Sandsteinfundament-was drunter?

22.08.2007



Hi,
Angenommen ein historisches(od. auch neues) Fachwerkhaus soll gebaut werden. man möchte Sandsteinfundament 40cm -60 cm hoch haben .wie mußt der Untergrund beschaffen sein?
hab gelesen ,beton(auch nicht unbedingt meine Absicht) eignet sich garnicht, weil zu hart für Sandstein

gibt s dazu ein nettes Büchlein od.Aufsatz:
wie man Fundamente mit Naturstein aufbereitet?Bodenbeschaffenheit etc.



Sandsteinsockel



Hallo Marcus,
schon Marcus Vitruvius Pollio, praefectus fabrum und architekton (Vitruv, römischer Pionieroffizier und Architekt)empfahl dafür Beton als Gründung.
Würde ich auch so halten.
Also:
frostfrei bis auf Planum schachten,
wenn erforderlich Kiestragschicht einbauen,
erdfeuchten Beton einbauen bis auf OKG,
Sockel mit Kalkmörtel aufmauern.
Wichtig ist die Ausführung des Sockelmauerwerkes nach den Regeln der Mauerwerkskunst, also Fugenbreite, Überbindmaß usw. einhalten!

Viele Grüße
Georg Böttcher



weitere Fragen



Hallo,herr Böttcher
es tauchen bei Ihnen paar Begriffe auf -da muß ich als Laie nachhaken
Planum?
frostfrei bis 1,20 tiefe unter boden ?!Kiestragschicht(wie dick ?) unterm beton noch?
zwischen Betonsockel und Sandsteinfundament Kalkmörtel?! haftet der überhaupt auf Beton?
Beton mit Stahlarmierung(gab das schon zu Römerzeiten?)
beherscht der Maurer von heut die Regeln von damals?oder bedarf es einen Maurers mit speziellen wissen-wo find man den?

PS:es gibt freilich gute Handwerker/Architekten- erschreckend find ich,wie Laien sich immer wieder falsche Fachleut holen
oder sich einfach so mal eben ein historische Gebäude kaufen /ersteigern und hinterher Mängel feststellen und fragen wie man diese beheben kann.
deshalb freuts mich,dass dieses Forum gibt
Gruß Marc



Sandsteinfundament



Nach Deinen Fragen zu urteilen,
bist Du nicht vom Fach.
Ich kann Dir jetzt keinen Schnellkurs als Maurer geben, das geht nicht.
Ich empfehle Dir, such Dir einen Maurer, der Dir die Wand setzt, es bleibt eine Menge Arbeit für Dich übrig, wenn du ihm zur Hand gehen willst (falls das keine nur rein hypothetische Frage war).

Zu Deinen Fragen:
Unter eine Mauer kommt zuerst das FUNDAMENT, das steht auf dem Planum, der oberen, tragfähigen Bodenschicht. Wenn der anstehende Boden nicht geeignet ist, kann er z.B. durch Kies ersetzt werden (Kiestragschicht).
Seine Aufgabe ist, die Lasten aus der Wand in den Baugrund sicher und verformungsfrei abzuleiten. Dazu muß es bis in eine Tiefe reichen, in der genügend tragfähiger Baugrund mit gleichen bodenmechanischen Eigenschaften vorhanden ist. So werden ungleichmäßige Setzungen und Frostschäden vermieden und eine Bewehrung mit Stahl überflüssig.
Die anstehende Last wird über die Fundamentsohle durch Pressung bzw. Druck und über die senkrechten Seitenflächen des Fundamentes durch Mantelreibung in den Boden übertragen.
1,20 m Tiefe ist ausreichend.
Wenn nicht bindiger, frostsicherer Boden (Kies, Sand) vorhanden ist, reichen auch 60 bis 80 cm, vorausgesetzt, Du willst kein mehrstöckiges Haus darauf setzen, dann muß ohnehin der Planer ran.
Es wird ein Fundamentgraben ausgeschachtet, senkrecht, ca. 10 - 20 cm breiter als die Wand oder nach Vorgaben des Statikers.
Auf nicht bindigen, tragfähigen Boden kann direkt das Fundament betoniert werden, bei bindigen, frost- und wasserempfindlichen Böden (Ton, Schluff und deren Gemische mit Sand und Kies) empfielt sich eine frostsichere Gründung auf einer Kiestragschicht nach statischen Erfordernissen, ansonsten ca. 20 cm dick.
Darauf wird der Beton eingebracht und verdichtet, normalerweise genügt ein erdfeuchter bis steifer Beton C 16/20.
Je nach Geländeform wird am Rand eine Schalung gestellt, um die Oberkante des Fundamentes waagerecht abziehen zu können. Das Fundament sollte man später nicht sehen und es sollte bei weiteren Bau nicht stören (Pflaster, Fußbodenaufbau usw.), danach richtet sich die Höhe.
Darauf kommt das SOCKELMAUERWERK aus Werkstein, hier aus Sandstein.
Der Sandstein sollte genügend fest und frostsicher sein.
Werkstein bedeutet, er ist mindestens an allen 4 Lager- und Stoßfugenflächen vollständig bearbeitet. Die Steine sollten so groß sein, das die Binder bis auf die andere Seite der Mauer reichen, also möglichst groß. So entstehen beim Vermauern Fugen von max. 10 - 15 mm Dicke und eine kleine Fugenfläche im Verhältnis zum Querschnitt. Damit wirkt dieses Mauerwerk gleichzeitig als Sperre gegen aufsteigende Feuchte und gegen eindringendes Spritzwasser.
Natürlich hält Kalkmörtel auf Beton, im Zement selber ist ja auch Kalk.
Die Regeln für das Versetzen von Natursteinmauerwerk lernt jeder Maurer in der Lehre, sie sind in der DIN 1053 nachzulesen. Ob er es kann, ist eine andere Frage.
Was war nun im Mittelalter?

Die Kunst der Herstellung von hydraulischen Mörteln ging im Mittelalter verloren bzw. war nur wenigen zugänglich, teurer hight -tec- Kram, nur was fürs Militär, den Klerus und den Adel.
Als Bürger behalf sich mit dem, was da war. Für das Fundament wurden Bruchsteinpackungen in Lehm- bzw. Kalkmörtel, manchmal auch nur in Sand gelegt, bei bindigen, wenig tragfähigen, nassen Böden kamen auch Lattenroste und Pfahlroste aus Holz zum Einsatz. Darauf wurden dann möglichst große Werksteinquader gesetzt.

Die Römer kannten sehr wohl die statischen Zusammenhänge zwischen Druck und Zug in biegebeanspruchten Baugliedern, konnten aber keinen Stahl mit definierter Qualität als Massenbaustoff herstellen. Aber in Brücken sind zug- bzw. schubbewehrte Bauglieder durch eingesetzte Stahlanker in Werkstein verwendet worden.
Sie wählten eben Konstruktionsprinzipien bei Steinbauwerken, bei denen keine Zugspannungen auftraten.
Stahlbeton gibt es erst seit etwa 1840 und entwickelt wurde er nicht als neuer Baustoff für Häuser, sondern als Erstz für das knapper werdende Bauholz, bis ihm der Stahl als immer billigerer Massenwerkstoff den Rang ablief. Erst etwa ab 1890 begann man ihn verstärkt als Baumaterial im Wohnungs- und Ingenieurbau einzusetzen und hier wieder als Stahlersatz, weil er weniger brand- und korrosionsgefährdet wie reiner Stahl war.

Viele Grüße
Georg Böttcher



Danke.



hallo, Herr Bötcher
Vielen Dank für ihre ausführliche Antwort.
mich hatte vor allem die Fachhallenhäuser interessiert, die ja bis zu 25 meter lang sind und früher(13-16 jhd.) nur auf Findlingen standen .oder wurde da auch schon Beton eingesetzt?
worauf fand denn der Lehmboden Halt im Inneren der Diele ?
Gru



Sandsteinfundament



Findlinge als Einzelfundamente unter Stützen sind nun mal was ganz anderes als Sandsteinsockel bzw. Streifenfundamente.
Wenn sie auf bindigem Boden standen und die Auflast zu groß wurde, sackten die Steine weg; Verformungen im Tragwerk waren die Folge. Beton kam nicht zum Einsatz, wer Findlinge nahm, hatte kein Geld dafür bzw. baute darauf einfache Bauten wie Ställe und Scheunen.
Lehmestrich im Inneren wurde auf kapillarbrechenden Kiesschichten aufgebaut, bei bessserer Ausführung auch mit Kalkstabilisierung. Vitruv z.B. empfahl unter Fußböden Holzkohle als Zusatz in der Tragschicht, um aufsteigende Feuchte zu vermindern.
Lehmestriche waren im Innenbereich von Wohnhäusern die qualitativ schlechtere, aber billigere Lösung, geschuldet dem Geldmangel der Erbauer. Wer es sich leisten konnte, baute auf dem Lehm- oder kalkgebundenen Estrich ein Pflaster- bzw. Fliesenbelag aus keramischen Platten auf.
Nur die wirklich ganz Reichen konnten sich hydraulische Estriche oder Terrazzoböden leisten.

Viele Grüße
Georg Böttcher