Aufbau Außenwand - Bad in denkmalgeschütztem Fachwerkhaus




Hallo Zusammen,

Wir haben ein Fachwerkhaus von ca 1800 erworben und wollen es innen sanieren. Seit einigen Tagen grüble ich über die Badgestaltung.

Das Hauptthema ist dabei der Aufbau von Außenwand zur wasserdichten Oberfläche an Duschen, Badwanne und Waschbecken.

Im restlichen Haus soll die Außenwand mit Lehmunterputz, Dämmung aus Holzweichfaserplatten, Lehmoberputz gestaltet werden. Am liebsten hätte ich das auch im Bad, sehe aber (evtl. noch) keine wirkliche Möglichkeit das komplett durchzuziehen. Folgende Möglichkeiten habe ich mir überlegt und würde mich freuen zu hören, was erfahrene Fachwerkhaussanierer dazu zu sagen haben. Die jeweiligen Vorteile meine ich zu kennen, ich weiß nur noch nicht wirklich einzuschätzen was auf Seiten der Nachteile der kleinste Tod zu sterben sein wird. Nur noch einen Hinweis: es werden mindestens zwei Kinder regelmäßig mehr oder weniger wilde Wasserschlachten im Bad austragen, ganz ohne abgedichtete Wandteile wird es daher nicht gehen.

1. Aufbau wie im restlichen Haus, Verfließung lediglich an der Wand zur Dusche und um die Badewanne herum.
- Welches Material wäre zum Aufbau unterhalb der Fliesen zu verwenden?
- Kann man trotzdem den Lehmunterputz und die Holzweichfaserplatte verwenden und brauch nur einen anderen Oberputz oder brauche ich komplett anderes Material?

2. komplettes Bad mit anderem Aufbau von Außenwand zur Oberfläche Innenwand.
- Wenn ja welches Material kann man verwenden?
- Was sagt die Denkmalbehörde dazu?
- was ist mit der Durchlässigkeit und eventuell schädlicher Verlagerung des Taupunkts? (Wieviel wasserdichte Wandfläche ist für die Balken und mit Lehm gefüllten Gefache zu ertragen?)

(2.a) Verfließung ebenfalls nur um Dusche und Bad oder (2.b) u wie „oft im konventionellen Bau üblich“ bis Brusthöhe.
- Macht 2.a oder 2.b überhaupt noch ein Unterschied, wenn ich sowieso schon Material verwende, das als weniger geeignet für ein Fachwerk in Lehmbauweise erachtet wird?

Momentan ist das Bad an fünf Seiten vollumfänglich verfliest. Nur die Decke ist aus Holzlattung. Bislang scheint das Haus die letzten ca. 30 Jahre mit der Verfliesung verkraftet zu haben. Mache ich mir vielleicht einfach einen zu großen Kopf und der Aufbau der Außenwand nach Innen im Bad ist relativ unwichtig im Vergleich zum Gesamtkonzept?

Für Eure Hinweise danke ich jetzt schon.

Viele Grüße

Manuel



Innendämmung Bad



Grundsätzlich kann im Bad der gleiche Wandaufbau ausgeführt werden, wie in den anderen Räumen, aus meiner Sicht mit einer Eischränkungen:
Unter den Fliesen sollte kein Lehmputz, sondern kalkbasierter Putz verwendet werden. Der Fliesenanteil könnte, auch aus historischer Sicht, so gering wie möglich gehalten werden. Das paßt möglicherweise auch besser zum Gesamteindruck des Hauses. Eines ist jedenfalls nötig: Manche Bauherren denken, dass eine Lehmwand das Feuchteproblem lösen kann und man kaum noch Lüften muss. Der Bademulm muss, insbesondere nach einer länger währenden Wasserschlacht der Kinder, in jedem Fall abgelüftet werden.
Es gäbe auch andere Lösungen wie Tadelakt, Glasplatten etc - der Kreativität setzt hier nur der Geldbeutel eine Grenze.
Zur Info und dort wird ausschließlich erwähnt, dass die Platte auch zur Verfliesung zugelassen ist. Sie hat noch den Vorteil, dass ein Untergrundausgleich stattfinden kann ( von dem wir jetzt nicht wissen, wie er aussieht). Bei Innendämmungen sollte beachtet werden, dass die Fassade schlagregengeschützt ist bzw. keine Feuchtigkeit von außen eindringen kann
https://udidaemmsysteme.de/udi-systeme/fuer-die-innendaemmung/innendaemmung-detail/UdiIN%20RECO%C2%AE%20SYSTEM%20Inned%C3%A4mmung%20mit%20Untergrundausgleich.
Für noch besser hielte ich es, wenn eine zugelassene Holzfaserplatte vollflächig in Lehm an die Fachwerkwand gesetzt würde.



Fragerunde die Zweite



Hallo Pope,

Danke für die zügige und nette Antwort. Wegen der Feuchteproblems gehe ich bei Lehmputz sogar davon aus, dass mehr statt weniger gelüftet werden muss, da der Lehm die schnell aufgenommene Feuchtigkeit langsam wieder abgibt.

Auch von einem Kalkputz als Putz direkt unter den Fliesen bin ich ausgegangen. Meine Unsicherheit bezieht sich hauptsächlich auf den zu verwendenden Putz zwischen Holzweichfaser und Außenwand. Ich würde deine Antwort jetzt mal so interpretieren, dass ich es dort bei Lehm (also als Grundputz) belassen kann!? Habe ich das richtig verstanden?
Ich habe jetzt auch nochmal eine Anfrage bei einem bekannten Hersteller von Lehmputz gestellt. Wenn ich eine Antwort zu dem Grundputz/Ausgleichsputz habe, werde ich das auch hier teilen. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich nicht der einzige bin der vor der Frage steht.

Tadelakt wäre an sich meine liebste Wahl, aber bei Beauftragung wahrscheinlich zu kostenintensiv und bei Eigenleistung zu zeitintensiv. Glas mit etwas Abstand zur Wand hatte ich mir auch schon überlegt. Wie viel Abstand zur Wand müsste die Glasscheibe haben, damit die Luft genügend Platz zur Zirkulation hat?

Wieder bereits im Voraus vielen Dank!



Badwand



bei der Verlegung der Holzfaserplatten sind grundsätzlich die Herstellervorschriften zu beachten. Die Platten würden in ein Lehmbett gelegt und verschraubt. Das schließt ein, dass vorher Unebenheiten mit Lehmgrundputz, gern auch mit Strohhäcksel ets. ausgeglichen werden müssen, damit die Platten hohlraumfrei verlegt werden können. Dies wird durch die UdiReco etwas erleichtert. Ich würde in so einem Fall immer auch mal die Beratungsangebote der Hersteller in Anspruch nehmen, falls die gesamte Leistung nicht durch eine erfahrene Firma ausgeführt wird. Gern gibt da auch Forumsmitglied Udo Mühle ( zu finden oben rechts unter der Lupe) Auskunft, der ist auch gut vernetzt und kann Euch vielleicht sogar einen regionalen Ansprechpartner empfehlen. Die Glasscheibenüberlegung bezieht die sich auf eine Außenwand ? Ich hatte eher auf eine hohlraumfreie Anbringung gedacht.
Ich habe den Eindruck, Du hast immer die Vorstellung einer durchgängig diffusionsoffenen Wand vor Augen. Das muss nicht sein. Es geht darum, dass entstehende Feuchte aus dem Wandaufbau wieder herauskann, durch Diffusion oder durch Kapillartransport. Wenn da mal 5 qm diffusionsdicht sind, ist dies nicht tragisch. Grundsätzlich ( also unabhängig von Deiner spezifischen Situation) sind aber Hinterlüftungen raumseits an Außenwänden kritisch, weil dann feuchte Raumluft an evtl. kühlere Außenwände gelangen kann und somit Kondensat und Schimmel entstehen kann



Das hilft



nicht nur weiter, das ist sogar auch das was ich hören wollte. Ich bin tatsächlich die ganze Zeit von einer durchgängig diffussionsoffenen Wand ausgegangen. Daher auch meine Befürchtung mit den Fliesen.

Auch der Tipp mit UdiReco finde ich gut. Ich hatte mich (fast) auf Steico festgelegt. Das sehe ich mir nochmal genauer an. Wie es scheint würde ich mir damit sogar den gesamten Grundputz sparen. (Steht zumindest in der einen Broschüre.)



Bad im Fachwerkhaus



Dusch- und andere diffusionsdichte Bereiche soweit möglichst nur an Innenwänden planen.
Soweit die Wände nicht stärker verschattet sind kann Feuchtigkeit auch bei Innenabdichtung bei wärmeren Außentemperaturen nach außen diffundieren.

Da bei abgedichteten Wänden ohnehin keine Diffusion stattfindet kann hier auch feuchtigkeitsbeständige XPS, Schaumglas, PU-Dämmung etc verwendet werden.

Auch Kalkputz muß tragfähig genug für Fliesen, evt Spachtelmassen und Abdichtungen sein- Lehmputz wird dafür i.d.R.kaum geeignet sein.

Eine über dem Fachwerk durchgängig vorhandener Lehmputz an den Innenwänden müßte genügen zur Aufnahme evt Feuchtigkeit von außen.

Schlagregendichtigkeit sollte ohnehin gegeben sein.

Genügend große Lehmputzflächen können viel Feuchtigkeit aufnehmen, was bei zu kurzer Lüftung dazu führen kann, dass die Luftfeuchtigkeit anschließend wieder stärker ansteigt-
zumindest beschlagen Spiegel viel seltener und Schimmel wird auch sehr unwahrscheinlich sein.