Aufsteigende Feuchtigkeit

01.06.2010



Wir haben ein Bauernhaus (Bruchstein) von 1840 geerbt .... Der Keller ist bis auf den "Brunnenkeller" fast trocken. Im Brunnenkeller ist an der Außenwand ein ca. 10 m tiefer Brunnen, der früher der Wasserversorgung diente. Diese Brunnenkeller-Außenwand steht komplett bis zur 1. Wohnetage an einem Erdhang. Die Wand ist, solang ich denken kann, (50 Jahre) immer leicht feucht. Rechts neben dem Brunnen sind allerdings große feuchte/naße Stellen. Vor einigen Wochen hatten wir einen "Wasserschaden-Guru" zu diesem Thema im Haus, insbesondere da sich im darüberliegenden Wohnraum Feuchte Innenwände und Schimmel in der Nische unter dem Fenster gebildet hatten. Ansonsten wäre uns das auch garnicht alles aufgefallen. Hinzukommt, daß der Raum in den letzten 2 Jahren wenig beheizt und belüftet wurde. Der Wasserschaden-Guru hatte erst den Wohnraum und dann den darunterliegenden Kellerraum gesichtet, das Meßgerät an verschiedenen Stellen auf die feuchte/nasse Kellerwand gehalten sowie auch oben in dem beschädigten Wohnraum. Diagnose: Aufsteigende Feuchtigkeit wegen fehlender Horrizontalsperre. Therapie: An beiden Innenwänden in dem Wohnraum (Außenwände) den Putz abschlagen und unten den Eßstrich am Rand "spuren" für die Horizontalsperre. Als Wandbelag Sanierputz. Bei dem 2.Termin haben wir auch einen Bauunternehmer dazubestellt, dem er dieses nochmals so erklärte und daß die Therapie so sei.
------------ Nachdem, was wir inzwischen alles in diesem Forum gelesen haben, sind wir sehr verunsichert, ob dies der richtige Weg ist. Denn: unter dem Fenster, wo sich die feuchte schimmelige Nische gebildet hat, ist von außen ein Fassadenriß erkennbar. Desweiteren ist dort wo beide Außenwände aufeinanderstoßen (ca. 1 m rechts von der Fensternische) außen das Regenfallrohr, das in einen Schacht führt, der direkt an die Kellerwand grenzt. Das Regenwasser wird über ein Rohr längs der feuchten/naßen Kellerwand in den Brunnen geleitet. Wir haben inzwischen festgestellt, daß in dem Schacht viel angestautes Wasser ist. Die Wände in dem Wohnraum sind jetzt (seit ca. 2 Monaten) alle abgeklopft, das Bruchsteingemäuer sichtbar, der Eßtrich am Rand aufgebohrt und alles ist rappeltrocken. Wir fragen uns nun, ob das Wasser und die punktuelle hohe Feuchtigkeit im Keller nicht in erster Linie durch den Fassadenriß und den Regenwasserschacht kommen. Sollten wir erst diese beiden Schwachstellen beseitigen bevor eine Horizontalsperre im 1.OG und ein Sanierputz aufgebracht werden ? Ansonsten, gibt es eine bessere Alternative als Sanierputz ? Vielen Dank für eine ehrliche Antwort. MfG PaulaPaulchen



aus



der Ferne sind soche Diagnosen fast nicht möhglich, mann kann nur vermuten. Wenn Du aber Schwachstellen erkennst, wo zusätzliches Wasser ans /ins Gebäude gelangt, so ist es kein Fehler, dort anzufangen. Feuchteschäden können aber zusätzlich auch durch fehlende Lüftung/Heizung in den beiden letzen JAhren gefördert werden. Dazu kommen noch die des Wandanstriches, Kalkfarbe oder organische Farben/Tapete. Als Bauunternehmer würde ich Dir immer zu viel Arbeit raten, aber dieses Spiel düftest Du selber durchschauen. Hast Du den von den Messungen ein Protokoll bekommen ?



das mit einem Guru ist immer eine Glaubensfrage



Hallo Paula,

Welche Art von Horizontalsperre soll in Dein ansonsten trockenes Haus eingezogen werden? Aus welchen Materialien sind die Keller und Erdgeschosswände, wie sind diese verputzt?
Stell doch mal ein paar Bilder dazu ein.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Silicon-Microemulsion



Hallo CHristoph,
herzlichen Dank für die Nachricht.
Das Haus ist aus Bruchsteinen, der Keller unverputzt. Der Wohnraum darüber war verputzt (ich weiß allerdings nicht womit) und darüber Tapete (tw.Raufaser).
Es soll eine Silicon-Micro-Emulsion eingespritzt werden.
Bilder kann ich erst nächste Woche liefern, da ich zZt ca. 100 km von dem Haus entfernt bin.

Danke für jeden Hinweis und viele Grüße
Paula



Protokoll



Hallo Olaf,

nein, wir haben kein Protokoll erhalten. Nur eine Rechnung über ca. 300 € für die Sichtdiagnose.



feuchte Wand



Immer wenn jemand piepende und blinkende Geräte an eine Wand hält und erklärt, sie ist nass und das käme von aufsteigender Feuchte, werde ich sehr misstrauisch.
Vor allem wenn dann noch in einem Wohnraum Sanierputz eingebaut werden soll.
Benutzen Sie lieber Ihren eigenen, gesunden Menschenverstand und suchen Sie nach Feuchtequellen außen im Sockelbereich (hangabwärts anströmendes Regenwasser, defekte Dachentwässerung, Sockelvorsprünge...) und heizen und Lüften Sie im betroffenen Raum.
Wenn Sie die Angaben die Christoph Kornmayer angeregt hat beibringen, können wir vielleicht etwas konkreter werden.

Viele Grüße

p.s. lassen Sie die Rechnung erst mal liegen bzw. schildern Sie mal was drin steht.





300,- Euro für eine Sichtdiagnose, nicht schlecht.

---“Es soll eine Silicon-Micro-Emulsion eingespritzt werden.”---

Kommt die Idee auch von dem Guru?
Hat der Ihnen auch gesagt, das das Zeug, wenn überhaupt, nur bei geringer Salzbelastung funktioniert?
Hat er Ihnen wohl möglich schon eine Salzanalyse angeboten?

Grüße aus Schönebeck



Hört sich interessant an,



das kommt mir vor so nach dem Motto, wenn ich nicht mehr weiter weiss, dann diagnostiziere ich einfach aufsteigende Feuchtigkeit und verordne einfach mal eine Mumifizierung des Mauerwerks.

Ganz so einfach ist es eben nicht, hier fehlt Lastfallprüfung, Salzanalyse, etc.
Viel hängt auch vom Nutzungsverhalten ab.
Also lassen Sie sich nicht von Ihrem Guru verrückt machen, 90% aller Problemfälle lassen sich einfachen Mitteln lösen.

Grüsse Thomas



Aufpassen.



Hallo Paula,

bei 300 € war der Guru ja einige Stunden vor Ort. Vor dem Zahlen der Rechnung würde ich schon auf ein schriftliches Protokoll des Ortstermines mit Angabe der Messergebnisse bestehen. Damit er sich ein bisschen Mühe gibt solltest Du sagen, dass Du das Ganze nochmals überprüfen lässt.

Kann es sein, dass der Gute die Silicon-Micro-Emulsion selbst verpressen will oder jemanden "an der Hand hat" der das machen kann? Gibt es eine Angabe über den Preis oder gar ein schriftliches Angebot und darüber hinaus eine werkvertragsgemäße Gewährleistung für Mängel am hergestellten Werk? Da gibt es die abenteuerlichsten Angebote (selten Verträge) und im Schadensfalle kannst Du Dir ausmalen, wer allein im Regen steht ...

Ich sehe das ganz genau wie Thomas Kehle: Das ist die Standarddiagnose bei Unkenntnis oder Verkaufsabsicht. Wenn ich nur einen Hammer besitze ist das Problem immer ein Nagel.
Hat der gute Mann die Wasserführung des Regenwassers und die Undichtigkeit in der Fassade bemerkt? Abgesehen davon, das viele Natursteine überhaupt keine Feuchtigkeit aufnehmen - und somit nicht kapillar transportieren - können, dürfte auch nach einer Chemotherapie der Wand das Problem nicht gelöst sein.
Abgesehen von der anzuzweifelnden Sinnhaftigkeit dieses Unterfangens: Bei nahezu allen Anwendungstechniken und -arten durchdringen die Mittel das Bauteil nicht in Gänze. Unterschiedlich poröse Schichten (z. B.: Mauerwerk => Mörtel => Mauerwerk) können das Eindringen des Materials oder dessen Verteilung im Bauteil abschwächen oder unterbrechen.

Ohne es gesehen zu haben ist das schwierig, nach Deinem nächsten Besuch kannst Du ja mal ein paar Bilder einstellen.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Aufsteigende Feuchtigkeit



Hallo PaulaPaulchen,
Dein "Guru" scheint auch in der Glaskugel lesen zu können. Nur mittels Widerstands- od. Kapazitätsmessung kann man keine Aussagen über die tatsächliche Art der Schadensursache tätigen. Diese Messmethode kann lediglich die Feuchteverteilung darstellen - also z.B. hier mehr feucht als dort! Darüberhinaus können im Mauerwerk enthaltende bauschädliche Salze die Messwerte verfälschen, ganz davon abgesehen, dass das Gerät nur wenige Zentimeter tiefe messen kann. Der Guro führte lediglich eine orientierende Bauwerksbesichtigung aus. Z.B. erwähnt das WTA Merkblatt 4-5-99/D, dass eine Bauwerksdiagnose/Bauwerksanamnese in 6 Schritten ausgeführt werden sollte. Anhand der von Dir beschriebenen Leistung des Gurus sollte und darf kein abschließendes Ergebnis erwartet werden und erst recht kein Instandsetzungskonzept erarbeitet und beauftragt werden. Nicht nur die evtl. fehlende bzw. nicht funktionstüchtige Horizontalsperre, sondern auch weitere zusätzliche Schadensmechanismen können für die beschriebenen Probleme verantwortlich sein.

Eine solide Bauwerksuntersuchung inkl. Laboraufwand wird deutlich mehr als 350€ Kosten - bringt aber wirkliche Erkenntnisse.

Schöne Grüße
Sven Dröhne - Bauwerksdiagnostiker
www.bau-werke.com





Hallooo an Euch alle,
wir sind total dankbar für die wichtigen Informationen, die Ihr uns bisher gegeben habt! Vielen Dank an Euch!!!! Eure Antworten entsprechen unserem Bauchgefühl. Es ist toll, daß Ihr Eure Expertise so ungeschminkt mitteilt, die ist soooo hilfreich. Wir werden das Haus ab September vermieten und suchen nach der richtigen zweckmäßigen Lösung, den Wohnraum wieder bewohnbar - auf längere Zeit - herzurichten. Wir haben gestern den Revisionsschacht außen, in den das Regenfallrohr hineinreicht, ausgepumpt und das Rohr "verlegt". Ich selbst war nicht vor Ort, ansonsten hätte ich bereits die Fotos von den Kellerwänden machen können. Der Schacht war völlig voll mit Wasser gewesen und die Wand ist gerade in dem Bereich komplett klatschnaß. Diese Schwachstelle werden wir beseitigen, genauso die Sockelabschlußverfliesung und den Fassadenriß. Wahrscheinlich ist eine Ausschachtung neben der Außenhauswand unumgänglich.
Statt den Wohnraum mit Sanierputz und Horizontalsperre zu bearbeiten suchen wir nach einer vorerst idealen Lösung für die Innenraum-Wandverkleidung. Da wir aufgrund des Rates des Feuchtigskeitsschaden-Gurus die Wände abgeschlagen hatten und das Bruchsteinmauerwerk freigelegt haben, müssen wir diese wieder "herrichten". Wir tendieren nun dazu die Wände entweder mit Kalkzementputz oder einem Ständerwerk mit Rigipsplatten auszustatten. Sind Kalkzementputz oder ein Ständerwerk mit Rigipsplatten empfehlenswert ? Habt Ihr Alternativen?
Herzlichen Dank für Eure Hilfe.
Viele Grüße
Eure Paula



Wandverkleidung



Hallo PaulaPaulchen,

Sie bedanken sich für die vielen brauchbaren Informationen, handeln dennoch völlig "Kopflos".

Verschaffen Sie sich einen Überblick über alle möglichen Möglichkeiten bzw. Systeme zur Wandinstandsetzung. Es gibt wirklich gute Putzsysteme, Kalziumsilikatplatten oder vergleichbares für Ihren Fall. Aber, bitte, bitte, bitte, bitte kein "Ständerwerk mit Rigipsplatten"!!! Sie werden zukünftig Probleme mit Schimmelpilzbefall zu lösen haben. Garantiert!



also



die Ständerwand aus GK ist die schlechtere Wahl. Besser ist ein mehrlagiger Putz. Da die Wand aus Bruchsteinen, nass und uneben ist, würde ich mit Zementmörtel vorspritzen (gesäberte Fugen und Steine vorausgesetzt), nach ein paar Tagen eine Kalkzementputz als Ausgleich (1:5:15) und obenauf eine Kalkputz (1:3). Wenns vorher noch abtrocknen kann, wäre es gut. Mit dem GK holst Du Dir hingegen den Schimmel ins Haus.





So bitte nicht.

[pubimg 22187]


Grüße aus Schönebeck



Alternativen



Nehmen Sie doch einfach nur Luftkalkmörtel, z.B. von Solubel.
Einfach, praktisch, gut

bei Fragen geben wir gerne Hilfestellung

Grüsse Thomas




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