Fassade verputzen

01.04.2019 Jolly88



Hallo zusammen,

wir besitzen ein altes Fachwerkhaus (ca. 1900). Nun haben wir es von innen renoviert jetzt geht es außen ans Werk.

Leider ist jetzt ein Teil Außenputz abgefallen, wie zusehen war bzw. Ist unter dem Putz Lehm.

Womit verputze ich es wieder richtig?

Rotkalk ?
Kalk Zement Putz ?
Zement Putz?

Beim durchstöbern ist mir aufgefallen, dass gerade Kalkputze wie ein Schwamm wirken, jedoch Zement Putz starr ist .

Was wäre die beste Lösung ? Vielen Dank im voraus und ich wäre euch dankbar für eine kurze Erläuterung warum der eine Stoff besser ist wie der andere.



Fachwerkfassaden



Hier ein Auszug aus dem Arbeitsblatt
"Fachwerksanierung" von claytec. Siehe auch www.claytec.de oder direkt unter https://www.claytec.de/Arbeitsbl%C3%A4tter/3_Arbeitsblatt-Fachwerksanierung/Arbeitsblatt_Fachwerk.pdf

Zementhaltige Putze sind auf Grund ihrer schwachen oder fehlenden Diffusionsfähigkeit für Lehmuntergründe nicht geeignet. Eingedrungenes Schlagregenwasser und diffundierende Feuchte aus dem Gebäude müssen zügig wieder durch die Putzschicht diffundieren können, sonst wird der Lehm als Putzträger durch die sich anstauende Feuchtigkeit weich und der Putz verliert seinen Halt, außerdem zieht die Feuchtigkeit sonst ins Fachwerk-Holz und sorgt dort für entsprechende Schäden. Im Original des zitierten Textes stehen auch noch ausführliche Hinweise zu anderen Ausfachungen wie Staken, Weidengeflecht und deren Reparatur sowie deren Verputz.

claytec - Arbeitsblatt Fachwerkanierung (Auszug):
Ausführung des Kalkverputzes
Bei Beginn der Kalkputzarbeiten muss das Mauerwerk vollständig ausgetrocknet sein. Zwischenlagen aus Lehm-Unterputz sind nicht zulässig, der Kalkmörtel wird direkt auf das
Mauerwerk aufgetragen. Das Mauerwerk wird mit einer trockenen Bürste abgebürstet, um
losen Sand und Staub zu entfernen. Vor dem Auftrag der ersten Putzlage wird es sorgfältig
angenässt. Lehmsteine haben ein sehr großes Wasseraufnahmevermögen, dem Kalkputz
darf nicht das für den Abbindeprozess notwendige Wasser entzogen werden. Bei jedem
Gefach muss erneut geprüft werden, ob noch ausreichend Feuchtigkeit im Untergrund ist.
Dabei darf der Untergrund jedoch nicht wassergesättigt werden, der Lehm muss lediglich
eine durchgängig dunkle Farbe zeigen. Stauwasser in den oberflächennahen Poren würde
die Verbindung zwischen Kalkputz und Untergrund blockieren. Aufgrund des Anteils an grober Körnung und den enthaltenen Tierhaaren eignet sich der als Handputz zu verarbeitende
Luftkalkmörtel gräfix 61 Kalk-Grundputz Haar grob (CLAYTEC 21.200) ideal für den Verputz
historischer Lehmgefache.
Der Putzaufbau ist stets mehrlagig. Wenn der Kalkputz ohne Putzträgergewebe auf das
Lehmstein-Mauerwerk aufgebracht wird, so darf die Gesamt-Putzstärke höchstens 1,5 cm
betragen. Stärkere Putze sind nicht zweckmäßig. Je nach erwünschter Oberflächentextur
sind als Putzaufbauten möglich:
Die Dicke des Kalk-Grundputzes Haar grob darf pro Lage 8 mm nicht unterschreiten und
12 mm nicht überschreiten. (Vertiefungen > 3mm gelten für die Bestimmung der Putzdícke
als Putzgrund!). Für dicke Lagen und auf sehr großen Gefachen > 2,5 m2 ist mit zweilagigem Kalk-Grundputz Haar als Unterputz zu arbeiten, um Schwind- und Sackrisse zu minimieren. Oberfläche und Trocknung der ersten Lage siehe unten (sinngemäß).
Die erste Lage des Haar-Kalk-Grundputzes wird mit dem Holzbrett (15 x 40 cm) aufgezogen. Der Mörtel wird dabei mit Kraft an den Putzuntergrund gepresst und in Zickzack-Bewegungen eingearbeitet. Die Fugenrücksprünge müssen vollständig gefüllt und
verpresst werden. Das Korn wird durch das Einarbeiten mit dem Holzbrett aufgestellt.
Für das Abbinden ist diese große, offene Oberfläche eine optimale Voraussetzung. Die
Putzfläche ist dann so rau, dass sie nicht mehr aufgekämmt werden muss. Metallglätter sind für Grundputzlagen ungeeignet, da sie eine verdichtete Oberfläche hinterlassen,
die kaum noch fachgerecht aufgeraut werden kann. Alternativ kann der Mörtel mit der
großen Dreieckmaurerkelle angeworfen werden.
Den Kalk-Grundputz Haar vollständig trocknen lassen (Minimum ein Tag/mm Grundputzdicke). Dabei können Risse auftreten. Abschließende feine Decklagen können mit
CLAYTEC Japankellen oder Metallglättern aufgebracht werden (s. CLAYTEC Produktblätter 21.350 oder 21.400). Die Decklagen werden abhängig von Temperatur, Putzdicke
und Saugfähigkeit des Untergrundes nach einiger Zeit verrieben oder anders gestaltet. Beim Aufziehen und Glätten soll vom Gefachrand aus in die Gefachfläche und nicht
umgekehrt gearbeitet werden. Im Randbereich ist der Verbund besonders gefährdet.
Der Mörtel muss hier mit dem Beginn der Bewegung möglichst angedrückt werden.
Bei zu niedrigen Temperaturen und zu hoher Feuchtigkeit bindet der Putz nur sehr langsam und unzureichend ab. Bei Hitze oder Wind hingegen muss der Putz in den ersten
Tagen z.B. mittels Gartensprühgerät (feiner Sprühnebel) feucht gehalten werden, um
ein zu schnelles Austrocknen zu verhindern.
Fenster, Oberflächen aus Eichenholz oder sonstige holzsichtige Bauteile müssen während
der Kalkputzarbeiten sorgfältig abgedeckt werden, Kalkspritzer müssen sofort von den
Sichtflächen der Balken entfernt werden.
Zur farblichen Egalisierung und um einen ausreichenden Witterungsschutz zu gewährleisten ist der Putz vor dem Frost mit einem diffusionsoffenen, möglichst wenig schichtbildenden Anstrich zu versehen. Dazu ist gräfix 680 Kalkfarbe ideal geeignet. Sie wird mit
der Bürste freskal auf den noch feuchten Putz aufgetragen und muss dann zusammen
mit ihm durchhärten. Trockener Putz wird 1-2 Tage vor der Ausführung vorgenässt (satter
Sprühnebel), weiteres Vornässen erfolgt unmittelbar vor jedem Anstrich (Sprühnebel). Bei
stark witterungsbelasteten Fachwerkfassaden ist ein Anstrich mit Silikat-Fassadenfarbe zu
empfehlen.
Bei Fragen und Beratungswünschen vor Ort gibt es hier AD-Mitarbeiter auf der Website.

Frohes Schaffen und gutes Gelingen wünscht Andreas Wugk



Fassade verputzen



Vielen Dank für die aussagekräftige Antwort.



Wenn man ihrem Foto Glauben schenken darf....



...und man sich dieses einmal vergrößert, dann ist eure Fassade einer generellen Aufarbeitung und fachlichen Erneuerung anstellig.
So wie ich es deuten kann sind da auch einiges an den Holzkonstruktionsbauteilen zu prüfen, wenn nicht sogar zum austauschen.
Hier ist ein guter Zimmermann mit kompetenter Fachwerkerfahrung gefordert.
Dazu dann auch gleich die Gefachflächen mit überprüfen und einen Herangehensplan erarbeiten.
Leider ist eine perfekte Analyse über das Internet nur bedinbgt, wenn überhaupt, richtig zu erstellen.
Die vor-Ort-Begehung bleibt da leider nicht erspart.

Sorry, wenn es jetzt etwas aufwendig zu erscheinen mag!

FG Udo