Innendämmung mit Perlite?

22.07.2004



Wir haben ein Fachwerkhaus (denkmalgeschützt) aus dem Jahre 1710 erworben, das stark renovierungsbedürftig ist. Da eine Außendämmung bei so einem Gebäude ja nicht in Frage kommt, haben wir uns über verschiedene Möglichkeiten der Innendämmung informiert. Derzeit favorisieren wir folgenden Wandaufbau:

- Fachwerkwand
- 14 cm Dämmung aus hydrophobierter Perlite, die mit Kalk versetzt und erdfeucht eingebaut wird, um die kapillare Leitfähigkeit gegenüber normaler Perlite zu erhöhen und auch damit die Dämmung „steht"
- Innenschale 11,5 cm aus Leichtlehmstein
- Lehmputz mit eingeputzten Wandheizungsschlangen

Wir wüßten gerne, ob jemand Erfahrungen mit einem solchen Aufbau gemacht hat. Unsicher sind wir uns besondes in der Frage, ob die mit Kalk versetzte Perlite den Feuchtigkeitseintrag durch Schlagregen, der durch die Fugen zwischen Balken und Gefachen entsteht, genügend abpuffern kann. Von anderer Seite wurde uns gesagt, daß dazu nur eine durchgehende Lehmputzschicht auf der Innenseite des Außenfachwerks in der Lage sei.
Wo wir uns auch unsicher sind, ist die Frage, ob Kombination Kalk (in der Dämmung) und Balkenwerk in Verbindung mit der zeitweise dort sicherlich vorhandenen Feuchtigkeit nicht ideale Bedingungen für den Hausschwamm liefert.

Wir würden uns sehr freuen, wenn wir auf diesem Weg Bedenken, Bestätigung oder natürlich aus sonst weiterführende Gedanken bekommen könnten.

Schon mal vielen Dank,

Christin und Willem Güth



ist das nicht etwas zuviel des Guten?



... das beste ist sicherlich: Eine Vorschale machen und Stampflehm hinterfüllen. Vielleicht als Alternative Lehmsteine vormauern, die aber durch Lehm direkt mit der Außenwand verbinden, so dass keine Lücken oder Löcher entstehen.

Wir haben Schilfrohrmatten in Lehmbett gemacht. Dämmt hervorragend, im Winter ists mollig warm, im Sommer herrlich kühl. Ist aber nicht das Optimum, das Optimum wäre die Vorschale mit Stampflehm. Trotzdem läuft bei uns kein Wasser rein oder sonstwas. Grüße Annette



Innendämmung



Ich empfehle die Konstruktion mit dem Hersteller abzustimmen (Perlite). Das Funktionieren der Dampfdiffusion muß überprüft werden. Hierzu ist es wichtig, mit welchen Materialien die Gefache ausgefüllt sind. Besonders wichtig ist auch die Ausführung der Anschlüsse an einbindende Bauteile, um Kondensatbildung zu verhindern.
Für die Schilfrohrmatten gilt natürlich das gleiche. Bei den Schilfrohrmatten ist ein Dicke von ca. 14 cm erforderlich. Die subjektive Betrachtungsweise:"Bei uns ist's immer mollig warm", ist leider nicht ausreichend. Ich kann mich gut erinnern, dass es in der Küche unseres 50er Jahre Elternhauses auch immer mollig warm war, und das bei Einscheibenverklasung mit Eiskristallen (zumindest am Morgen) und 24 cm Bimsbetonwänden.
Die Dämmstoffstärke bei der Perlite kann ich nicht angeben, da ich den Wert einer mit Kalk versetzten Perlite nicht kenne.



14 cm???



... verschiebt das nicht den Taupunkt ins Innere??? - wir haben 5 cm Schilfrohrmatten, im Bad 2 mal 2 cm Schilfrohrmatten. Drunter und drauf ca. je nochmal einen cm. Fenster nehmen z. B. auch Wärme weg. Wenn Sie sich "dichtdämmen" wollen, brauchen Sie auch "dichte" neue Fenster (was widerum auch zu Schimmelbildung im Raum usw. führen kann). Wir haben Heizleisten installiert, so ist sichergestellt, dass die Außenwände immer trocken bleiben. Außerdem verteilt sich dadurch die Wärme besser im Raum als mit "normalen" Heizkörpern. Und trockenes Dämmmaterial dämmt immer besser als Feuchtes. Seitdem sind auch unsere einfachverglasten alten Fenster, die wir noch teilweise haben, im Winter NICHT vereist. Warum jetzt eine subjektive Betrachtungsweise nicht ausreichen soll, weiß ich leider nicht. Es gibt tolle Bücher hierzu (suchen Sie mal nach Eisenschinck: gut gedämmt ist halb gestorben oder so... Siehe auch www.sancal.de).

Es gibt natürlich immer 2 Sichtweisen: Die einen sagen, man soll nachts die Heizung herunterfahren, damit es die Kosten senkt, denn schließlich bräuchte man nachts ja kein warmes Wohnzimmer. Eigentlich richtig. - Die andere Betrachtungsweise sieht so aus: Wenn es im Winter nachts richtig knackig kalt ist (nachts ja bekanntlich kälter als tagsüber), kühlt ein Haus "relativ" schnell aus. Der Heizkessel braucht dann genausoviel Energie, morgens das ganze Haus wieder aufzuheizen wie wenn man nachts die Heizung durchlaufen lässt. (Natürlich will man als Heizungshersteller ja auch seine Regelgeräte verkaufen...).

Dämmung: Zu einer tollen dichten Dämmung a la Fertighaus braucht man auch dichte Fenster, dichte Türen, gedämmte Decken über Kellern usw. Warum gab es früher keinen Schimmel? - Weil es überall reingezogen hat. Und richtiges Lüften heutzutage ist sehr schwer! (und ich muss sagen wir haben ein tolles Klima im Haus - es zieht nirgends rein). Bedenken Sie: Eine Lehmwand speichert z. B. Wärme bei Sonneneinstrahlung und gibt die langsam ans Innere ab. Wenn z. B. im Frühling oder im Herbst oder im Winter die Sonne scheint, nehmen die Lehmwände diese Wärme auf und leiten die ins Innere. Wenn da aber die Wände 30 cm dick sind - ist ja klar - dauert das länger als wenn sie 20 cm dick sind... Und wenn Wie im Winter frieren - ziehen Sie mal eine Daunenjacke an. Dann wird Ihnen warm. Und Sie können noch 5 Daunenjacken drüberziehen, ihnen wird auch nicht wärmer... - höchstens zu warm und Sie fangen an zu schwitzen (Tauwasser).

Vielleicht stöbern Sie nochmal ein bisschen im Forum, das Thema Dämmung kam schon sooooo oft vor :-). Grüße Annette



Stimmt!!! ...Zum Teil



Hallo Annette, soooo viel geschrieben und es gibt soooo viel dazu zu sagen.
Damit wir uns nicht falsch verstehen. In den meisten von mir geplanten und berechneten Häusern kommt der Baustoff Lehm zum tragen. Künstliche Baustoffe wie Styropor, Mineralwollen, Folien usw. verwende ich nur dort, wo es gar nicht anders geht (auch das gibt es). Allerdings stehe ich trotzdem auf dem Standpunkt, dass ein vernünftiges Dämmmaß auch für die biologischen Häuser und für die alten Gebäude gelten muß und dass funktioniert nun mal nicht ohne vergleichbare Konstruktionen und die damit verbundenen Berechnungen, denn jeder unserer Kunden will das Ergebnis der von uns geplanten Baumaßnahme schon vorher wissen.

So nun ein paar Bemerkungen zu den Ausführungen:

- Stimmt der Taupunkt verschiebt sich nach innen. Daher meine Bemerkung, dass die Konstruktion nachgewiesen werden muß und dass eine Dämmung von innen nicht immer sinnvoll ist. Die 14 cm geben lediglich an, wie die Dämmung gem. EnEv zu bemessen ist. Vielleicht kommt man ja auch mit 12 oder 13 hin, wenn man den Aufbau genauer kennt.

- Die Fußleistenheizung finde ich im übrigen toll. Aber die Wandflächenheizung ist noch besser.

- Die subjektive Bewertung von Häusern reicht alleine deshalb nicht aus, weil diese nicht vergleichbar sind und weil ich auch ein schlecht gedämmtes Haus "mollig Warm" bekomme, je nach meinem persönlichen Empfinden und nach der Energiemenge, die ich bereit bin einzusetzen.
(Eisenschick ist natürlich ein Begriff aber er ist nur einer unter vielen, die sich Gedanken um dieses Thema machen und die absolute Wahrheit hat er sicherlich auch nicht gepachtet) Man kann im übrigen nach der EnEV schlechte Dämmungen durchaus durch eine gute Technik auffangen.
- Einfachverglasungen haben natürlich auch Ihren Reiz, aber nur dann, wenn es gilt, die wirklich wunderschönen alten hand- bzw. mundgemachten Gläser zu erhalten. Aber selbst bei diesen Gläsern kann ich die Situation wärmetechnisch noch verbessern. Wenn bei einer Einfachverglasung keine Eisblumen mehr zu sehen sind, bedeutet das natürlich vor allem, dass eine entsprechende Menge an Energie für die Raumwärme verloren geht und nach draußen verpufft. Das haben auch unsere Vorväter schon verstanden und Kastenfenster der verschiedensten Bauarten eingebaut.

- Die Behauptung, dass es früher keinen Schimmelpilz gab, kann ich erst mal so nicht bestätigen, aber auch keinen Gegenbeweis antreten. Ich behaupte einfach mal, dass es dieses Problem genauso wie feuchte Wände und schlechtes Raumklima auch zu anderen Zeiten schon gegeben hat. Vergleiche mit Früher hinken natürlich auch schon deshalb immer ein bischen, da wir heute ein ganz anderes Nutzerverhalten an den Tag legen. Wir bringen heute ein ganzes Haus auf Temperaturen von über 20 Grad. Früher gab man sich mit einer niedrigeren Temperatur in einem Raum und nur "von vorne" zufrieden. Nämlich in der Küche vor dem Ofen. In sofern, kann man viele Dinge nicht einfach übertragen.

- Eine Lehmwand speichert sicherlich die Wärme, nur hat man nach dem Einbau einer Dämmschicht von innen nicht mehr viel davon. Außerdem hat ein Haus ja leider nicht immer alle Wände nach Süden ausgerichtet.

- Wenn ich im Winter bei entsprechenden Temperaturen eine zweite Daunenjacke anziehe, hilft das sehr wohl. Die Daunenjacke schützt mich allerdings vor Schwitzwasser, da Sie die Feuchtigkeit nach außen ableitet. Das macht eben den Unterschied zwischen einer Daunenjacke und einer syntetischen Jacke aus. Außerdem hinkt dieser Vergleich etwas, da ich die Dämmsituation der Kleidung natürlich den Temperaturen anpassen kann. Ist es kälter, trage ich eben einen Pullover mehr. Leider funktioniert das nicht unbedingt bei einer Hauswand. Und bei einer Dämmung von 5 cm Schilfmatten sind wir noch lange nicht bei der zweiten Daunenjacke und die Dämmung mit Schilfmatten ist leider nicht so besonders gut (Schilf 055, Holzweichfaser 045 oder besser)

Viele Deiner Bemerkungen sind gut und richtig, aber wie wir alle in der Schule schon gelernt haben ist eben auch alles relativ und daher von mehreren Seiten zu beleuchten.



Dem Lehmbauer sein "Senf"....



...soll hinsichtlich der hier sehr sehr umfangreich erörterten Fachlichkeit, die doch schon ein bischen weit für die eigentliche Normvorstellung gediegen ist, etwas mit zum Nachdenken hier beitragen helfen.
In vielen Belangen richtig, doch werden heute viele Dinge zu "labortechnisch" und "verordnungstechnisch" betrachtet und beurteilt!
Ich hege mittlerweile zu sagen, daß zwar labortechnisch es funktioniert, doch das Haus eben oben auf dem Berge im Winde steht und eben nicht im Labor!!!
Eine Innendämmschale sollte fachlich betrachtet aus einer Symbiose aus Dämmung und Masse bestehen. Und dies erreiche ich mittels gut aufeinander abgestimmter Materialauswahl mit Lehm und Dämmgranulaten. Perlite bzw. auch keramische Blähtone erachte ich als feuchtekritisch, denn ich mußte schon mehrfach derartige Putzaufbauten enorm lange technisch nachtrocknen lassen. Überlegung: Blähtone und Hydrokulturen!!!

Das nebenstehende Bild soll einen Eindruck vermitteln, daß es auch mit derartigen Baustoffen machbar ist und eine enorme Homogenität und auch mechanische Stabilität erreicht wird.
Und außerdem werden in der heutigen Zeit der Passivhausdenkweise und enormen Bezuschussungen dieser Systeme ein wesentlicher faktor vergessen mit zu betrachten:
Der Einsatz bzw. der Aufwand der sogenannten "Primärenergie" zur Herstellung von gewissen Baustoffen und -materialien und deren Einsatz und die vielleicht noch anfallenden extremen Transportkosten, die gewisse Baustoffe erfordern. Perlite z.B. werden aus Gesteinen gewonnen, welche aus dem Mittelmeerraum kommen.

MfG der Lausitzer Lehmbauer



Und noch mal an Udo Mühle,



bei meinen obigen Bemerkungen spreche ich nicht von Passivhäusern, noch nicht einmal von Niedrigenergiebauweise nach der 95er WSVO (!), sondern lediglich von der Einhaltung der z.Zt. geltenden gesetzlichen Vorgaben.

Gruß Fred Heim



Re



War ja auch nicht als solches gedacht!
Doch geben Sie in Ihrer Antwort die Aussage preis, daß Sie sich nach den derzeitig geltenden Normen entsprechend festhalten.
Und diese sind doch meines Erachtens erst vor etwa 2 Jahren erneuert worden und lassen uns eigentlich die Köpfe schütteln!
Ein aktuelles Buch zu diesem Thema beschäftigt sich gerade mit dieser Materie und ist von einem der führendsten Widersacher verfaßt worden: Prof. Dr.-Ing. habil. Claus Meier in der 1. Auflage von 2002 mit dem Titel: Richtig bauen. ISBN 3-8169-2187-6
Darin werden eben gerade diese irrwitzigen Theatiken behandelt und beleuchtet, wo eben die heutige Wirtschaft einfach definiert, daß bisher alles "angeblich falsch gebaut" worden ist.

Meine Betrachtung sollte nur etas in die Einfachheit gezielt sein, weil es auch ganz einfach etwas einfacher geht.

Trotzdem auf weitere gute Fachstreitereien hoffend,
der Lehmbauer aus dem östlichen Drei-Länder-Eck.



@Udo Mühlen



Ich werde mir das Buch von Herrn Meier einmal besorgen!
Ich bin immer neugierig auf andere Sichtweisen, mag es aber nicht, wenn Bauleute durch wilde Veröffentlichungen verunsichert werden.
Im Augenblick sehe ich die Situation so, dass ich es für einen unguten Weg halte, wenn die "Fachleute" über die Gesetzeslage schimpfen, anstatt den Bauleuten auf der Grundlage der geltenden Gesetze weiterzuhelfen. Die EnEV läßt viele Türchen (Denkmalschutz, Unwirtschaftlichkeit, Technik als Ausgleich für mangelnde Dämmung...) offen, die man nutzen kann, wenn man es denn so möchte. Und das Ganze ist zwar von der Industrie vorangetrieben, aber wir haben die Möglichkeit unseren Kunden die besseren Wege über die Naturbaustoffe zu zeigen.

Die gesetzlichen Bestimmungen sind zwar erst vor 2 Jahren in Kraft getreten. Aber letztlich sind die neuen Vorschriften so, dass ich bei einer einigermaßen vernünftigen Haustechnik (z.B. Brennwert und Solaranlage, was ich für Stand der Technik halte) mit geringeren Dämmstoffstärken auskomme, wie vor in Kraft treten der EnEV (gilt natürlich nicht in jedem Fall). Ich muß allerdings an dieser Stelle sagen, dass ich in diese Richtung gar nicht gehen will. Dämmstoffstärken zwischen 10 und sagen wir mal 20 cm (Zellulose zwischen den Sparren oder 18 cm Holzweichfaser als Auf-Dach-Dämmung) halte ich bei Neubauten oder großen Um-und Ausbauten schon für sinnvoll. Ich behaupte, dass nach meinen Erfahrungen dieses Gesetz für über 90% der Bauvorhaben problemlos ist. Und für den Rest sind wir einfallsreich genug Lösungen im Sinne der Bauleute zu finden, ohne, dass diese sich, wegen nicht Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen, in die Nesseln setzen.
Das ist unsere Aufgabe, das erwarten die Bauleute von uns und dafür werden wir als Planer, Statiker und Baubiologen bezahlt.
Von "Streitereien" hätte ich jetzt nicht gesprochen, aber die Meinungen der Anderen Im Forum zu den verschiedensten Themen interressieren mich brennend, deshalb bin ich hier!
Und das mit dem Profil werde ich bei nächster Gelegenheit noch nachholen, denke ich.

Und schöne Grüße vom westlichen "drei Länder Eck"
Fred Heim



Kleines Schadensbild



Guten Tag Christin und Willem Güth,
zu Ihrer Frage hier im Fachwerkforum kann ich Ihnen nur einen kleinen Rat geben.

Wir haben vor zwei Jahren einen Fachwerkhaus saniert das hatte folgenden Aufbau (Außenwandaufbau) von außen nach innen gesehen:
0. Kunststoffputz
1. 18 cm Fachwerk in Eiche
2. Lehm-Ausfachung (11,5. Lehmsteinen und Ausgleichputz)
3. Perlite Schüttung 8. bis 10 cm
4. nicht tragende Innenwand mit Gas-Beton Steinen 17,5 cm
5. in Entputz als Gipsputz

Dies war der vorgefundene Verbandaufbau vor der Sanierung das Alter dieser Konstruktion war 10 bis 11 Jahre. Wo wir als ausführende Firma auf die Baustelle gekommen sind war die ganze Fachwerkkonstruktion nass und völlig verfault (bei dieser vorher gebenden Sanierung wurde alles falsch gemacht was man nur falsch machen konnte)
Ich kann Ihnen nur raten bei der Überlegungen mit der Perlite Schüttung größte Vorsicht zu bewahren. Sie sollten evtl. auch mal darüber nachdenken eine Lehm Baukonstruktion einzubauen.

Mit zimmerlichem Gruß
Andreas VOLLACK
aus Hann. Münden



Liebe Fachwerkforum-Unterstützer, Teilnehmer, oder wie auch immer,



wir sind ja völlig und sehr positiv überrascht, über die Anzahl und den Umfang der Reaktionen auf unsere Anfrage. Also, erst einmal ganz vielen Dank an alle, die sich zu unserer Anfrage Gedanken gemacht und diese auch noch aufgeschrieben haben.

Ich gebe zu, daß wir mit dem, was wir vorhaben, einen Spagat versuchen. Nämlich ein altes Haus mit seiner in sich stimmigen Bauweise (zu der auch die ursprünglichen Nutzungsgewohnheiten gehören) zu kombinieren mit unserer („modernen"?) Nutzung und v.a. unseren Ansprüchen an Energieeinsparung. Kurz: wir würden gern ein Fachwerkhaus zum Niedrigenergiehaus machen.

Zumindest Kopfschütteln und bedenkliches Stirnrunzeln aus der Fachwerkszene sind uns da sicher. Trotzdem, wir würden gerne. Wenns denn geht, und natürlich ohne das Fachwerk langfristig zu schrotten. In der „Quadriga" kam vor einiger Zeit ein Beitrag über einen Kindergarten bei Göttingen (Fachwerkhaus von 1848), das in Trockenbauweise auf Niedrigenergiehausstandard gebracht wurde. Feuchtetechnische Messungen über vier Jahre haben ergeben, daß die Wände jedes Jahr trockener geworden ist, d.h. prinzipiell funktioniert auch eine solche Bauweise.

Der Aufwand bei der Trockenbauweise mit Dampfbremse und dem entsprechend notwendigen Abkleben aller Durchdringungen derselben hat uns aber davon abgehalten, diesen Weg zu verfolgen. Außerdem soll der Aufbau, den wir jetzt machen, ja auch noch in sagen wir mal 100 Jahren funktionieren, und es gibt vermutlich noch keine Langzeiterfahrungen mit den beim Trockenaufbau verwendeten Klebern etc. Also doch wieder die traditionelle Lehmbauweise mit ihren ohne jeden Zweifel vielen Vorteilen, aber dem Nachteil, daß Lehmbaustoffe halt nicht so gut dämmen. Auch Holzleichtlehm hat einen erheblich schlechteren Dämmwert als die heute üblichen (mehr oder weniger technischen) Dämmstoffe. Und da wir quasi aus Sicherheitsgründen gern einen Aufbau ohne Dampfbremse haben wollten, kam die Idee mit der mit Kalk vesetzten Perlite.

Reine Perlite dämmt einfach zu gut, da holen wir uns bei 14 cm Dämmung tatsächlich den Taupunkt weit in die Wand. Ich kenne keine genauen Werte, aber schätzungsweise sinkt der Dämmwert der Perlite durch das Versetzten mit Kalk auf ca. die Hälfte, so daß die 14 cm de facto einer Dämmung von ca. 7 cm mit sagen wir 045 entsprechen würden. Die Idee, den Aufbau mit dem Hersteller abzustimmen ist sicher sehr gut. Aber da wir dem Dämmstoff Perlite ja durch das Versetzen mit Kalk grundsätzlich andere bauphysikalsche Eigenschaften geben würden, wird sich der Hersteller wahrscheinlich schwer tun, da eine verbindliche Aussage zu machen. Wenn ich „Herr Perlite" wäre, würde ich wahrscheinlich pauchal sagen „geht nicht", einfach, um mir Ärger vom Leib zu halten. Trotzdem, fragen kostet nichts und das werden wir auf jeden Fall tun.

Im übrigen entstammen die 14 cm keiner Berechnung. Um die EnEV zu erfüllen, reicht bestimmt viel weniger aus, zumal bei einem Baudenkmal. Aber wir würden nun mal gerne gut dämmen.

A propos Fenster: Leider sind bis auf zwei keine alten Fenster mehr vorhanden. Die jetzt eingebauten sind ohne Teilung und scheußlich, irgendwelche Thermopane-Dinger aus den 70/80er Jahren. Neue Fenster kommen also sowieso rein und die werden auch dicht sein, nicht nur die Fenster selbst, sondern auch die Wandanschlüsse (wir werden also gelegentlich lüften müssen). Die zwei noch vorhandenen alten Fenster bekommen von innen ein Kastenfenster vorgesetzt.

Zum Thema Primärenergieeinsatz: Das ist sicherlich ein sehr wichtiges und viel zu wenig beachtetes Thema. Ich bin aber der Auffassung, ohne sie mit Zahlen belegen zu können, daß beispielsweise die für das Transportieren der Perlite-Rohstoffe und den Herstellungsprozeß eingesetzte Primärenergie durch die entsprechend guten Dämmwerte des Endprodukts Perlite schnell wieder hereingeholt ist.

Natürlich spielt auch die Haustechnik in Bezug auf die eingesetzte Primärenergiemenge eine ganz wichtige Rolle. Da das Haus in einer Gegend mit viel Wald steht, werden wir mit Holz heizen. Ein Lehmgrundofen in der Deele für die Grundwärme im Haus und ein Pellets-/Feststoff-Kombikessel für die Zeiten, wo man nicht feuern kann oder möchte. Sehr gern würden wir auch eine heizungsunterstützende Solaranlage aufs Dach setzten, bloß spielt da der Denkmalschutz nicht mit, was wir nicht ganz nachvollziehen können, denn neuzeitliche Bauelemente sind ja sonst in vielfacher Weise bei denkmalgeschützten Gebäuden üblich und akzeptiert. Wenn sie denn klar als solche erkennbar sind.

Daher die Frage (ist eigentlich ein neues Thema): Kennt jemand Fälle, wo Solaranlagen auf denkmalgeschützten Gebäuden genehmigt wurden? Das würde uns brennend interessieren.

So, nun reichts aber erstmal. Irgendjemand soll den ganzen Sermon ja auch noch lesen können (und wollen).

Nochmals vielen Dank für das bisher geschriebene!

Christin und Willem Güth



Hallo Andreas Vollack



ich könnte mir vorstellen, daß der entscheidende Fehler der möglicherweie nicht ausreichend diffusionsoffene Außenputz war. Wie sehen das andere?

Was ist genau unter dem unter Punkt 2. Ausfachung erwähnten Ausgleichsputz zu verstehen? Eine Putzschicht auf der Innenseite des Außenfachwerks? Wissen Sie noch, aus welchem Material der war, Lehm oder etwa auch Kunststoffputz?



Kurzbetrachtung Wandaufbau!



Es könnte auch folgendermaßen ausschauen:
Lehmasfachungsebene, Kontaktputz innenseitig aus Lehm gespritzt, dahineine homogen aufgebracht eine etwa 50 mm starke Holzweichfaserplatte (Stufenpfalz) mechan. Befestigt, darauf eine Wandheizung oder Fußleistenheizung und darauf dann einen zweilagigen Strohlehmputz incl. Gewebeeinlage. An den Fensternleibungen kann man verschiedenste Ausbildungen dann auch noch auswählen (Holzkasten oder Leibung gerundet ausgeputzt).

MfG der Lausitzer lehmbauer.



@Christin und Wilhelm Güth



Euer Vorhaben aus Eurem Haus ein Niedrigenergiehaus zu basteln finde ich gut. Dass geht aber nur, wenn die EnEV eingehalten wird. Also muß eine entsprechende Berechnung erstellt werden. Auf den Denkmalschutz kann man sich dann natürlich nicht mehr berufen, aber das wollt Ihr ja auch nicht. Ich glaube auch nicht, dass die mit Kalk versetzte Perlite mit 14 cm Stärke bei Eurem Wunsch gut zu dämmen ausreichend ist und ich halte es in jedem Falle für sinnvoll, den Hersteller anzusprechen, ganz egal, was man nachher aus den Antworten macht.
Die Solaranlage macht im Denkmalschutz tatsächlich häufig ein Problem. Gibt es kein Nebengebäude, auf dem man die Anklage unterbringen kann?

Schöne Grüße
Fred Heim