Fragen zur Dielenverlegung auf Massivboden



Fragen zur Dielenverlegung auf Massivboden

Hallo zusammen!

Vorab - ich bin Laie und bitte um Nachsicht, wenn ich mich mit Fachbegriffen nicht auskenne ;-)

Ich möchte in meinem Schlafzimmer (ca. 17 qm) Dielenboden verlegen…

- Der Raum ist ein späterer Anbau und somit außerhalb des Fachwerks
- 1. OG, darunter ist Waschküche / Heizungsraum (Ölhzg., nicht so warm wie beheizte Räume aber auch nie wirklich hundskalt)
- Boden ist massiv (vermutlich Estrich?) und die Bodenebene ist niedriger als die des Nachbarraumes (aus der Erinnerung heraus würde ich sagen 5-6 cm - wohne noch nicht vor Ort)
- Wände sollen auf vorhandenen Zementputz noch eine Schicht Lehmputz zur Klimaverbesserung bekommen

Mein derzeitiger Plan sieht vor:
- Holzlatten quer zur Dielung (Zwischenräume variieren aufgrund von Schornstein zwischen 35 und 45 cm) in den Estrich geschraubt
- Zwischenräume mit Trockenschüttung (Perlit o.ä.) aufgefüllt
- Obenauf 3 mm Kork
- Darauf 20 mm Eschendielen, schwimmend unverleimt (mit „Klammern“ außerhalb des Dielung, die die Dielen etwas zusammendrücken aber nachgeben können - System von Ökozentrum Kassel)

Meine Fragen an die Experten / Erfahrenen:
- Macht der Aufbau grundsätzlich Sinn?
- Brauchen die Holzlatten auch Abstand zur Wand?
- Benötige ich unterhalb der Holzlatten dringend eine Folie oder ähnliches oder ist das Gesamtsystem so feuchtigkeitsregulierend genug?
- Es gibt wohl Meinungen, dass schwimmend verlegte Dielen problematisch sind - ist das so und vor allem… warum?

Für den Fall, dass ich mich etwas unverständlich ausdrücke - ich versuche noch ein Bild anzuhängen.

Vielen Dank schonmal!



Klammern...



...sind bei Massivdielen...Mist. Ganz einfach, weil das Holz sehr oft mehr arbeitet, als die Klammern zusammenhalten können. Im Ergebnis hast Du wahrscheinlich im Hochsommer bei warmfeuchtem Klima ein Hügelein in der Mitte des Raumes, und im Winter Fugen. Gratis dazu zu jeder Jahreszeit knarrende Hirnfugen.

Das ist aber nicht der wichtigste Punkt. Der von Dir angedachte Aufbau ist definitiv NICHT mit Klammerdielen darüber möglich, ohnehin fehlerhaft.

Bitte nivelliere 'mal durch, wieviel Aufbauhöhe Du wirklich hast. Dann kann ich Dir einen guten Unterbau empfehlen.

Grüße

Thomas



Fußbodenaufbau


Fußbodenaufbau

Der restliche Aufbau ist auch Mist.
3 mm Kork auf Trockenschüttung- wie soll das halten. Einmal drauftreten das wars. Dann wirkt die Korklage dampfbremsend. Über die Ränder eindiffundierende Raumfeuchte bleibt im System gefangen, vor allem die Ränder zur Wand werden feucht. Es reicht schon wenn da die relative Luftfeuchte längere Zeit über 80% liegt um Schimmel auch ohne Ausfall von Kondensat wachsen zu lassen.
Das sind keine theoretischen Spekulationen sondern in der Praxis erlebte Vorgänge.
So hatte ich beispielsweise voriges Frühjahr einen Fall wo der Kunde seinen Erdgeschossfußboden zweimal neu aufgebaut und dann wieder herausgerissen hatte. Grund war massiver Schimmelbefall in der Raumluft. Beim ersten Aufbau mit Schaumpolystyrol als Dämmung war die Oberfläche der Abdichtung verschimmelt und nass, nach dem zweiten Aufbau mit Lagerhölzern und Perliteschüttung (siehe Foto)trat der Schimmelbefall an der Außenwand und in der Schüttung unterhalb der Fußbodenoberfläche auf.
Jetzt hat er den dritten Aufbau aus Holzfaserdämmplatten ohne Lagerhölzer.

Ich wette das es etliche Fußbodenaufbauten im System: -Lagerhölzer und Perliteschüttung auf Estrich im Erdgeschoss- gibt die ähnliche Erscheinungen aufweisen ohne das die Bewohner das wissen.
Schimmelgeruch wird von Menschen unterschiedlich wahrgenommen, nicht jeder holt sich gleich einen Baubiologen und lässt die KBE- Anzahl pro m³ bestimmen.





Danke schonmal für die Antworten.

Also die Aufbauhöhe beträgt insgesamt 6,8 cm.

Was die Klammern betrifft - eventuell sollte man den Begriff in diesem Fall in "Federn" abändern. Es sind definitiv nicht die Klammern, die unterhalb der Dielen diese zusammenhalten sondern solche, die seitlich am Längsrand der gesamten Dielung gesetzt werden um die Dielen zusammenzudrücken.

Ich dachte, Perlit wäre gut feuchtigkeitsregulierend? Ist dem nicht so? Der ursprüngliche Vorschlag von dritter Seite war, eine reine Perlitschüttung mit schwimmend verlegten OSB-Platten obenauf und darauf die Dielen. Ich wollte aber gern auf OSB-Platten verzichten(Formaldehyd, Leim...). Das mit dem Kork ist einzusehen - ich dachte nur daran, dass hier auf jeden Fall noch eine Zwischenschicht rein sollte, damit die Dielen nicht so direkt auf der Schüttung knarzen ;-)



Schwimmende Dielung auf...



...schwimmender Platte. Das klingt ein wenig nach der ostfriesischen Nationalflagge: Weißer Adler auf weißem Grund :-)

Spaß beiseite. Die rein schwimmende Variante geht garantiert schief. Versuche 'mal, auf einem diffusem Krümelbett OSB-Platten sauber in Nut und Feder zu verkleben. Ich würde sowas nicht für Geld und gute Worte machen, es ist in meinen Augen Pfusch. Zudem: Perlit hat einen hohen Anteil feiner Stäube und kratzt widerlich im Hals - bei mir zumindest.

Mache aus Deinen 6,8cm Folgendes:

Gefitas PE 3/300 selbstverklebende PE Sperrbahn, Steico Holzweichfaserplatte (Base, Rohdichte 0,25), 20mm, 2 lagig überlappend. Dazwischen Lagerhölzer 60x40 liegend. Darauf kannst Du die relativ dünne Eschendielung verschrauben. Die Holzweichfaserplatte wirkt flächig lastabtragend, somit bekommst Du auch mit 20mm Dielenstärke einen stabilen und hohlraumfreien Boden.

Hast Du 'mal über raumlange Dielen nachgedacht? Eine schöne Alternative...

Grüße

Thomas



Dielenverlegung über Estrich



Auf den gesäuberten, glatten Estrich sollte auch eine oder 2 Lagen PE Folie 0,2 mm genügen,
ansonsten Erika von Bauder oder Katja Sprint Feuchtigkeitssperre verlegen, am Rand bis Oberkante vom Fußboden oder bis unter die Fußleisten hochziehen.
Dann wie schon vorgeschlagen 40/60 mm KVH- Latten im Abstand von ca 50 cm auslegen- die Enden mit 5-10 mm Abstand von der Wand,
die beiden parallel an die Wände angrenzenden Latten mit ca 50 mm Abstand zu diesen Verlegen und mit Dämmstreifen auffüllen.

Unebenheiten des Estrichs können mit dünnen Kork- oder Gummigranulatstreifen unterfüttert werden.

20 mm Esche-Dielen sind tragfähig genug, sodass außer Holzfaserplatten auch
andere kapillare Materialien wie Holzflex-, Hanf- oä Dämmungen verwendet werden können.
Diese sollten in engem Kontakt mit dem Boden verlegt werden,
möglichst etwas überhöht, was auch Trommeleffekten beim Begehen entgegen wirkt.

Die Dielen ohne Zwischenlage mit den Holzlatten verschrauben.
Die Lattung nur lose auf den Boden legen- nicht verschrauben, was unnötig ist.

Klammersysteme habe ich bei einem größeren Dachboden mit 20 mm Buche-Dielen verwendet-
es funktioniert, ist aber unnötig und nicht empfehlenswert, wenn genügende Aufbauhöhe für Lattung vorhanden ist.
ZB dürfen keine schweren Schränke auf geklammerte Böden gestellt werden, die das Arbeiten behindern,
Randabstände müssen relativ groß sein, die Klammern bringen zusätzliche Kosten mit sich etc.

Andreas Teich



Danke für die Vorschläge!



@Thomas: Warum sollen die Holzweichfaserplatten eigentlich 2x 20 und nicht 1x 40 verlegt werden? Raumlange Dielen wären sicher toll, aber finanziell bin ich ziemlich eingeschränkt und ich vermute die sind sehr teuer.

@Andreas Teich: Guter Hinweis mit den Abständen der Leisten zur Wand. Hanf wäre als Dämm-Material aufgrund von Schimmel- und Verrottungsresistenz meine liebste Wahl - und vielleicht auch als Reminiszenz an meine Jugendtage... ;-) - aber ist halt auch sehr teuer.



Hanfdämmung



Stopfhanf ist günstiger als Hanfmatten, allerdings viel mehr Arbeit,
(und die Wirkung ist auch nicht ganz die, die man vielleicht mal gewohnt war...)
Von der Schimmelresistenz her ist Zellulose aufgrund der enthaltenen Salze wesentlich besser. Allerdings würde ich Schimmel bei so einer Konstruktion ohnehin nicht erwarten.

Hanf-Preise im Internet recherchieren



Ich halte...



im Gegensatz zu Herr Teich von Systemdielen auf Lagerhölzern überhaupt nichts. Die Stöße im Lagerholzzwischenraum sind potentielle Problemstellen. Systemdielen haben oft ungenaue Nut/Federausbildungen, was sich dann deutlich bemerkbar macht

Gerade die dünnen Systemdielen funktionieren auf einer druckfesten Holzweichfaserplatte wesentlich besser, des vollflächigen Lastabtrages wegen.

20mm HWPl Platten sind garantiert unverleimt, während stärkere Platten häufig mit Weißleim aus 20er Platten aufgebaut werden. Zudem finde ich, daß ein 2lagiger Boden besser liegt, besonders im Randbereich. Es gibt keine kurzen Reststücke, die vor sich hinkippeln, wenn überlappend verlegt wird.

Preise: Das Klammergedöns ist auch nicht billig, es käme da auf den Vergleich an.

Grüße

Thomas

P.S. Rotbuche ist so ziemlich das ungeeigneteste Holz für massive Fußböden, der schnellen Feuchtewechselzeit wegen. Die breiten Fugen der in den 30er Jahren oft verbauten Buchenparkette sprechen für sich. Daß sowas bei

1. einem größeren
2. einem Dachboden und
3. mit Klammern

als "funktioniert" bewertet werden kann, ist, ein gesundes Wahrnehmungsvermögen vorausgesetzt, nicht völlig unmöglich, aber ziemlich unwahrscheinlich.