Schafswolle als Dachdämmung

20.11.2003



Ich lebe hier in Südfrankreich und plane, mein Dach mit Schafswolle zu isolieren. Dazu bin ich derweil auf der Suche nach diversen Infos:

- ich plane rohe, nicht gekämmte, aber gewaschene Schafswolle zu benutzen, ist das ok?
- welche Schichtdicke, in ungekämmter Wolle?
- die anti-motten und insektenbehandlung könnte mit Borax geschehen, aber welche Mengen,
Verdünnungen, Verfahrensweise? Ich habe alles gelesen, die Palette reicht von "gar nichts",
über "pudern mit Borsalz", "Besprühen" mit einer 10%igen Lösung... etc
- hat jemand infos über die Langlebigkeit einer solchen Behandlung, und ihre effizienz?
- letzendlich, wo bekommt man Borax in grösseren mengen her, und zu welchem Preis (grob)?
- Wer hat Erfahrung mit solch einer Dämmung?
- Wie sieht der Dachaufbau aus (Dampfsperre, Regensperre, Schichtdicke)?

Ich würde mich SEHR über einen kleinen Erfahrungsbericht und eventuell interessante Links
zu dem Thema freuen.

Gruesse
Torsten
Toulouse



Schafswolle



schönes Vorhaben. Vorschlag zur Arbeitserleichterung: Wolle kaufen; info bei www.isover.de; BORAX gibt in Chemikalienhandlungen, Auro verkauft das auch.
Sie können die üblichen Schichtdicken und Wärmedurchgangswiderstände nehmen, also 15-20 cm.
Der Aufbau wie immer: raumseitig Dampfsperre, dann Dämmung, Hinterlüftung, Regenfolie oder Unterdach, Konterlatten, Latten, Ziegel.



die Krux liegt im Detail



Lieber Herr Beckmann,
vielen Dank für ihren Beitrag. In der Tat scheint die Problematik bezüglich der Insektenbehandlung
grösser zu sein als man glaubt. Hier in Südfrankreich kann man Schafswolle i) "roh", direkt
vom Schaf (30cents/kg), ii) gewaschen, d.h. ca
50% leichter (ca 90 cents/kg), iii) gewaschen und
behandelt mit Mitin (das gleiche wie Eulan) für
ca 3.10 Euro/kg bekommen. Diese Wolle ist direkt
vom Grosshandel, ungekämmt (d.h. geringeres Bauschverhalten). Fertige Meterware (Matten) gibt es ab ca 10Euro pro qm in 8cm Dicke (gekämmt), dann sind aber trotzdem mehrere Schichtdicken notwendig. Mitin/Eulanbehandlung wurde für jahrzehnte als unbedenklich eingestuft,
diverse aktuelle Berichte sind da scheints kritischer; warum sollte man sich eine Ökoisolierung ins Dach bauchen, die chemisch behandelt worden ist...
Australische Freaks (Strawball-builders etc) haben
schon seit Jahren Erfahrung mit Roh-Schafswoll-isolierung gemacht; das Hauptproblem liegt beim permanenten, ökologisch
akzeptablen Insektenschutz (vor Allem Motten).
Brauchbar (aber auch ökolokisch nicht ganz sinnvoll, da nicht mehr kompostierbar) sind Borax-
Behandlungen, die Frage stellt sich nur wie:
Profiwollwäschereien (davon gibt es in ganz Frankreich noch 2 angeblich) behandeln erst ab
Auftragsmenge von 20 Tonnen (!) und mehr. Selbt
Tauchbehandlungen in Borax/Borsäuremischlösungen
sind unrealistisch (Waschen, erhitzen, trocknen von einigen kubikmetern), bestauben mit den Salzen
ist nur partiell wirksam, Besprühen dito. Was ist
die richtige Methode?? Übrigens, hiesige Dämmungsfreaks lehnen aufgrund der extrem guten
Feuchtigkeitsabsorptionsfähigkeit von Schafswolle
eine Dampfsperre strikt ab, sondern wollen eben gerade die Feuchtigkeitsregulierende Wirkung ausnutzen.

gruesse aus dem Sueden
Torsten

PS: seit wann kümmern sich Glasfaserproduzenten
um ökobaustoffe???



Wolle



Ich habe gerade Ihren sehr interessanten Beitrag gelesen. Sicher ist nichts dagegen einzuwenden, wenn man die Speicherfähigkeit der Wolle im Selbstbauhaus nutzen will, ich stell mir aber gerade vor, wie man denn sozusagen mit "dynamischen Lasten" den Dachstuhl dimensionieren will. Beim Brandschutz wird für EFHs außer Schwerentflammbarkeit nichts verlangt, Weihnachtsbaum und Co. werden schon für den Neubau sorgen. Bei Isover hab ich selbst gestutzt, offnbar müssen die ein Thema besetzen, weil das eigene Produkt in Verschiß gekommen ist.
Grüße





bei unseren "Recherchen" kam raum, dass Schafswolle als Dämmstoff nichts mehr mit Natur zu tun hat...es muss ohne Ende (etwas übertrieben, ich weiss) behandelt werden, damit es dauerhaft nutzbar ist. Wir nehmen Hanf, den ich wärmstens empfehlen kann, da sehr gute Wärme und Geräuschdämmung und nicht empfindlich gegen Insekten und Co ist





@Dietmar: mein Dachstuhl ist gerade von mir neu
gebaut worden, mit 20*20cm starken Eichenbalken alle
1m in Längsrichtung. Dieses Dach trug vorher (und ich baute es nur nach) eine Steindeckung, mit bis zu
400kg/m2 Gewicht, ich habe sozusagen noch einiges an
Spielraum, dh. Gewicht und dessen Schwankung ist kein Problem.
@ Claudia: es stimmt, dass Mitin/Eulan/Sulcofuronnatriumsalz nicht gerade
ökologisch ist. Die Menge ist nicht gerade gross,
aber was heisst das schon. Klamotten werden schon
seit Ewigkeit damit behandelt, aber auch das heisst rein gar nichts. Scheidet also aus. Borax
und Borsalzbehandlung scheint mir nicht schlecht
zu sein, solange Borax nicht verschluckt wird, ist
es scheints völlig harmlos, sagen wir mal wie
Kochsalz. Welche Art von Hanf habt ihr genommen?
Stengel/Stücke/Faser? Pur oder mit Kalk gemischt?
Dicke? Dachaufbau? Irgendwelche Sperren/Folien?
Welche Marke? Woher?

vielen Dank und gruss
torsten



Meldung



Hi Torsten, Du lebst noch????? Bei den Antworten von Hr. Beckmann scheint mir der typische Miwo-vertreter zu sprechen! Dampfsperren, Folien etc. sind bei diffussionsoffenen Konstruktionen überflüssig und nicht ratsam. Dampfbremsen dagegen ja! Doch bei Deinem Problem mit der Schafwolle sehe ich auch etwas schwarz! Zwar ist billig zu bekommen immer gut, doch wenn im Späteren die ganze Scheiße nach hinten losgeht (Ungeziefer, Schadstoffe durch Insektenschutz usw. usw.!), dann sollte man sich doch Gedanken machen, vielleicht auf finanziell andere Materialien auszuweichen. Hanf oder Hobelspäne oder Stroh. Grüße aus der Oberlausitz und vielleicht wird es nun einmal mit einem Besuch klappen können. Das Lehmwerk-Team!





Hallo,
wir haben Hanfplatten von Isover bestellt (sind gestern gekommen: siehe www.isover.de), pur ohne Lehm etc, es wird eine Zwischensparrendämmung gemacht mti Dampfdurchlässiger Pappe, gegen die Ziegel (Ton) kommt so weit ich weiss Folie, damit kein Schlagregen rein kann. dicke 16 cm, von drinnen machen wir eine unbehandelte Verlattung, da wir den Spitzboden als Wohnraum nutzen wollen.
Gegen die Entflammbarkeit ist Borax drin, mehr aber nicht.
Bezogen haben wir das über unseren Dachdecker, müsste aber auch jeder Baumarkt bestellen können.
Vorteil: Wenn Sie noch eine Adresse in D haben, dann können Sie eine Förderung für Hanf beantragen, 40 Euro / Kubikmeter, allerdings nicht für alle Hanfdämmungen, der Hersteller muss best. Richtlinien entsprechen.



Schafwolldämmung



Hallo ,

in meiner studentischen Sturm und Drangzeit habe ich mir Schafe gehalten. Zum einen wollte ich neben den „fast lautlosen“ Rasenmähermöglichkeiten sehen was man mit der Wolle alles so anfangen kann. Anfangs war ich sehr überzeugt Schafwolle als Dämmung einzusetzen, aber heute würde ich es hinsichtlich der großen Mottengefahr nicht mehr tun. Es gibt da eine ganze Palette anderer Möglichkeiten. Geförderte Dämmung würde ich jedoch nie einsetzen. Ich frage mich, warum diese gefördert wird und noch mehr, welche Anbieter gefördert werden!! So weit ich weiß ist kein einziger ökologischer Dämmstoffhersteller dabei. Bei den Dämmstoffen sind stets irgendwelche chemischen Zusätze zu erwarten. ----------- Erst kürzlich habe ich erfahren, dass Borax sich verflüchtigen soll. Weiß hierzu jemand mehr?? ----------- Aber was anderes, in welcher Ecke von Frankreich baust du. Wir haben ein Haus in Miran zu sanieren. Das liegt so ca. 1 h von Genf entfernt am südlichen Ufer des Genfer Sees. Ich suche in dieser Region noch Handwerker. Vielleicht kannst du mir weiter helfen.

Grüße Michael





??? was also soll an geförderten Sachen schlecht sein, ist doch gut wenn der ´HAnfanbau gestützt wird. Im übrigen wird nicht der Anbieter gefördert sondern der Bauherr, denn man reicht selber die Rechnung ein und bekommt Geld zurück und da wir nicht in Geld schwimmen, sind wir über jede Förderung froh.





Hallo Claudia, so weit meine Messeinformationen stimme sind bei Hanfmatten der Firma Isover Stützfasern aus Kunststoffen beigement. Aus diesem Grunde bestehen da bei mir gewisse persönliche Abneigungen. Ich ahbe mir gerade nochmal die Liste der geförderten Dämmstoffhersteller durchgelesen und muss mich berichtigen. Die, die ich damals suchte habe ich nicht gefunden und habe mich gewundert. Beim durchlesen fand ich schon ökologische Anbieter, aber eben auch viele, die Stützfasern aus Polyester beimengen. Das ich schrieb, dass kein einziger ökologischer Anbieter dabei ist, ist daher falsch - man sollte doch öfters mal kontrollieren. :-) Grüße, Michael





ok, da hast du recht, wir wollten auch einen anderen Anbieter (komm grad nicht auf den Namen) der Dachdecker hat aber nur Isover bekommen können, warum auch immer, denke es gibt schlimmeres ;-)



Schafwoll Isolierung



Hallo da draußen!

Ich hab das Dach meines Häuschens vor ca. 10 Jahren mit Schafwolle isoliert. (ohne Dampfsperre, nur Pappe)
Bin was das Raumklima anbelangt sehr zufrieden.
Hab aber seit kurzem Probleme mit Motten.
Die Wolle wurde damals mit Borax behandelt. Der Hersteller, im östlichen Raum Münchens hieß Krikl, oder so ähnlich (die Firma existiert leider nicht mehr).

Kann mir jemand helfen mein Problem zu lösen?

Danke
Monika



Dämmung mit Schafwolle



Hallo zusammen,

ich arbeite momentan bei einer ökologischen Organisation in Frankreich und wir möchten ein Haus mit Schafwolle isolieren. Wir wissen aber nicht genau, wie man diese auf ökologische Weise vor Motten schützen kann. Haben Sie darin Erfahrung oder Informationen darüber, wie man die Wolle z.B. mit Borsalzen behandelt? Ist die Wolle unbehandelt oder gewaschen, ist das Salz Puder oder flüssig? Für einige Informationen wäre ich Ihnen sehr dankbar.
Mit freundlichen Grüssen und herzlichen Dank

Matthias



WARNUNG



Wenn du gut an die ausgelegte Schafswolle rankommen kannst, kannst du ja einen Versuch starten. Sollte sie aber in unzugänglichen Sparren verbaut
werden, rate ich dir strikt Borsalzversuche etc ab. Da hilft nur Mitin/Eulangetränkte Wolle (wie man sie auch als sogenanntes Ökoprodukt finden kann, oder aber in grossen Wollwäschereien hier in Südfrankreich als Ballenware). Ich selbst hatte superpreise für Wolle, habe aber trotzdem wegen
der akuten Mottengefahr einen Rückzieher gemacht und ich für eine Ökoisolierung im Sarkingverfahren (Hanfhäcksel/Kalk/Sandgemisch) entschieden. Letzteres funktioniert super!!! ...ist aber relativ viel Arbeit. Seitdem ich erfahren habe, dass früher Bauern einen Ballen Hanf in ihre Scheune gelegt haben (nicht zum Rauchen :-)), um Ratten zu vergreulen, fühle ich mich um so besser. Also, meine Meinung: Finger weg von der Wolle.

kannst mich gerne kontaktieren für Details zur Hanfisolierung, sollte sie dich interessieren.

mfg
Torsten



Schafswolle



Hallo Alle Zusammen
Wir haben uns auch mit dem Thema Schafsolle isolieren beschäftigt. Nach vielen Fragen die wir stellten sind wir zu dem Entschluß gekommen, das Keiner was genaues weiß.
Laut Schäfer Angaben würde kein Ungeziefer in die Schafswolle gehen. Kann ich leider nicht bestätigen. Wir haben unseren Dachstuhl mit ungewaschener Schafswolle isoliert. Die wir aber durch eine Kadiermaschine haben auf Matten von 30 x60cm gekämmt. Das Volumen was dadurch entstand war grandios. Das ganze machten wir vor ca.zwei bis zwei einhalb jahren. Nach dem letzten feucht warmen Sommer 05 kam die böse Überraschung, sämtliche Fächer waren leer gefressen.Motten. Nun stehen wir vor dem Problem, was wir machen sollen. Die nicht eingebaute Schafswolle die in großen Plastiksäcken in der Garage stehen, sind allerdings nicht befallen. Hatte schon die Idee, das es was mit dem Einfall vom Sonnenlicht zu tun hat. Bin aber nicht sicher.
Das Klima und die Isolierung von Wolle ist allerdings super.
Nur die fertigen Matten zu kaufen, ist fast unmöglich da die Preise utopisch sind. Da die Behandlung gegen Ungeziefer dann auch nicht mehr Ökologisch ist. Aber wie sieht das denn beim Hanf aus. Aus welchem gund geht den da kein Ungeziefer rein? Es ist ja auch reine Natur wie wolle.
Warum geht die Motte an die wolle, das was ich über die Motten gelesen habe, dürfte sie nur an Wolle gehen wo Eiweißrückstände und Dreck drin ist. Das Wollfett kann sie nicht verdauen. Dann dürfte Sie doch eigentlich nicht an gewaschene Wolle gehen. Irgendwie verträgt sich das nicht.
Liebe grüße aus dem Hunsrück