Wie hoch sind die Mehrkosten beim Denkmalschutzbau ggü. konventionellem Bau?




Hallo,

wir überlegen unser Heuerhaus wieder herzurichten. Man könnte es (lt. Behörden) unter Denkmalschutz stellen lassen und hätte dann natürlich entsprechende Auflagen, aber auch Steuervergünstigungen. Der Bau wäre aber auch entsprechend teurer als konventionelles Bauen. Gibt es da einen relativen Richtwert nach dem man sich richten kann? So quasi pi mal Daumen?! Würde mich freuen, wenn uns jemand an seinen Erfahrungen teilhaben lässt.

Schöne Grüße

PS: Tolle umfangreiche Seite, wenn auch zuerst ein wenig unübersichtlich, gerade wenn man andere Foren gewohnt ist ;)



Heuerlingshaus



Hallo,

Mehrkosten für denkmalgerechtes Bauen gibt es eigentlich nicht. Man kann sie allenfalls im Verbot ohnehin untauglicher (billiger) Baumarktprodukte sehen. Deren Verwendung ist aber unwirtschaftlich wegen geringer Haltbarkeit.

Das abgebildete Haus weist allerdings grausame Verwahrlosungserscheinungen auf, deren auffälligste für mich noch der Verlust des statischen Gleichgewichtes wegen Wegnahme der rechten Windstrebe im Bereich der Kübbung ist.
Die Schwelle scheint einschließlich der Pfostenfüße völlig abhanden gekommen zu sein und der erste Meter des Mauerwerks ist vernäßt/veralgt/versalzen.
Bei dem beschädigten Dach würden mich auch größere Holzschäden nicht wundern.

Ich halte die Restaurierung für eine echte denkmalpflegerische Aufgabe, aber jeder Neubau wäre preisgünstiger.

Grüße vom Niederrhein



RE



Vielen Dank für die Antwort.
Natürlich stimmt die Aussage über den Zustand. Wie gesagt, noch steht es nicht unter Denkmalschutz. Das der Neuaufbau einem Neubau fast gleich kommen würde ist uns klar. Es ist aber immerhin ein (wertvoller) Bauplatz.
Zu den Kosten: Beispielsweise würden die Fenster aus Denkmalschutzgründen deutlich teurer werden, da hier dann typische Fenster eingesetzt werden müssten. Außerdem würde man mehrere kleine Fenster benötigen (=höhere Kosten).
Von daher denke ich schon, dass weitere höhere Kosten auf uns zu kommen. Wenn man Ihre Aussage weiterspinnt, würde sich ja ein Bau unter Denkmalschutz auf jeden Fall (steuerlich) lohnen, oder?



Zum PS



Bis Sie mit Ihrem Haus fertig sind, haben Sie diese Unübersichtlichkeit schätzen gelern. Viel Erfolg und lesen Sie den Beitrag von Herrn Beckmann nochmal ganz langsam durch. Die Sache mit den Kosten hat er da nett verkleidet ;-).

Gruß
Hartmut Stöpler



Denkmal und Kosten



Hallo,

aber warum betrachten Sie Ihr Haus denn so wenig als das was es ist. Reden gleich über Kosten guter Bauplatz u.s.w. Liegt Ihnen nichts an dem alten Heuerhaus?
Denkmalschutz heißt in erster Linie nicht teuer sondern ein en bestimmten Standpunkt der Betrachtung einnehmen.
Ihr Haus ist, wie Herr Beckmann schon sagt, eine echte denkmalpflegerische Aufgabe. Ich verstehe nicht ganz wie sie ein solches Gebäude als "konvetionellen Bau" herrichten wollen ohne es zu zerstören.
Wenn Sie hier große Fenster einbauen wollen und ich weiß nicht was noch alles zum konventionellen Bau gehören soll, dann können Sie doch wirklich gleich abreißen.
Überlegen sie doch erstmal was Sie wirklich wollen und dann suchen Sie einen Weg der Finanzierung.
Ich würde immer erst versuchen das Haus zu retten.


Grüße aus dem Rheinland
Bin in Münster geboren und habe daher wohl besondere Verbindungen zu solchen Häusern.





Hmm hätte nicht gedacht hier auf solche Ressentiments gegenüber konventionellen Bauen stoße. ;-)
Ich denke man kann auch schöne Fachwerkhäuser bauen, ohne das alle Auflagen des Denkmalschutzes berücksichtigt werden.

Außerdem ist ja nun nicht das erste Haus was wir bauen. Es geht auch darum, den Bauplatz nicht zu verlieren.
Deshalb meine explizite Frage nach den Kosten. Das Sonderanfertigungen etc. teurer sind sollte ja klar sein. Bis jetzt haben wir mit 50% höheren Kosten gerechnet. Allerdings weiß ich nicht, ob dieser Wert realistisch ist.
Die Finanzierung ist erstmal nicht das Entscheidende.

@Hartmut Stöpler
Ich glaube den Wink hatte ich verstanden. ;-)
Nur "konventionelles" Bauen immer gleich als Baumarkt bauen abzutun ist m.E. nicht richtig.

Danke nochmals für die vielen hilfreichen Antworten.

Schöne Grüße



Heuerhaus



Hallo,
@"Es geht auch darum, den Bauplatz nicht zu verlieren."

Heißt das , das Haus steht im Außenbereich?

Wenn ja, gibt es ja keine andere Möglichkeit als die Sanierung.
Gegenüber einer "konventionellen" Sanierung , würde eine denkmalgerechte bedeuten:
1.Wiederherstellung des statischen Gefüges mit Eichenbalken.(Rekonstruktion)
2.Holzfenster gefachbreit, 2- flüglig , ab einer bestimmten Höhe , 3-flüglig (Oberlicht).
3. Dacheindeckung aus Tonziegeln
4. Giebel mit Holzverschalung
5. Ortgang mit Zahnleisten
6. Erhalt der alten Dachkonstruktion ( Neues Dach"zwischen" das alte einbauen)

Wenn ich an Ihrer Stelle wäre , würde ich das Alles sowieso so machen.

Was ist eigentlich Ihre Vorstellung von "konventionellen" Bauen?

Viele Grüße

PS Wegen der Steuerersparniss müssen Sie ihren Steuerberater fragen.(Wir wissen ja nicht wieviel Steuern Sie zahlen;-))



Definiere "konventionell"!



Für mich würde in diesem Fall "konventionell" bedeuten:
das Haus mit traditionell-konventionellen Baustoffen und Handwerkstechniken wiederherzustellen.
Ein Neubau im gleichen Format und Volumen könnte man auch mit neuzeitlich-konventionellen Baustoffen und Handwerksmethoden errichten.
Wenn man die Kosten miteinander vergleichen würde, wäre man schnell bei einzelnen Bauteilkosten:
-konventionelle Holz-Iso-Fenster gegen Kastenfenster mit anderer Teilung
-konventionelle Frankfurter Betonpfanne gegen Biberschwanzziegel in Doppeldeckung
-konventionelles KS-Mauerwerk mit WDVS gegen Sanierung/Restaurierung der Fachwerkwände
usw.
Da käme am Ende eine Zahl raus, die den Unterschied beweisen könnte, würde, möchte, dürfte...
Aber: traue keiner Statistik die Du nicht selbst gefälscht hast und außerdem - bringt das irgendwie und irgendjemand Erkenntnispunkte?
Fakt ist jedenfalls, dass es zu einfach ist, hier ein Prozentzahl zwischen 2 und 99 aus dem Ärmel zu schütteln und zu sagen: Das ist der Unterschied!
Grüße aus Leipzig
Martin Malangeri



Mal abgesehen



von den verschiedenen Philosophien beim Hausbau. Die Ruine ist wirklich was für Liebhaber. Herr Beckmann sagte ja schon:"jeder Neubau wäre preisgünstiger". Hat das Teil überhaupt Strom- und Wasseranschluss? Das kann je nach Lage die Kosten extrem in die Höhe treiben!

Vielleicht noch einen Hinweis: Der Hartmut hat oben rechts immer einen lustigen Spruch auf die Seite gemacht. Da gibt es einen der lautet sinngemäß:" Renovieren macht mehr Spaß als neu zu bauen und es kostet kaum das Doppelte." Scheint mir hier nicht so ganz verkehrt zu sein.

Gruß Marko



Neubau



Hallo,
Wenn es die planungsrechtliche Möglichkeit gibt, neu zu bauen, dann würde ich dies tun.
Eine Sanierung ist in der Regel 50% teurer,als ein vergleichbarer Neubau.
Gestalterich ist das aber eine Herausforderung.
(Neubau mit Kübbungen??)
Was ich noch nicht verstanden habe :
Die untere Denkmalschutzbehörde überlässt es Ihnen, ob Denkmalschutz besteht , oder nicht?
Normalerweise entscheiden die hoheitlich.
Nachdenkliche Grüße



Mal abgesehen davon...



...dass es mich, wie Robert Göbel, auch wundert dass sie es sich "aussuchen" dürfen den Denkmalschutzstatus zu erhalten oder nicht, würde ich nicht von Mehrkosten bei einer denkmalschutzkonformen Sanierung reden.
Aus meiner Sicht gibt es diese Mehrkosten nicht.

Konventionelle Bausstoffe sind sicherlich zunächst einmal günstiger, dafür kommt der nächste Ärger aber früher, was langfristig die Kosten höher treibt.

Übrigens stimmt die Aussage "kleine Fenster = höhere Kosten" aus meiner Sicht nicht. Laut Aussage meines Schreiners spielt die Größe nur eine untergeordnete Rolle. Ich habe für alle Fenster, ob groß oder klein den selben Preis bezahlt.
Bei historischen Fachwerkhäusern muß man allerdings auf speziell angefertigte Fenster zurückgreifen wenn´s was werden soll. Bei einer "vernünftigen" Einstellung zum alten Bau sollte da der Denkmalstatus eigentlich keine Rolle spielen.

Auf jeden Fall würde ich davon abraten ein solches Objekt als Renditeobjekt zu sanieren. Angesichts leerer öffentlicher Kassen werden die Zuschüsse (wenn überhaupt) imaginär sein und die mögliche Steuerersparnis könnte ruckzuck im Säckel des Steuerberaters landen, weil sie ohne einen, aufgrund der komplexen Steuererklärung, nicht mehr auskommen würden.

Einen monetären "Gewinn" wird dieses Haus zu Ihren Lebzeiten vermutlich nicht mehr abwerfen.

Grüße
Martin