Optimaler Schallschutz für Holzbalkendecke mit dreiseitig unten sichtigen Balken

30.10.2009 Skipper



Ich bin Architekt und plane gerade die Wohnungstrenn-Decke einer alten Scheune. Schallschutz ist hier sehr wichtig!!! Die Decke soll aus optischen Gründen unten nicht verkleidet werden, weshalb der Aufbau oberhalb der Balken den Schallschutz erbringen muß. Aus statischer Sicht, darf das Eigengewicht des Bodenaufbaus nicht mehr als 1,9 KN/m2 haben. Höhentechnisch gibt es keine Beschränkungen. Mir geht es um den optimalen Aufbau. Mit der in der DIN 4109 Beiblatt 1 angegebenen Konstruktion (von oben: Holzwerkstoffplatte auf Tritschalldämmung 35/30 auf 60cm Gehwegplatten bituminös eingeschwemmt auf 28mm NF-Bohlen) komme ich zwar von den Anforderungen in etwa hin, aber jeder weiß, dass die vorgeschriebenen Anforderungen im Schallschutz in der Praxis vom Nutzer oft nicht toleriert werden. Daher würde ich die Anforderungen von R´<55dB und TSM <47dB gerne übererfüllen. Als Endbelag ist ein Eichedielenbelag als Volldiele oder als Fertigparkettboden schwimmend oder verklebt gedacht, in jedem Fall geölter Boden in Eichendielenoptik. Aufbau mit mehreren Schichten ist auch denkbar. Fußbodenheizung wäre zwr wünschenswert, steht aber nicht im Vordergrund, wenn es dafür einen besserern Schallschutz gibt.
Wer hat mit einer Konstruktion bzw. mit einem System gute Erfahrungen gemacht. Für alle Tipps und Hinweise bin ich dankbar....



TSM von Holzbalkendecken



Hallo Herr Kollege Hornstein,

ein Trittschallschutz-Verbesserungsmass von besser als 47 dB krieg ich mit einer Holzbalkendecke nicht hin.
Schlüssel ist die Optimierung von dynamischer Steifigkeit der Dämmplatte (Feder) und Masse der Deckplatte (Anreger).
Bei einer 40er Rockwool GP komme ich auf s´= 38MN/m³, damit korrspondiert bei 60 kg Masse der druckverteilenden Platte ein Verbesserungsmaß von etwa 23 dB, die sich durch Gewichtserhöhung auf 26 dB steigern lassen.
Kleinere Steifigkeiten sind nur bei Anordnung unpraktisch dicker Dämmstofflagen möglich, z.B. 140 mm Glaswolle.
Man kann durch Ankopplung von Porenvolumen unterhalb der Dämmstoffplatte experimentell die dynamische Steifigkeit herabsetzen, indem die Dielenlage gelocht wird.
Das ist aber ein Experiment.

Grüße vom Niederrhein



Danke für die Antwort



Ein Trittschallverbesserungsmass von 47dB ist bei einer unten offenen Holbalkendecke wirklich nicht möglich, aber vielleicht ein äquivalent bewertetes Trittschalldämmmaß...;-) Auch das wird sehr schwierig. Die Anforderungen sind unten falsch angegeben. R´w sollte >55dB sein und L´n,w sollte < 53dB sein. Ich wäre mit R´w =55dB und L´n,w = 51dB sehr zufrieden. Das mit der "Ankopplung von Porenvolumen durch Lochung der Dielenlage" habe ich nicht verstanden.... Kennen Sie das Systen von HOMATHERM Silent-Top? Vielleicht setzt dies Ihre Überlegungen mit der Herabsetzung der Steifigkeit um? Frage und Überlegung: Sind 2 oder auch 3 dünnere und auch einzeln leichtere "Feder-Anreger-Paare" effektiver als ein stärkeres und schwereres "Feder-Anreger-Paar" oder verschlechtert sich der Schallschutz evtl. sogar? Für einen guten Raumschall ist meines Wissens nach die Masse verantwortlich. Sie wird bei sichtbaren Holzbalkendecken meist als bituminös eingeschwemmten Gehwegplatten auf die Schalung eingebracht. Könnte man sie nicht auch als dickeren Estrich einbringen? Ist eine 5cm Quarzsandschüttung auf der Schalung effektiver als die bituminös eingeschwemmten Gehwegplatten? Sie sehen schon, Herr Kollege, Fragen über Fragen? Welchen Aufbau würden Sie wählen, wenn Sie folgende Vorgaben hätten:

1. Mögliche Aufbauhöhe von OK Balken bis OK FFB bis zu 20cm
2. Maximale Eigenlast der Konstruktion 1,9 kN/m2
3. Endbelag in Eichendielenoptik

Tausend Dank für die "Amtshilfe" nach Franken!

Christofer Hornstein



Kurzer Tipp an die Wissenschaftler!



Das Thema hatten wir schon mal hier. Wie wurden früher Einschübe gestaltet und mit was? Macht´s nicht immer so schwierig.

Gruß Ronny



geringster Aufbau...



...auf einer unten balkensichtigen Holzbalkendecke.
Sehr gute Erfolge bisher damit.
Diffusionsoffen, gute Einbausituation, schnelle Lösung und kein bisschen Baufeuchte.

Grüße in die Fachrunde,
Udo Mühle



Schallschutz für Holzbalkendecke



Hallo Herr Kollege Hornstein,

dann will ich mal die offenene Fragen, die ich aufgeworfen habe, versuchen zu beantworten:
1. "Angekoppeltes Porenvolumen" ist so zu verstehen, daß sich die beim Drauftreten bewegende Luft in den Deckenhohlraum verdrückt. Dazu muß die Dielenlage gelocht oder geschlitzt sein. Vergleichbar ist der Effekt beim sg."Flüsterasphalt", wenn komprimierte Luft in das Porensystem des Asphalts gedrückt wird und nicht der Kontaktfläche Fahrbahn / Reifen pfeifend entweicht.
Etwas physikalischer haben es Fasold / Sonntag beschrieben: "Bauphysikalische Entwurfslehre, Bd.4 Bauakustik.
2. Es kommt sehr darauf an, wo sich die Masse befindet. So sind z.B. Sandauflagen weit wirksamer als Einschübe. Aber das ist ein alter Hut, der schon in schalltechnischen Taschenbüchern der 60er beschrieben wurde.
3. Mehrere Systeme sind nicht kalkulierbar. Im schlimmsten Fall hat man ungeplante Resonanzen.

Die einbituminierten Gehwegplatten haben den Vorteil, daß sie in Grenzen flexibel sind und die Durchbiegungen mitmachen. Im Gegensatz dazu können starre Estrichplatte reißen und krachen dann in den Rissflanken. Die bituminöse Masse stinkt aber.

Ich würde deshalb Platten (floorboards aquapanel mit 34 kg/m²) auf 40 mm Rockwool-Platte legen, die 28er Dielen in einen Schweizer Käse verwandeln und den Hohlraum locker bedämpfen.
Es ist von großem Nachteil, unterseitig nichts zu machen.
Jeder Aufwand, der darüberhinausgeht, sollte sorgfältig begründet werden.
Eine Alternative, die aber Geld kostet, wäre die kreuzweise Diagonalbeplankung mit 50 er Bohlen. Dieselben mit Schraubnägeln unter 45 Grad mit den Balken verschrauben.
Alternativ hierzu Kertto-Q 38 oder 50 mm in einer Lage.
Damit erreicht man die Steigerung der Tragfähigkeit nach der Plattenbalkentheorie und kann weitaus mehr Masse aufbringen.

Nächste Alternative: Sie betrachten die balken als das, was sie sind, nämlich pure Deko und verwenden die vorhandene Decke als Schalung, um 15 cm Beton aufzubetonieren. Lastabtragung überTaschen in den Wänden.

Grüße vom Niederrhein



Nochmals Dank für die Tipps



Hallo Herr Kollege,

danke für Ihre Tipps. Die Untersicht ist in diesem Fall heilig.
Wir haben schon einmal nach einem vom Statiker selbst berechneten System sehr preisgünstig aus einer Holzbalkendecke eine Holzbalken-Beton-Verbunddecke gemacht, wobei nur 6-8cm Beton aufgebracht wurde. Dabei wurde die Decke sehr steif und der Schallschutz war "gefühlt" sehr gut. Ob dies im vorliegenden Fall statisch geht, muß ich vom Statiker rechnen lassen. Hier hätte die eingebrachte Masse statisch Sinn. Auf diese Platte könnte ich ja dann die von Ihnen vorgeschlagenen Floorboards mit 40er Rockwool legen.

Kollegialer Grüße!



nochmal



Hallo Herr Kollege Mühle,

danke auch für Ihr Beispielbild. Was sind das genau für Stärken und was für Materialien? Ich nehme an, hier ist die Decke unten verkleidet,oder?

Kollegiale Grüße



Die Frage ist aller Laster Anfang!



Hallo Doc!

Was stellst du für Fragen?
Hättest du beim Seegy besser aufgepasst ...
:-)
Alles Gute nach Erlangen!

FK



Decke...



...ist unten Balkensichtig.
Darauf liegen dann Sichtschalung und dann der Aufbau:
Rieselschutzvlies, Kokosstreifen als Randdämmstreifen, Lehmpaneel 35 mm N+F, 50 mm Holzweichfaserplatte trittfest und abschließend Holzboden.

Viel Erfolg