Kippender Anbau durch Fundamentsenkung

08.04.2010



Hallo,

bei der Sanierung unseres neuen, alten Hauses stehen wir vor einem schwerwichtigen Problem, bei dem ich hoffe hier Hilfe zu finden. Es geht um einen etwa 3 x 5.3 Meter messenden Seitenanbau eines denkmalgeschützten Hauses (kein Fachwerk) der über die Jahre in Schiflage geraten ist (siehe Fotos anbei). Auf Grund der Absenkung ist die Straßenfassade des Anbaus mehrfach gerissen und wird vom Dach nach außen gedrückt (leider nur schlechtes Foto ...).

Da ohnehin viel an diesem zu machen ist (Dach-Eindeckeung + Stuhl; Böden; Mauerwerk; Fenster & Türen) würde ich ihn am liebsten wegreisen und neu (selbstverst. originalgetreu ) wieder aufbauen. Nebengedanke ist dabei auch, gleich den Keller zu erweitern. Knackpunkt ... das Denkmalamt, welches in dem vorhandenen Ziegelmauerwerk historische Bausubstanz sieht, und sich daher grad etwas schwer mit der Genehmigung tut. Witzig daran ist, daß das Gebäude selbst nicht unter Denkmalschutz steht, sondern Teil eines Gesamtensembles ist.
Aber OK ...

Zu meiner Frage: ... Die Gründung des Anbaus ist in meinen Augen wirklich großzügig, und damit ausreichend dimensionier. Hier die Eckdaten:

- Steifenfundament entlang der 3 Seitenwände
- Breite 40cm bei 2.40m hoher und 30cm dicker Ziegelwand
- Fundamentsohle 1.30m tief, damit frostfrei)
- Sandboden
- Verfüllung Baugrube Sand+Bauschutt
(nicht wirklich verdichtet)

Trotzdem hat sich das Ganze um 3 bis 5 cm /laufenden Meter gesetzt. Die Frage ist also wieso, und vor allem, wie wird man dem Herr? ...

Vor allem erstmal die wandnahe Regenwasserversickerung (hatte ich bisher nicht erwähnt) abschalten, das scheint klar. Aber reicht daß? ... Der Dachüberstand ist mit 30cm nicht groß, und von einer Seite kann ich nicht viel machen, da die Wand auf der Grundstücksgrenze zu einem öffendlichen, unbefestigten Weg verläuft. Hier wird also weiter das Wasser wandnah versickern können.

Meine Überlegung war nun, die Kelleridee zu steichen, und die neu zu erstellenden Böden als Plattenfundamente zu nutzen. Dabei Stahlträger in die Fundamentplatte zu integrieren (siehe Skizze als Schnitt) die seitlich überstehen und somit praktisch in die Seitenwände ragen, wodurch diese wiederum das alte Streifenfundament entlasten mögen. Das übliche unterfangen scheint mir hier etwas unsicher als Dauerlösung, da mir das bestehende Fundament wie gesagt als mehr als ausreichend vorkommt.

Was ist Eure Meinung dazu?
Gruß,

Stephan





hier noch die Skizze da nur ein Foto ging ... ;)



Fundamentsenkung



Hallo,

ich plädiere für den rekonstruierenden Neubau, weil die beschriebene Schiefstellung unzumutbar ist. Der Aufwand zur
Begradigung ist unverhältnismäßig.
Vorher müssen Sie aber einen Geologen konsulltieren, der mindestens bis 7 m tief bohrt und vernünftige Gründungsempfehlungen abgibt. Kosten ca. 1000 - 1500 €.
Dann sollte dem Einverständnis der Denkmalbehörde nichts im Weg stehen, weil die Alternative darin besteht, daß dr Anbau abgängig sein wird.
Die Ursache vermute ich im Untergrund, was gut und gerne in 3 bis 6 m Tiefe sein kann.



Anbau



So wie ich es verstanden habe ist das Hauptgebäude unterkellert und der Anbau nicht.
Die übliche Bauweise dafür wäre eine Fundamentabtreppung.
Das Fundament des Anbaues wird stufenweise von Höhe Kellerfundament bis auf Anbauhöhe gezogen, immer auf gewachsenem Boden.
Um diese Lösung, die man beim Anbau einsparte, werden Sie wohl nicht herumkommen.

Eine Alternative wäre noch die Nachverdichtung der Auffüllung mit Tiefenrüttlern o.ä., eine Fundametplatte und den Anbau in Leichtbauweise errichten.
Wie die Nachverdichtung dem Keller bekommt ist dabei ein nicht zu umgehendes Risiko.
Leichte Setzungen sind trotzdem nicht vollkommen auszuschließen.

Viele Grüße





... MmH! ... Zum Fundament des Anbaus ist zu sagen, daß dessen Sohle meiner Grabung nach nur ungefähr 20 bis 30cm oberhalb von der des Kellers liegen muß. Ob eine Abtreppung da ist, kann ich nicht mit Sicherheit sagen, da es einfacher war erstmal an der auf dem Foto rechts liegenden Wand zu graben. Weiterhin scheint das Fundament des Haupthauses mehr oder weniger vergleichbar zu dem des Anbaus zu sein (Breite + 10cm , Tiefe + etwa + 30cm, Ausführung identisch ). Es gibt durchaus sichtbare Risse, aber diese scheinen erstmal vor allem dem Alter geschuldet. Aktive Anzeichen von Senkungen oder gar Kippungen gibt es abgesehen von einem Schaden durch einen zu dicht stehenden Baum nicht.

Im Internet habe ich noch folgendes gefunden, was vielleicht einen groben Hinweis auf die vorherschende Geologie leifern kann:

"Das nordwestlich anschließende Breite Fenn (Übergang zur Königsheide) ist eines der letzten Überreste der ursprünglichen Beschaffenheit der Spreeniederung. Die Bezeichnung Fenn (auch Vehn oder Venn), niederdeutsch für Sumpf oder Moorland, verweist auf ein Gelände, das vielfach von pflanzenbedeckten stehenden Gewässern durchzogen wird. . Noch heute ist es von dem verbliebenen Teil des Kannegrabens durchflossen. ..."


Weiterhin ist mir bei einem Rundgang durch die Siedlung aufgefallen, daß an vielen der nachträglich zugefügten Anbauten (meist kleinere Vorbauten im Eingangsbereich) ähnliche Kippungen zu sehen sind. Was ist also mit dem Einfluß versickernden Regenwassers in nur lose aufgeschütteten Sandverüllungen ohne richtige Verdichtung?


Auch zurück zu meiner Frage! ... Wäre ein Plattenfundament mit der beschriebenen Abfangung der Wände ( Überleitung Kräfte aus Wänden auf Fundamentplatte durch die beschriebenen Stahlträger ) nicht prinzipiell auch machbar, ohne dabei mögliche Rüttelschäden in Kauf nehmen zu müssen?
Ich frage vor allem deshalb weil bisher mit dem Denkmalamt keine wirkliche technische Diskussion möglicher Lösungen möglich war, die dann vielleicht auch den Bestand retten könnten.

Auch würde ich prinzipiell gern vermeiden tausende von Euros buchstäblich in den Sand setzen zu müssen, weil das Denkmalamt in drei brüchigen aber ansonsten völlig langweiligen Ziegelsteinmauern aus den 20ern eine erhaltenswerten Substanz sieht! Wahrlich, da hat Berlin ganz andere Sorgen. Zumal es bei dem besagten Denkmalensemble grundsätzlich um ein Zeugnis der Gartenstadtidee und nicht um besondere, handwerklichge Techniken geht. ...

Gruß,
Stephan



Kippender Anbau



...und diese Zeugnisse der Gartenstadtidee sind uns ganz besonders wichtig, ob Hellerau, Mararethenhöhe oder Bottrop-Welheim.
Es hat aber auch immer wieder Unglücke in diesen Siedlungen gegeben, ein Brand, ein Hochwasser, ein Bombenvolltreffer...
Besonders ärgerlich sind Senkungen aufgrund der Beschaffenheit des Untergrundes. Und da haben sie eine mögliche Ursache schon selber zitiert: mooriger Untergrund, Torflinsen, ein paar verrottende alte Baumstämme......
das alles kann die Ursache sein, und nur der Geologe kann wirklich in die Tiefe blicken. Alles Spekulieren wird letztendlich teuer.
Ich beobachte solche Meldungen im Grunde uralter Schäden seit einem Jahr gehäuft. Ob das eine wachsende Sensibilisierung nach dem Desaster in Köln und den Problemen mit Tagebauen ist ?
Ich würde in die geologische Baugrundbeurteilung investieren.


Grüße vom Niederrhein



Moin Stephan,



"Marmelade hat keine Balken" sagt man im Norden dazu...wenn der Anbau tatsächlich auf schlecht befestigtem, moorigen Untergrund steht, geht der Spass bei der nächsten Absenkung des Grundwasserspiegels evtl. weiter (Trockener Sommer, Tiefbrunnen).

Eine Nachfrage beim Wasserwirtschaftsamt und den Alteingesessenen kann nicht schaden...mich würde nicht wundern, wenn das bei allen in einen gewissen Zeitraum aufgetreten ist.

Ich würde dann eher versuchen den Neuaufbau dynamisch zu gestalten und die Anschlüsse mit Dehnungsfugen zu versehen, die man dann einfach nachbessern kann - ob das sinnvoll machbar ist, kann ich von hier aus nicht beurteilen.

"Beten scheef, hat Gott leev"

;-) Boris



Anbau



Ich glaube nicht das mangelnde Tragfähigkeit des Baugrundes die Ursache ist.
Das Haupthaus mit Keller ist schwerer, die Sohlpressung ungleich höher.
Wenn dann wären die Häuser bereits nach wenigen Jahren durch die Baugrundkonsolidierung bis in den dm- Bereich abgesackt.
Früher gab es auch Baugrunduntersuchungen, erst recht bei solch größeren Bauvorhaben.
Wenn der Mangel auch an anderen Anbauten in der Nachbarschaft aufgetreten ist, dann ist ein systematischer Fehler wahrscheinlicher. Bei gleicher Bauweise treten eben auch die gleichen Mängel auf.

Ich spekuliere mal und vermute folgendes Szenario:
Aus Kostengründen wurde der Anbau nur mit drei Wänden ohne Abtreppung angebaut und zwar nach Fertigstellung des Haupthauses.
Grund war sicher der Kostendruck.
Um die zu erwartenden Setzungen abzufangen, müssten die Planer eine Nutung der Wände des Haupthauses geplant haben, in denen die beiden Wände des Anbaues eingebunden wurden.
Das funktioniert aber nur, wenn sich die Wände frei, also ohne Verkeilen und ohne Mörtel in der Nut bewegen können.
Heute würde man dafür spezielle Wandschienen (z.B. Halfenschienen) verwenden.
Das die Planer mit solchen Setzungen gerechnet haben ist für mich unstrittig, die Leute haben sehr wohl gewußt, das ein Streifenfundament in einer Auffüllung ohne Mantelreibung zu erheblichen Setzungen führen wird und das diese Setzungen größer als am Haupthaus sind.
Hier wurde im Gegensatz zum Anbau in gewachsenem Boden gegründet, die Streifenfundamente sind aus Beton und tragen nicht nur durch Sohlpressung, sondern auch durch Mantelreibung.
Unterschiedliche Setzungen an einem Gebäude sind zulässig, wenn sie durch geeignete Maßnahmen schadlos für die Gebäude bleiben.
Das war hier theoretisch sicher der Fall, aber es wird wohl an der praktischen Ausführung gehapert haben.
Es reicht schon, wenn die Lücken beim Putzen mit Mörtel zugeworfen wurden oder beim Mauern Mörtel in die Nut fiel und sich unten ansammelte.
Unten fest oben lose: ein Drehpunkt entstand.

Viele Grüße