Bitte um Tipps

11.02.2019 Timo



Hallo liebe Fachwerk.de-Gemeinschaft!
Ich besitze eine alte Bauernhofstelle im Kreis Meißen und Teil davon ist ein "ehemaliges" Fachwerkhaus, welches sehr wahrscheinlich vor 1800 errichtet wurde. Damals als Wohn-/Stallhaus mit den Abmaßen von ca. 6x15m, Giebelseite (SW-W)zur Straße zeigend, EG aus Naturstein (Sanssteineinfassungen), Obergeschoss Fachwerk, OG- Giebel Ziegel. Laut alten Zeichnung war das Gebäude 1892 mit Ziegeln (Biberschwanz) eingedeckt. (Vorher vielleicht mit Schilf?)
Auf der hofabgewandten Seite wurde das Dach (nachträglich) schleppend verlängert und das Haus damit um etwa 1,5m verbreitert. Kann mir jemand sagen in welchem Zeitraum das wahrscheinlich gemacht worden sein könnte?
1914 sind die hinteren 5m des Gebäudes weggerissen worden, um mehr Platz zum Bau eine neuen Wohn-/Stallhauses zu haben.
In den 70er-Jahren wurde das Fachwerk der Hofseite vermutlich mit Holzwolle-Leichtbauplatten und Putz überdeckt und leider große Fenster eingebaut.
Das Gebäude hat somit keinen Denkmalschutz-Status.
Ich bin gerade dabei das Gebäude durch Drainage trocken zu legen und möchte es nach und nach in weitestgehend Eigenleistung in annähernd ursprünglichen Zustand versetzen(, aber insbesondere OG + DG dämmen). Soll heißen, sichtbares Fachwerk auf der Hofseite, Sandsteinlaibungen, kleinere Sprossenfenster und Vorder-Giebel im OG +DG mit Lärche verschalen.
Da ich absoluter Gegner von Innendämmung bin, möchte ich gern mit Holzfaserdämmplatten von außen arbeiten. Was ratet ihr mir dann im Fall des Fachwerks auf der Hofseite? (Wandaufbau zum Bsp. altes Fachwerk - Dampfsperre - Holzfaserdämmplatte - vorgeblendetes Fachwerk aus alten Balken, dazwischen (Lehm-)Putz.
Ich hoffe, ich trete jetzt keinem auf den Schlips, aber ich möchte keinen Denkmal-Status vom Amt. Wie wahrscheinlich ist es, dass das Denkmalschutzamt nach sichtbarem Fachwerk doch auf mich zukommt?
Über Anregungen und Hinweise würde ich mich sehr freuen.
Vielen Dank im Voraus.
Timo



Tipps



Schleppdächer wurden eigentlich immer wieder gemacht. Eine zeitliche Einordnung ist dabei kaum möglich. Einen Hinweis kann ein Katasterplan mit den Umrissen des Hauses geben. Aber die sind häufig auch nicht angepasst.

Drainage wird hier immer wieder diskutiert und in fast allen hier angebotenen Fällen als problematisch oder schädlich angesehen. Es schein beliebt zu sein und zumindest ihr Baustoffhändler wird sich freuen. Man kann davon ausgehen, dass alte Häuser so gebaut wurden, dass drückendes Wasser vermieden wurde. Feuchtigkeit kommt oft von einer fehlerhaften (Dach-)Entwässerung. Häufig ist es auch einfach das Wasser vom Haus wegzuleiten.

Ich freue mich über meinen Denkmalschutz. Der Staat gibt Steuererleichterungen und ich habe eine kostenlose Fachperson zur Hand die mich beraten kann. Bei einer sehr schönen Restaurierung kann ihnen immer wieder passieren, dass der Denkmalschutz kommt. Aber bei ihrer Planung mit einem vorgehängten Bretterfachwerk sehr unwahrscheinlich.

Innendämmung ist häufig im Fachwerk eine gute Methode eine angemessene Dämmung zu erreichen. Es gibt genügend Fachliteratur zu diesem Thema und wenn sie auf die Dampfsperre verzichten werden sie ein gutes Ergebnis haben.

Dampfsperre im Fachwerkhaus hat ein sehr hohes Fehlerpotential. Ich denke sie meinen für ihren Aufbau unter den Lärchenbrettern eher eine diffussionsoffene Unterspannbahn, die dann außen auf der Dämmung angebracht wird. Dampfbremse sieht zwar in den Simulationen der Energieberater und im Ubakus gut aus,
wird dennoch sehr kritisch gesehen. Der Fehler liegt in der Vereinfachung des zugrundeliegenden Rechenverfahrens.



keine Dampfsperre



Danke für die 1. Antwort.
Ja, diffusionsoffene Unterspannbahn war gemeint.



Wie genau...



...wurde denn drückendes Wasser vermieden?

Eine Drainage kann falsch gebaut werden, ebenso wie Fehler bei allen anderen Baumaßnahmen möglich sind.

Macht man bei Trockenlegung+ Drainage aber alles richtig, ist nichts gegen eine Drainage zu sagen. Mein Keller war in den 90ern nass und schimmelig, und nun ist er trocken...

Grüße

Thomas



Vermeiden



Gute Frage - Ist vielleicht auch nur eine Annahme. An vielen Stellen wurde nicht gebaut oder in manchen Regionen wurden eben keine Keller gebaut. Das ist so eine Erfahrung die ich nicht hinterfragt habe. Feuchte Wohnkeller kommen so weit ich weiß mit der Industrialisierung und werden vor allem im Zusammenhang mit den dazugehörigen Krankheiten genannt.

Ohne funktionierende Abdichtung ist jedenfalls keine Nutzung eines Kellers mit drückendem Wasser möglich. Es gibt aber auch Beispiele einer Quelle oder eines Bades im Keller. Dazu habe ich auch schon von tiefer liegenden Abflüssen gelesen, die evtl. vorhandenes Wasser ableiten können. Das gab es bei uns im Ort auch an einen Sägewerk bei dem der Keller mit genutzt wurde.

Du verfolgst das Forum schon länger als ich und ich denke du hast die entsprechende Diskussionen auch gelesen. Ich kenne an einigen Häusern Kondenswasser und auch die damit zusammenhängenden Probleme. Ich habe auch schon einige Fundamente von alten Häusern gesehen und es ist bei Bruchsteinfundamenten in Gebieten mit festem Boden auch kein entsprechender Sockel unter dem Haus den man freigraben kann. Das Fundament besteht dann einfach aus einer Steinvorlage und darauf lose geschichtete Feldsteine, im besten Fall auch behauene Sandsteine. Verlassen würde ich mich darauf nicht.

Mein Haus liegt auf der Scheuneseite 6 Meter im Boden mit einer Sandsteinwand gegen den Berg und ich habe es vorletzten Herbst tatsächlich mal geschafft diese Sandsteinwand feucht zu bringen. Viel Regen und eine Regentonne am Haus bei der der Überlauf nicht vom Haus weggeleitet wurde. Es ist kein Schaden entstanden und als ich die Ableitung wieder vernünftig verlegt habe war die Wand 2 Monate später wieder trocken. Natürlich hätte ich auch eine Drainage einbauen können. Hätte auch funktioniert, aber bei der Menge an Aushub wären das Kosten im fünfstelligen Bereich gewesen. Unter anderem auch deshalb der Hinweis auf Alternativen.



Bei mir...



...konnte ich mich nicht auf's Beobachten zurückziehen, weil die Wände auch aussen mit einer Wärmedämmung versehen werden mussten. Ich brauche den Keller als Nutzfläche, und wenn eh Abwasser und Dachentwässerung angelegt werden, wars ein kleinerer Aufwand.

Was ich weiterhin beobachtet habe: Selbst hier mitten im Sandsteinland wurde der Keller mit einem harten Bruchstein (Basalt) . Der Sandstein beginnt erst oberirdisch. Das wurde natürlich nicht immer so gemacht, ich bin trotzdem froh darüber. In Hochwasserlage würde mich ein Sandstein mehr ärgern...

Ich glaube jedenfalls, dass überall gebaut wurde, ohne Rücksicht auf den Wasserstand (siehe Venedig). Der frostfreie Keller war zur Vorratslagerung wichtig. Ggf. hat man dann eben Entwässerungslösungen realisiert.



Kreis Meißen



Guten Tag,
zu dem Baujahr kann sicher gut das Denkmalamt antworten. Am besten genügend Bilder machen und dann beim Denkmalamt in Großenhain vorsprechen. Wichtig wäre hier, auch von innen Bilder zu machen und von den Sparren. Da eine Sanierung ansteht, kann man diese ggf. auch vor Ort holen, wenn man schildert, dass man denkmalgerecht sanieren möchte
Drainage: An Ihrer Stelle würde ich von jeglicher Drainage um Ihr Haus abraten. Beschrieben ist dies bei Vorträgen aus den letzten Jahren oder bei mir auf meiner Homepage unter Publikationen. www.gesundes-Bauen.com. Das Wasser wird bei der DIN-gerechten Ausführung erst zum Gebäude geleitet und wird da gewaltigen Schaden anrichten. Sehen können Sie dies bei 1000-en Häuser hier im Landkreis. Ich baue seit 1992 bewusst keine Drainagen ein.
Innendämmung: ja, das sehen Sie richtig so. Doch es gibt da auch einige gute und clevere Lösungen, die neben der Dampfdiffusion die Kapillarität zulassen. Eine der wichtigsten zu berücksichtigende Eigenschaften bei Wandaufbauten. Wenn man dies unberücksichtigt lässt, so entsteht zwangsläufig ein Problem, was Sie in 5 bis 15 Jahren dann schon wieder angehen müssen. ..... Es gibt einige „Fach“handwerker die die Gefache mit organischen Dämmstoffen aussetzen. Doch Erfahrungen haben gezeigt, dass bei offenen Fugen schnell sich Pilze entwickeln können. .... Eine Dampfsperre gehört in keinem Haus eingebaut auch keine Dampfbremsen aus Folien ! ..... Das vorgeblendete Fachwerk muss gut gemacht sein, dass es nicht verspielt aussieht und den Zweck verfehlt. Dann lieber echtes, mit Lehmsteinen ausgesetzt und verputz. ... Welche Himmelsrichtung ist die Hofseite denn und von wo kommt das Hauptwetter?
viele Grüße aus Radebeul, Michael Reisinger ..... www.gesundes-Bauen.com



Wie nun weiter?



Hallo und vielen Dank für die Antworten.

Nein unterkellert ist das Gebäude nicht, steckt aber auf der NW-Seite etwa einen Meter im Boden. Regenwasser wird normal über Dachrinne entwässert, aber ansonsten kann ich in Hinsicht "Wasser wegleiten" nicht viel machen, da mir nur 2m bis zur Nachbarschaftsgrenze bleiben und das Hauptgefälle des Nachbargrundstückes in Richtung meiner Gebäude geht. Beim Freigraben der Außenwand bin auf einen alten Fußboden gestoßen ( vermutlich ehemals angebauter Backofen oder Speisekammer) der wiederum auch Gefälle in Richtung der Wand hatte (und damit das Wasser toll an der Wand stehen bleiben konnte).
Nach Durchbrechen dieses Fußbodens und dem letzten trockenen Sommer ist die Wand sehr gut abgetrocknet.
Mein Graben steht nun noch offen und dass eine Drainage auch Wasser anziehen kann, leuchtet mir durchaus ein.
Wäre es nun eine Option eine sogenannte Noppenbahn an die Außenwand zu legen und dann Erdreich wieder anzufüllen?
Natürlich mit Blechkante als Hausanschluss über das obere Noppenbahnende damit kein (Spritz-)Wasser dahinter dringen kann.
Oder kann es zwischen Noppenbahn und Außenwand eventuell zu Kondenswasser kommen?

Das Fachwerk zur Hofseite ist nach SO ausgerichtet. Eigentliche Hauptwetterseite ist SW (Giebelseite), in 2018 aber sehr oft aus Ost.
Gestern habe ich mir bei den guten Lichtverhältnissen die Sparren angesehen und dann fiel mir ein, dass hinter der Bodentreppentür das einzige Stück Fachwerk unverbaut von innen zu sehen ist. Nun ja...kerniges Holz sieht anders aus. (zum Teil recht mürbe und stark vom Holzwurm befallen)

Nur mal als Vorab-Info: Hat jemand eine grobe Vorstellung, was es (nur für die Zimmermannsarbeiten) kosten würde, wenn man das OG und DG neu machen lassen würde? Grundfäche etwa 6x8m davon 1 Seite 8m Sichtfachwerk



eine gute Planung ersetzt nichts



Hallo,
dann ist es jedoch immer eine Pflicht, dass Wasser vom Haus weg zu bekommen – Oberfläche Rasen bis ans Haus führen, in der Mitte zwischen Haus und Grundstücksgrenze einen Graben anlegen und das Wasser darin ableiten.
Noppenbahn hmmm, für ewig ist es nix und ja, es könnte/würde an der Bahninnenseite zur Wasseransammlungen kommen. Da wären Drainsteine aus Blähton oder am besten Dernoton geeigneter.
Für das Holz würde ich einen guten Zimmermann hinzuziehen. Mit Ihm würde ich auch besprechen, was ein neues OG und DG kosten könnte. Besser wäre es jedoch, zu einem Bauingenieur zu gehen, der sich gut mit Statik auskennt. Denn für die Erneuerung kann es ggf. bei euch eine Baugenehmigung bedürfen.