Daemmung zwischen Innenwand(Kalk-Sandstein) und Aussenwand(Fachwerk)

06.08.2008



Liebe Fachwerkfreunde,

seit kurzem bin ich stolzer Besitzer eines Fachwerkhauses (Bj.1900) in der Eifel. An diesem Objekt wurde in den vergangenen Jahren sehr viel herumgestuempert. Nachdem ich nun alle Ecken und Winkel einmal erkundet habe, stellt sich fuer mich eine Frage zur richtigen Waermedaemmung.
Die sichtbare Giebelwand (andere Seite ist angebaut) ist von aussen mit ca. 60 mm Styropor gedaemmt und mit Eternitplatten verkleidet. Das macht ja schon einmal einen guten Eindruck.
Auf der Innenseite wurde eine Kalk-Sandstein-Wand errichtet, welche einen Abstand von ca. 150 mm zum aeusseren Fachwerk hat. Allerdings endet diese Wand mit der Decke im Obergeschoss und hat somit eine offene Verbindung zum derzeit ungedaemmten Dachstuhl.
Ich wuerde diesen Luftspalt gerne zur Daemmung dieser Gebaeudeseite nutzen, um spaeter das Fachwerk von aussen wieder freizulegen. Kann mir jemand sagen, welche Materialien hier zu empfehlen sind und was hier besonders beachtet werden sollte? Das Stichwort Taupunkt wurde mir hier bereits genannt.
Ich habe bereits mit dem Gedanken gespielt, eine Granulatfuellung einzubringen.
Ich wuerde mich freuen, ein paar nuetzliche Hinweise zu bekommen.

Gruesse aus der Nordeifel

Matthias Kuka



falls machbar,wäre die bauphysikalisch beste Lösung,



keinen Dämmstoff in die 15cm Holhlräume einzubauen,sondern hier eine stehende Luftschicht zu bauen. Dazu müßten Sie im Deckenbereich den Hohlraum sauber schließen und die Fenster/Türenanschlüsse auf Dichtheit prüfen ggfalls nachbessern.Eine stehende Luftschicht dämmt recht gut.



Eine stehende Luftschicht



und da sind sich die Experten und die Fachliteratur außnahmsweise mal einig passt aus Gründen der Baupysik nicht in ein altes Haus!

Als Dämmstoff für den Holhraum würde sich z.B. Perlite anbieten.

Grüße Gerd



Dämmen



Moin Matthias
"um später das Fachwerk von außen wieder freizulegen"
Wenn das der Fall sein sollte, macht es wenig Sinn eine Dämmung ein zu blasen, die dir bei Reparaturen am Fachwerk entgegenrieselt. Vielleicht solltest du das Pferd andersherum aufzäumen.
Gruß Jürgen





Hallo Herr Kuka,

das zweischalige Mauerwerk - wenn richtig ausgeführt - ist besser als sein Ruf. Man hat zweischalig gebaut um Feuchte- und Temperaturschwankungen besser in den Griff zu bekommen. Die Innenschalen sind (im Gegensatz zu heute) in den meisten Fällen nicht tragend. Eine stehende Luftschicht kann allerdings zu echten Problemen führen, weshalb die Erbauer Ihrer Innenwand wohl nach oben zum Dachraum offen gelassen haben - nicht das dümmste. Auf Deutsch: Schütten Sie sich da nichts rein, was Feuchtigkeit bindet und diese nicht geregelt abtransportieren kann.

Die Fassade mit der Styropordämmung auf dem Fachwerk sollte mal genauer untersucht werden.

Bitte lesen Sie hierzu erläuternd noch meinen Beitrag zur ähnlichen Problematik unter =>

Desaster as usual

---Forenreferenz-----------
Desaster as usual -
Hallo Herr Schöne,

das zweischalige Mauerwerk ist besser als sein Ruf. Zunächst einmal wurde nicht zweischalig gebaut um Baumaterial einzusparen, sondern um Feuchte- und Temperaturschwankungen besser in den Griff zu bekommen. Die Innenschalen sind (im Gegensatz zu heute) in den meisten Fällen nicht tragend. Systemerläuternd:

Auch früher war Energie schon teuer und die Ottonormal- und Geschosswohnungsbauten darf man sich nicht so wunderbar geheizt wie heute vorstellen. Geheizt wurde in der Küche, samstags im Bad und sonntags in der Guten Stube. Ansonsten kann man sich das ganze als eine im Winter ziemlich kühle Angelegenheit vorstellen.
In diesem Milieu hat von außen an das Mauerwerk ansetzende Feuchte ein weitaus leichteres Spiel als bei heutigen Innenraumtemperaturen. Man kann das vergleichsweise in länger leerstehenden Gebäuden richtig fühlen. Dem Muff folgt der Feuchteschaden.

Logische Schlussfolgerung => Zweischalig bauen! Gute Idee. Uralt und schon bei den Chinesen bekannt: Tragende Außenwand mit Feuchteeintrag (Regen) in die Luftschicht. Trockene Innenschale (11,5 cm Ziegel oder 5 cm Bims) die - da vollkommen trocken - Nutzungsfeuchte aus dem Innenraum ebenso in die Luftschicht abgeben kann. Dann muss also nur noch irgendwie die Feuchtigkeit aus der Luftschicht raus? => Unten Löcher, Oben Löcher: Luft geht unten rein, erwärmt sich an der Innenwand, nimmt Feuchte auf und steigt auf.
Nach diesem Funktionsprinzip wird noch Heute halb Norddeutschland bebaut, jedoch mit einer zusätzlichen Dämmebene: an der Innenwand liegend, doch noch immer mit Luftschicht zum Abtransport der Feuchte.

Ob sich ein altes zweischaliges Ziegelmauerwerk überhaupt für eine Kerndämmung eignet kann überhaupt nicht pauschal beantwortet werden, da gibt es zuviele Variablen: Größe der Luftschicht, gibt es Feuchteeintrag in die Wand, wenn ja, ist dieser gleichmäßig (Wetterseite, Bäder), gibt es im Verband eine Schicht aus Verblendern, wohin diffundiert die Feuchte aus dem Innenraum, usw ....

Rein rechnerisch wird sich das Einblasen hinsichtlich des Dämmwertes positiv darstellen, doch handelt es sich hier um eine Modellrechnung unter Laborbedingungen bei der ein Feuchteeintrag weder mit kalkuliert, noch eine Aussage über den Abtransport der Feuchte getroffen wird. Wenn nun nach ein paar Jahren (5 - 7 cm Dämmung sind nun halt mal nicht wirklich viel) der Entschluss gefasst wird eine Außendämmung aufzubringen ... Desaster. Aber dann sind ja alle zuvor Beteiligten bereits aus der Gewährleistung - mit Ausnahme des Architekten, der den Gutachter dann so tolerant erlebt wie einen Kampfhund auf dem Spielplatz.

Gruß aus Wiesbaden,

Christoph Kornmayer mehr ...
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Gruß aus Wiesbaden,

Christoph Kornmayer



Daemmung zwischen Innenwand(Kalk-Sandstein) und Aussenwand(Fachwerk)



Liebe Fachwerkfreunde,

vielen Dank fuer die schnellen und durchaus aufschlussreichen Antworten auf meine Frage. Leider bin ich jetzt ein wenig verwirrt.
Aus den bisherigen Antworten konnte ich entnehmen, dass ein Luftspalt zwischen beiden Schalen eine sehr gute Einrichtung ist. Die derzeit vorhandene Styropordaemmung auf der Aussenwand hat fuer mich keine Zukunft, da ich das Fachwerk wieder sehen will. Jetzt komme ich zur naechsten Frage.
Da er Luftspalt sehr gross ist, bietet sich hier ja noch Spielraum.
Meiner Ansicht nach wuerde es durchaus Sinn machen, das Fachwerk freizulegen, die Gefache zu entfernen und somit Zugriff auf die Innenwand zu erhalten. Hier stehen 150 mm zur Verfuegung, wovon ich 100mm fuer eine Daemmschicht auf der Innenwand opfern wuerde. So wuerde noch immer ein Luftspalt von 50 mm vorhanden sein. Hinterher kann man die Gefache wieder ordentlich neu aufbauen. Waere das eine Vorgehensweise, welche in diesem Forum auf Zustimmung stoesst?
Ich freue mich auf zahlreiche Antworten.

Gruesse aus der Nordeifel

Matthias Kuka



Ah, jetzt, ja.



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Hallo Herr Kuka,

so kann das schon eher gehen, der Aufwand ist jedoch enorm, da Sie die Gefache herausnehmen wollen. Das muss sich unbedingt vorher mal jemand anschauen! Ebenso die Standfestigkeit der Innenschale sowie deren Verbindung zur Außenschale.

Wenn für ausreichende Zu- und Abluft gesorgt werden kann ist die Vorgehensweise durchaus denkbar. Die Anschlusspunkte im Fußbereich müssen allerdings wirklich gut detailliert werden.

Also eine eventuelle Bejahung würde ich da nicht verneinen :-))

Wie steht es um das Dachgeschoss? Wie soll dies später genutzt werden?

Gruß aus Wiesbaden,

Christoph Kornmayer


P.S.: Aufwand und Nutzen sollten aber mal wirklich gegeneinander gestellt werden.



Aufwand und Nutzen



Hallo Herr Kornmeyer,

dass diese Vorgehensweise den maximalen Aufwand bedeutet leuchtet mir ein. Das ist auch erst einmal eine Idee.
Soweit ich das bisher erkennen konnte, besteht zwischen Innen- und Aussenschale so gut wie keine Verbindung. Ausser im Bereich der Fenster. Die Balkenlagendecke und der Dachstuhl ruhen auf der inneren Schale, womit schon einmal die geringste moegliche Belastung fuer das Fachwerk gegeben sein sollte.
Ueber den Nutzen einer solchen Massnahme muss ich mir erst noch einen oder zwei Gedanken machen. Nach wie vor bin ich auch an der Moeglichkeit einer Granulatfuellung interessiert, was natuerlich erst Sinn macht, wenn alle anderen Arbeiten abgeschlossen sind. Das wuerde allerdings bedeuten, dass kein Luftspalt mehr zur Verfuegung steht.
Die dritte Alternative waere der stehende Luftspalt. Dieser wird in absehbarer Zeit nur noch eine offene Verbindung zum dann gedaemmten Dach haben. Das Dach wird komplett erneuert. Danach wird die Decke zwischen Obergeschoss und Dachboden entfernt und bis in den Firstbereich offen gestaltet, da es sich hier sowieso nur um einen Kriechdachboden handelt.
Welche dieser drei Moeglichkeiten waehre denn aus ihrer Sicht die vernuenftigste, wenn man den Aufwand nicht beruecksichtigt?

Gruesse aus der Nordeifel

Matthias Kuka