ThermoShield als Fussbodendämmung?

30.08.2009



Ich habe kürzlich bei einem Bauherren eine Fussbodendämmung der wohl neueren Art entdeckt: ThermoShield,
Dieser Anstrich kam dort direkt auf den Unterbeton und unter die Fussbodentemperierung.
Dieses Material soll über 80 % der Wärmestrahlung reflektieren.

Nun ist für mich als Halblaien nicht klar, wie eine 0,3 mm "Keramikkügelchen"-Farbe eine herrkömmliche Dämmung ersetzen kann.
Die Antworten des Verkäufers waren nicht befriedigend bzw. auch keine offiziellen Testergebnisse erhältlich.

Also... Scharlatanerie oder Wundermaterial?



Fußbodendämmung



Das 80% Infrarotstrahlung von einem Farbanstrich reflektiert werden halte ich schlichtweg für ein Märchen.
Selbst wenn das so wäre ist der Einsatz auf dem Beton Nonsens, das ist so wie unter Wasser einen Regenschirm aufspannen.
Wärmeleitung kann dieses famose amorphe Siliziumdioxid nämlich nicht unterbinden.

Viele Grüße



Gibt's ne Geld-zurück-Garantie???



;-) Boris



Aaaaber...



die Fussbodenfarbe/Weltraumdämmstoff wird doch lt. Verkäufer seit 20 Jahren erfolgreich in den USA eingesetzt (erfolgreich).
Auf meine Frage, ob das Material mal in einen Wärmeschutznachweis eingerechnet wurde, hieß es es gebe nur wenige kundige Architekten die sich mit der Berechnung des Materials auskennen.
In Deutschland wäre es nur als Schutzanstrich zugelassen.

Ich bedanke mich für die Antworten und wende mich nun dem nächsten Wundermaterial zu:

Auf der gleichen Veranstaltung wurde eine andere Dämmung noch angepriesen.
Aufbau: Alufolie,Vlies, Alufolie,... . 2 cm dick und weich, Rollenware.
Soll dämmen wie 20 cm herkömmliche Dämmung und den Vorteil haben, das die Dachsparren im Fachwerkhaus fast ganz sichtbar bleiben.
Den Namen des Materials kann ich noch rausbekommen, was ist denn dvon wieder zu halten?



Ähhhhhh,



alles was ich bisher in die Richtung gehört habe, sind diese Vakuumviecher - und ich glaube es warten ziemlich viele drauf, dass jemand das Schweinegeld ausgibt, die bei sich einbaut und nach ein paar Jahren hier postet, ob das Vakuum noch da ist...(soll ja ziemlich allergisch gegen Nägel und Schrauben sein....;-).

Wie wars denn hier mit Prüfzeugnis, Gewährleistung? Das Zeug müsste dann ja WLG 0,02 haben.....

Gruss, Boris



Fußbodendämmung



Nun ja, US- amerikanische Häuser und Dämmung...
Ich habe bei der Fa. mal etwas im Internet recherchiert, einen wissenschaftlich belegten Nachweis der Wirksamkeit als Farbe habe ich nicht gefunden, wohl aber das Gegenteil. Der Hersteller selbst bestreitet vehement, das seine Farbe als Wärmedämmung anzusehen ist.
Er behauptet aber, als Fassadenanstrich Einsparungen an Heizenergie von 14% erzielt zu haben.
Das halte ich für unseriös.
Bei einem Anteil von ca. 20-25% der Wärmeverluste, die der Anteil der Fassade bei einem ungedämmten Haus ausmacht, sind eine Einsparung von 14% durch einen Anstrich unglaubwürdig.
Das würde bedeuten, das dieser Anstrich die Dämmwirkung des Bauteils etwa verdoppeln und damit den Wärmedurchgang etwa halbieren würde.
Der Hersteller selbst schreibt zur Wirkungsweise, das eine Vielzahl von Faktoren zur Dämmung beitragen, so soll die Infrarotreflektion nur mit ca. 3,5 % beitragen. Ein großer Teil soll durch die Austrocknung des Baukörpers infolge der großen Oberfläche des Anstrichs erzielt werden.
Was ist, wenn die angestrichene Wand aber schon trocken ist?
Dann werden da noch ein Haufen weiterer Dämmeffekte benannt, von denen ich noch nie etwas gehört habe.
Das klingt alles sehr gequält.
Zum Multilayer- Prinzip:
Solche mehrlagigen Dämmmatten stammen von der Idee her aus der Raumfahrt und funktionieren sehr gut.
Das mit der geschilderten 1:10- Effektivität ist Verkäufergeschwätz.
Allerdings sind sie diffusionsdicht, wenn das beim Einsatz und der Verlegung nicht beachtet wird, kann es zu Kondensatausfall kommen.
Wie sie sich im Langzeitverhalten bewähren, steht wohl auch noch aus.

VIP- Vakuumpaneele- sind ein seit Jahren bewährtes Material, die z.B. in Kühlhäusern als Hochleistungsdämmung eingesetzt werden. Die Dämmleistung liegt etwa 10 mal höher als die von Mineralwolle.
Sie sind hochbelastbar und robust, aber teuer (ca. 70,- bis 140,- € Materialkosten pro m²).
Mit fexiblen Folien als Umhüllung des Stützkerns (VIS) sind sie billiger und leichter, müssen aber vor mechanischen Beschädigungen geschützt werden.
Der Einsatz ist komplizierter als bei normalen Dämmstoffen, hier muß sorgfältig geplant werden.
Solche Platten können nicht einfach passend geschnitten werden, genau das- passen- müssen sie aber.
Deshalb sehe ich solche Dämmungen nicht bei Sanierungen von Altbauten, sondern bei Neubauten.
Das so etwas nicht in die Hände von Laien oder ungeschulten Handwerkern gehört, versteht sich von selbst.

Viele Grüße



Wie isses denn mit ner Lebensrettungsdecke als Dampfsperre?



Müsste doch auch so einen doppelplusgut-Effekt geben, oder? Macht man dann die Gold- oder die Silberseite nach innen?

;-) Boris



Hirnstrahlung



Hallo und Danke für die Antworten.

Das Teilvakuum in ThermoShield ist wohl nur innerhalb der Keramikkügelchen zu vermuten. Bei einer Auftragsstärke von 0,3mm und der Wandungsstärke der einzelnen Kugeln muss das Vakuum ja im Mikrometerbereich liegen.
Wer gesteigertes Interesse an einem Fachvortrag hat, sollte Herren W.Leuteritz von leuteritz-aquamat.de kontaktieren.

Im Eigenheim des Verkäufers ist als Dämmung einzig eine beidseitig bestrichene Fläche mit ThermoShield auf Gipskartonplatte eingebaut!!!
Das finde ich revolutionär bis mutig!
Bei nachweisbar 10 erfolgreichen BV`s bewerbe ich mich als Verkäufer.

Nochmal zu den mehrlagigen Dämmatten:

Bei der Aufbaudicke von 2cm kann ich mir die Dämmwirkung ja noch vorstellen. Aber als Aufsparrendämmung (sprich auch Ersatz für die Unterspannbahn) eingeklemmt von der Konterlattung auf ca.1mm oder eben im Anschlussbereich auf 5mm sehe ich doch starke Probleme, oder?
Sind nicht außerdem diese Matten diffusionsdicht?
Da würde sich mein Dachstuhl (250 Jahre+) vielleicht nicht freuen.



Moin Torsten,



mir ist der Hintergrund deiner Frage nicht ganz klar: Möchtest du unsere Meinung zu einigen vermeintlichen Wundermitteln aus USA hören, oder fragst du, wie du am besten dein 250 Jahre alten Dachstuhl dämmst?
Die Vorstellung von einem aufstreichbaren Vakuum mit phantastischen Dämmwerten ist natürlich faszinierend...was in die Richtung bereits funktioniert hat Herr Böttcher ausführlich dargelegt (und mein Halbwissen mal wieder auf den neuesten Stand gebracht, vielen Dank!).
Du kannst dir die Bude des "mutigen" Mannes mal in 10 Jahren angucken und dir seine Heizkostenabrechnung zeigen lassen - bitte dann auch hier posten - dann haben wir alle ne Vorstellung davon, was das Zeug taugt.
Wenn du dir hier im Forum mal die verschiedenen posts zum Thema Dachdämmung im Altbau anschaust, beantworten sich deine Fragen von selbst.

Was soll denn das Wundervlies pro qm kosten?

Gruss, Boris