Hof kaufen -dämmen, heizen und viel Fragen...

01.01.2011



Hallo,

nach über 10 Jahren Wohnen im Zirkuswagen wollen wir uns einen Hof kaufen - Wohnhaus und Nebengebäude, diese sind aber erst mal nicht das Thema.

Mittlerweile haben wir ein Objekt. Wir stehen kurz vor dem Kauf. Es handelt sich um ein Wohngebäude mit Backsteinmauerwerk im Erdgeschoß und Fachwerk oberhalb EG bis zum Dach. Wir haben den Hof mit etlichen Handwerkern und Architekten angeschaut. Alle sind sich einig, dass die Grundsubstanz gut bis sehr gut ist - keine faulen Stellen, Dach ist dicht usw...

Also ein gute Basis. Die Frage ist nun, wie wir weiter damit umgehen.
Das Haus wurde so wie es jetzt dasteht bis vor 2 Jahren bewohnt. Es gibt darin eine DDR Zentralheizung -Eingebau. Scheinbar hat alles mal funktionert -natürlich entspricht alles überhaupt nicht dem heutigen Standart. Da wir 10 Jahre Zirkuswagen gewöhnt sind, sind wir uns auch gar nicht schlüßig darüber, ob wir überhaupt den heutigen Standard wirklich wollen. Ausserdem lassen unsere finanziellen Mittel eine kostspielige Renovierung momentan nicht zu.

Für uns ist also die Frage, wie wir mit einfachen, günstigen Mitteln für die ersten Jahre eine Wohnsituation schaffen können, die sinnvoll ist und das Haus nicht zerstört oder schädigt.

Die Hauptfragen richten sich an Dämmung und Heizung.

Wo, wie, mit was soll gedämmt werden??
Das EG ist aus Backstein. Klar, Außendämmung am besten. Aber bis wohin? Über das Fachwerk, das z.T verputzt ist?
Oder macht eine Innendämmung Sinn? Holz-Weichfaserplatte?
Wie ist es im OG - verputztes Fachwerk? Welche "provisorischen" Möglichkeiten bestehen für eine Innendämmung?

Das Mansardendach: Dachziegel, Lattung, Sparren, Innneverkleidung - wo dämmt man?? Isofloc oder Jasmin in die Sparren blasen? Oder Innendämmung?

Dann die Frage der Heizung: alte Zentralheizung belassen, neuer Kaminofen wasserführend installieren?

Oder alten Brennkessesl belassen und im Wohnzimmer vorhandenen Kaminofen reinstellen und Abwärmeofen bauen?

Mir ist klar, dass "man" gewöhnlich bei solch einem Vorhaben ein Konzept erstellt und dann die ganze Sache mit Geld und Geduld angeht.

Unsere Idee wäre nun aber: Mit möglichst einfachen Mitteln eine sinnvolle, schnelle Verbesserung der Situation herstellen und erst mal einziehen - denn in Thüringen ist es im Moment saukalt und es liegt viel Schnee und der Zirkuswagen ist eng. Eine schnelle provisorische Lösung in Sicht zu haben wäre emotional erfreulich...

Ausserdem würde ich gerne das Wohnen in dem Haus im Winter gerne ausprobieren, damit wir wirklich spüren und fühlen, wie und was wir unbedingt verändern wollen und was nicht - Erfahrung schadet nicht.

Wenn der Sommer dann lacht, dann können wir auch ganz einfach wieder für einige Monate im Zirkuswagen wohnen und renovieren, Fenster und Türen ein - und umbauen usw...

Das klngt hier gerade etwas unklar - die Fragen richten sich an 2 Zeitabschnitte:

Wie können wir ziemlich fix die jetzige Situtaion sinnvoll verbessern - (z.B. 2. Fensterscheibe vor einfachverglastes Fenster, Innendämmung mit 3 cm Weichfaserplatte usw...)

Was können wir ab Frühjahr günstig und etwas aufwändiger machen.

Oder alles lassen und bis Frühjahr warten??

Für uns ist das alles sehr neu und wir sind in Haus - Bauplanung bisher ungeübt.

Wir wollen hauptsächlich keinen Schaden an dem Haus anrichten.


Im folgenden link kann man ein bisschen unsere Wohnsitution sehen - dies nicht als Werbung sondern um darzulegen, wie wir bisher Baufragen angehen und welche "Philosophie / Stil" wir haben.


http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1178672/Die+Rebellin+vom+Schloss#/beitrag/video/1178672/Die-Rebellin-vom-Schloss

Gruss Felix



Hallo



Hallo Felix,
mal fix würd ich gar nicht, jeder Pfennig, der für provisorisch ausgegeben wird ist weggeworfen. Auch Einfachverglasung kann mal gehen. Ich würd nen guten Kaminofen reinstellen,kälter als im Wagen kanns dann auch nicht sein, dann Konzept und Stück für Stück....
Gutes Gelingen!
Harry



Moin Felix,



kommt mir ja alles irgendwie bekannt vor...:-)))
Und ich hab mir beim Ausbau unseres Hauses sooo oft die Wägen wieder herbeigesehnt...da wär ich schon 10x fertig gewesen....freue mich jetzt aber über den "überdachten Auslauf" bei Schietwetter.....

Zu deiner Frage:

Mal von der praktischen Seite würd' ich zuerst Wohnküche, Bad und Waschmaschine installieren, schlafen könnt ihr ja noch bestens im Wagen.

Wichtig ist zuerst, dass euch das Wasser nicht einfriert, da muss bei den Temperaturen evtl. der eine oder andere Frostwächter ran, das spart schonmal den Rohrbruch...

Die effizienteste Dämmmassnahme ist erstmal die Dämmung der obersten Geschossdecke, damit euch nicht die Heizwärme nach oben abhaut. Das billiste sind Strohballen einfach auf den Dachboden dicht an dicht...jedenfalls solange eure Kinder da noch nicht heimlich zum Rauchen raufgehen...:-)

Auf die Dauer ist das natürlich auch eine Einladung an Mäuse und Ratten (Katze vorhanden?) und den Feuerteufel.....

Ansonsten kann ich mich Harry nur anschliessen: Lasst euch Zeit und lest hier im Forum z.B. mal unter "Innendämmung", "Wärmedämmung", "Wandheizung", "Grundofen" etc.

Als nächstes sprecht mal mit Hausbesitzern, die das ganze schon hinter sich haben über ihre Erfahrungen und lasst euch von eurem Schornsteinfeger über die aktuellen und kommenden Bestimmungen aufklären..die meissten alten Öfen kriegt ihr leider nicht mehr abgenommen siehe z.B. hier:

http://www.thema-energie.de/heizung-heizen/heiztechnik/pruefen-warten/novellierung-der-1-bundesimmisionsschutzverordnung.html

Günstige wassergeführte Kaminöfen- und Einsätze gibt's z.B. hier: www.kratki.eu

Auf die schnelle lieber gute Öfen rein und ballern, anstatt irgendeine halblebige provisorische Dämmung, sach ich. Ihr müsst euer Haus ja auch erstmal kennenlernen.

Könnt ihr ein paar Bilder einstellen?

Grüsse und Viel Erfolg, Boris



Hof kaufen



Hallo Felix,
Erstmal alles Gute für das neue Jahr.
Ich kann mich den beiden Vorrednern nur anschließen:
Keine provisorischen Lösungen bauen.
"Notsanierungen"auf das Minimum beschränken.
Konzept erstellen und sich konsequent daran halten.
Wenn davon abgewichen werden muss: ALLES neu überdenken.
Die Ausnahme muß dann die Regel bestätigen.

Beispiel:
"Wir wollen eine Innendämmung":

Taupunktberechnung machen lassen?
Wärmebrückenberechnung?
Muss im Bereich der Decke auch gedämmt werden?
Wie gehe ich mit einbindenden Innenwänden um?

Elektroinstallation erneuern?
Heizungsrohre neu verlegen?
Heizkörper oder Wandheizung?
Wenn HK : wo sollen die hin?
Befestigungsmöglichkeiten vorsehen?
Hängeschränke?
Spüle, Waschmaschine?
Fensterleibungen müssen auch verputzt werden?
Neue Fenster einbauen?
Neue Innenfensterbänke?
Wie befestige ich die Sockelleisten?
Wird der Fußboden erneuert?
usw.
Vielleicht noch ein guter Rat:
Zuerst das Kinderzimmer fertigmachen!
(Unsere Kinder werfen uns heute noch vor , auf Baustellen groß geworden zu sein;-)))

viel Glück



Provisorien und Fragen



Hallo Felix


Ich hab mir zuerst mal den Film angeschaut, nicht schlecht, wenn man drauf steht.
Vor 7 Jahren hab ich mir aus der Not heraus in Österreich eine (Fast)ruine gekauft. 2 Monate für ein Provisorium zum Duschen und WC nutzen investiert und dann Zimmer für Zimmer saniert. Letztes Jahr ist das Dach neu gekommen und nun kommt der restliche Hochwasserschutz und der Dachgeschossausbau.
Heute nach 7 Jahren hab ich ein Resümee für mich gezogen: nie wieder Provisorien und leben auf einer Baustelle. Für das Geld, was nur das provisorisch instand gesetzte gekostet hat, hätte ich mir nebenbei zwei Wohncontainer mit Sanitär hinstellen sollen und eine Komplettsanierung inkl. Vollentkernung machen sollen.
Es gibt Dinge bei der Sanierung, die sollte man zuerst machen (Dach, Fenster,Heizung) und Dinge, die dann erst passieren sollten (Sanitär, Elektro, Innenputz). Vieles davon auch gleichzeitig. Beim Leben auf der Baustelle stehst Du dir oft selbst im Wege, vor allem dann, wenn noch eine Familie mit Kind anwesend ist.


Provisorien richten oft noch Schäden an, die letztlich teurer werden als eine endgültige Lösung. So hab ich mir als Provisortium (bis zum Winter) gedacht, OSB auf die gedämmte Obergeschossdecke zu legen. Dann kam der Winter, ich kam an der Stelle nicht weiter und der ganze Plunder fing an zu schwitzen und zu schimmeln...


Also, lieber ein oder zwei Jahre im Wohnwagen bleiben, staubfrei drin wohnen und die Neuanschaffung gründlich untersuchen. Oft tauchen gravierende Mängel erst auf, wenn man tiefer ins aus eindringt...Dielen sind gut, aber drunter keine richtigen Balken mehr, Decke fast wie neu, aber nur ein Wunder hält den Putz oben...

Ich hatte in M/V ein Fachwerkhaus erworben, welches heute nicht mehr steht. Beim Entkernen brach alles zusammen, weil alles unter dem Putz zerfressen und verfault war. Glücklicherweise war das Haus gratis und die Entsorgung kostenlos...


Und nun viel Spass beim Sanieren, wichtig: erst gründliche Bestandsaufnahme und dann einen 5Jahrplan machen, die theoretisch veranschlagten Kosten pauschal verdoppelt einplanen und dann wird...



Wer auf Deine Frage hier erschöpfend antworten will,



tippt den ganzen Sonntag und schreibt doch an der Realität vorbei.

Ohne ein vernünftiges Sanierungskonzept, daß das konkrete Objekt, Euere Ansprüche und Eigenleistungsfähigkeiten berücksichtigt, solltet Ihr nicht anfangen.

Also findet den richtigen Planer und gebt am Anfang Geld für ein Konzept aus. Wie schnell Ihr das dann umsetzt, ist zweitrangig.

Grüße

Thomas



Respekt!!



...Ich hab den "Peter" auch geliebt...
zwinker auch an deine Freundin ;)

Ich würde spontan an einen großen Grundofen
in der Wohnküche denken, um dann schön drauf sitzen
entspannen und weiter nachdenken zu können ...
da geht der Weg am Bezirksschornsteifeger
aber wohl nicht vorbei.. der Ofen muss auch "berechnet" werden (Zug)

Herr Konrad Fischer hier im Forum hat bestimmt auch die eine oder andere Anregung für Euch. Vielleicht nicht ganz unumstritten aber ungewöhnlich!

Und da ihr ja schon mit Lehm Erfahrung gemacht habt,
warum den nicht auch an die Wände schmeißen? n bischen
Stroh mit rein... gibt tolle Bücher über den Lehmbau
also nicht nur "Einfälle statt Abfälle"

bin begeistert von eurem Vorhaben... kenne auch diese
ewig langen disskussionsabende wo nix bei rum kommt...
oder vorsichtiger: eben nicht das, was klar vor einem
liegt.

Vielleicht hat aber auch Thomas recht und ein Planer ist
nicht unvernünftig...aber der muss Euch auch zuhören können
und da wird die Sache schon schwieriger, zumindest hab ich
noch keinen gefunden.

Wünsche Euch alles Gute und viel Kraft

Daniel





Ich hab die Sendung damals im Fernsehn gesehen.
Fand es ausgewogen von beiden Seiten betrachtet.
Zu Eurem Vorhaben:
Oberste Geschossdecke und Mansarddach kann man u.U. mit geringem Aufwand jetzt so dämmen dass man anschließend darauf aufbauen kann, ohne Bauschäden zu riskieren und ohne alles wieder ausbauen zu müssen wenn man z.B. das Dach eines Tages neu deckt.
Innenwanddämmung mit Lehm und Holzweichfaser: kann man raumweise machen, komplett in Eigenleistung, wenn man weiß worauf man achten muss gehts selten schief. Problem: im Moment ist der Lehm - wenn man ihn nicht vorm Frost eingekauft und frostfrei lagert - komplett durchgefroren...



@ Simon



Früher wusste man noch, daß man im Winter nicht tonnenweise Lehm (und Wasser) verbaut.

Insofern ist es gut, daß der Lehm jetzt gefroren ist.

Genau das meine ich mit einer notwendigen Planung vorher. Jeder kommt mit was anderem, hier Lehm, da Holz, dort Stroh auf dem Boden und alles ist Bio und so schön. Wenn's hinterher pilzt und fault, war's keiner. Aber das Geld ist alle, und das Haus hat ein paar hübsche zusätzliche Schäden.

Grüße

Thomas



@ Thomas



Also wir fahren morgen los um Lehmputz und Innenwanddämmung zu machen. Aber wie gesagt, der Lehm wird seit Anfang Dezember frostfrei gelagert, das Wasser geht durch einen Durchlauferhitzer und der Bau wird schon das ganze Wochenende geheitz. Zugegeben, der Aufwand ist nicht unerheblich. Aber der Kunde kann nicht bis April warten...



Da fällt mir...



...nix druckreifes zu ein.

Auf mein Fachgebiet übertragen wäre das vergleichbar damit, Dielen zu verlegen, wenn der Putzer grade fertig wird, und mein Einwand der Luftfeuchte wegen mit einem Lufttrockner abgebügelt werden soll; oder die Fenster noch nicht drin sind, oder...

Es gibt Situationen, wo man halt auch 'mal "nein" sagen muß.

Grüße

Thomas



Gerade



wenn´s Geld knapp ist, ist sorgfältige Planung nötig. Und zwar bis in´s Detail. Nur dann lässt sich sinnvoll Abschnitt für Abschnitt realisieren und passt nachher auch zusammen. Das spart provisorisches Gebastel, viel Geld und Zeit.
MfG
dasMaurer