Dachsanierung

09.06.2011



Hallo Community,

ich bin in den letzten Zügen der energetischen Sanierung unseres Hauses.
Die letzte Großbaustelle ist das Dach, es ist im Moment noch ein Reetdach, dieses soll zurückgebaut werden und nach der Dämmung des Daches sollen Dachpfannen drauf gelegt werden.
Meine Frage lautet jetzt: Muß ich für die Dachdämmung und die höhere Last pro m² extra ein statisches Gutachten anfertigen lassen?
Die Sparren werden aufgedoppelt, die Maße der Sparren jetzt betragen 10*10 cm Abstand 90 cm zu einander.
Werden aufgedoppelt auf eine Stärke von 20 cm.
Ist für eine solche Maßnahme eine Baugenehmigung erforderlich?

Welches Material verwendet Ihr als Nagelschutz für die Dampfsperre?

Vielen Dank für eine kompetente und objektive Beantwortung meiner Fragen

Schöne Grüße





Wenn die Erscheinung des Gebäudes von aussen geändert wird und möglicherweise auch noch der Denkmal- oder Heimatschutz hineinredet, dürfte es ziemlich sicher eine Bewilligung brauchen. Das ist bei einer Umdeckung von Stroh auf Tonziegel sehr wahrscheinlich.
Mach mal ne Bauvoranfrage, das kostet nix und man weiss nachher, woran man ist.





Mach doch eine richtige Sanierung, Dachstuhl komplett runter.

-Sparrenabstand von 90 cm ist zu weit, da muß immer ein Sparren dazwischen eingebaut werden.
-Dampfsperre wird mit Extra Doppelseitigem Klebeband auf die Sparren geklebt, nicht getackert.

Ein Statiker sollte sich auf jeden Fall den Stuhl ansehen, da nicht nur die Sparrenlast verändert wird sondern auch die Pfetten.
Wenn das Haus unter Denkmalschutz steht, wird es sehr schwer eine solche Sanierung Bewilligt zu bekommen.



Immer mit der Ruhe



Hallo rafi1200,

Umdecken von Reet auf Ton? Mit ner Bauvoranfrage wärst du bestimmt auf der sicheren Seite. Ziegeldeckung ist schwerer als Reet ist Qautsch. Je nach Dicke und Zustand der Reetdeckung ist z.B. eine Reetdeckung im Herbst, wenn sie recht feucht ist schwerer als eine Tonziegeleindeckung, wenn sie trocken ist je nach Pfanne ähnlich schwer, aber auf jeden Fall nicht leichter. Ob du Sparren daziwschen legen solltest hängt von den Querschnitten der Sparren ab. Sind diese in Ordnung kannst du auch dickere Dachlatten nehmen. Wenn du Dir einen fähigen Statiker hinzuholst, wird der dir schon Dein Dach so hinrechnen ohne das du aufwendig Sparren etc. einbauen musst. Dein Dach hat ja auch vorher gehalten (mit der höheren Dachlast).
Du solltest natürlich auch die Lastzunahme durch die Dämmmaßnahme berücksichtigen!



Moin Rafi,



eine bessere Ertüchtigung deiner Dachsparren erhälst du m.W. durch beidielen: also nicht 10cm drauf, sondern 20cm dran.

Gleichzeitig kannst du so das Dach wieder begradigen.

Trotzdem schade ums Reetdach-----:-(

Willst du da oben mal ausbauen?

Gruss, Boris



Dachsanierung



Moin Rafi,
den Vorschlag von Herrn Webler finde ich sehr gut. Könnte von mir sein. Damit erhöhst Du die Tragfähigkeit der Sparren erheblich. Du gleichst das Dach nach außen und innen aus, Du verminderst den Sparrenabstand. Bei beidseitigem Anbringen mit 5er Bohlen bist Du dann bei 80 cm. Ich sehe da von der Tragfähigkeit keine Probleme.
Es könnte sein, dass für den Innenausbau der Sparrenabstand noch zu groß ist. Da wäre zu überlegen beim Rohbau schon Weichen zu stellen.
Ich habe den Eindruck, dass sich bezüglich der Folie in dieser Diskussion eine Bergriffsverwirrung eingeschlichen hat. Dampfbremsen/Sperren kommen an die Innenseite. Außen drauf kommt Unterdachfolie. Die sollte diffussionsoffen sein. Falls Du Wert auf ökologische Dämmung legst schlage ich Weichfaserplatten als Unterdach vor. Da kannst Du hinterher mit Celluloseflocken dämmen.
Nagelschutz: Meiner Meinung nach wird das übertrieben, aber wir müssens machen. Da geh ich zum Dachdeckereinkauf und sage: Verkauft mir mal... Das muss ja normgerecht sein. Ich würde das billigste zugelassene Zeug nehmen. Letzten Herbst arbeitete ich für einen Zimmerermeister, der immer Schaumleim unter die Konterlatten gesaut hat. Obs wirkt? Keine Ahnung!Kann vielleicht!
Zum Abkleben der Unterdachfolie: Da gibts welche die hat schon Klebestreifen an den Rändern.
Gruß aus dem sonnigen Nordvorpommern
Ralph



Fußpunkt



Selbst wenn man durch anbohlen die Tragfähigkeit des Sparrens erhöht muss bedacht werden dass diese höheren Lasten auch irgendwo eingeleitet werden müssen. Ich vermute dass es sich um ein Sparrendach handelt. In diesem Fall sollte man sich die Fußpunkten der Sparren genau ansehen ob die Kräfte dort aufgenommen werden können. Und beim Pfettendach ist der Sparren eh selten das Problem. Hier sind meist die Mittelpfetten zu schlank.
Das mit dem Nagelschutz ist notwendig wenn von außen eine Dampf-was-auch-immer-Folie über die Sparren und durch die Felder geschlauft wird weil der Innenausbau schon fertig ist und nicht erneuert werden soll. Dann gibt es bei Häusern aus den 50er Jahren das Problem dass unter den Sparren HWL Platten angebracht sind. Diese Platten sind mit Nägeln befestigt die hinten rausstehen. Weil diese Nagelspitzen die Folie zerstören könnten wird eine Lage Nagelschutz eingebaut. Man kann die Nagelspitzen aber auch abschneiden.
Das ganze kann aber überflüssig sein wenn zum einen keine Nägel rausstehen oder diese geschlaufte Folie nicht notwendig ist. Das hängt aber vom Bestand ab und dem zu verwendenen Dämmstoff.
Ein anderer Nageldichtstoff der hier angesprochen wurde ist das Nageldichtband unter den Konterlatten. Ist aber nur notwendig wenn eine Unterdeckfolie eingesetzt wird. Werden HWF Platten verwendet ist Nageldicht überflüssig.



Bezgl. des Flächenlasten



kann man bei Betonziegel von 0,50 kN/qm, bei Tonziegel von 0,55 kN/qm und bei Reet von rund 0,65 - 0,7 kN/qm ausgehen. Es ist also tatsächlich so, daß Reet schwerer ist ist jegliche Ziegelart, zumindest wenn man den statisch gesehen ungünstigsten Fall (Reet ist nass) annimmt.
Ich finde die Idee mit den seitlichen Bohlen auch in Ordnung. Wir selbst haben es in der Firma schon öfters so gemacht. Die Sparrenweite von 90 cm find ich dabei nicht so schlimm, zumal sie sich ja durch das Anbringen der Bohlen noch verringert. Ich würde lediglich mit 4/6er Dachlatten arbeiten.
Der Einwand von Kollege Büschen ist gerechtfertigt. Allerdings wird sich an der Eigenlast des Daches so gut wie gar nichts ändern, da das Gewicht durch die Bohlen zu-, aber durch die Verwendung von Dachziegeln abnimmt.
Es wäre aber im Zuge der Sanierung vielleicht von Vorteil, wenn sie mal ein Bild ihres Dachstuhls einstellen würden, dann ließe sich auch feststellen, ob es sich um ein Sparrendach, um ein Pfettendach oder, was auch möglich und sogar wahrscheinlich ist, ein Kehlbalkendach handelt.

Gruß Andreas