Div. komische Feuchtigkeitsschäden

05.09.2011



Hallo!
Es geht um "komische" Feuchtigkeitsschäden in unserem Haus, Baujahr etwa 1913...

WIr haben das Haus im September 2010 (also genau vor einem Jahr) besichtigt und gekauft. Es handelt sich um einen alten Resthof
- 24er Außenwand
- kein Keller
- von Außen war mal Klinker, jetzt ist Putz drauf

Bei der Besichtigung gab es nur an einer Stelle (etwa 30cm lang) eine nasse Wand am Boden (Fläche etwa Din A4). Sonst war alles trocken und gut...

Seit drei bis vier Wochen haben wir nun komische Feuchtigkeitsschäden.

Problem 1:
- an vier weiteren Stellen sind die Wände unten am Boden nass. Es sind alles Innenwände, keine Außenwände betroffen

Problem 2: in manchen Räumen wellt sich die Tapete mitten auf der Wand, also auf etwa 2m Höhe. Sowohl innen als auch Außenwand.

Was wir des weiteren festgestellt haben ist, dass es den gazen Sommer über jetzt bei uns im Haus a****kalt war. Wir mussten jeden dritten vierten Tag (w die Temp draußen etwas runtergingen) abends im Bad die Heizung aufdrehen. Allgemeine (also in der Wohnung) läuft die Heizung momentan nicht. Gelüftet wird durchgehend - also zwei drei Fenster sind immer komplett offen...

In der Küche ist es z.B. so extrem gewortden, dass die ganze Decke (Holzpanele) sich komplett gewellt haben...

Ebenso ist mir aufgefallen, dass im Nachbargebäude (alter Stall bzw. Knechtkammer) es ebenfalls sehr sehr kalt ist und sich auf dem Boden Feuchtigkeit sammelt. Die kommt aber nur plötzlich und ist auch ganz schnell wieder weg - danach ist der Boden trocken...

Am Gebäude selbst wurde nur "positives" verändert. Neues Dach, neue Zwwischendeckendämmung, neue Rinnen usw.

Wie würdet ihr jetzt vorgehen? Was müsste ich prüfen, messen, untersuchen, damit man da etwas weiterkommt?

Eine Idee von mir war, dass es sich um Kondensatwasser, also rein aus der Luftfeuchtigkeit, handelt. Aber wie soll ich das denn draußen lassen, darf ich nicht mehr lüften?

Danke, Georg



Kondensat



Hallo Georg,
das hört sich ziemlich nach einen Kondensat Problem an. Da hatten wir auch bei unseren fast 200 Jahre alten Sandsteinhaus in Mittelfranken. Hier kommt es wirklich auf das richtige Lüften an. Bei uns schlägt sich meist nur im Juli, August Kondensat nieder. Auch wie bei Dir ist es bei uns im Haus schön Kühl im Sommer nicht mehr wie 19 Grad.
Am besten kaufst Du Dir eine Wetterstaion, Hugrometer, mit der Du Ausen- und Innenluftfeuchtigkeit und Temperatur messen kannst. Am besten lüftest Du Nachts wenn es ziemlich Kühl ist, also meist 3-5 Grad Temperaturunterschied von innen nach ausen. Dabei spielt die Luftfeuchtigkeit (ausen) nicht einemal eine so große Rolle, natürlich ist es besser je trockener die Luft ausen ist. Wichtig ist es das es innen wärmer als drausen ist. Keinesfalls bei schül warmen Wetter unter Tags mit hohne Temperaturen und Luftfeuchtigkeit lüften, so holst Du Dir wanhsinnig viel Wasser ins Haus, das sofort an den kalten Wänden und Böden auskondensiert.
Wir haben auch längr gebraucht um das Ideale lüften zu erreichen. Und falls es mal gar nicht anders geht, einen Luftentfeuchter kaufen und in der Not, wenn man nicht lüften kann, diesen zur Überbrückung zwei bis drei Tage mal laufen lassen.
Ich gehe davon aus das bei Dir keine Bauschäden oder sonstige Fehler in der Substans vorhanden sind.
Bei uns ist das Kondensat Problem mit dem einsetzt neuer Fenster, Türen, Dämungen etc besser geworden. Früher lag der Maximalwert bei 88 Prozent im Sommer, mittlerweile sind wir dank Modernisierung und Sanierung bei 65-70 Prozent Luftfeuchtigkeit im Sommer angelangt. Im Winter beträgt die Luftfeuchtigkeit bis zu 35 Prozent.
Noch ein Tip, falls Du keine Dunstauzugshabe in der Küche hast die nach ausen die Abluft transportiert, dann lege Dir schnellstens eine zu, das bringt während dem kochen auch noch ein paar Prozente weniger.
Grüße Christian





>>>“Eine Idee von mir war, dass es sich um Kondensatwasser, also rein aus der Luftfeuchtigkeit, handelt.”<<<

Währe auch mein erster Gedanke.

>>>“Aber wie soll ich das denn draußen lassen, darf ich nicht mehr lüften?”<<<

Doch, aber nur wenn es draußen kühler ist als drinnen, also eher nachts und morgens.

Möglicherweise wird dies auch noch durch die Versalzung der Wände (frühere Viehhaltung) begünstigt.

Grüße
Oliver Struve



Kondensation - Warum?



Hallo

Sie schreiben: Die haben alles gut gemacht und trotzdem hat sich einiges und wesentliches im und am Haus geändert
War dann wirklich alles "gut"?

einen grossen Einfluss auf ein Haus hat die Wahl der Materialien, die Fenster und Türen (die Dichtigkeit im Sinne von -undichtigkeit) und die richtige oder falsche Beheizung.

Wenn sich Tapeten wellen und Deckenverkleidungen verwerfen ist das nicht mal ein bisschen ein hoher Luftfeuchtehype im Sommer - das steckts im Detail und im Kern.
Das stimmt "das System" nicht (mehr)!

FK





Danke Euch bisher.

Thermometer, Wetterstation & Co sind unterwegs, werde die Wetterlage beobachten...

Lage der Problemzimmer ist Erdgeschoss, dadrüber kommt Obergeschoß welches später zu Wohnzwecken umgebaut wird und das Dach. Was hat sich verändert:
- Dach neu eingedeckt, d.h. alte Ziegel gegen DeltaMaxx Folie und neue Ziegel getauscht - hier nehme ich mal an, dass es kein Problem geben dürfte.
- zwischen Erdgeschoß und Obergeschoß gab es folgenden Aufbau:
Deckenpanele, Balken, Dielenboden

Und jetzt ist er:
Deckenpanele, 12cm Dämmung zwischen den Balken, 22mm OSB Platten

An Fenstern, Türen, Außendämmung, Fundamente usw. wurde bisher nichts geändert.

Was auffällt: wenn wir z.B. übers Wochenende weg waren und alle Fenster aufhatten, kamen wir wieder und die Tapete war vollkommen gewellt. Kaminofen angemacht und nach 1-2 Stunden war wieder alles i.O.

Was ich verstehe, dass die Luft, insbesondere diesen Sommer sehr feucht ist. WIr haben immer die fenster auf und somit passiert das Problem mit dem Kondensatwasser. Liegt es an der Bauart (Materialien & CO), dass so etwas passiert? Denn andere Häuser in der umgebung haben solche Probleme ja nicht...

Hoffe damit kommen wir etwas weiter...





@FK

Das unterschreibe ich so nicht.

Nicht immer gleich die Schwiegermutter an die Wand malen, hier hat ganz offensichtlich der alte Eigentümer das Lüftverhalten besser im Griff gehabt.

Grüße
Oliver Struve





Du beschreibst es selbst recht gut:

Wenn übers WoE feucht warme luft in das kalte Haus gelangt, gibt's dort, wo die kältesten Stellen sind Kondenswasser, z.B. dort, wo Wände auf dem kalten Boden stehen.
Wenn man den Ofen anmacht gibt`s im Haus wieder höhere Temperaturen als außen und das Wasser kann wieder verdunsten.

Man soll eben bei feucht warmer luft nicht lüften, nicht durchgehend und schon gar nicht übers WoE. und insbesondere nicht wenn man schon weiß das es im Haus a...kalt ist.

Lass die Fenster tagsüber zu!

Auch die Sache mit dem nassen Betonfußboden spricht klar für Kondenswasser.

Dann ist noch zu bedenken, dass nicht nur warme Luft nach oben aufsteigt, sondern auch feuchte. Wasserdampf hat nur etwa 2/3 des Gewichtes der Luft.
Wenn man also die Decke mit rel. unduchlässingen OSB Platten versorgt und unterm Dach eine Folie anbrigt, die vorher nicht da war, hat man schon einen Weg zum Abzug der feucht warmen luft verschlossen. Dann ist's zwar wärmer,aber auch feuchter.

Gruß Götz.





Also das durchgehende lüften war eher als "heizen" gedacht. Da es uns im Haus zu kalt vorkam, dachten wir: fenster auf, dann kommt die schön warme Luft rein...

a) bedeutet dies, ich muss im Extremfall auch im Hochsommer heizen?
b) bedeutet dies, dass mein Haus sehr gut gedämmt ist?
c) bedeutet dies, dass ich auch im Winter mit wenig Energie mein Haus warm kriege?

Oder sind meine Folgerungen falsch?



Das bedeutet:



a) nein. Nur wenn es darußen warm und(!) feucht ist, die Fenster zulassen.

b) Nein. Das bedeutet, dass in Deinem Haus innen offenbar die Wände kühl sind und sich auch im Sommer nicht vollständig aufwärmen. Wie Dein Haus gedämmt ist, wirst Du sicher selber wissen.

c) Den Rückschluss verstehe ich nicht. Wenn das Gemäuer schon im Sommer kühl ist, wieso soll es dann im Winter plötzlich ganz von alleine warm werden?

Falsch ist die Vorstellung, dass die warme luft von außen die Wände die befriedigender Wiese erwärmen kann. Dass kann sie nur, wenn sie dabei abkühlt und je nach Luftfeuchte Kondenswasser an die Wand abgibt.

Kauf Dir ein Hygrothermometer und stelle es nach draußen(!) und so ein kontaktloses Thermometer und miss die Wandtemperatur.
ermittele den Taupunkt (Z.B. hier: http://www.wetterochs.de/wetter/feuchte.html), dann weißt Du ob die Fenster gerade offen bleiben können oder besser geschlossen werden müssen.

Wenn z.B. die Temperaturdifferenz Außenluft / Wand 5° beträgt wirst Du ab etwa 75% Luftfeuchte Kondensat bekommen.

Kondenswasser/Eis im Külschrank gibt es ja auch nicht, weil es da drinnen so kalt ist, sondern weil warme Raumluft von aussen nach innen dringt und abgekühlt wird, z.B. wenn die Dichtung kaputt ist.
Die Vorstellung, dass in der Sauna das Wasser auf der Haut Schweiß sei, ist übrigens auch Blödsinn. Da ist die Temperaturdifferenz Körper/Luft bis zu 50° und die Luftfeuchtigkeit z.B. 50%.
Bei 80°, 50% Feuchtigkeit müsstest Du schon 64° Fieber haben, damit nichts auf der Haut kondensiert. Wenn Du normal temperiert bist (was ich hoffe), dürfte die Feuchtigkeit 13% nicht überschreiten.

Es kommt also auf die Temperatur Differenz und die Feuchtigkeit an. Für solche Probleme gibts übrigens auch automatische Lüftungseinrichtungen, die man laufen lassen kann, wenn man nicht zu hause ist. Wenn die Erwärmung der Bausubstanz bei niedrigen Temperaturdifferenzen über längere Zeit erfolgt, kann man den Bau vielleicht auch langsam etwas wärmer bekommen.
Wenn die Wänden aber nass sind, werden sie alleine von der Verdunstungskälte wieder abgekühlt.
Gruß Götz