Dachterasse im zweiten Anlauf

24.02.2014 Heiko



Unser Haus hat einen Anbau für die Küche, dessen Decke als Dachterrasse ausgeführt ist.

Unser Maurer wollte uns bei der Sanierung unterstützen und hat die alte Abdichtung und den Unterbeton bis zur gegossenen Deckenplatte abgerissen, eine 6cm Styrodur-Dämmung aufgelegt, das Ganze mit einer Folie abgedeckt und einen neuen Estrich aufgebracht. Nachdem der getrocknete Estrich mit einer besandeten Bitumenbahn abgedeckt wurde, haben wir festgestellt, dass eigentlich kein Gefälle vorhanden ist und das Wasser auf dem Dach stehen bleibt. Nachdem nun die Teerpappe auch schon angefangen hat, Wellen zu schlagen und der Herr Maurer für uns nicht mehr erreichbar war, haben wir nun den Entschluß gefaßt, das Ganze noch einmal anzugehen.

Diesmal soll es aber richtig gemacht werden, weshalb wir uns über eine Abdichtung mit flüssigem Kunststoff informiert haben und auch ein Firma gefunden haben, die den Estrich mit 3% Gefälle herstellen würde.

Um diesmal keine Fehler zu machen, würde ich mich über Tips zum richtigen Aufbau, Verarbeitung, Dämmung, Dampfsperre ec. sehr freuen - vorab schon mal vielen Dank!



Dachterrasse



Eine Dachterrasse über einem bewohnten Raum ist immer ein heikles Bauteil, vor allem im Bereich Anschlüsse, Entwässerung, Absturzsicherung und Wärmebrücken.
Mir erscheinen die 6 cm Dämmung erst einmal sehr wenig.
Wieviel Aufbauhöhe ab Terrassentür steht denn zur Verfügung?
Wie groß ist die Terrasse?



Aufbauhöhe



Das müßte ich nochmal genau ausmessen, aber beim bisherigen Aufbau (6cm Dämmung + ca. 4cm Estrich) war noch etwas Luft nach oben. Wir haben unsere Terrassentür erst danach eingebaut und darunter noch etwas ausgeschäumt, so dass die Bodenschwelle und der Rahmen bis zur Belüftung noch frei sind. Die Terrasse ist ca. 4x5 Meter groß.

Um die Anschlüsse mache ich mir eigentlich keine Sorgen, die werden von einer Fachfirma für die Flächenbeschichtung ausgeführt. Entwässerung sollte mit dem richtigen Gefälle auch kein Thema mehr sein. Mir geht es tatsächlich erst mal um die richtigen Vorarbeiten, damit wir nach der Beschichtung nicht wieder feststellen, daß irgendwo ein Fehler gemacht wurde.



Terrassendämmung



Üblicherweise sollte vor/unter der Terrassentür eine Stufe von etwa 10 cm Höhe über der Oberfläche liegen um die Tür vor Spritzwasser und Schnee zu schützen und die Abdichtung ordentlich anzubinden.
Rechnen wir mal die Höhen an der Tür ab Rohdecke:
12 cm Gefällebeton der bei 4 m vorn an der Traufe auf 0 ausläuft,
10 cm Dämmung,
5 cm Estrich,
1 cm Abdichtung/Entkopplung/Dränung,
1 cm Belag (Fliesen).
Das macht zusammen 29 cm Höhe.
Dazu noch 10 cm Spritzwasserschutz. Das wären knapp 40 cm, so hoch sollte die Schwelle unter der Terrassentür über der Rohdecke liegen.
Wo kann man Höhe sparen?
Am Gefällebeton:
Sie können statt Estrich und Dämmplatten aus Schaumpolystyrol Gefälledämmung aus foamglas nehmen. Das sind druckfeste Schaumglasplatten die vom Hersteller passgenau mit Gefälle zugeschnitten werden. Verlegt werden Sie in Heißbitumen eingeschwommen und pressgestoßen.
Am Gefälle:
Wenn Sie die Platten statt mit 3% Gefälle mit 1,5 % Verlegen sparen Sie sich 6 cm Aufbauhöhe.
Am Sicherheitsabstand:
Wenn Sie die 10 cm auf 5 cm reduzieren, dann wird es aber vor allem in Kombination mit dem niedrigen Gefälle knapp mit der Entwässerung. Vor der Schwelle sollte dann eine gesonderte Schlitzentwässerung liegen. Die einzubauen ist kompliziert und kostet Geld.
An der Dämmung:
Sie könnten die Höhe der Foamglasdämmung insgesamt reduzieren. Die oben gerechneten 10 cm SchaumPS verstoßen ohnehin gegen die EnEv da schon zu wenig und Foamglas hat einen schlechteren Dämmwert als EPS. Also keine gute Idee.

Das absolute Minimum wären also 18 cm Aufbauhöhe an der Terrassentür, weniger geht nicht. Dazu kommt noch die Höhe der Schwelle bis zur Terrassentür. Das sind immer noch 23 cm.
Die Terrassentür wird wohl raus müssen. Die Frage ist ob dann die Sturzhöhe passt.

Was geht noch (mit Ach und Krach):
Die Dämmung unten an die Zimmerdecke hängen. Bauphysikalisch problematisch und technisch heikel, es entstehen eine Menge Wärmebrücken. Auch hier eine Frage der Raumhöhe. Der jetzige Estrich könnte dann draufbleiben. Es geht dann gleich weiter mit der Abdichtung/Entkopplung/Dränung und dem Fliesenbelag. Das Problem mit der zu niedrigen Schwelle an der Terrassentür bleibt.

Entkopplung/Dränung: Dafür werden sind spezielle Matten aus Kunststoff und Vlies verwendet.



Komplizierte Aufbauten...



-Beton/Deckenplatte reinigen, bitumen Voranstrich aufbringen und Bitumendampfsperre punkt oder streifenweise aufkleben

-Bohlenkranz auf Höhe als Dachrandabschluss inkl. Dachrinne montieren

- Gefälledämmung aufbringen/ aufkleben, eventl. PU Dämmungen
(bei Nullplattendämmung, Gefälle mit gebundener Schüttung herstellen)

- Vlieskaschierte Abdichtungslage( eventl. Alwitra Evalon) verlegen lassen, einschl. aller An/Abschlüsse, Nahtversiegelung, Verbundbleche und Entwässerung

- Kiesfangleiste und Drainrinne vor Terrassentüren, zum System passend, montieren

- Bautenschutzmatten oder Schutzvlies verlegen

- Split aufbringen und Betonbodenplatten darauf verlegen, alternativ Verlegung auf Stelzlager

Mit Grüßen
Danilo Conraths





Erstmal vielen Dank für die ausführlichen Beschreibungen!

Grundsätzlich verstehe ich auch die Notwendigkeit der einzelnen Abschnitte, allerdings wird Einiges in der Form sicher nicht darstellbar sein.

Um nochmal deutlich zu machen, von welchem Aufbau ich bisher ausgegangen bin:
- Dämmung
- Estrich mit Gefälle
- Beschichtung
- fertisch!

Ein Spritzwasserschutz von 10cm wird nicht möglich sein, da die Tür an die Gaubenhöhe angepaßt ist und direkt unter dem obersten Querbalken eingebaut wurde.

10cm Dämmung erscheint mir recht viel, da die Styrodur-Platten ja einen guten Dämmwert haben. Ich fand's nur komisch, dass unser Maurer eine Folie auf den Platten verlegt hat und nicht darunter.

Fliesen oder Platten sind eigentlich auch nicht geplant, da die Kunststoffbeschichtung mit einer begehbaren Oberschicht ausgeführt werden soll.

Gibt es einen Grund warum die Dämmung auf ein Gefälle gebracht werden soll und nicht der Estrich darüber?

Ich werde mich mal nach einer Gefälledämmung erkundigen, obwohl ich vom Foamglas jetzt nicht spontan begeistert bin. Allerdings ergeben sich so doch auch in der Decke unterschiedliche Dämmwerte - ist das nicht problematisch?

Der Aufbau ohne Estrich ist auch eine interessante Idee, erscheint mir aber nicht weniger aufwendig oder sehe ich da etwas falsch? Wie hoch wäre der Aufbau und wo liegen die Vorteile?



Terrasse



Eine Terrasse zu bauen und zu dichten ist wie schon geschrieben eine komplexe Angelegenheit. so einfach wie Sie sich das denken geht es eben nicht.
Das Sie die Höhe an der Terrassentür nicht haben sollte ein größer Dachüberstand an der Gaube und eine Schlitzentwässerung vor der Tür gebaut werden.
Irgendwie haben Sie es wohl nicht nicht mitbekommen:
1. Wenn kein Gefälleestrich dann muß die Dämmung im Gefälle gelegt werden. Das bedingt bei Schaumkunststoff unterschiedliche Stauchungen da unterschiedliche Dicken- der Estrich würde sich verbiegen und/oder brechen.
2.Versuchen Sie mal zu rechnen welche Höhe 3% Gefälle an der Tür haben müssen. Selbst völlig ohne Dämmung sind Sie zu niedrig.
3. so eine Beschichtung klingt erst mal gut. Haben Sie nach dem Preis gefragt?
4. Was passiert wenn Ihr Aufbau undicht wird (so wie geplant wird er es)? Die Abdichtung auf der Rohdecke ist die letzte Barriere bevor es unten von der Decke tropft.

Ich schlage Ihnen vor sich einen Fachmann für diese Aufgabe zu holen. Eine Fachfirma für Flächenbeschichtung ist keine Fachfirma für Terrassenabdichtungen. So was machen Fliesenleger oder Dachdecker.



Fachmann für diese Aufgabe



Sie glauben gar nicht, wie gern ich einen Fachmann für diese Aufgabe haben würde - allein es findet sich keiner, der den gesamten Trassenaufbau übernehmen kann.

Ein Dachdecker für die Dachanschlüsse - ein Betonbauer für den Estrich und eine Firma für die Abdichtung, das ist alles was ich in den letzten Wochen zu diesem Thema erreicht habe.

Punkt 1. verstehe ich leider nicht richtig - wieso kein Gefälleestrich? Ich war so froh jemanden gefunden zu haben, der mir einen Gefälleestrich anbieten konnte.

Rechnen geht noch - daher ist mir schon klar, daß ich für das Gefälle allein schon mit 12cm rechnen muß. Ich werde aber, wie gesagt, nochmal vor Ort nachmessen, wieviel Platz genau zur Verfügung steht.

Ich habe ein Angebot von Triflex und Enke angefordert - nach grober Einschätzung kommen da schon 2-3 Tausender zusammen. Ich hab allerdings mittlerweile echt kein Bock mehr Bitumen und Teerpappe und muß mir dann noch Gedanken machen, das ganze begehbar zu gestalten - da wäre so eine Beschichtung eine echte Alternative. Wieso gehen Sie davon aus, daß das wieder undicht wird?



Terrasse



Ich habe ein halbes Dutzend Fachbücher zum Thema in meiner Sammlung stehen und ein paar Gutachten die ich selber geschrieben habe. Es waren nicht nur Leute wie Sie in den dokumentierten Schadensfällen sondern auch Handwerker die glaubten das sei doch nicht so schwer eine Terrasse über einem Wohnraum zu bauen.