Baddecke unter Flachdach isolieren

03.06.2020 Aurel


Baddecke unter Flachdach isolieren

Moin zusammen,

da ich unseren Fall hier so nicht gefunden habe, hier zu unserer Situation:
Der Anbau eines 1912er Hauses wurde in den 80ern aus einem Stall heraus aufgebaut.
Der gesamte Anbau hat ein leicht schräge ablaufendes Flachdach, bedeckt mit Dachpappe.
Jetzt gibt es dort ein Bad in dem die Decke erneuert werden muss, da Teile der Decke (Holzimitatbretter. Die Vorbesitzerin wollte eine Optik "wie bei Douglas").

Was ich jetzt sehe, wenn ich in die Decke schaue, ist aktuell folgendes.

Von innen nach aussen:

1. Holzimitatbretter in denen alte Spots sitzen.
2. 10-15cm Luft. Dort zieht es kalt. Keine Ahnung woher und wohin
3. Mit Alufolie kaschierte Glaswolle, ~10cm
4. Bretterverschalung
5 Dachpappe

Das ganze hatte zur Folge, dass es aufgrund der Zugluft direkt unter der "abgehängten" Decke seit den 80ern keinen Schimmel gab, aber es im Winter eben auch nicht warm werden konnte. Jede Wärme kroch durch die sehr luftig gelegten Bretterimitate in den Zwischenraum und wurde nach draussen gepustet.

Ich plane nun folgendes und hätte dazu gerne ein Feedback von euch:

Wieder von innen nach aussen:

1. Kalkanstrich auf Grundierung
2. grüne Gipskartonplatten
3. Dampfbremse, ordentlich verklebt, aber ohne die Illusion, dass ich bei einem Altbau und mit massiver Holzunterkonstruktion das alles komplett dicht bekomme
4. direkt auf die Dampfbremse min. 20cm Steinwolle
5. dann ein ~5cm Luftraum, der gerne wieder etwas Zirkulation haben darf, falls eben doch Feuchtigkeit sich durch die Konstruktion arbeitet.
6. Bretterverschalung
7. Dachpappe

Ich will also das Dach weiterhin unterlüftet lassen, aber die Isolierung nah an der Decke haben, damit die Wärme einfach im Raum bleiben kann.

Achja: Spots kommen keine mehr in die Decke, nur noch ein unter der Decke hängendes Badlicht.
Das Bad hat zudem kein Fenster, aber einen nach oben führenden Lüfter.

Freu mich über eure Meinungen und Hinweise.



Baddecke



hallo erstmal, wie soll denn die 5 cm Hinterlüftung nach außen gewährleistet werden ? Gibt es Lüftungsschlitze im Mauerwerk unterhalb der Dachschalung? Nach welcher Himmelsrichtung ist das Flachdach geneigt, wird es sonnenbeschienen? Es wäre ratsam, den Grund für die zugige Luft zu finden.
Auch wäre eine rücktrocknungsfähige Dampfbremse zu empfehlen, desweiteren würde ich zu einer Holzfaserdämmung greifen, aus 2 Gründen: 1. diese ist kapillaraktiv, Miwo saugt sich voll Feuchte und gibt sie ganz schlecht wieder ab, der Dämmwert sinkt. 2. Der sommerliche Hitzeschutz ist bei Holzfaser wesentlich besser, in heißer werdenden Zeiten ein wichtiger Faktor. Bei einer hinterlüfteten Dachkonstruktion ist eine Unterdeckbahn auf der Dämmung in Richtung Dach zur Vermeidung von Durchlüftung der Dämmung empfehlenswert.



@Pope


@Pope

Besten Dank an Pope schonmal für die Hinweise.

Die Hinterlüftung hoffe ich so zu gewährleisten wie bisher. Also auf unbekanntem Weg.... Optimal ist das nicht, aber alternativ müsste ich mich auf beiden Seiten im Dach zu den Seitenwänden vorarbeiten (Bad liegt unter der Mitte des Daches). Das sprengt etwas den Rahmen der Möglichkeiten.
Ich tippe auf mehr oder weniger absichtlich gesetze Undichtigkeiten in der Dachverschalung (wohl hinter den Ziegeln, siehe Bild).

Die Dachschräge ist Richtung Osten ausgerichtet und ist sonnenbeschienen.

Holzfaserdämmung ist ein toller Hinweis, ich informiere mich diesbezüglich.
Aus welchem Material ist üblicherweise die Unterdeckbahn?



Unterdeckbahn



das genaue Material kann ich nicht benennen. Es handelt sich um einen textilen Grundstoff, außen wasserabweisend ( angegeben werden 3 Monate bewitterungsfest), von innen aber diffusionsoffen, um Feuchte nach außen abzuführen. Am besten wird vielleicht ein Vergleich mit dem Gortex-material in Outdoorbekleidung funktionieren. Das Kritische am Bitumendach ist eben, dass es nach außen diffusionsdicht ist. Die Luftdurchströmung bei Dir führt evtl. Feuchte ab, sorgt aber eben auch, wie Du schon bemerkt hast, für eine Durchströmung der Dämmung mit Kaltluft und macht damit die Dämmwirkung zunichte bzw. setzt sie herab.



Bad-Deckenaufbau unter Flachdach



Wenn du auf dem Dach genügend aufbauen kannst ist Aufdachdämmung die einfachste und risikoloseste Lösung.
Also Dachsparren, darauf Nut und Feder Bretter oder Dreischichtplatten.
Dann Dampfsperre mit Alueinlage.
Aufdachdämmung XPS oder ökologisch besser Schaumglasplatten,
Abdichtung mit EPDM und Beschwerung zB mit einigen Betonplatten.

Wenn keine entsprechende Aufbauhöhe möglich ist:
Oben dunkle Dachabdichtung mit EPDM (keine beschieferte Bitumenbahn)
Bretter oder 3-S-Platte.
Vollsparrendämmung mit Zellulose
Feuchtevariable Dampfbremse, sehr sorgfältig dauerhaft luftdicht verklebt
Keine Installationen in der Decke- besser Wandlampen verwenden.
Die Dampfbremse muß an einer Abhängung unter deiner Holzkonstruktion montiert werden.

Keine Hinterlüftung vorsehen,
wenn die korrekten Querschnitte, Gefälle, Himmelsrichtung etc nicht gegeben sind-
die kann dann mehr Schaden anrichten und Kondensat verursachen



@Andreas Teich bez. Aufdachdämmung



Vielen Dank für das Aufmerksammachen dieser Option. Durchaus interessant, allerdings erst durchführbar, wenn wir uns der gesamten Dachfläche von grob 55qm widmen.
Vorerst kann nur die Dachflächedes Bades von ~6qm angegangen werden.



Badezimmerdecke dämmen



Ihr könnt das auch erst mal provisorisch wie von mir beschrieben ausführen,
d.h. einfach XPS-Platten über dem Bad aufs Dach legen und gegen UV-Licht abdecken.
Auf möglichst geringe Unterströmung mit Regenwasser achten.
Im Sommer ists ohnehin nicht problematisch