Dielen möglichst schadfrei entfernen

18.06.2020 IanFraser



Hat jemand einen Tipp alten Dielenboden möglichst schadfrei zu entfernen?

Die Dielen sind ca 30mm stark und wurden mit alten 4-Kant Nägeln, teils 70mm, teils ca. 100mm genagelt. Das ganze ist extrem fest und mit dem Kuhfuß reisst immer mal wieder der Nut/Feder Bereich auf bzw hatte ich auch schon 1-2 Dielen, die mir in der Mitte gerissen sind, was sehr schade ist.

Ich habe hier im Forum in einem anderen Thread den Tipp "ausbohren" der Nägel aufgeschnappt. Kennt sich damit jemand aus, und welche Art von Lochbohrer würdet ihr empfehlen?



Nagelkopf abtrennen?



Wenn die Dielen mit Keilen angehoben werden, lassen sich oftmals danach die Nagelköpfe mit einer kleinen Trennscheibe abschneiden und die Dielen dann abheben. Aber Spaß macht das nicht bei großen Flächen. Ich hab auch noch so einen 20 qm Boden mit ca. 250 Nägeln vor mir.



Dielen ohne Zerstörung demontieren



Nägel nach unten durchschlagen wäre eine Möglichkeit.

Alternativ wenn die Bretter etwas angehoben wurden ein stabiles Blech mit Schlitz für die Nägel
unterschieben und dann unter dem Blech hochhebeln.
Man könnte noch ein Federblech annieten, damit das Blech immer unter die Diele gedrückt wird-
von der Seite sieht's dann wie ein V aus



@Andreas Teich



Danke für die Anregungen.

Das Durchschlagen der Nägel war mein 1. Versuch, aber da tut sich leider nichts. Die alten konischen Nägel bekommt man nicht leider nicht durch das Holz getrieben. Der alte Aufbau ist Sand, Bohlen aus "Resten", teils Eiche, teils Nadelholz und dann Dielen genagelt. Ich vermute der Sand trägt dazu bei, dass die Kraftübertragung nicht groß genug wird, so dass ich die Nägel nicht durchgeschlagen bekomme. Zumindest nicht mir Fäustel und Splinttreiber, oder wie würden Sie die Methode Durchschlagen angehen?

Variante 2 mit dem Blech ist eine klasse Idee, das werde ich ausprobieren, vielen Dank. Müsste wahrscheinlich eher eine dünne Stahlplatte sein, mal schauen.

Nochmal die Nachfrage, weil es immer mal wieder im Forum stand - Thema ausbohren: was für eine Art Bohrer bräuchte ich dafür?



Ausbohren...



...ist Unsinn. Wollte man (Variante 1) den Nagel mit dem Bohrer "erwischen", scheitert man daran, daß Bohrer wie auch Menschen den Weg des geringsten Widerstandes gehen - also hier durch's Holz, und nicht durch's Eisen.

Versucht man (Variante 2) den Nagel mitsamt Peripherie mit einem Fräsbohrer für Querholzscheiben quasi in die Mitte zu nehmen, prodiziert man riesige Löcher und wird auch noch ab und zu den Nagel mit dem Bohrer erwischen. Die Teile sind zudem teuer.

Die von der Restaurette empfohlene Variante mit den Keilen (aus Hartholz sägen!) funktioniert bei den vorderen Nägeln gut, und die etwas angehobenen Nägel bekommt man dann auch mit dem Nageleisen heraus. Im Dachdeckerbedarf gibt es sehr gute Eisen mit breiter und gut abrollender Auflage, die arbeiten schadensfrei.

Wir haben aber auch hintere und ggf. auch mittlere Nägel. Um die zu erwischen, habe ich mir sehr lange Meißel aus 6mm Flachstahl machen lassen. Das vorn von Keilen angehobene Brett ermöglicht, mit dem Meißel bis an die Nägel zu kommen, und dann schlage ich sie durch. Wenn der Nagel nicht bricht, biegt er sich zumindest und zieht den Kopf nach unten durch das Brett. Das Verfahren hat auch schon bei Tafelparkett von 1,12m Kantenlänge funktioniert.

Auch möglich, aber etwas mühselig ist es, ein Metallsägeblatt an einem Flachstahl zu befestigen und von Hand zu sägen.

Wenn die Dielen nicht zu breit sind, kann man die Nägel auch mit einer Säbelsäge und langem Sägeblatt durchtrennen, wenn die Diele angekeilt wurde.

Durchschlagen funktioniert nahezu nie bei in die Jahre gekommenen Nagelverbindungen.

All das ist etwas für Leute mit Durchhaltevermögen und lohnt sich rein finanziell eher nicht. Neue Dielen sind billiger. Aber da, wo es denkmalpflegerische Gründe gibt, lohnt sich die Mühe.

Viel Erfolg

Thomas



Dielennägel ausbohren



Falls du es doch mit dem Ausbohren bei erhaltenswerten Dielen versuchen willst gibtszB bei Amazon HSS oder Hartmetall- Hohlbohrer ab 10 mm Durchmesser, zB 50 mm Gesamtlänge und 6 mm Schaft-natürlich auch andere Abmessungen.
Kosten ab ca 5,-€/St.
Du könntest anschließend in ein Sperrholzbrett mit einem Forstnerbohrer ein 15 oder 20 mm Loch bohren,
das Loch genau über dem ausgebohrten Nagelloch positionieren und dann mit dem Forstner ca 5 mm tief bohren.

Bei 20 mm Loch eine Karosseriescheibe einlegen und dann durch das Loch verschrauben und darüber das Loch mit eingeleimtem Querholz- oder Astlochdübel abdecken.



Danke Andreas & Thomas



Danke für die tollen Ratschläge und die Mühe, die Ihr euch gebt. Das mit dem Flachmeißel ist eine weitere tolle Idee. Die Dielen haben teilweise drei Nägel, 1x mittig und 2x im Randbereich. Man hat es gut gemeint.

Finanziell lohnt es vielleicht nicht, aber die Dielen sind aus so feinjährigem Holz und absolut Plan (nicht geschüsselt), so eine Qualität findet man auf der anderen Seite auch wiederum nicht so einfach. Ich denke mit Keilen, Flachmeißel und evtl Stahlplatte wird es mit viel Mühe gelingen.

Danke an alle Beteiligten!



Schade,



...daß der Hartmut noch keine Videos freischaltet. Ich hätte zu gern gesehen, wie der Herr Teich mit einem 10er HM - Bohrer einen Nagel aus einer Diele bohrt.



Hohlbohrer



Wie’s geht wird der Fragesteller sicher auch selbst herausfinden-
genau wie mit Zapfenschneider nur kleiner und mit wenigercHolzverlust.