Erste Schritte mit Kalkfarbe

24.08.2020 Camillo


Erste Schritte mit Kalkfarbe

Liebe Community,

ich hoffe ich nerve nicht zu sehr mit einer totalen Anfängerfrage, noch dazu außerhalb von Fachwerk. Ich möchte weg von Dispersionsfarben und habe mich jetzt im Netz über Kalkfarben informiert. Ich habe im Keller (Reihenhaus) einen Wohnraum mit Betondecke, bisher Raufaser, Tapete jetzt entfernt), die würde ich gerne mit Sumpfkalkfarbe streichen. Die Aussagen zu Kalkfarbe auf Beton sind leider sehr unterschiedlich. Manche schreiben es geht sehr gut wieder andere es geht nur schlecht. Ich habe folgenden Versuch gestartet:
Sumpfkalk, 30 Monate, 1:4 mit Wasser verdünnt
Decke vorgenässt, gestrichen 2x mit Kalk Deckenbürste im Abstand von 24 Stunden
Raum Temperatur ca 24 Grad, durch das Vornässen ca. 80% Luftfeuchtigkeit
Resultat: total streifig (s.Foto) man sieht genau die Spur der Borstenbündel des Quast

Ist es normal? muss ich vorher Grundieren? Vorstreichen mit Seifenlösung? Kasein? Würden Zuschläge von Marmormehl, Kreide etc. helfen? Oder bin ich sowieso total auf dem Holzweg?


Für ein Lenken in die richtige Richtung in diesem Labyrinth bedanke ich mich!

Grüße

Camillo



Diagnose aus der Ferne



ist natürlich schwierig. Hast Du die Wand vorher abgewaschen ? Evtl Reste des Tapetenleimes noch auf dem Untergrund? Die Kalkmilch sollte ungefähr eine Konsistenz von Magermilch haben. Zwei Anstriche sind für Kalkfarbe zu wenig. Was verstehst Du unter " Kalk Deckenbürste". Mach mal ein Foto von dem Teil. Der Anstrich wird pro Arbeitsgang mehrfach Kreuz und Quer durchgeführt, auf dem Foto sieht das eher nur nach einer Richtung aus.



Bürste und Arbeitsweise


Erste Schritte mit Kalkfarbe

Vielen Dank für die Antwort!

Die Decke habe ich vorher abgewaschen.

Ich dachte den ersten Durchgang quer zum Fenster, den zweiten längs..Mir war schon klar, dass das etliche Anstriche braucht, aber so wie das momentan aussieht, bin ich noch nicht sehr zuversichtlich, dass das auch mit 8 Anstrichen halbwegs brauchbar aussehen wird

Die Bürste ist aus dem Kalk-laden, Naturborsten. s. Photo. Wenn die Bürste nass ist, bilden sich allerdings mehrere Reihen von Borstenbündeln, die dann die Sreifen machen....

Noch eine ganz praktische Frage: die Kalkfarbe ist ja sehr dünnflüssig und tropft doch recht stark.. wie tief taucht man denn die Bürste in die Farbe ein? Also ich habe jetzt nur so 2-3 cm eingetaucht, weil ich Angst hatte, eine Überschwemmung zu produzieren...



Arbeitsweise



ich habe den Verdacht, es liegt an Deiner Arbeitsweise. Bei jedem Anstrich sollte die Kalkmilch regelrecht in die Fläche eingearbeitet werden, also an einer Stelle mehrfach in alle Richtungen. Nicht zu trocken streichen. Es kann ruhig ein wenig tropfen und spritzen, ist eben mit dem Rollen von Dispersionsfarbe nicht zu vergleichen. Die Eintauchtiefe ist ok. Ich bin zwar kein Freund von videoanleitungen, aber wenn Du Niemanden hast, der Dir das mal zeigt, gibt es vielleicht doch was im Netz.



Vielen Dank



für deine Ferndiagnose. Wenn ich mir im Nachhinein die Flächen nochmal anschaue, sind einige Stellen ja gar nicht so schlecht (ich habe natürlich die schlimmsten Stellen im Foto dokumentiert ;-), es liegt also vermutlich wirklich an der Streich-Technik. Ich versuche also geduldig zu sein und weiter daran zu arbeiten. Der Umstieg von Dispersionsfarbe ist halt schon krass. Ich werde auch noch ein bisschen hier im Forum stöbern, vielleicht geht mir dabei ja auch noch das eine oder andere Licht auf. Ich habe auch irgendwo gelesen, dass eine Kalk-Kasein-Grundierung bei Beton hilfreich ist, wenn alle Stricke reißen probiere ich das mal... :-). An dieser Stelle auch Danke an all die anderen Forenmitglieder, die hier so geduldig und engagiert sich oft viel Zeit nehmen um zu helfen und zu informieren!



weitere Entwicklung mit gutem Ende



vielleicht sind meine ersten Erfahrungen mit Kalkfarbe für andere Neulinge interessant, darum möchte
ich an dieser Stelle berichten, wie es bei mir weitergegangen ist. Dass ich ausgerechnet eine Decke für meine ersten Versuche ausgesucht habe, hat alles nicht leichter gemacht. Eine Wand wäre schon angenehmer gewesen, vor allem auch wegen der Dünnflüssigkeit der Sumpfkalkfarbe. Für die Wände habe ich aber einen Profi beauftragt, einen Kalkputz aufzubringen. Die Decke sollte mein eigener Beitrag zum Projekt werden.

Ich habe noch verschiedene Dinge mit der Kalkfarbe probiert. Anderer Quast, streichen im Kreuzgang, Grundierung mit Kalk-Kasien...
Leider ist das Ergebnis einfach nicht besser geworden. Ich habe dann noch viel nachgelesen, hier im Forum und an anderen Stellen. In den Artikeln vom Kalk-Laden habe ich gefunden, dass die reine Kalkfarbe für Beton ungeeignet ist und Kalk-Kasein-Farbe "bedingt geeignet". Dass es so viele verschiedene Ansichten zur Eignung auf Beton gibt, liegt vielleicht an unterschiedlichen Oberflächen. Der Beton bei mir ist sehr glatt, vielleicht hat er nicht genügend "Rauhigkeit", dass die Kalkfarbe da haftet?

Nachdem ich dann nochmals hier im Forum gestöbert habe und mich auf die Suche nach einer "Kalkfarbe für Anfänger" gemacht habe, bin ich auf die gefüllte Kalkfarbe von Kreidezeit gestoßen. Gut, die Methylcellulose als Zusatz entspricht jetzt nicht der Lehre von der reinen Kalkfarbe, aber als Nichtprofi und totaler Anfänger muss man da Kompromisse eingehen und ich denke ein Gewinn gegenüber der bisherigen Dispersionsfarbe ist es mit Sicherheit.
Ich habe mit einem 1l - Gebinde eine kleine Fläche ausprobiert und war erleichtert, dass das Resultat doch recht vielversprechend war und ich habe gehofft mit zwei Anstrichen hinzukommen. Ich habe daraufhin einen 10 l - Eimer bestellt. Ich habe die Farbe mit fast 10% Wasser verdünnt, weil ich fand, dass es sich doch recht schwer streichen ließ. Beim ersten Durchgang habe ich mich mit dem Streichen noch schwer getan, das Arbeiten mit der Bürste war doch recht ungewohnt. Es war noch ein ziemliches "Herumprobieren". Es gelang mir auch nicht wirklich "nass in nass" zu arbeiten. Dementsprechend ungleichmäßig war hinterher natürlich auch das Streichergebnis.
Für den zweiten Durchgang habe ich mir nochmal im Internet angeschaut, wie ein Profi im Kreuzgang streicht. So vorbereitet habe ich mich dann an den zweiten Streichdurchgang gemacht. Ich habe die Fläche zum Streichen anders aufgeteilt, so dass es mir auch einigermaßen gelang, "nass in nass" und noch dazu mehr oder weniger "elegant" im Kreuzgang zu streichen :-). Insgesamt hatte ich 24 m² Decke zu streichen. Dabei wurde die Bürste - gefühlt, aber auch tatsächlich - immer schwerer, die Füllstoffe haben sich immer mehr in der Bürste angesammelt. Insgesamt habe ich 5 Stunden dafür gebraucht (sicher kaum zu glauben für einen Geübten ;-).
Mit dem Resultat bin ich zufrieden. Man sieht keine Streifen mehr von Bahnen. Die Oberfläche ist nicht ganz gleichmäßig, wobei ich nicht weiß, ob das auch ein Effekt der Kalkfarbe an sich ist. Man hört ja öfter, dass das ein bisschen ungleichmäßiger oder wolkiger ist. Mit Sicherheit hätte es von einem Profi gleichmäßiger ausgesehen, vielleicht hätte auch ein drittes Mal streichen gut getan, aber mir hat das so gereicht.

Die Erfahrungen mit Sumpfkalk waren für mich sehr wertvoll, ich werde mir in Zukunft viel mehr Gedanken um Wandoberflächen machen und nicht mehr alles mit Dispersionsfarbe zukleistern. Wenn ich eine andere Oberfläche als Beton habe, würde ich gerne nochmals Versuche mit reiner Sumpfkalkfarbe machen. Irgendwie ist diese Einfachheit des reinen Kalks schon faszinierend!

Nochmals vielen Dank an das Forum für das Wissen und den Rat, der hier geteilt wird.