Bodenaufbau über Gewölbekeller / Kappendecke mit wenig Platz

30.09.2020 Micha


Hallo liebe Fachwerkgemeinde!

Auch ich saniere bzw. renoviere ein altes Fachwerkhaus; wobei das nicht ganz richtig ist, denn es handelt sich um einen Lehmwellerbau mit aufgesetztem Fachwerk im ersten Obergeschoss.
Im Jahr 1883 wurde ein Ziegelanbau über die komplette Höhe erreichtet, welcher auch einen Keller bekam.
Das Kellergschoss ist vom Erdgeschoss durch eine preußische Kappendecke getrennt, welche aus Ziegeln besteht und die 4 Sektionsbögen liegen auf 3 Stahlträgern über eine Länge von ca. 4,00 Metern. Die Breite des Raumes ist ca. 4,50 Meter.

Wir haben den alten Fußbodenaufbau (z.T. Bodenziegel und vermutlich Sand als Schüttung) entfernt, da wir den Raum komplett nutzbar machen wollen. Wir mussten das (zumindest glaube ich das) komplett entfernen, da zwischenzeitlich schon in den Bodenaufbau eingegriffen wurde. Ein Badezimmer, Kellerraum etc. D.h. der Raum hatte keine homogene Bodenstruktur mehr.

Nun möchten wir den Boden wieder aufbauen, müssen aber die Deckenhöhe berücksichtigen. Aus diesem Grund können wir nur max. 10 cm über dem höchsten Punkt der Kappen aufbauen; d.h. bis OKFF.

Gern möchte ich natürlich wieder Ziegel auf dem Boden liegen haben. Aus diesem Grund habe ich mit einer Ziegelei vereinbart, dass sie mir die Ziegel durchschneiden, so das ich halbe Ziegel mit etwa 3cm Stärke auslegen möchte; also in ein Mörtelbett mit etwa 0,5 cm.

Darunter möchte ich Fermacell Platten legen, welche eine Höhe von 1,8cm haben.

Unter den Fermacell-Platten möchte ich die Fussbodenheizung mit Styropor-Platten legen. Das sind auch nochmal 2,5cm.

Bis hierhin haben wir einen Fußbodenaufbau von ca. 7,8 cm. D.h. ich habe an der dünnsten Stelle ca. 2,2 cm Möglichkeit zur Aufbauhöhe.

Da ich so viel wie Möglich reversible einbauen möchte, habe ich natürlich an eine belastbare Schüttung gedacht; bspw. eine Perlite Schüttung.

Jetzt habe ich hier im Forum aber auch die Information gefunden, dass es durchaus Sinn macht; um das Gewölbe zu stabilisieren, Beton einzubringen und damit eine homogene Oberfläche zu bilden.

Bisher hatte ich Angst, dass der Beton zu Schwer sein kann und wenn der an den Kappen nur 2 cm Stark ist bricht.

In freudiger Hoffnung auf Vorschläge und Ideen.

Vielen Dank im Voraus und beste Grüße aus Leipzig!
Micha



Leichtbeton



über die Kappe könntest Du auch eine Schüttung aus Leichtbeton machen, Beton mit Perlite mischen und bis zum Kappenscheitel auffüllen. Wieviel cm liegt denn der Scheitel über dem Obergurt des Stahlträgers ? Ist das ein eingfrästes FB-System mit Styropor ? Warum soll es alles reversibel gebaut sein?



Antwort


Antwort

Erstmal Danke für die Antwort; ich werde von hinten nach vorn antworten:

1. Warum reversibel
Ich bin Neuling im Sanierungsbereich und das Wichtigste was ich bisher gelernt habe ist, dass ich 10 Spezialisten Frage und 11 Meinungen bekomme. Da der Umbau bzw. die Revitalisierung so eines alten Gebäudes (Hauptteil 250 Jahre alt) immer ein Kompromiss zwischen Erhaltung mit alten Bautechniken und modernen Ansprüchen ist, versuche ich so "sanft" wie möglich die Arbeiten durchzuführen, welche modern sind. Denn ich weiß nicht, wie sie sich gegenüber der historischen Baumaterie verhalten.
Am Beispiel der Kappendecke, sehe ich das Problem, dass eine Betonverfüllung nie wieder entfernt werden kann, da ich (oder später jemand anderes) ja nicht mit dem Presslufthammer alles wieder rausbrechen kann.
Auch versuche ich so wenig wie möglich Feuchtigkeit in das Gebäude zu bringen.

2. Ja, es ist ein FBH System mit eingefrästen Bahnen für die Heizrohre

3. Den Obergurt des Stahlträgers sehe ich nicht, da die Zwischenräume zwischen den Kappen noch mit alten Schutt scheinbar in einen Mörtel fixiert sind und ich diese nicht ausbrechen möchte, da sie richtig fest sind.
Aber ausgehend zwischen Scheitelpunkt und tiefstem Punkt zwischen den Kappen, haben wir etwa 10-12 cm.

Zwischenzeitlich habe ich mich schon mit der Verfüllung mit einem Leichtbeton; hatte hier auch Liapor im Blick, angefreundet, da ich somit vermutlich einfacher einen festen, homogenen und geraden Unterbau bekomme.
Kann ich den Beton dann auch ca. 1 cm über die Kappen ziehen, so dass ich dann direkt auf den Beton die EPS Platten legen kann?

Alternativ habe ich noch 2 Kubikmeter Perlite Schüttung trocken da. Die kann ich theoretisch bis fast 0 ausziehen kann.

Meine Idee wäre jetzt sogar Beton mit EPS Kugeln zu strecken und ihn dann auf einer vollflächigen Baufolie einzubringen. Die Idee ist, dass er sich dann nicht fest mit der Kappendecke verbinden kann.

Ich habe mal einen Bildausschnitt der Decke beigefügt. Den Schornstein haben wir schon auf einen Betonsockel gestellt, welcher aber unter der Kappendecke durch eine Ziegelwand aufgenommen wird und diese wiederum auf einem Betonsockel im Kellerboden steht. Damit die Kappendecke die Last des Schornsteins nicht abtragen muss.

Auf jeden Fall vielen Dank für Deine und Eure Hilfe!



Beton strecken



das kannst Du auch mit den Perliten tun.



Fermacell Wärmedämmschüttung



Auf der Website steht, dass es eine Perlite Schüttung ist. Kann ich diese verwenden?
Welches Mischungsverhältnis sollte gewählt werden?

Und mit dieser Schüttung in Beton könnte ich dann quasi den ganzen Boden als homogene Fläche ausbilden?
Ist es möglich die Mischung auch etwas dünner anzusetzen, so dass ich auch noch einen kleinen "Nivellierungseffekt" habe?

Vielen Dank für die Hilfe!



Mischungsverhältnis



vollständigkeitshalber sei hinzugefügt, dass dies eine von mir verwendete Eigenmischung ohne Zulassung ist, ich nahm damals ca. 2 Teile Perlit und 1 Teil Betonstrich. Wenn es zu dünnflüssig ist, schwimmen die Perlite oben auf. Du wirst also nicht umhinkommen, dir Höhenlehren zu machen, über Rohre (z.B. Gerüstrohre) oder Betonreihen abziehen. Ein Freund von mir verwendet für solche Estrichlehren auch Putzeckschienen.



Leichtbeton selbst herstellen



Ich habe folgenden Text beim Hausjournal gefunden:

"Leichtbeton selbst herstellen
Die Einsatzgebiete für Leichtbeton am Bau sind relativ beschränkt – ein Selber Mischen wird daher nur in den wenigsten Fällen nötig sein. Falls doch, bietet es sich jedoch an, unter einfachen Estrichbeton Perlite unterzumischen. Die Wasserzugabe muss dann entsprechend angepasst werden, damit die gewünschte Konsistenz entsteht. Im Regelfall kann man auf 25 kg Estrichbeton etwa 150 l Perlite untermischen."

Ich denke das werde ich mal in einem Testaufbau probieren.

Macht es Sinn zwischen den Perlite-Estrich und dem Gewölbe eine Folie zu legen, oder soll sich der Estrich mit dem Untergrund verbinden?

Ich würde die Folie nehmen, da das einen späteren Ausbau sicher deutlich vereinfachen wird.

Und nochmal Danke für die Unterstützung!



Folie



naja, die Sache mit dem reversibel Bauen sehe ich im Falle der Kappendecke anders und sicher gibt es da berechtigterweise auch unterschiedliche Ansätze. Da ist ja bereits im Zwickel, also über den Gurten bis zum 2/3 Punkt mörtelgebundenes Etwas drin. Wenn Dein neu Eingebautes je wieder entfernt werden sollte, dann doch nur, wenn die Kappe defekt ist. Ich würde das ohne Folie einbauen, damit es eine Verbindung gibt. Aber sicher geht es auch mit Folie, nur habe ich damit keine Erfahrung, bauphysikalisch sollte es unbedenklich sein.