Farbige Bruchstein-Aussenwand verputzen



Hallo liebe Fachwerkcommunity,

auf der südseitigen Aussenwand meiner Scheune, welche aus einem Gemisch aus Bruchsteinen (Sandstein, Quarzit, Findlinge), alten Porenbetonsteinen und Ziegelsteinen besteht wurde vor Jahren eine (vermutlich) Dispersionsfarbe unmittelbar auf die unverputze Wand aufgebracht.

Diese Farbe habe ich bereits mittels Putzfräse, Meisel und Bürste abgetragen. Durch die extrem unebene Wand sind jedoch noch kleine Farbreste in starken Vertiefungen verblieben.

Ich möchte die Wand nun verputzen.

Meine Idee ist zunächst alle Schadstellen (Löcher und kleine Durchbrüche mittels neuem Stein und Weisskalkhydratmörtel) auszubessern und dann diese geschlossene Fläche mit Quarzgrund grundieren.

Bisher sind alle neuen Außenputze mit Tubag historischem Kalkputz NHL-P ausgeführt. Jedoch immer nur als Oberputz, da die darunter liegenden Flächen immer intakt gewesen sind. Ich würde auch gerne weiter diesen Putz als Oberputz nutzen.

Meine Frage ist nun welchen Putz ich als Grundputz und Unterputz verwenden kann?

Ich möchte eine gute Haftung am Mauerwerk erreichen, benötige teils bis zu 5cm Putzdicke um Unebenheiten auszugleichen und will einen diffusionsoffene Bauweise beibehalten, auch wenn die Scheune nur Gerätelager ist.

Die zu verputzende Fläche sind ca. 4m x 3,5m.

Gibt es Ihrerseits Empfehlungen?

Viele Grüße
Sebastian



Hoch kapillaraktiver Putz Klimasan W



Kennen Sie schon die rein mineralischen Sanier- und Dämmputze von Klimasan Perlit?

Herzliche Grüße aus Würzburg!



Klimasan W



Guten Abend,

danke für Ihre Nachricht. Diese Produkte kenne ich nicht. Welchen Putz würde ich entsprechend meinen Anforderungen für Grundputz und Zwischenputz benötigen?

Viele Grüße
Sebastian



NHL-P



Hallo Sebastian,

wenn du mit dem Tubag NHL-P zufrieden bist und gut und günstig dran kommst, warum willst du den dann nur als Oberputz verwenden?
Denn den gibt es mit verschiedenen Körnungen, siehe : https://www.tubag.de/produkt/trass-und-restaurierungssysteme-grundputze-nhl-p.html .
Wenn du mit einer 0/4er Körnung anfängst, kannst du damit zunächst die tiefen Löcher füllen und die Wand ebnen, dann den Oberputz mit der 0/2er Körnung drauf ziehen.
Bedenke, der Tubag ist ein NHL-5-Mörtel, der ziemlich hart wird. Da solltest du keinen weicheren (Dämm-)Putz drunter machen. Getreu dem Motto: Von innen nach außen immer weicher werden.
Ob ein Dämmputz an deinem Geräteschuppen überhaupt Sinn macht, wenn er nicht gerade beheizt wird, wäre die nächste Frage.
Bei dem Mischmasch im Mauerwerk solltest du abe auf jeden Fall ein Armierungsgewebe in die letzte Lage Unterputz einbetten, um Risse zu vermeiden!

Gruß,
KH



Kein Dämmputz notwendig



Wenn es sich bei Ihrem Bauvorhaben um einen nicht beheizten Schuppen handelt, ist ein Dämmputz natürlich Quatsch.
Das im Putz enthaltene Bindemittel Edelkalkhydrat CL90 ist für solch eine Anwendung vielleicht auch etwas zu schade, da tut es in der Tat auch ein einfacher NHL-P.

Viele Grüße!



NHL-P



Guten Morgen,

vielen Dank für die schnellen und tollen Antworten.

Das bedeutet für mich, Wand vorbereiten, Quarzgrund aufbringen, dann die groben Schäden ausbessern und anschließend ein Grundputz und Zwischenputz mit NHL-P aufbringen, auf die zweite Schicht Armierungsgewebe und darauf den Oberputz.

Ärmel hoch und los geht's :)
Sebastian



@ Klimasan -Vertreter



was bitte unterscheidet Ihren " Edelkalkhydrat CL90" von einem handelsüblichen CL 90 von meinem Baustoffhändler, z.B. von Otterbein-Produkten ?



@Pope



Bei Otterbein gibt es sowohl NHL, als auch CL90.
https://www.zkw-otterbein.de/produkte/alle_artikel/wei%C3%9Fkalkhydrat-ii-wei%C3%9Fkalk-cl-90-s-detail
Der Unterschied zwischen NHL und CL90 ist bekannt, oder?

Grüße!



Das war nicht die Frage



ich wollte wissen, was Ihren " Edelkalkhydrat CL 90" vom CL 90 z.B. von Otterbein oder anderen Herstellern unterscheidet, also wodurch wird Ihr CL 90 zu " Edel....", außer zu Werbezwecken und Verbrauchervernebelung.



@Pope



Was genau ist Augenwischerei der Kunden? Weil wir dem Kunden einen CL90 "unterjubeln"?
Oder soll das jetzt hier ne Otterbein gegen Klimasan Session werden?



Der Hersteller ist egal



es geht gar nicht um Otterbein, sondern um den Begriff " Edelkalkhydrat". Dieser Begriff suggeriert ein hochwertigeres Bindemittel als das CL 90 anderer Hersteller. Der Schwerpunkt liegt hier also auf " Edel". Und da war meine Frage, was genau denn Ihr CL 90 edeler macht als das CL anderer Hersteller.



@Pope



Welches Edelkalkhydrat wäre denn z.B. hochwertiger als CL90?



Edel verpflichtet



Erinnert mich bissl an Karlsquell Edelpils oder die Edelsalami im weiß bedruckten Plastikdarm, also schon richtig edel. Oder den veredelten Mauerbinder von Fa. Böhme.



Edel ist lecker!



Mhhhhh ich liebe Edel Pils...



Edel oder nicht



Für mich als Halbwissenden spielt es im ersten Moment doch keine Rolle, ob der Kalk nun edel, sprich hochwertiger als ein anderer ist, solange meine Anforderungen erfüllt werden.

Es scheint ja so, dass ich mit NHL-P bauökologisch, preislich und historisch auf dem richtigen Weg bin. @Klimasan empfiehlt als Hersteller eines teureren Produkts selbst ja schon dass NHL-P für mich reicht, dass klingt für mich nicht wie eigene Produktwerbung, sondern eher nach einer ehrlichen und fachgerechten Antwort. Für andere Anwendungsbereiche gibt es gewiss andere Anforderungen und Produkte.

Wie ein Hersteller nun sein Produkt benennt ist ihm ja auch selbst überlassen, wenn ich als Kunde eine Entscheidung zu treffen habe, schaue ich ohnehin in das Datenblatt und darf dann nach Qualität und Geldbeutel entscheiden, für welchen Hersteller ich mich entscheide :)



Stimmt Sebastian



Du als mündiger Kunde schaust auf die Datenblätter und aussagekräftige Herstellerangaben und fällst nicht auf die Werbesuggestionen, die mit Namen wie " Edelkalkhydrat" erzeugt werden sollen rein. Aber egal, der blickige Verbraucher kann die Aussagen des Klimasan-Vertreters hier sehr wohl deuten.



Oh Mann....



dieser Popel immer ey



@ Sebastian



Hallo Sebastian,

um mal wieder auf dein Thema zurückzukommen... ;-)
Frage: Wozu willst du einen Quarzgrund auf die Wand streichen?
Ist die Wand so glatt dass du Bedenken hast ein Kalkputz würde nicht haften?



@Herr Hubel



Hallo Herr Hubel,

die Wand besteht aus Sandstein, Ziegel, mehren harten Natursteinen, Farbresten und teils Kalkfugen, teils Zementfugen. Durch den Quarzgrund will ich eine einigermaßen gleichmäßige Untergrundhaftung sicher stellen. Ist der Gedankengang so richtig?

Viele Grüße
Sebastian



Renovierputz, Sanierputz oder Historischer Kalkputz



Hallo Ratsuchender
Je nachdem, wo der Schwerpunkt liegt, würde ich das Putzsystem so auswählen:
Wenn es einfach gehen soll, sofort gut aussehen und funktionieren soll dann
HASIT RENOPLUS.
Wenn es auf Salz- und Feuchtebelastetem Mauerwerk maximal lange halten soll, dann
HASIT CALSOLAN.
Wenn es absolut zementfrei, nach historischem Vorbild und als Hydraulisches Kalkputzsystem sein soll, dann HASIT HASOLAN.

Vorher natürlich ausbessern und einen eben Untergrund schaffen.
Alle drei Putzfamilien haben sich schon lange bewährt und zeichnen sich durch geringe Diffusionskennwerte aus, erhärten hydraulisch und sind als Trockmörtelmischungen für jeden erhältlich. Nicht nur für Denkmalpfleger und Fachprofis.
=> www. hasit.de



Quarzgrund, ja/nein?



Hallo Sebastian,
ich sage es mal so: Deine Wand kenne ich zwar nicht, bisher habe ich für einen Kalkputz aber noch nie auf einer Natursteinwand oder einem Mischmauerwerk einen Quarzgrund, Betonkontakt, o. ä. vorgestrichen. Einzig auf Beton verwende ich einen Kalk-Haftputz als Haftbrücke. Auf allen anderen Untergründen reichts für einen Kalkputz wenn man die Wand gut anfeuchtet.
In deinem Eingangsbeitrag schreibst du dass du die Farbreste schon größtenteils entfernt hast. Wenn noch ein paar kleine Flecken in irgendwelchen Löcher vorhanden sind, sollte das kein Problem sein.
Quarzgrund hat vor allem die Aufgabe die Saugfähigkeit des Untergrundes zu egalisieren (heißt so viel wie reduzieren, schlimmstenfalls, je nach Bindemittel, absperren) und eine gewisse Rauigkeit herzustellen. Sowohl Naturstein, als auch Ziegel- und Porenbetonsteine sind aber von sich aus schon rau genug. Die Saugfähigkeit setzt du herab indem du die Wand gut vornässt. Da es draußen ist, einfach per Sprühstrahl vom Gartenschlauch. Dadurch dass die Wand das Wasser aufsaugt schaffst du quasi ein "Feuchtigkeitsdepot" für den Kalkputz. Er bleibt dadurch länger feucht, brennt nicht auf und kann durch die Aufnahme von CO2 aus der Luft schön vor sich hin carbonatisieren.
Wenn tagsüber die Sonne drauf brennt, solltest du den frischen Putz verschatten (alte Betttücher, od. ein Plane davor hängen) und die Oberfläche ein paar Tage lang (am Besten abends wenn die Sonne weg ist) vorsichtig anfeuchten, aber nicht "ertränken" ( z. B. mit einer Pumpsprühflasche). Es soll beim Anfeuchten kein Wasser runter laufen !!!

Viel wichtiger als eine gleichmäßige Saugfähigkeit, sprich Quarzgrund, ist das Armierungsgewebe.
Und wenn in der Wand Fenster und/oder Türen sind, lege unbedingt auch zusätzliche "Armierungspfeile" zur Diagonalarmierung an den Ecken der Wandöffnungen ein, damit keine Diagonalrisse entstehen.
Dann klappt das schon.
Die Armierungspfeile kannst du dir auch selbst aus Geweberesten zu schneiden. Beispielbilder und Maße findest du im Netz/Onlineshops. Wichtig ist einzig und allein, dass das Gewebegitter diagonal eingebettet wird.

Ansonsten kann ich dir nur empfehlen die Preise von deinem Putz-Favorit zu den bisher hier angepriesenen zu vergleichen.... ;-)

Gruß,
KH



Danke



Hallo Herr Hubel,

vielen Dank für diese ausführliche und versierte Antwort. Ich werde in den kommenden Tage mit den Ausbesserungsarbeiten beginnen und dann nach Ihrer Empfehlung die Wand verputzen.

Mit Produktempfehlungen am Bau hat glaube ich schon jeder so seine Erfahrungen gemacht ;)

Das schöne an einem alten Häusle ist ja, das bis auf ein bissel Sand, Kalk, Holz, Stahl und Wasser eigentlich nicht viel an zusätzlichem Material benötigt wird.

Viele Grüße und einen erholsamen Feiertag
Sebastian



@Herr Hubel



Guten Abend Herr Hubel,

die Vorarbeiten sind geleistet, sprich die Vertiefungen sind ausgekleidet und die Mauer für das Verputzen vorbereitet. Auch ein neues "altes" Industriefenster aus Stahl, Leinölkitt und Glas ist schon einbaubereit.

Nun habe ich noch eine Frage zum Sockelanschluss: Kann ich hier mit dem Putz bis auf wenige Zentimeter bis an das Erdreich anputzen oder benötigt der Sockelbereich eine besondere Behandlung?

Bisher ist dort weder Putz, noch sonst irgendetwas aufgetragen.

Viele Grüße
Sebastian



Sockel verputzen?



Hallo Sebastian,

grundsätzlich kannst du mit dem gleichen Putz knapp übers Erdreich verputzen. Ein spezieller Sockelputz ist nicht notwendig. Bedenke aber, dass der Sockel bei Regen verspritz wird. Wenn vor der Wand offene Erde liegt, sieht der Sockel nach jedem Regen dem entsprechend verdreckt aus.
Deswegen und wenn es "optisch vertretbar" ist (wegen dem Mischmasch an Steinen), würde ich den Sockel ca. 30 cm hoch unverputzt lassen, damit man den angespritzten Dreck nicht so sieht.

Grundsätzlich ist es sowieso besser einen Kalkputz zu streichen, um den Putz und die Wand vor allzu viel einziehendem Wasser (bei Schlagregen) zu schützen. Empfehlenswert sind reine Silikatfarben.
Weil die extrem diffusionsoffen sind, lassen sie Feuchtigkeit gut raus verdunsten, sind aber gegen flüssiges Wasser relativ dicht. Und, Silikatfarben verkieseln mit dem Kalkputz. D. h., sie gehen mit ihm eine unlösbare chem. Verbindung ein. Sie halten viel länger als andere Farben.
Man kann den Putz dann auch mal abwaschen, wenn er zu arg verschmutzt ist.
Wenn du nicht die ganze Wand Streichen willst, wäre das zumindest die Alternative für deinen Sockelbereich.

Gruß,
KH