Fachwerkhau : so in Ordnung oder Totsaniert? Eine Bitte um Meinungen

06.05.2018 Johannes Klar



Liebe Community,
schön dabei zu sein und ich habe auch gleich mehrere Fragen. Unsere Familie besitzt seit neustem ein Fachwerkhaus in welchem im letzten Jahr Änderungen vorgenommen wurden und ich bin nicht sicher ob diese so "gut" sind oder Rückgängig gemacht werden müssen.

1. Wohnbereich im Erdgeschos: Die Fachwerkwand wurde ausgebessert, das Gefache aus Bruchstein verputzt und dann im Abstand von etwa 7cm Rigipsplatten auf einer Alukonstruktion angebracht. Dazwischen ist kein Dämmaterial, nur die Heizungsrohre. Die Platten wurden Verputzt.

2. Der Boden zum Keller, also die Kellerdecke, wurde ausgeräumt und Dämmwolle eingesetzt. Es gab zuvor wohl eine Schüttung in der Zwischendeke diese fehlt nun völlig. Die Balken wurden mit einer Konstruktion aus Bauholz seitlich verstärkt und dann wurden 25mm OSB Platten verlegt, auf denen wiederum über einer Trittschalldämmung Parkett schwimmend verlegt wurde. Es gibt keine Dampfbremse zum Keller.
Im Keller wurde anschließend der Putz an der Decke entfernt und die vernagelten Balken abmontiert auf denen der Putz lag.
Das ist Stand der Dinge, kann man das so belassen? Ist es nötig etwas zu ändern, zurück zu bauen oder zu erweitern? Oder kann auf diesem Stand weiter von uns Renoviert werden?

Ich bitte um erfahrenen Rat udn Meinungen zum Stand und wie wir vorgehen sollen. Das Bild zeigt Wand und Boden vor dem Ausräumen mit der "Unterbalkenkonstruktion" auf der jetzt OSB Platten und Parkett liegen.
Vielen Dank und einen schönen Sonntag.



Und ein Bild des Bodens wie jetzt vorhanden (vom Keller aus)



s.O.



Sinnfreier Murks.



wer hat das veranlaßt, waren Fachbetriebe dabei?

Die Maßnahmen dienten vermutlich ausschließlich optischen Zwecken nach dem Prinzip, so schön wie nötig, so billig wie möglich. Leider reichlich sinnfrei:

- Mit der Vorsatzschalte aus Gipskarton wurde eine Kondensatfalle gebaut. Schimmelbildung sehr wahrscheinlich.
- durch das Ausräumen der Decke wiurde die Auflast entfernt, die Decke wird anfangen zu schwingen.
- Das Parkett wird zwischen den Balken sanfte "Mulden" bilden Da sich die OSB-Platte nach unten durchbiegt, d.h. der boden wird wellig aussehen.
- Schallschutz ist stark reduziert.
- die Dachlattenkonstruktion ist eher eine Belastung als Ertüchtigung für die Deckenbalken und wird sich verformen oder abreißen.

Insgesamt sollten sie sich sachkundigen Rat einholen oder in die Materie einlesen um entscheiden zu können, wie sie mit der vorgefundenen baulichen Situation umgehen.

Gruß
Detlef



Die Besitzer, teilw. in Eigenarbeit und/oder



Ja und Nein, es gibt zwar Rechnungen von Fachbetrieben (Zimmermann/Maurer) für einzelne arbeiten, allerdings kein erkennbares Gesamtkonzept. Wohl "renoviert" zum besseren Verkauf. Fachlicher Rat ist hier derzeit tatsächlich nur schwer zu bekommen.

Gibt es da etwas das ich tun kann - wenn die Decke schwingt - Masse kann ich nur von oben einbringen, also das Parkett entfernen?
Ist die Schimmelbildung hinter dem Rigips sicher oder kann dem entgegengewirkt werden?



Die Lagerholz "konstruktion"...



taugt überhaupt nichts, die könnt Ihr nur an die Brennraumtiefe Eueres Ofens anpassen.

Zu den Wänden habe ich auch keine bessere Meinung. Nur, daß Gipskarton leider nicht brennt. Wenn die Rohre so schlecht isoliert sind, wie das Ganze aussieht, wird es wohl nicht schimmeln. Dennoch ist der Abriss aus vielen Gründen die weitaus bessere Option.

Hier wäre vor dem Kauf zwingend ein Gutachter erforderlich gewesen. Sucht Euch am besten einen altbauerfahrenen Planer, um diesen Fehler nicht zu wiederholen. Bei der Umsetzung der Sanierungskonzeption bleibt genügend Raum für eigene Arbeiten.

Viel Erfolg

Thomas



Fachbetrieb



Direkt werfe ich dazu ein, dass es sich hier lediglich um einen Raum handelt, in allen anderen Bereichen wurde das Fachwerk instandgesetzt.

Ein Malermeisterbetrieb hat diese Platten aufgebracht und Verputzt, also ja Fachhandwerk. Rechnung liegt vor mir.

Wir hatten einen Gutachter, der hatte nichts zu beanstanden im Gegenteil: das Haus sei seinem Alter entsprechend sehr gut erhalten und durch laufende Renovierungen äußerst gutem Zustand. Vielleicht hat er nichts getaugt?
Wir hatten einen Energieberater engagiert - auch hier alles super.
Ein Zimmermann der das restliche Fachwerk gesichtet (natürlich nicht in diesem Raum) und Reparaturen ausgeführt wo es nötig war.

Wie gesagt: wir sprechen hier über einen Raum, eine Außenwand und den zugehörigen Boden zum Keller von ca. 20qm.

Also wäre die Empfehlung die Platten zu entfernen und stattdessen mit natürlichen Baustoffen eine Innenverkleidung (also Lehmplatten) auf die Wände aufzubringen, so sie nicht als Sichtfachwerk taugen?
Wie lange kann ich mir da Zeit lassen, besser gleich oder hat das noch ein Jährchen?

Und was mit der Kellerdecke/Bodenkonstruktion tun? Um das Parkett wäre es echt schade, gibt es da Nachtrüstmöglichkeiten?

Ah und eine neue Heizung kommt sowieso - das war von Anfang an klar und geplant.



Na dann ist ja alles gut



Lieber Herr Klar, darf ich ein paar Punkte anmerken ?

Für was steht der Malermeister ein?
Dafür das diese schadträchtige Verbauung bauphysikalisch nicht funktioniert?
Oder vielleicht doch nur dafür das seine Spachtelarbeiten Q2 erreichen und sie Tapete an die Wand machen können ?

Ihr Gutachter, ihr Energieberater, ihr Zimmermann ... wenn sie dieser tollen Truppe doch vertrauen, warum fragen sie die Leute nicht sondern hier in einem Forum im Internet. Wir sind doch auch nur eine "allwissende Müllhalden".

Mal im Ernst ... Sie haben eine komplexe Situation bei der bauphysikalisch viele kritischen Bereiche (Keller, Außenwand) zusammentreffen. Gleichzeitig soll die Heizung neu geplant werden.
Ihr Überschrift ist "Fachwerkhaus - so in Ordnung oder Totsaniert? Eine Bitte um Meinungen"
Bisher sind alle einer Meinung - zweifelsfrei Schadträchtig.
Wann die Schäden auftreten, kann man ohne Kenntnis sehr vieler Randbedingungen nicht vorhersagen. Das wäre Glaskugel lesen.
Ich habe keine Ahnung wo Ihr Hüsken steht aber sie sollten sich jemanden suchen, der Fachwerkerfahren ist und dem sie Vertrauen. Wenn dieser die WTA Merkblätter zur Fachwerksanierung kennt und die Stolperfallen bei Trockenbauvorsatzschalen beurteilen kann, wenn er nicht nur "Glaser" sondern auch Bauphysik mit konsequent diffusionsoffenen und kapillar aktiven Materialien beurteilen kann, dann lassen sie sich von ihm beraten.

Es ist immer einfach eine Frage zu einem kleinen Teilgebiet sinnvoll zu beantworten. Fragen wie ihre sind umfangreiche Planungsaufgaben.
Wenn sie pauschale Aussagen wollen - hier sind meine ...
Ja, - ich würde die Gipsplatten zurückbauen.
Der Boden ist eine DIY-Bastellösung. Wie der Abschluß im Bereich Wandübergang ausgeführt ist, würde für mich die Entscheidungsgrundlage bilden ob ich auch hier zurückbaue oder ob man mit offenen Augen mit dem Murks in die Zukunft gehe. Manchmal halten Provisorien länger als man denkt.
Bei der Heizung - sie schrieben, es gibt eine Planung. Wie sieht die den aus?

Alles Gute für ihr Haus und ihren gemeinsamen Weg - M.Mattonet - Ingenieurbüro Bergisches Land



Vielen Dank für die Antwort



Ich denke der Malermeister hat getan was ihm aufgetragen wurde, und der vorherige "Bauherr" hat diesen Zustand so gewünscht - ob schadhaft oder nicht, ich unterstelle ihm da auch keinen Vorsatz.
Mein Gutachter war ein Ingenieur (FH) Bauingenieurwesen aus einer Firma mit dem passenden Portfolio, ich hab ich mich da auf die Siegel der Handwerkskammern und die langjährige Existenz der Firma verlassen. Verlassen ist, wer sich auf andere verlässt? Er wird in vier Tagen wieder in das Objekt kommen und die Sache besprechen. Energieberater - naja da darf man denken was man will, den gibts eben kostenlos dazu wenn man den Herrn Ingenieur bestellt.
Unser Zimmermann kennt diesen Raum und die Decke nicht, er hat in den übrigen Räumen des Fachwerkhauses das Fachwerk ausgebessert und einen Balken des Dachstuhls ersetzt der beschädigt war. Allerdings ist er bis einschlißelich Dezember mehr als ausgelastet, ich kann ihn leider frühestens im neuen Jahr wieder engagieren. (Es sind eigentlich 2 Häuser, also ein Doppelhaus - die zweite Hälfte ist vom Fachmann saniert worden)

Die Heizung ist folgendermaßen geplant:
Zentralheizung: Öl-Brennwert mit Wärmetauscher, neue Rohre im Keller, Installation im Keller, die alten Rohre in den Wänden sollen dabei erhalten bleiben. Die Heizkörper werden erneuert.

Außerdem werden 2 5kw Holzöfen eingebaut.

Viele Grüße aus dem Jagsttal



Mögliche Verbesserungen



ZB könnte Zellulose in alle Hohlräume eingeblasen werden, die aufgrund ihrer Kapillarität eine gute Feuchtigkeitsabfuhr ermöglicht ud die Kondensatbildung stark reduziert.#
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Bei Gipskartonplatten mit geringemn Druck arbeiten- die Platten müssen gut verschraubt sein- ggf nachscchrauben- und die Abstände der Ständer müssen passen.

Andreas Teich