Fußboden im Dachgeschoss dämmen

05.08.2010



Hallo Leute,
ich lese schon seit geraumer Zeit Eure Fragen und Antworten und konnte mir schon einige gute Ideen sammeln. Seit kurzem bin ich Eigentümerin eines Fachwerk-/Backsteinhauses in Niedersachsen. Ich bin noch in der "Kennenlern-Phase" und stoße bei jedem Aufenthalt im Haus auf neue Dinge. Daher finde ich es toll, dass es Euch gibt und hoffe auf gute Tips bei meinen größeren und kleineren Problemen...

Vor dem Winter will ich den Dachboden dämmen. Der soll nächstes Jahr ausgebaut werden. Die Dacheindeckung mit Tonziegeln (nicht verputzt) ist in Ordnung. Nun habe ich gehört, dass man zur nachträglichen Dämmung (Zwischensparren) gleich mit dem Dämmstoff beginnen kann (Dämmkeile). Man sollte ein paar cm Luft lassen, damit die Luft zirkulieren kann und etwaige Feuchtigkeit durch Flugschnee oder Regentropfen gut abtrocknen kann. Also ohne diffusionsoffene Folie!
Eine Dampfsperre kommt dann zum Innenraum hin, darauf Holz, Lehmplatten o.ä. Ist das tatsächlich ok so?

2. Frage: Der Fußboden besteht aus Balkenwerk, dazwischen Schüttung aus undefinierbarem Material. Wahrscheinlich Schutt und so'n Zeug. darüber wurden einfach Holzplatten gelegt. Die kommen weg. Aber was mache ich mit der Füllung? Ich hatte überlegt, den ganzen Dreck 'rauszuholen, Blähton einzufüllen und Holzdielen oben drauf. Ist Blähton eine gute Sache für sowas? Nimmt ja Feuchtigkeit gut auf. Aber was ist mit Trittschalldämmung? Die ist mir noch wichtiger als Wärmeisolierung. Bitte keine Tipps für Luxusvarianten! Muss auf die Kosten achten...



Auf



jeden Fall muss zwischen Dachziegel und Dämmung eine winddichte und wasserabweisende Ebene geschaffen werden, sonst ist der Dämmstoff in kürzester Zeit durch Spritzwasser und Flugschnee durchnässt. Ein diffusionsfähiges System wird hier wesentlich sicherer und einfacher zu installieren sein wie Mineralwolle mit Dampfsperre.
Der "Dreck" in der Balkenlage ist mit ziemlicher Sicherheit ein Einschub mit Lehmschlag und darauf eine Schüttung aus Schlacke oder auch Bauschutt. Dieser Deckenaufbau dient zum einen dem Schallschutz, zum anderen dem Brandschutz. Wenn das ausgebaut wird, muss Ersatz geschaffen werden, der im Ergebnis aber auch nicht besser ist. Wieso also nicht drinlassen.
Trittschalldämmung kann nur wirkungsvoll oberhalb der Balkenlage erfolgen. Dazu ist eine allseitig weich gelagerte Ebene erforderlich, um die Schallübertragung an andere Bauteile zu verhindern. entweder eine tragfähige Ebene(z.B. OSB-Platten) und darauf einen Trockenestrich oder einen Dielenboden auf einer weich gelagerten Unterkonstruktion.
MfG
dasMaurer



Wenn der Dreck dennoch entfernt wird...



... dann würde ich anstatt Blähton den Blähschiefer vorziehen, da sich dieser leichter Verarbeiten lässt.

"Bitte keine Tipps für Luxusvarianten! Muss auf die Kosten achten..."

--> Dann würde ich aber auch darauf achten für was Du Dein weniges Geld ausgibst. Die Dämmung und den Dachstuhlausbau würde ich ohne fachlichen Rat vor Ort nicht angehen. Hier jemanden suchen, der sich mit Altbausanierung nachweislich auskennt.

Evtl. kannst Du über die IG Bauernhaus oder hier im Forum jemanden finden. Gute Planung und Beratung wären mir auch ein Geld wert.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



Dachboden dämmen



Klar, Rat vom Fachmann hole ich mir auf jeden Fall! Aber Ihr habt mir doch schon geholfen. Ich lass den "Dreck" einfach drin und lege einen Holzboden drauf. Eine Frage dazu noch an Ulrich. Was heißt "weich gelagerte Unterkonstruktion"? Kork? Filz? Oder was ganz Anderes?

Bezüglich der Dachdämmung als solche, kursieren tatsächlich so unterschiedliche Meinungen im Web. Von "ohne Folie" bis "wasserdichte Folie" ist alles dabei. Bekannte von mir haben sich tatsächlich von einem Dachdecker beraten lassen, und zwar zu der Variante ganz ohne Folie unter den Dachziegeln. Die Luftzirkulation würde ausreichen, um Holz und Iso-Wolle wieder zu trocknen. Nach innen hin Dampfsperre ist natürlich gemacht worden. Für mich als Laie ist das irgendwie auch logisch. Wenn das Balkenwerk erstmal mit wasserdichter Folie in Berührung kommt, bildet sich bestimmt Schimmel und das Holz verrottet so allmählich... Mal sehen, was die Fachleute vor Ort so sagen. Ich werde es Euch dann mitteilen...Vielen Dank auf jeden Fall für Eure guten Tipps! Als nächstes geht es bei mir um Fenster. Aber den Eintrag setze ich jetzt in die richtige Rubrik...



bei



allen Folien und sonstigen Funktionsbauteilen sollte man bedenken, dass gerade Mäuse nicht wissen, welchen Zweck sie zu erfüllen haben und die von Ihnen geschaffenen Löcher können alle gut ausgeführten Balkenanschlüsse sinnlos erscheinen lassen. Wir haben jeden Herbst/Winter regelmäßig ein oder zwei Mäuse im Haus. Es dauert meist mehrer TAge/Wochen, bis sie in die Falle gegangen sind. Welchen Schaden sie in der Dampfbremse angerichtet haben, kann ich nur vermuten. Besser sind gerade in einem Fachwerkhaus auf dem Land Lösungen, die auch mit Feuchtigkeit klar kommen.
Das wird natürlich etwas mehr kosten ....



Ran an die Mäuse....



Lieber Olaf aus Sachsen,
ich habe zwei äußerst clevere Stubentiger, denen so schnell keine Maus entgeht. Hatte mal welche im Keller, als ich in mein derzeitiges Haus eingezogen bin. Eine Nacht mit Mausi (ich hatte sie aus Versehen im Keller eingeschlossen) - und die Mäuse waren einmal.
Ich glaube, den Dachboden hätten sie auch schnell im Griff... Die Katzen, meine ich! Aber trotzdem Danke für den Hinweis!



So geht´s



Auf die sog. Unterspannbahn (zwischen Dachziegeln und Dämmung) solltest Du nicht verzichten. Es handelt sich hier um eine sehr diffusionsoffene, aber an der Außenseite wasserabweisende Gewebebahn, keine Folie. Nimm z.B. die Doerken DeltaVent N+, die kostet ca. 1 EUR/m². Tacker sie zwischen die Sparren und führe sie in das Einhangblech der Regenrinne oder in den Traufkasten, damit Schnee und Wasser, die zwischen die Ziegelfalze geblasen werden, ordentlich abgeleitet werden. "Ein paar cm Luft lassen" ist technisch Stand der 80er Jahre und führt dazu, daß die Dämmschicht kalt durchgepustet wird. Besser voll und straff ausdämmen. Oder mit Zellulose ausblasen lassen, wie auf dem Bild (da war das DG schon ausgebaut und eine innere Begrenzungsschicht gab es folglich schon).

Die Schüttung auf dem Blindboden liegenlassen und mit Zelluloseflocken auffüllen. Letzteres dämmt nicht nur gegen Kälte, sondern auch gegen Luftschall.

Gegen Trittschall lege ich meist Jutefilzstreifen 5 mm dick auf die ausgehöhten Balken, dann Lagerhölzer drauf, darauf die Dielung.



Gute Info...



danke, Christoph, für Deine guten Infos! Ich werde das genauso machen!

Allerdings, beim Boden ist es so, dass diese alte Schüttung bis zur Balkenhöhe drin ist. Sollte ich diese zumindest teilweise 'rausnehmen? Und dann Zelluloseflocken einfach komplett drüber? Dann Lagerhölzer, Jute und Dielen klingt gut.



So geht´s (2)



- alte Schüttung bis zur Balkenhöhe: drinlassen, wenn darüber meist geheizt sein soll, sonst ca. 5 cm Höhe rausnehmen und durch Zellulose ersetzen.

- Trittschalldämmung: Es geht darum, daß eine Bodenplatte entsteht, die vollkommen entkoppelt von den Wänden und den Balken liegt. Lagerhölzer, Jute und Dielen in dieser Reihenfolge ist schon mal falsch, wenn damit durch die Jutestreifen durchgeschraubt wird.

Jetzt nochmal von vorne:
1. Feldweise Schüttung rausschaufeln und Balken freilegen,
2. Randbohlen an die Balken annageln, damit eine einheitliche Höhe hergestellt wird und die Balken verstärkt werden,
3. Schüttung wieder reinschaufeln, und so weiter Feld für Feld,
4. Jutefilzstreifen auf die Randbohlen legen oder kleben
5a. OSB-Platte vollflächig auf die ausgehöhten Balken legen, Nut und Feder verleimen, Jutefilz auch als Randstreifen gegen die Wände, dann Dielung oder was auch immer als Nutzschicht, oder
5b. Dielung direkt auf die Jutefilzstreifen legen mit Verbindungshölzern zwischen den Feldern (preiswerter, leichter, aber schwingt mehr und nicht so gut im Schallschutz wie 5a).



Fußboden im Dachgeschoss



Ok, habe Deine ausführliche Beschreibung kapiert. Hört sich gut an! Vielen Dank!!
Nur, die beiden zusätzlichen Fotos finde ich nicht. Oder sind das die auf Deiner Profilseite, mit der Einblasdämmun??

Ich denke, mit OSB-Platten bin ich erstmal bedient, darauf kann man ja erstmal laufen. Wenn der Dachboden dann endgültig ausgebaut wird, kommt ein schöner Dielenboden drauf. Direkt auf den OSB-Boden? Ohne Filz oder sowas dazwischen? Nicht dass es knarrt...



So geht´s (3)



Anscheinend kann man nicht 2 Bilder in einen Kommentar setzen. Hier also das zweite Bild.

Wenn Du die Dielung auf die OSB-Platte schraubst, nimm Malerfilz (sehr preiswert) dazwischen gegen das Knarren. Und die Schrauben nur zwischen die Balken setzen und nicht durch den Jutefilz in die Balken.



Genauso soll's werden!



Vielen Dank für Deine ausführliche Beschreibung, Christoph! Würde am liebsten gleich los legen! Muss jetzt mal sehen, wie man sich die Beiträge auf die Festplatte speichern kann, damit auch ja nix verloren geht!

Ich hätte aber noch eine Frage. Die Decken in den Räumen unter dem Dachgeschoss sind nicht sehr ansehnlich. Kleine Risse und Macken. Ich will natürlich nicht alle Decken abreißen. Stattdessen sollen weiß lasierte Holzpaneele drunter geschraubt werden. Da ich den alten Decken nicht traue, möchte ich die Unterkonstruktion möglichst da anbringen, wo die Balken sind. Bloß, wie finde ich die? Durch Klopfen? Durch Abmessen der Balkenabstände auf dem Dachboden? Vielleicht gibt es ja einen einfachen Trick... Ist vielleicht eine doofe Frage...



Deckenverschönerung



Hallo Alexandra!

Nimm bitte 12,5 mmm Gipskartonplatten zum Unterschrauben, die sind preiswerter und vor allem bieten die ein wenig Brandschutz.

Wenn Du sie mit Unterkonstruktion anbringst, sollte die an die Balken. Die findet man heraus durch Abmessen eine Etage drüber.

Es geht aber meist genau so gut auch ohne Unterkonstruktion. Dann schraubst Du "überall", also insbesondere an den Rändern, und die Balken kümmern Dich nicht. Habe auch noch nie gesehen, daß die Unterschalung herunterkommt, wenn nicht lange Wasser im Spiel war.



Hi Christoph,



an Gipskarton hatte ich auch zuerst gedacht. Allerdings hatte ich die hier in meinem derzeitigen Haus auch, als ich eingezogen bin. Und die sahen gar nicht schön aus. Die Kanten waren mit der Zeit versetzt und die Zwischenräume waren rissig. Das war der Grund, warum ich mir eine Holzverkleidung dran gemacht habe. Die hatte ich 2x mit weißer Osmo-Lasur behandelt. dadurch ist das Holz zwar weiß, aber die Maserung kommt leicht durch. Und es vergilbt nicht. Gefällt mir gut so.
Aber Du hast Recht, Gipskarton ist preiswerter. Wahrscheinlich muss der auch an manche Wände. Da ist der Putz ganz schön bröselig...
Ich werde bei meinem nächsten Trip nach Bad Bevensen das mit den Decken nochmal genau in Augenschein nehmen...
Vielen Dank trotzdem!!
Und viele Grüße, noch aus der Eifel!



Deckenverkleidung



Hallo Alexandra,
das lag nicht am Material, sondern an der Verarbeitung.



Das habe ich mir schon gedacht...



dass da Jemand Murks gemacht hat. Und das war ja nicht Alles! Schrecklich so eine Bastelei! Hier hat ein Hobby-Funker gewohnt. Kabel Kreuz und quer mitten durch Wände, die Fassade 'rauf und 'runter!
Ich bin nun wirklich kein Profi. Aber wenn ich etwas gar nicht auf die Reihe bekommt, lass ich die Finger davon.
Bin mir aber rein von der Optik her noch nicht sicher, ob Gipskarton oder Holz. Da es sich um zwei Wohnungen handelt, könnte ich auch beides machen. Mal sehen!