Fußbodenaufbau neu -bisher Lagerhölzer auf Sand

31.08.2020 Kristel



Hallo zusammen,
ich bin neu hier und habe schon nach Antworten nach "meiner" Frage gesucht, bin aber nicht hundertprozentig fündig geworden. Entschuldigt, wenn die Frage irgendwann doch (wahrscheinlich) bearbeitet wurde.
Wir haben ein etwa 200 Jahre altes kleines denkmalgeschütztes Bauernhaus mit Rohrdach (Grundfläche 70 qm). Am Haus wurde bisher kaum etwas gemacht. Nun soll/muss es renoviert werden und soll zu einem Ferienhaus werden. Das Haus ist ein Fachwerkhaus, ausgefacht mit Stroh-Lehmstaken, verputzt mit Lehmputz innen, außen ist es mit Holzbrettern verschalt.
Meine Frage bezieht sich auf den Fußboden. Die jetzigen Dielen liegen auf Lagerhölzern, die wiederum auf Sand liegen. Eine Schüttung zwischen den Lagernhözern gab/gibt es nicht. Die stehende Luft hat gedämmt. Nach nun fast 200 Jahren sind die Dielen natürlich zum Teil von unten morsch, vor allem an den Rändern.
Uns wurden verschiedene Optionen des Fußbodenaufbaus erläutert:
1. Option:
Glasschotter
10 cm Zementschicht als Feuchtigkeitssperre
(+Vlies?)
Lagerhölzer aus Eiche + dazwischen wieder Glasschotter
Dielung aus Kiefer

2. Option
Blähton gemischt mit Magerbeton und Kaliwasserglas
10 cm Zementschicht
(+Vlies?)
Lagerhölzer Eiche ohne Zwischenschüttung
Dielung Kiefer

Meine Frage nun: braucht es eine Schüttung zwischen den Lagerhölzern, ist stehende Luft da nicht besser? Wie bisher eben? Wie stellen wir sicher, dass die aufsteigende Feuchtigkeit (sie steigt ja auf jeden Fall auf) raus kann und das Außenfachwerk und den Solbalken nicht beschädigt? Was sind die Vor-/Nachteile von Glasschotter bzw. Blähton, auch in ökologischer Sicht?

Uns ist klar, dass der Fußboden ohne Volldämmung kälter sein wird, als in unserer Neubauwohnung. Das ist in Ordnung und soll so auch bleiben. Wir wollen das Haus auf keinen Fall durchdämmen und kaputtrenovieren. Geheizt werden soll mit einem Grundofen plus 2-3 gusseisernen Heizkörpern (Strahlungswärme), plus Fussleistenheizung.

Danke euch schon einmal für Antworten!
Kristel



bodenaufbau



worauf liegt die Fachwerkschwelle jetzt, ich vermute auf einem Sockel. Wie hoch ist der alte Fußbodenaufbau gewesen - unterhalb der Schwelle? Ein Foto zur besseren Beurteilung der Sockel-Schwellensituation von außen und innen wäre hilfreich für die weitere Vorgehensweise. Pro Beitrag kann ein Foto beigefügt werden, für ein zweites Foto erneut den Antworten-Button wählen.



Fußbodenhöhe



ich habe mich wahrscheinlich schlecht ausgedrückt. Was mich interessiert ist, ob die Schwelle innen über dem Fußbodenniveau liegt oder darunter, davon ist die zukünftige Aufbauhöhe abhängig.



Ja,



die Schwelle liegt über dem Fussbodenniveau. So um die 5 cm, würde ich schätzen. Bei der Renovierung ist es allerdings geplant, den Solbalken/Schwelle insgesamt etwas hoch zu setzen, so um die 8-10 cm, indem wir zwischen Findlingen und Schwelle/Solbalken eine Reihe Ziegelsteine längskant setzen, damit wir das untere Fachwerk besser vor Spritzwasser und aufsteigende Bodenfeuchtigkeit schützen. Zudem ist alles natürlich etwas eingesackt über die Zeit. Mit dem Hochsetzen des Solbalkens würde es noch mehr Luft zu den Dielen geben. Bitte gerne nochmal nachfragen, falls ich das alles zu laienhaft beschreibe.



Nutzung als Ferienhaus



die Grundentscheidung, die Ihr treffen müßt, ist, ob der Fußboden gedämmt werden soll oder nicht. Falls nicht, könnte der Fußbodenaufbau wie unter 2. aufgebaut werden mit folgenden Änderungen:
1. den Untergrund verdichten und eben abziehen
2. Eine Trennfolie einlegen
3. besagte Blähton-Betonmischung 8 cm eben und ins Wasser bringen ( Wasserglas kann entfallen)
4. dann eine Feuchtesperre z.B. Schweißbahn an den Rändern bis Oberkante geplante Dielung bzwl bis zur noch einzubringenden Sperrbahn bei Sockelaufmauerung, hochziehen
5. Balkenunterkonstruktion Kiefer/ Fichte, dazwischen Holzfaser oder andere Schüttung ( die vermindert den Trommeleffekt unter den Dielen beim Laufen- falls kein Dämmwunsch vorhanden, kann das auch trockener Sand oder Blähton sein) bündig mit den Balken
6. Dielung nach Wunsch

Noch eine Frage: Wieso steigt die Feuchtigkeit in jedem Fall auf? Das verhindert ja die Schweißbahn auf der Betonsauberkeitsschicht. Und bevor Ihr die Ziegel auf den Feldsteinsockel mauert, sollte auch eine Sperrbahn eingebaut werden.
Innen kann ich mir das noch nicht richtig vorstellen, wenn die Schwelle bisher über dem Fußbodenniveau auf Feldsteinen gelegen hat, müßte der Sockel ja nur die Breite der Fachwerkbalken haben, wenn er mit überputzt ist. naja, warten wir auf ein Foto.



Vielen Dank



für die ausführliche Antwort!

Eine Frage hätte ich noch bzlg Glasschotter/Schaumglas vs. Blähton-Mischung. Der Architekt ist von Glasschotter sehr überzeugt. Mir sagt das nichts. Was ist bautechnisch der Unterschied zu der Blähtonmischung? Oder der Vorteil von Blähton?
Und noch zu Schritt 5. und zum Trommeleffekt ohne Schüttung: in dem Haus sollen drei Räume neu mit Dielen aufgebaut werden. Die Räume sind jeweils 13 qm groß. Spürt man bei so kleinen Räumen ohne Zwischenschüttung überhaupt einen Trommeleffekt? Haben Sie da Erfahrungen?

Zu der Schwelle und dem Sockel, ich glaube ich verstehe da die Begriffe nicht ganz. Ich dachte Schwelle und Sockel sei ein und dasselbe (also der Solbalken)...Entschuldigung, ist unser erstes Fachwerkhaus und Bauprojekt überhaupt...



Blähton



kennst du mit Sicherheit, dass ist bekannt als Seramis für Pflanzen. Nur eben mit geschlossenen Zellen und damit nicht Wasseraufnehmend. Das Schaumglas bzw. Glasschotter als Zuschlag für Leichtbetone genutzt wird ist mir nicht bekannt. Man kann natürlich auch eine Schicht aus Glasschotter unter dem Beton herstellen. Aber ich hatte verstanden, dass Ihr so unkompliziert wie möglich bauen wollt. Der Trommeleffekt hängt nicht von der Größe des Raumes ab, überlege mal wie das hallt, wenn Du auf eine kleine Gitarre klopfst. Ich finde es jedenfalls angenehmer , wenn es beim Laufen nicht so poltert. Aber vielleicht merkt Ihr das gar nicht so, wenn es keinen direkten Vergleich gibt.
Die Schwelle ist der Holzbalken, der zu unterst auf dem Feldsteinsockel liegt und auf dem das gesamte aufbauende Fachwerk steht und diesen Balken wollt Ihr ja untermauern, damit er höher kommt. Wenn die Holzverschalung bleibt, ist diese Maßnahme m.M. nach verzichtbar, weil ja das Spritzwasser den Balken gar nicht erreicht. Aber die Begriffe sind regional auch unterschiedlich, ich kenne z.B. den Begriff " Solbalken" überhaupt nicht, sondern nur die Solbank, auch Fensterbank genannt.



Materialschlacht …



Hallo

es ist immer erstaunlich mit welchen Materialien da hantiert wird … 

Das Geschreibsel ist irrelevant, wenn man die Begebenheiten nicht kennt … 

Bauphysik lässt sich nicht bescheissen …

Wenn ihr einen Architekten habt … warum vertraut ihr ihm nicht?

Derartige Details kann man NUR mit fachlich angepassten genauen Skizzen oder Zeichnungen klären … 

und der "Trommelefekt" ist leicht zu umgehen, wenn man entweder etwas dickere Dielen nimmt oder die Auflagerhölzer enger legt … (der Vergleich mit einer Gitarre ist sehr MAU … weil eine Gitarre gebaut wird dass sie klingt … deshalb sehr dünnes Holz … 

Glasschaumschotter, Blähton ist meist genauso unsinnig wie Trasskalk oder Stopfhanf … klingt sauwichtig ist aber meist ein Schmarrn … 

Lasst euch vom Architekten eine tragfähige Lösung vorschlagen, dann ist er haftbar … wenn ihr euch einmischt ist er meist aus jeglicher Haftung raus … 

Eine Sanierung mit einem haltbaren SANIERUNGSKONZEPT bearbeiten nicht mit einem WWW-Konglomerat versuchen zu erreichen … 

Versucht so einfach als möglich zu arbeiten … natürliche Materialien und Erfahrungswissen einbeziehen … (dazu gilt nicht die Aussage: "ich habe das vor 5 Jahren so gemacht … es funktioniert" … )

gutes Gelingen

Florian Kurz



Ganz einfach:



"Wenn ihr einen Architekten habt … warum vertraut ihr ihm nicht?"

Weil der Mann keine Sperrschichten gegen aufsteigende Feuchte kennt.

Eine Zementschicht ist keine Sperre dagegen.

"Der Architekt ist von Glasschotter sehr überzeugt. " Jeden Baustoff kann man falsch einbauen. Insofern ist die "Überzeugung" von einem speziellen Baustoff schlicht albern. Der Mann scheint mir ein Schmalspurplaner zu sein.

Ich würde auf keinen der beschriebenen Unterbauten einen Dielenboden legen. Nicht für Geld, gute Worte und auch nicht bei vollständiger Haftungsfreistellung.

Der Planer traut sich selber auch gar nicht. Wozu denn die Lagerhölzer aus Eiche? Weil er mit immensem Aufwand einen undichten Unterbau plant.

Grüße

Thomas



Auch nicht schlecht:



"Geheizt werden soll mit einem Grundofen plus 2-3 gusseisernen Heizkörpern (Strahlungswärme), plus Fussleistenheizung."

Ganz schön viel für 70m².

Hängen die diversen Heizkörper am (neuen?) Grundofen?

Oder wie sonst werden sie beheizt?

Grüße

Thomas



@Pope



@Pope: Vielen Dank für die freundlichen Antworten und die Zeit!



@Thomas



..in einem Beitrag von 2011 schlägst du bei einer ähnlichen Frage (Dielen auf Sandboden) folgendes vor:

"nicht gleich das Kind mit dem Bade auskippen. Meine Variante:

10cm Schotterpackung
diffusionsoffener Geovlies
10cm Leichtbeton (Blähton 2-4mm Korn+Zement) sauber und waagerecht abgezogen, dient auch als Dämmung
Schweißbahn
Lagerhölzer Lärche oder Douglasie Splintfrei auf Quadraten aus 6mm Bautenschutzmatte
keine Dämmung zwischen den Lagerhölzern (wäre hier eher kontraproduktiv, da die Lagerhölzer nicht mehr so gut Luft bekommen)
Dielung Lärche oder Douglasie Splintfrei 28mm

Im nur zuweilen genutzen Ferienhaus würden Sie einen Steinboden immer als kalt empfinden. Mit einem Mindestmaß an Luftaustausch steht der obige Aufbau tadellos. Aber wichtig: Dielung mit Holzfeuchte um 12-14% auswählen. Bei den üblichen 9% wird's kräftig schieben."

siehe hier: https://www.fachwerk.de/fachwerkhaus/wissen/balken-sand-167285.html

Jetzt hingegen meinst du, dass du "auf keinen der beschriebenen Unterbauten einen Dielenboden legen" würdest. Nicht für Geld, gute Worte und auch nicht bei vollständiger Haftungsfreistellung."

Was denn nun? Für mich sehen dein Vorschlag von 2011 und der von Roland (@Pope) doch recht ähnlich aus, nur die Schüttung /Dämmung zwischen den Lagerhölzern lässt du weg, aber auch Roland meint, wir könnten sie je nach Gusto weglassen.

Wie dem auch sei, Rolands Meinung und deine von 2011 geben uns schon einmal einen Anfang. Danke hierfür.



Genauer lesen:



Mein damaliger Vorschlag beinhaltete eine Schweißbahn, und auch jeder andere vernünftige Vorschlag fürderhin sollte diese oder eine identisch wirkende Sperrschicht enthalten.

Schreib doch noch mal was auf meine Frage zur Heizung, das ist in Zusammenhang mit den Holzbodenauzfbau besonders im (selten genutzen?) Ferienhaus interessant.

Grüße

Thomas