Kalkfarbenanstrich Innen auf Kalkputz und Gipskartonplatten

06.03.2013



Hallo Zusammen,
wir bauen ein altes Haus um und sind nun fast soweit das innen gestrichen werden kann.
Die Wände werden mit einem reinen Kalkputz (Marmorit Rotkalk Grundputz) verputzt, die Deckenflächen sind aus Gipskarton.

Angedacht ist folgende Vorgehensweise:

Putzflächen mit Sumpfkalkfarbe

-1. Anstrich 1 Tag nach Verputzen
(freskal auf feuchten Putz)
-2. Anstrich wenn 1. vollkommen getrocknet ist und Wand leicht vorgefeuchtet wurde
-3.u ev 4. Anstrich wie 2.

Fragen dazu:

1.Wie sehr muß vorgefeuchtetwerden?
2.Wie lange sollte der Anstrich feucht gehalten werden um ausreichend "auszuhärten"?
3.Kann ich es mit zuviel Feuchte "versauen"?
4.Sollte noch etwas zugesetzt werden? z.B. Leinöl, etc
5.Krieg ich das als Laie so hin das es nicht kreidet?
6.Wie oft kann ich später in gleicher Weise renovieren ohne das es Probleme gibt?



Gipskartonplatten mit Kalkkaseinfarbe

(Einigen Flächen sind "roh" - Gipskarton + Spachtelmasse, auf einigen ist Tiefgrund drauf)

Fragen dazu:

1.Geht Kalkkaseinfarbe auf diesen Untergründen? Vorbehandlung?
2.Für alle Anstriche Kalkkaseinfarbe verwenden? oder nur
für 1. -und dann mit Sumpfkalkfarbe weiter ?
3.Wie ist auf Gipsplatten ein "fachmännischer" Kalkanstrich aufzubauen?
4.Wie bekomme ich einen ordentlichen Anschluss zwischen Gipsdecke und verputzter Wand hin? Acryl?

Ziemlich viel, wäre für fundiertes Wissen sehr dankbar.



das



Thema Rotkalk war erst vor ein paar Tagen - das wäre kein riener Kalkputz - ist das aber eure Absicht und seid ihr falsch beraten worden ? Dann kurz stoppen und auf Antworten warten.



Rein - kann nur Ariel!



Hallo

Das ist ein klassischer "ich möchte gern" … "Kalk-Putz"!
Nein
eher ein klassischer "P II - Kalkzementmörtel"

Steht ALLES in den technischen Merkblättern … die der solvente Berater sicher genau kannte …

Auf das Zeug können sie auch die billige Dispo-Farbe aus dem Baumarkt schmieren … da reisst die komplizierte KalkKaseinfarbe auch nichts mehr raus …

Kalk ist Kalk
Zement ist Zement

eigentlich ganz einfach!

eigentlich schade wie die armen Bauherrn immer wieder über den Tisch gezogen werden und nicht das bekommen, was sie bestellen … und die Bauherrn auch immer den "Beratern" alles glauben ohne nachzulesen …

Florian Kurz



zum Rotkalk



... mir wurde vom Putzer wie auch von Knauf gesagt es sei ein reiner Kalkputz, lediglich Ziegelmehl und Kaolin wären zugesetzt - der besseren Festigkeit wegn.

Und diese Inhaltsstoffe stehen im techn. Merkblatt:

Kalkhydrat nach DIN EN 459,
hydraulisches Bindemittel,
Metakaolin,
Ziegelmehl,
klassierte Quarz- oder Kalksteinkörnung nach DIN EN
13139,
wasserrückhaltende Zusätze,
Luftporenbildner,
Verarbeitungsmittel.





Zement ist ein beliebtes hydraulisches Bindemittel,
"hydraulisches Bindemittel" ist aber ein schöneres Wort!

Zurück zur Frage:

Ja, man kann mit Kalkkaseinfarbe auf GK Streichen (bzgl. Grundierung Merkblatt befragen),
man kann auch auf den anderen Flächen damit streichen.

Reine Kalkfarben haben die Tendez zum Kreiden, ob Du das als Laie nicht kreidend hinbekommst, wer soll das beantworten?

Reine Kalkfarben sind im Ergebnis auch nicht unbedingt besser oder billiger (aber schwerer in der Handhabung), überstreichen kann man sie soweit ich weiß zur Not über mehrere Jahrhunderte.
Sumpfkalkfarbe auf Kalkkaseinfarbe macht m.E. keinen Sinn. Das Kasein hat man an der Wand (wo es m.E. aber auch nicht schadet) und kreiden tut's trotzdem.

Was spricht denn gegen Kalkkaseinfarbe?



"Wie bekomme ich einen ordentlichen Anschluss zwischen Gipsdecke und verputzter Wand hin? Acryl?"

no!
Wenn man mit dem Riss, der nach dem Spachteln übrig bleibt und wohl auch immer mal wieder kommt nicht leben kann:
z.B mit einer schmalen Leiste, die die Blindfuge verdeckt.

gruß G

Edit:
Manchmal werden Kalkkaseinfarben zum Anrühren als ungeeignet für GK Platten bezeichnet (z.B. bei Beek), fertige Kalkkaseinfaben (da ist der Kalkanteil im wesentlichen bereits Mamormehl, also Ca-Carbonat) gehen
aber. Möglicherweise ist dieses ein Problem des gleichmäßigen Ergebnisses und des pH Wertes, diese Farben werden für Otto Normalvebraucher aber ohnehin nicht empfohlen.



Innenputz



Rotkalk Grundputz entspricht der Klassifizierung PII CSI. CS I ist die niedrigste Festigkeitsklasse von Putz, 0,4 bis 1,5 N/mm². Wichtig ist bei Putz nicht ob etwas Weißzement drin ist (das ist nur für die Verarbeitung wichtig) sondern wie fest er wird. Er sollte weicher als das Wandmaterial sein und etwas fester als der Oberputz, falls noch was draufkommt.
Ich denke das ist hier gegeben.

Viele Grüße





Die Wände würde ich kalken und die GK-Decken mit Leimfarbe streichen. Kalkfarbe bildet eine dünne Kalksteinschicht und die passt m.E. nicht zur Pappschicht der GK-Platten. Kalkfarbe mit Kaseinzusätzen klebrig zu machen, wird zwar irgendwie funktionieren, aber dann kann man auch gleich eine Leimfarbe nehmen mit sicherem Ergebnis.

Der entscheidende Kalkanstrich ist der erste ca. 24h nach dem Verputzen.
Zum Wände nass machen hat sich eine Gartenspritze bei uns bewährt. Zu viel Wasser gibts nicht nur zu wenig. Da würde ich mir aber auch nicht so den riesen Kopf drum machen. Kalziumhydroxid benötigt eh relativ lange bis es zu Kalkstein geworden ist und dann auch nicht mehr so stark abfärbt.
Feucht halten war bei uns in den Innenräumen auch kein Thema. Wenn man frisch geputzt hat und größere Flächen nass macht, dann bleibt es sehr lange feucht im Haus. Man muss eher aufpassen, dass die Feuchte nirgendwo im Haus Schaden anrichtet.

Für die Kalkfarbe haben wir einfach Kalkhydrat im Baumarkt gekauft (25Kg für 6 bis 7 Euro) und dann eingesumpft. Verstrichen haben wir das frühestens nach 24h. Kalkbrei und Wasser haben wir ca 1:3 gemischt.





"Kalkfarbe mit Kaseinzusätzen klebrig zu machen, wird zwar irgendwie funktionieren,..."

stimmt, und zwar schon seit einer ganzen Weile!

Wiki sagt:

"Milcheiweiße lassen sich schon in der Höhlenmalerei finden. Die Kaseintechnik wurde von den Römern angewandt, auch in einer der Felsenkirchen von Lalibela[2] findet sich das Bindemittel. Ihre Hochblüte fand die Technik in der Tafelmalerei auf Holz, da sie weniger Ansprüche an die Grundierung setzt als etwa Ölfarben sowie der Wandmalerei, wo sie in Farbwirkung nur vom Fresko übertroffen wird, aber auch auf altem Putz angebracht werden kann."

Wohingegen es noch nie verlässlich gelungen ist, reine Kalkfarbe am Abfärben zu hindern oder Leimfarbe beim späteren Nachstreichen am Abblättern.

Ich bin mit der Kalkkaseinfarbe auch uf den paar GK Platten sehr zufrieden, nur auf dem verputzten Ofen nicht. Da hat sie von der Hitze bräunliche Verfärbungen bekommen.
Dort habe ich mit Sumpfkalkfabe übergestrichen, die ist nun weiß, aber kreidet, was eigentlich nicht wirklich überraschend ist.





Bin mir relativ sicher, dass man mit Kaseinleim sehr feste und wasserunlösliche Farbschichten herstellen kann. Will man das im Wohnraum im Gegensatz zur Höhlen- oder sonstigen Malerei?

Mir ist der Kaseinleim einfach nicht berechenbar genug und warum sollte man auf frisch verputze Wände einen wasserunlöslichen Leim bringen.

Wie sieht es mit Langzeiterfahrungen von Kalk-Kaseinfarbe auf GK aus?

Dass man Leimfarbe auf Zellleimbasis wieder abwaschen kann, ist eine gewollte Eigenschaft.





"warum sollte man auf frisch verputze Wände einen wasserunlöslichen Leim bringen?"

weil es sich seit vielen tausend Jahren bewährt hat??
Die Höhlenmalerei wurde übrigens inzwischen aufgegeben, die Kaseinfarben aber gibt's immer noch. Sollte das nicht zu Denken geben?

Warum sollte man eine Leim-Farbe an die Decke bringen, die auch nach dem Trocknen wasserlöslich bleibt, so dass man sie vor dem Renovieren abwaschen muss?
Z.B auf GK Platten, die gar nicht feuchteresistent sind?

diesem Tip würde ich nicht folgen.


Edit:

"Wie sieht es mit Langzeiterfahrungen von Kalk-Kaseinfarbe auf GK aus?"
Lieber Erwin, frag den Hersteller! Es werden wohl so um die 60 Jahre sein.


"Dass man Leimfarbe auf Zellleimbasis wieder abwaschen kann, ist eine gewollte Eigenschaft."

Wenn das alle wollten, wieso machts dann kaum einer?
Jeder, der mal eine Decke (auch GK) von mehr als 5 qm, die früher mit Leimfarbe gestrichen war, versucht hat überzustreichen, der will das nicht mehr, definitiv!

Aber, das muss jeder selber wissen!





Persönlich würde ich GK an der Decke entweder tapezieren und mit Dispersionsfarbe streichen oder nur mit Dispersionsfarbe streichen. Habe aber auch nicht so das Problem mit Kunstharzprodukten an unkritischen Stellen und halte GK für keinen so dauerhaften Baustoff, als dass es sich lohnen würde, all zu lang voraus zu denken.

Meine alten verputzen Holzbalkendecken, sind dort, wo sie nicht tapeziert sind, mit Leimfarbe gestrichen. Bei der Renovierung muss man die anweichen und vorsichtig abspachteln, so dass man den Deckenputz nicht beschädigt. Das macht zwar Arbeit, aber nur so erklärt sich, dass die Decke die Renovierungsvorgänge der letzten 100 Jahre mit durchaus unterschiedlichen Farbgebungsversuchen überstanden hat.

Trägt man wassunlösliche Farben (z.B. Kalk- oder Dispersionsfarben) direkt auf den Wandbaustoff auf, dann sollte man genau wissen was man tut und wie sich das Ergebnis kurzfristig und langfristig auswirkt. Ohne Beschädigung des Wandbaustoffes lässt sich so eine Farbschicht nicht entfernen.





Danke erstmal für die vielen Antworten - bringt mich schon etwas weiter.

Kalkkasein soll nicht an die verputzte Wand sondern nur an die GK Decke - wurde falsch verstanden oder schlecht gelesen.

Wer noch mehr weiß schreibts ruhig bin für alles sinnvolle dankbar.





Dann Gutes Gelingen!

Es wäre schön, wenn es zur Kaseinverarbeitung anschließend ein paar Erfahrungsberichte geben könnte.

Zu dem Thema ist hier wenig Konkretes zu finden und auf Fragen gibt es kaum Antworten.

Habe selbst einmal testweise 1l Kaseinleim aus Quark und Kalk angerührt und war von der stattfindenden chemischen Reaktion beeindruckt. Der Leim hat aber nur eine Verarbeitungszeit von ca. 15 Minuten, was ich nicht wusste.
"Rechtzeitig" und "ausreichend" in Kalkfarbe verdünnt, soll sich eine "hinreichend" lange Verarbeitungszeit der Kalk-Kasein-Farbe ergeben.

So weit ich das richtig recherchiert habe, wird auch keine streichfertige Kalk-Kasein-Farbe angeboten, da die Haltbarkeit zu kurz ist. Es wird technisches Kaseinpulver verkauft, aus dem man selbst den Kaseinleim nach Bedarf herstellen und der Kalkfarbe zusetzen soll.

Da ich nicht genügend Zeit und kein Objekt hatte, bei dem man einen aus Unwissenheit zu hoch konzentrierten Kaseinleimanstrich mitsamt Wandbaustoff wieder hätte entfernen können, habe ich bisher auf weitere Kaseinleimexperimente verzichtet.

Beim Verarbeiten von GK bieten sich vielleicht die Reste für erste Tests an.





"So weit ich das richtig recherchiert habe, wird auch keine streichfertige Kalk-Kasein-Farbe angeboten, da die Haltbarkeit zu kurz ist."

Doch:

von Kreidezeit, von Beek, von Caparol und wahrscheinlich von unzähligen anderen Farbherstellern auch.

Diese Farben werden streichfertig angeboten und sind auch haltbar (Beek Kasolit z.B. mind. 12 Monate).

Der Punkt ist wohl, dass der Kalk-Kaseinleim (also das Bindemittel) beim Selbstansatz (z.B. hier http://kremer-pigmente.de/63200r.htm) wohl recht heikel ist.
Wenn Wasser und Pigment (meist Marmormehl, also auch Kalk = Ca-Carbonat) und noch manches andere mehr dazugekommen ist, scheint es viel einfacher zu sein.

Die Farbe von Beek, die ich aus eigener Anschauung kenne, enthält zudem noch Naturharze und Öle, ist also eine Emulsion (wird aber dennoch als konsequent mineralisch beworben, was ja ein wenig irreführend ist). Die Anstriche hiermit sind aber sehr gut.

Andere nehmen als Zusatz Zucker oder Zellulose zusätlich zu den Pigmenten, Kreidezeit z.B. Kleister=Methylzellulose.

ich würde mir den Stress nicht machen, der hinterher doch nur in die Hose geht und mir lieber einen fertigen Eimer kaufen.

Insofern muss ich Erwin aber recht geben: Die selbstgemachte Farbe würde ich mir auch nur mit Bauchschmerzen auf einen Putzuntergrund streichen.

Die fertige Farbe (Beek) haben wir auf ungefähr 800 qm frischen Lehmputz (und etliche qm GK) gestrichen, das Ergebnis ist unbestreitbar sehr gut.

Gruß Götz





Der Kalk in der Kalkfarbe ist aber kein Kalziumcarbonat sondern Kalziumhydroxid. Daraus bildet sich erst an der Wand eine Kalziumcarbonatschicht, wenn alles so funktioniert, wie es soll.

Gemahlener Kalkstein = Kalziumcarbonat wird als Pigment in Leim-/Naturharz-/Kunstharz etc. -farben verwendet. Das wäre dann eine Leimfarbe mit mineralischem Pigment.





"Der Kalk in der Kalkfarbe ist aber kein Kalziumcarbonat sondern Kalziumhydroxid"

das trifft eben nur für die Herstellung des Kalk-Kaseinleims zu! Wenn dieser fertig ist, wird er mit Wasser verdünnt und mit den entsprechenden Pigmenten versorgt. Dieses kann selbstverständlich Marmormehl sein, das ist wohl auch sehr häufig so.
Am Ende ist an der Wand aber ohnehin nur Ca-Carbonat.

zum Beleg in Zitat aus der Vorschrift (s.o.) von Kremer Pigmente:

"Wir empfehlen das Kaseinrezept aus dem "Wehlte" mit 3 - 5 Teilen Wasser zu verdünnen und auf ca. 1 Liter Verdünnung ca. 1 kg Pigment (Marmormehl, Quarzmehl mit entsprechendem Pigment) zu verwenden".

Das Pigment ist für die Frage, ob es sich um eine Kalk Kaseinfarbe handelt, doch ganz egal.
Entscheidend ist aber, dass man die Wand nicht mit dem Kalkkaseinleim streicht. Das geht selbstverständlich in die Hose!

frohe Verrichtung wünscht

Götz





Richtig: Für die Herstellung von Kaseinleim wird auch Kalziumhydroxid verwendet.

Aber nochmal. Normale Kalkfarbe besteht nur Kalziumhydroxid und Wasser. Wenn man eine andere Farbe als weiß wünscht, dann können in begrenztem Umfang geeignete mineralische Pigmente zugesetzt werden. Theoretisch auch Kalziumcarbonat.

Gemahlener Marmor oder Kalkstein (Kalziumkarbonat) macht aber in Kalkfarbe keinen Sinn, da es ein weißes Pigment ist. Kalkfarbe aus Kalziumhydroxid ist aber schon weiß.

Weist ein Datenblatt einer Farbe Kalziumcarbonat und eine Art von Leim aus, dann handelt es sich mit ziemlicher Sicherheit um eine Leimfarbe. Kalciumcarbonat bindet außer durch den Leim nirgendwo an.

Bevor man an eine rohe Wand irgend eine Art von wasserunlöslichem Leim oder eine Leimfarbe auf dieser Basis bringt (Kasein, Naturharz, Kunstharz, polymerisierende Öle etc.), sollte man sich klar sein, dass das nicht einfach rückgängig zu machen ist.

Übrigens: Das basische Milieu, das eine Kalkfarbe mit sich bringt, wird durch das Kalziumhydroxid hervorgerufen. Kalziumcarbonat verhält sich neutral.





wir sprechen aber nicht über normale Kalkfarbe (Sumpfkalkfarbe)!

Hier ging es um Kalk-Kaseinfarbe. Hierbei wird aus Löschkalk und Kasein ein Bindemittel hergestellt, dass für den Gebrauch verdünnt und mit den entsprechenden Pigmenten versehen wird, dabei ist das später zugefügte Marmormehl das Pigment. Es hat mit der Bindung gar nichts zu tun.

1 Kg Kalk-Kasein Bindemittel (mancher sagt Leim, RP siehe oben)

3-5 Kg Wasser
3-5 Kg Marmomehl.

Reine Kalkfarbe 'geht anders', weiß ich!
Spielt hier aber keine Rolle.

Kalzium Karbonat in eine reine Kalkfarbe einzurühren ist natürlich auch Blödsinn, will aber auch keiner machen!

Leimfarben enstehen nicht aus irgendwas, was irgendjemand als Leim bezeichnet. Der Leim der Leimfarbe entsteht durch Auskochen von Knochen oder Haut, es handelt sich um Kollagen. Der entscheidende Unterschied ist wohlbekannt: Leimfarbe bleibt wasserlöslich, Kalk-Kaseinfarbe nicht.

Dass man nicht irgendetwas vermurkstes, was man hinterher nicht wieder runterbekommt, auf eine rohe Wand schmiert, ist doch auch klar.

Die ursprüngliche Frage war doch u.a.:

kann man GK Platten mit Kalkkaseinfarbe streichen?

die Antwort ist und bleibt:

ja, man kann! Es gibt viele kommerzielle Produkte, die sehr gut hierfür geeignet sind.

für selbst angerührtes Zeugs ist jeder selbst verantwortlich.





Mir war nicht bewusst, dass Kaseinleimfarben, die als Pigment Kalziumcarbonat enthalten als Kalk-Kasein-Farbe bezeichnet werden. Ebenso war mir nicht bekannt, dass man für solche Farben eine Verarbeitungszeit von bis zu einem Jahr realisieren kann.

Bisher hatte ich mir unter dem Begriff Kalk-Kasein-Farbe reine Kalkfarbe (Kalziumhydroxid) vorgestellt, die einige Prozent Kaseinleim enthält. Bzgl. Haltbarkeit war dann von vielleicht 14 Tagen die Rede, bevor die Farbe anfängt zu gelieren und dann für Wände unbrauchbar wird (für Bäume wohl noch zu gebrauchen).

In der Ausgangsfrage ging es um die frisch verputzten Wände und den GK an der Decke.

Um es dann noch einmal zu präzisieren:

Für die Wände würde ich "reine" Kalkfarbe (Löschkalk, Sumpfkalk, Kalziumhydroxid etc.) ohne Leim und für den GK eine Farbe auf Basis irgend eines Leims empfehlen. (Laut Wikipedia bezeichnet "Leim" eine wässrige Lösung eines Klebstoffs)

Kalkfarben aus Kalziumhydroxid mit Kaseinleimzusatz können beim Trocknen wohl starke Oberflächenspannungen verursachen, so dass etwaige Beschichtungen von der Wand gerissen werden können. Deshalb sind diese Farben zum Streichen von Tapeten nicht geeignet.
Aus dem gleichen Grund scheint sie mir für GK auch nicht geeignet zu sein.





Vielleicht noch eine Einschränkung zu meiner Empfehlung der Kalkfarbe für die Wände.

In einem Haus nach aktuellem Dämmstandard kann man vielleicht auch eine gesundheitlich unbedenkliche leimgebundene Farbe für die Wände nehmen. Das farbliche Ergebnis wird besser und der Arbeitsaufwand deutlich geringer als bei Kalkfarbe sein.

In meinem Haus sind die Wände nicht gedämmt und es besteht an vielen Stellen Schimmelgefahr. Daher wollte ich Zusätze in der Farbe , die die Diffusionsfähigkeit des Wandbaustoffs reduzieren (z.B. Leime) vermeiden. Ebenso hoffe ich, dass das basische Milieu den Schimmelpilzen das Leben ein wenig schwerer macht.
Auf der anderen Seite leben wir mit einem nicht so perfekten farblichen Erscheinungsbild, dem hohen Aufwand von teilweise 5 Anstrichen und einigen kleinen rotbrauenen und schwarzen Rostpunkten, die sich teilweise auch nach Wochen noch bilden. Der Kalk findet im Putz wohl immer wieder einige Elemente, mit denen er zu etwas reagieren kann, das nicht weiß ist.

Das schöne am Kalk ist, dass man immer noch irgendwo einen Eimer mit einem eingesumpften Rest stehen hat und mal eben schnell einen Pinsel greifen und etwas nachbessern kann. So lange eine dünne Wasserschicht auf dem Kalk und eine Tüte über den Eimer gestülpt ist, passiert da gar nichts. Wenn man auch noch einen Eimer mit Sand in der Nähe hat, kann man fast genau so schnell eine kleine Menge Putzmischung machen.

Ach ja, billig und an jeder Ecke zu haben, ist der Kalk auch noch.





Hallo,

ich bin hier gerade "zufällig" über diese Frage hier im Forum "gestolpert" und dacht ich verfasse mal meinen ersten Beitrag.


Grundsätzlich ist das vorgetragene Ansinnen die Oberflächen mit mit natürlichen Materialien zu renovieren sehr löblich und geniest meine volle Zustimmung.

Ob sich jetzt Gipskartonplatten oder die Rotkalkprodukte so ganz harmonisch in ein solches Materialkonzept einfügen lassen, wird ja auch hier gerne kontrovers diskutiert.

Meiner Meinung nach kann man aber mit dieser Materialauswahl gut leben, als Grundlage für natürliche Anstrichstoffe allemal. Hier gibt es genügen geeignete "Anstrich-Systeme". Sumpfkalk(-farbe) und (Kalk-) Kaseinfarbe sind dies auf jeden Falls und auch sehr empfehlenswert.

Wichtig ist, sich hier auf ein geeignetes Produkt festzulegen und die Arbeitsabfolge hierauf günstig abzustimmen.

Sollen die Farben aus Rohstoffen bauseitig selbst angemischt werden oder sollen Fertigprodukte namhafter Naturfarbenhersteller verwendet werden?

Ich habe persönlich mit beiden Varianten gut Erfahrungen gemacht. Würde aber zumindest bei Kaseinfarben zu einem Fertigprodukt raten, es sei den man hat mehr Zeit, Lust und Risikobereitschaft, dann kann das auch mit Eigenmischungen gut gelingen. Für "Anfänger" lohnt der Aufwand besonders bei überschaubaren Flächen wirtschaftlich nicht unbedingt. Sollten aber spannende Farberlebnisse das vordergründige Ziel sein, so könnte man diese Möglichkeit ja nochmals vertiefen.

Ich habe mit Produkten der Fa. Kreidezeit durchgängig gute Erfahrungen gemacht und habe deren telefonischen Beratungsservice sehr zu schätzen gelernt. Für die Produktauswahl und Verarbeitung sei derartige Beratung sehr empfohlen.

Für die Wände sollte deren fertig formulierte Sumpfkalkfarbe Mittel der Wahl sein. Ein Kalkanstrich hat ja den Charme das man bei frischen Putzflächen etwas Zeit sparen kann, da diese die Austrocknung und Erhärtung nicht behindern. Diese Farbe ist durch Zellleim- und Marmormehlzusatz sehr bindig und sollte bei neuen Putzen in zwei Anstrichen zufriedenstellend decken. Ein Vornässen ist unter günstigen Bedingungen (siehe Merkblatt) entbehrlich, da die Farbe wegen des Leimzusatzes sehr gut das Wasser hält. Ob hier umbedingt ein freskaler Anstrichaufbau nötig ist sollte man mal noch prüfen. Auf (an-) getrockneten Putzflächen gelingt der Anstrich, nach dem Streichen einer Kaseingrundierung, jedenfalls wunderbar und wird gut wischfest. Die Farbe wird mit einer Fassadenbürste gestrichen, für Ränder und Ecken hat sich ein kleinerer Flächenstreicher gut bewährt.

Gipskartondecken habe ich schon mit deren Kasein-Marmormehlfarbe gestrichen, letztlich wird hier das Bindemittel mit Borax statt mit Kalk aufgeschlossen, sonst sind diese Farben praktisch gleich empfehlenswert. Wichtig ist die Platten vorgängig mit einer Kaseingrundierung zu streichen. Wie auf den Flächen mit Tiefgrund zu verfahren, ist weiss ich nicht. Die fertige Beschichtung ist sehr dünn und offenbart somit fast alle Oberflächenmängel, deckt aber in zwei Anstrichen sehr gut. Der Farbton ist ein angenehmes (warmes) Weiß, was von dem Marmor als Pigment herrührt und deswegen mit der Sumpfkalkfarbe in der Erscheinung fast unterschiedslos gut harmoniert.

Wichtig ist bei (großen) Deckenanstrichen, sehr zügig zu arbeiten, damit man keine Ansätze bekommt. Hier sollten unbedingt die Klimabedingungen(Feuchte, Temperatur) stimmen.Sonst entsteht schnell ein "Schachbrettmuster" im Streiflicht. Mit der Rolle sollte das gut gehen, wenn man die (Rollen-)Textur nicht mag kann man danach schnell noch mit der Fassadenbürste verschlichten. Es empfiehlt sich kurz vor dem zweiten Farbauftrag eine Seifenlösung zu streichen, dass hat sich gut bewährt um ein zu schnelles anziehen zu verzögern.

Ich hoffe mein Beitrag kann noch rechtzeitig anregen.

Gutes Gelingen!