Holzschutz Gutachter ?

07.06.2005



Hallo,
ich habe vor ein Fachwerkhaus (1780 und bewohnt) zu kaufen.
Die Bewohner haben sich viel Mühe mit dem Haus gegeben, es ist einzugsfähig. Alles sieht sehr gut aus.
Der Keller ist trocken und es ist keine nässe zu sehen.

Nun zur Frage wie erkenne ich evtl. Schädlinge oder wo muss man genau hinsehen bei einem Fachwerkhaus. Bitte nicht mit Antworten wie .. einen Fachmann hinzuziehen. Das sind auch nur menschen die ein Buch gelesen haben und klar... Erfahrung haben die auch, aber was ist das wichtigste bzw. was ist ein offensichtlicher Schaden ? der Besitzer hat kein Problem damit das sich ein Holzschutzgutachter das ganze ansieht aber ich muss das bezahlen.

Danke für jede Antwort.



Einschränkungen



Hallo Matthias

Es fällt mir wirklich schwer auf deine etwas unspezifische Frage zu antworten.
Ich hätte hier erst einmal mehr Fragen als Antworten.
Wenn die Fachleute oder Sachverständigen nach deiner Auffassung Menschen sind, die ein Buch (Welches eigentlich?) dazu gelesen haben, dann würde ich dir raten lese das Buch und du bist Fachmann.

Nein, Matthias so einfach ist das nun wirklich nicht. Ich könnte dir hier auf einer Seite einige Allgemeinplätze ausbreiten, aber das würde dir nichts nutzen.

Wenn du, wie ich den Eindruck habe, Geld sparen willst, dann suche gezielt das Haus nach verdächtigen Holzbauteilen ab, öffne Hohlräume und schau in versteckten Winkeln nach.
Wenn du dann etwas findest können wir dir gerne weiterhelfen.

Lutz



Worauf zu achten ist:



1. Gibt es Insekten-Fraßspuren an Holzoberflächen?
2. Gibt es krümelige Holzreste und -oberflächen zwischen Kellergeschoß und Dachboden?
3. Riecht es nach irgendwo nach Muff, gibt es sonstige Feuchteschäden?
4. Was gibt es zu früheren Saniermaßnahmen zu wissen und zu erkennen - haben die sich mit Holzschäden beschäftigt oder riskante Konstruktionen (Dämm- und Abdichtschichten, Plastikfarben, Kittmassen, Folien, ...) eingebaut?
5. Sind früher chemische Holzschutzmaßnahmen durchgeführt worden? Das behandelte Holz ist dann Sondermüll und gibt vielleicht noch Giftstoffe ab. Eine Baustelle wird dann sehr viel teurer durchzuführen, da besondere Arbeitsschutz- und Entsorgungsmaßnahmen durchgeführt werden müssen. Es gibt Firmen, die sich auf das hier mögliche Nachtragsspiel spezialisiert haben.

Trau, schau, wem. Nicht alles steht in Büchern. Aber immer mehr im Web. Infolink:


Zu Wandbildnern und
Fachwerk - Technische Daten und Aufklärung



Ratschläge



zu 1) Wenn die Holzschädlinge an der Holzoberfläche fressen, dann haben sie eine ganz neue Art entdeckt.
zu 2) Na wenn es schon so offensichtlich ist
zu 3) Sagte Matthias nicht etwas von einem trockenen Haus ?
zu 4 und 5) Hier holen sie am besten Herrn Fischer, der sagt ihnen schon, ohne wie andere "Schlechtachter" aufs Geld zu schielen, wo es langt geht.



Wie nennen Sie dann freiliegende Fraßgänge von Hausbock und Konsorten?



Die finde ich doch recht häufig in Dachstühlen. Und die Ausfluglöcher werden wohl nicht ausgefressen, sondern ausgegessen - stimmts?

Für Ihre freundliche Empfehlung darf ich mich bestens bedanken. Sie kommt so recht von Herzen, das merkt man gleich.



Selbst ist der Mann!



Hallo
Sie wollen ein Haus kaufen - und Geld sparen?
Dann schreiben Sie: Alles sieht gut aus!
Ihre Frage: … wo muß man genau hinschauen …?
Dann schreiben Sie: Bitte keinen Fachmann!
eine weitere Frage: Was ist ein offensichtlicher Schaden?

Der Besitzer hat kein Problem damit …!

Wenn alles gut aussieht und Sie keinen Fachmann bezahlen wollen müssen Sie nur das machen, was sie schon in Ihren Fragen andeuteten:
genau hinschauen
und dann "sehen" Sie den
offensichtlichen Schaden

Wenns so einfach wäre …!!?? Ein bißchen Bohrmehl hier ein Feuchtefleck dort ... - das wäre einfach! Aber das wollen Sie ja! Bloß keine Klarheit, die etwas kosten könnte!

Haben Sei Angst, dass der Gutachter, den Sie für xyz € einkaufen, Ihnen sagt: Lassen Sie die Finger von dem Haus ... aber das wäre schon sch....!
Und auch das kommt vor!

… mir fällt halt immer nur der "Fachmann" ein!

mfG

FK



Mahlzeit !



@ Kollege K. Fischer

Die Kollegen Hausbock und Co "durchnagen" die Holzsubstanz bei der Schaffung von Ausflugslöchern.
Das sogenannte "Genagsel" wird nicht "gefressen" und auch nicht "gegessen". Auch nimmt der Käfer während seiner Phase keine Nahrung zu sich.

Na, wir beide kommen mit unserer Herzensbildung doch ganz gut voran, lieber Konrad.

Gruß aus Bamberg


Lutz





Hallo Mathias
Die Begeisterung für das alte Haus, und die Rosa Sonnenbrille auf jeden fall beim Besichtigungstermin Zuhause liegen lassen, und viel Zeit mitbringen, dann kann man schon ne Menge selbst finden. Einen ebnso nüchternen Betrachter aus dem Bekanntenkreis könnte man auch mitnehmen, vielleicht kann das auch noch so einiges aufzeigen.
Meinen Vater konnte ich durch meine nüchterne Art mal davon abhalten ein Ferienhaus zu kaufen bei dem alle Fenster gen Norden zeigten, es ist ihm im Moment der Begeisterung einfach nicht aufgefallen.(war das Duster)
Kommt das Haus dann noch immer in die Enge Wahl kann das hinzuziehen eines Gutachters oder auch des Menschen der arbeiten daran erledigen soll auch ein Gewinn sein.
Ansonsten, einmal mit der Faust gegen den Sockel schlagen, wenn das Haus danach noch steht ist es frei von Baumängeln :-)
Gruß
Hartmut



Bauuntersuchungstrick



Hallo Hartmut
einmal mit der Faust gegen den Sockel schlagen, wenn das Haus danach noch steht ist es frei von Baumängeln
damit solltest du zum König der Bauwirtschaft erkoren werden!
Endlich mal was Einfaches und Grundsolides! Das geht schnell und man kann sich - auch als "Blinder" sicher sein: "So gehts!"
… man müßte nur noch innerhalb eines DIN-Ausschusses klären:
1. mit welcher Hand
2. mit welcher Kraft(in m2K/A(Sockelumfang x pi x Haustürhöhe) X Zinsbelastung im Monat
3. an welchem Tag der Woche
4. ob Bauherr/dame; Bauträger; Berater; Architekt oder Passant

ich denke, wir sind auf dem richtigen Weg zum schadensfreien Bauen und risikolosen Kaufen (nach EN08/15 - und DIN/ISO1704)

und die paar administrativen Hürden nehmen wir auch noch

so jetzt muß ich weiter…
(ins Patentamt …)

FK





Hallo Matthias,

ich persönlich würde bei einem Hauskauf vorher auch nen Sachverständigen sich das ansehen lassen. Aber das ist jedem seine Sache...

Also: Am besten ist es immer, wenn beim sichtbaren Fachwerk nicht dicke Farbe auf dem Holz ist, sonden wenn, dann allenfalls "Lasur". also nichts, was das Holz am athmen (bzw. Feuchtigkeitabtransport) hindern kann.

Bei uns hat der Zimmermann mit nem Zimmermannshammer jeden einzelnen Balken abgeklopft. Bleibt der Hammer (also die Spitze) stecken, ist alles ok, wenns bröselt, dann muss ma weiter gucken (kann auch nur auf der obersten Schicht sein, das sieht der Fachmann aber).

Wenn sich das Gefüge verändert hat (Haus hat irgendwo einen "Bauch"), dann kann das auch auf nen Schaden hinweisen (bei uns waren die Schwellen durchgefault und mussten erneuert werden).

Was man auch schon von außen sehen kann (bei sichtb. Fachwerk), wenn Balken gebrochen sind, also quer (war bei uns auch).

DAnn: KEIN Styropor oder Ytong am Fachwerk!!! Und kein Silikon zum Abdichten von Fugen.

Unsere Bank hat Kostenvoranschläge zur Reparatur verlangt, es will sich ja auch keiner ein Fass ohne Boden anlachen :-)...

Wichtig ist, dass alles trocken ist, das ist ja bei Ihnen der Fall.

Grüße Annette
PS: Schauen Sie doch mal nach dem Buch Fachwerkschäden von Manfred Gerner, das schärft den Blick für solche Sachen etwas!



Vielen Dank



an alle Antworten,
mein Vater hat selbst ein Fachwerkhaus von 1790, ausgekernt und fachgerecht sanieren lassen. Mit ihm bin ich durch das Objekt gegangen und seiner Meinung nach macht es einen sehr guten Eindruck. Es ist immer schwierig wenn alles schön "zugeknallt" ist, ich meine wenn man das Fachwerk nicht sieht. Es gibt stellen an denen man es sehen kann und auch dort keinerlei schäden bzw. altschäden.
Eine Seite des Hauses ist mit Schindeln Verblendet und alle anderen Seiten mit einer Stulp-Fichtenbrettverschalung m. offener Belüftung.
Was meinem Vater am Keller aufgefallen ist, das er weder "riecht" noch nass ist. Bei meinem Vater ist der Keller noch ein nasskeller indem seitlich züge am boden entlang wasser durch das Haus transportieren.

Das einzige Manko ist das der Dachstuhl der keinen Firstbalken hat. Dort ist auch noch ein Obstboden und Lehmboden also keine Dielen. Ich werde den Dachboden also weder belasten noch darauf "rumlatschen".

sämtliche fenster, elektro, wasser sanitär sind neu.
Alle Dachrinnen und Ortgänge neu.

Ich werde mir doch einen Fachmann holen der sich das ganze mal ansehen wird, es ist kein Holzschutzsachverständiger sondern ein Statiker der allerdings an Schulungen für Altbau- Fachwerksanierung teilgenommen hat. Und das ganze for free..



Danke für den Tip mit dem Zimmermanns Hammer. :)



@Lutz Parisek:



Da haben Sie selbstverständlich recht, wenn Sie so akribisch Begriffsklärung einfordern. Ich gebe zu, daß ich hier das "Nagen" unzulässigerweise unter dem Begriff "Fressen" subsumiert habe. Wir haben - um es nun noch einmal genau festzuhalten:

1. Nagelöcher behufs Ausflug und
2. Fraßspuren in den Fraßgängen der Larven, die unter bestimmten Umständen (meist Eingriff von außen wie klassische Holzschutzbedingtes Freilegen der Fraßgänge bzw. Abbeilen usw.) an der Oberfläche sichtbar werden können.

Beide Phänomene deuten auf früheren Befall und damit auch damals ausreichende Holzfeuchte hin. Ob aktiver Befall vorliegt, muß davon unabhängig untersucht werden. "Häufchen" und Holzfeuchte, aber auch freigelegte lebende Larven oder eben herumtollende Holzschädlinge in Käferform sind dafür untrügliche Beweise.



Bildnachtrag







Na ja, ich bin kein Freund des "zugeknallten Fachwerks". Unsere Nachbarn haben ihr Fachwerkhaus letztes Jahr mit so Kunststoffschindeln in pipi-gelb und kaka-braun verkleiden lassen *würg*. Auf unsere Nachfrage bei den Mitarbeitern sagten die: "das Fachwerk ist um die Fenster rum ganz verfault, deswegen machen wir das jetzt zu"...

Es handelt sich hierbei also um ein "Überraschungsei"...

Wie wärs mit einer Thermografie? Wenn kein Putzträger aus Metall verwendet wurde, kann man das Fachwerk erkennen (und sieht auch, wo u. U. was fehlt)...

Grüße Annette



Ingenieurbüro für Holzbau und Bauwerkserhaltung



Hallo Matthias_S

natürlich kostet der Gutachter Geld.
Aber der Schaden den Sie nicht gesehen haben, weil Sie das Geld für den Gutachter sparen wollten, kostet noch viel mehr. Allerdings erst in ein paar Jahren.
Hüten Sie Sich bitte vor Ferndiagnosen in Internetforen. Die sind für allgemeine Fragen und zur Kontaktaufnahme gut. Aber wenns ans Eingemachte geht, braucht man eben einen Fachmann. Wie im richtigen Leben.

Ich wünsche Ihnen wenig schlechte Erfahrungen.

Viele Grüße aus der Herrenmühle
Uli Thümmler