und das ist zu einem großen Teil rausgebröckelt. Das würde ich halt wieder gern verschmieren, ich denke, dass damit die größten Probleme (zusammen mit dem Tauschen der kaputten Ziegel) behoben sind. Nur halt die Frage womit: Der eine sagt Zement, der andere Kalk. Und was genau ist Dachdeckermörtel?
Und darin, dass PU-Schaum keine gute Idee wäre, stimmen vermutlich alle überein, oder?

@Sascha:
1.: Eine Folie oder ähnliches unter den Ziegeln möchte ich auch nicht machen. Da hier bei einem 100 Jahre alten Dach immer mal was getauscht oder ausgebessert werden muss, sollte das zugänglich bleiben.
2.: Das Kaliwasserglas klingt nach einer guten Alternative. Bislang hatte ich "Anti-Insekt" geplant, was mir ein Mitarbeiter von Remmers empfohlen wurde, der sich das angesehen hat...
3.: Mal eine allgemeine Frage zum Kalk: Man kann ja im Baustoffhandel diesen hydraulischen Kalk, HK80, bekommen. Ist der für solche Putze, Fugenmörtel etc geeignet, oder eher nicht? Wäre super, wenn mir mal jemand die Unterschiede erklärt...
Kälberhaare...gibt es noch andere Zuschläge, die ich stattdessen nehmen kann? Eher was pflanzliches als was tierisches?
4.:Zur Dachdämmung: Glaswolle ist nicht zu empfehlen? Zusätzlich oder statt des Lehmschlags? Oder vielleicht eine Holzdämmwolle oder -Platten?
An dicke Holzbohlen hatte ich auch schon gedacht, zur Zeit sind auch Bretter drauf. Aber die sind zum Teil so angegriffen, dass ich sie gern austauschen würde. Und dicke Bohlen sind teuer, deswegen hatte ich an OSB gedacht. Aber dein Einwand macht natürlich Sinn...
5.: Die Sattelkammer: Ich dachte eigentlich, dass ich hier mit Lehmputz ganz gut bedient wäre. Den haben wir auch in unserer Küche (einschaliges Mauerwerk) zusammen mit Holzfaserdämmplatten verwendet. Mit dem Ergebnis bin ich bislang sehr zufrieden.
Aber Kalkputz kann ich natürlich auch machen. Würde auch einlagiger Putz reichen?
Und was mache ich mit der Decke (Dachschräge) in der Sattelkammer am besten? Hier ist bislang das rohe Dach. Ich hatte, da es kein Wohnraum ist, an Glaswolle und Rigps gedacht, da das einfach und relativ günstig zu bekommen ist. Aber hier bin ich natürlich auch dankbar für bessere Vorschläge, solang sie kein Vermögen kosten.

Viele Grüße,
Sepp



u-wert-rechner



Für die Berechnung der Dämmung kannst du den U-Wert-Rechner nehmen.
http://www.u-wert.net/berechnung/u-wert-rechner/
Ich werde wohl 80er Hölzer quer zu den Balken aufschrauben die Lücken die mit weicher Holzfaser wie Steicoflex füllen. Die kann ich dann möglicherweise beim Dachausbau wieder mit verarbeiten, wenn es bis dahin nicht vergammelt. In den Fehlboden unter die Schüttung soll auch noch 80er oder 100er rein.



So



So, das Thema "Verfugen und Dachziegel verschmieren" wird ja nun in meinem anderen Beitrag diskutiert. Dann können wir uns hier den restlichen Fragen zuwenden. :-)

Wäre super, wenn noch jemand Vorschläge hat zu den anderen Fragen, also der Dämmung der oberen Geschossdecke im Wohnhaus und die Bearbeitung der Wände und der Decke in der Sattelkammer.

Viele Grüße,
Sepp