Fußbodenaufbau auf Erdreich

10.02.2014



Hallo liebes Forum,
ich stehe vor folgender Problematik:
Vierkant-Bauernhaus ca. 1900 mit Bruchsteinmauerwerk zwischen 60 – 80 cm Stärke, Fundament ca. 20 cm unter Fußbodenoberkante, teilweise weniger, teilweise mehr. Boden ist reiner Lehm.

Da die Außenmauern Feuchteschäden aufwiesen und die Feuchtigkeit zum Großteil durch eine leichte Hanglage zum Haus bedingt war, haben wir voriges Jahr die Außenmauern außen aufgegraben und Meter für Meter mit Beton unterfangen, mindestens 30 - 40 cm Stärke (d.h. ca. 50% der Mauerstärke sind unterfangen. Vom Fundament nach unten reicht der Beton je nach Begebenheit mind. 80 – 100 cm. Vom Haus weg ist dann eine Betonplatte mit einer Breite von ca. 80 – 100 cm mit Gefälle verlegt worden. Dann Bitumenmasse vertikal und horizontal bis Plattenende, vertikal 5 cm Styrodur, Noppenmatte, Vlies und Schotterkoffer, Drainagerohr. Also Außen meiner Meinung nach alles Mögliche und Machbare getan, mehr ging leider nicht.

Diese Maßnahmen waren notwendig, da die Vorbesitzer falsche „Sanierungsmaßnahmen „ getroffen haben (Schotterkoffer ohne wirksame Drainage und fehlende vertikale Isolierung) und durch die Hanglage das Wasser wunderbar angezogen wurde. Man hat es damals wahrscheinlich schlechter als vorher gemacht….

Eine Horizontalisolierung war wegen der Bruchsteinmauer und dem sehr seichten Fundament nicht möglich.

Jetzt sind wir unmittelbar davor, die Innenräume zu sanieren. Der Fußbodenaufbau gestaltet sich in den einzelnen Räumen wie folgt (von unten nach oben):
- Küche: Lehm, ca. 10 cm Beton, Bitumenmasse, ca. 3 cm. Beton, Plastikbelag
- Speis: 10 cm Beton, Steinzeug
- Esszimmer: Lehm, ca. 10 cm Beton, ca. 3 cm. Glaswolle, ca. 4 cm Estrich, Isolierung???
- Wohnzimmer: Lehm, ca. 10 cm Beton, Bitumenmasse (Dachpappe), Polsterhölzer, Eichenboden genagelt, keine Isolierung
- Die restlichen Zimmer werden vermutlich ähnlich wie die Küche sein.

Nun sollen die Böden lt. Baumeister wie folgt saniert werden (Aufbau von unten nach oben):
- Fläche ca. 30 – 40 cm von fertiger FBOK ausheben (genaues Maß wird noch festgelegt)
- Grober Schotter
- Sauberkeitsschicht Beton
- Feuchteisolierung / Bitumen / Teerpappe
- Wärmedämmung ca. 5 - 10 cm, je nach Platz
- Fußbodenheizung
- Heizestrich
- Fliesen oder Laminat/Fertigparkett
- An der feuchtesten Außenwand sollte eine Wandheizung mit 2 m Höhe vorgesehen werden
- In den anderen Räumen sollten zusätzlich zu Fußbodenheizung Radiatoren bleiben

Teilweise sieht man auch auf den Innenwänden Feuchte Stellen, ich nehme an, dass Wasser unter dem Haus durchgeronnen ist (sollte jetzt nicht mehr sein). Es müssen natürlich auch noch die Wasser- Heizungs- Abwasserleitungen kontrolliert und ggf. ausgetauscht werden. Man hat auf der Außenmauer ein paar größere Löcher und ausgeschwemmte Fugen gesehen…

Nun hätte ich ein paar Fragen:
- Wie lange sollte das Haus nach dem Abschlagen des Putzes/Auskoffern austrocknen? – Trockengeräte?
- Wie lange sollte nach erfolgter Sanierung mit dem Innenausbau (Fußboden, Küche, …) gewartet werden.
- Ist der Fußbodenaufbau ok?
- Ist grundsätzlich eine Fußbodenheizung / Wandheizung die richtige Wahl
- Ist mit aufsteigender Feuchte aufgrund fehlender Horizontalisolierung in den Mauern zu rechnen?

Ich hoffe ich habe nicht zu lange geschrieben, aber ich glaube man muss die Thematik möglichst detailliert beschreiben um sich ein Bild machen zu können.

Vielen Dank!
oerni



fußbodenaufbau



Hallo Oerni,
schade das Sie nicht schon vor Ihrer Abgraberei außen hier gefragt haben. Ob Ihre Maßnahmen Sinn macht wird sich zeigen, wahrscheinlich wird sich nichts ändern.
Aber lassen wir das.
Gut ist das Sie jetzt vorher fragen.
Die ganze Auskofferei halte ich für a) überflüssig und b) schädlich. Der vorhandene Unterbeton sollte nach Möglichkeit bleiben.
Das Hauptproblem ist die Höhe des Fußbodenaufbaues. Wenn Sie mehr Höhe haben wollen um Dämmung unterzubringen können Sie in die Höhe gehen- da kann es Konflikte mit den Türstürzen und der Raumhöhe geben.
Wenn es möglich ist würde ich diese Variante vorziehen denn Sie ersparen sich das herausstemmen von ca. 10 cm Beton. Dem Haus wird das nicht gut bekommen außer man arbeitet vorsichtig per Hand mit Trennjäger, Meißel, Fäustel und Spitzhacke.
Wenn die Höhe nicht ausreicht und Sie in die Tiefe gehen müssen dann braucht es keine Schotterpackung. Dem Unterbeton ist es egal ob er nass ist oder nicht, Hauptsache darüber ist es trocken.
Fußboden einschl. Unterbeton ausbauen, den Lehm als Planum bis auf erforderliche Tiefe abschälen reicht.
Der neue Aufbau könnte so aussehen:
5-8 cm Sauberkeitsschicht aus Beton, unbewehrt,
Abdichtung, an den Wänden hochgeführt bis OFF (Oberfläche
Fußboden),
ca. 80 mm Styropordämmung,
Schrenzlage (Folie),
ca. 50 mm Heizestrich.
Bei Dielung kommt auf die Abdichtung ca. 80 mm Holzfaserdämmung (z.B. Steicofloor oder Doser) mit eingebetteter Traglattung,
ca. 30 mm Dielung.
Das ergibt ab Sauberkeistsschicht ca. 100 bis 140 mm Aufbauhöhe.
Bis zum Unterbeton haben Sie jetzt eine Höhe von ca. 100 mm zur Verfügung.
Sie wollen also wegen ein paar Zentimetern den ganzen Unterbeton abbrechen?-das lohnt nicht.
Versuchen Sie lieber mit den Fußböden etwas höher zu gehen oder bei der aufbauhöhe zu sparen.
Bei Estrich geht das wenn Sie statt Zementestrich Gußasphalt einbauen lassen, bei der Dämmung statt Styropor bessere Dämmplatten oder einen Teil der Dämmplatten durch Vakuumpaneele ersetzen. Die sind allerdings teurer.
Noch billiger wird es ein oder zwei cm an der Dämmung zu sparen wenn es daran hängen sollte.
Sie brauchen dann nur den alten Belag auszubauen, eine neue Abdichtung montieren und dann die oben beschriebenen Varianten einbauen zu lassen.
Ich würde mit Gußasphalt- Heizestrich bei Massivböden arbeiten, bei Dielung mit Steicofloor und die Dämmlage nach der zur Verfügung stehenden max. Einbauhöhe ausrichten. Eine Tür kann man unten auch mal einkürzen.



Fußboden & Wandverputz



Sehr geehrter Herr Böttcher,

danke für die Antwort. Wegen dem Fußbodenaufbau rede ich nochmals mit den Baumeister, vielleicht habe ich das mit dem Schotterbett falsch verstanden!? Werde auf alle Fälle darauf schauen, dass man nicht unnötig tief auskoffert.

Da man wahrscheinlich nach wie vor etwas (wenn auch viel geringere) aufsteigende Feuchtigkeit in den Wänden hat, habe ich zum Putz noch eine Frage: macht Lehmputz in Verbindung mit einer Wandheizung Sinn und hält der Putz eventuell aufsteigende Feuchtigkeit aus oder wird er ähnlich dem Kalkputz mit der Zeit zerstört? Worauf sollte man bei der Produktwahl achten? Kann der Lehmputz von einem "normalen" Baumeister verarbeitet werden oder sind spezielle Kenntnisse notwendig?

Danke vorab!
oerni



Abdichtung



Verbeißen Sie sich nicht in diesen Popanz aufsteigende Feuchte. Es gibt noch andere Feuchtequellen auf Wänden gegen die keine Abdichtung hilft. Wenn Sie was dagegen tun wollen muss erst einmal die Art bzw. die Ursache festgestellt werden. Putz, egal ob Lehm,- Gips,- Zement- oder Kalkputz hilft gegen keine der Ursachen, damit kann man höchstens die Spuren mehr oder weniger kaschieren. Der Unterschied zwischen den Putzarten besteht hauptsächlich darin das Lehm- und Gipsputze bei Dauerfeuchtigkeit zerstört werden. Kalk- und Zementputze nicht.



Danke



das waren zwar nicht die Antworten auf meine Fragen, aber trotzdem danke!



Putz



Was nützt ihnen ein fachgerecht angebrachter Lehmputz wenn er wieder von der Wand fliegt?
Wandheizung macht nur Sinn wenn Sie mit einer Innendämmung kombiniert wird. Die Innendämmung macht nur Sinn wenn die Feuchtequellen erkannt und abgestellt sind.



Alle Heizungen können nur funktionieren wenn diese auch ausreichend Wärme abgeben...



..also Sommer und Winterbetrieb. Problematisch wenn keine Zweiteilung. Fragen Sie Ihren Heizungsplaner wie er dies gewährleistet.