Holzfaser Unterdeckplatten - Nass- vs. Trockenverfahren

Hallo,

aus Komfortgründen und Zecks Vermeidung einer Unterspannbahn, will ich mein Kaltdach (einzelstehendes Stadthaus Bj. 1905) bei der Dacherneuerung mit einer Schalung aus Holzfaser Unterdeckplatten versehen. Wegen Sparrenabstand von 900mm soll es eine 35mm Platte werden.

Z.B. Steico bietet für diesen Zweck die "Universal" und die "Universal Dry" an.
Dry weist auf eine im Trockenverfahren hergestellte Platte hin. Bei den Verwendungshinweisen wird die Sanierung für die Dry erwähnt. Bei der Universal aus dem Nassverfahren steht Verwendung Neubau.

Als wesentlichen Unterschied zwischen beiden Verfahren sehe ich die Dichte der Platten. Die Platten aus dem Trockenverfahren haben eine geringere Diche und bringen bei gleicher Stärke eine etwas bessere Dämmwirkung.

Sind geringere Flächenlast und bessere Dämmung bei gleicher Dicke schon die entscheidenden Gründe für Sanierungsfälle, ober übersehe ich da eine wesentiche Eigenschaft, die für ein altes Dach relevant sein könnte?

Ich würde für mein Vorhaben eigentlich zu der Platte mit der höheren Dichte aus dem Nassverfahrne (größere Phasenverschiebung) und der wahrscheinlich etwas höheren Festigkeit tendieren, da ich weder eine besonders große Plattenstärke verwenden will, noch Sorgen mit der Flächenlast habe und es auch nicht besonders auf die Dämmwirkung ankommt.

Meinungen?

Gruß Erwin

BTW: interpretiere ich die Verarbeitungshinweise von Steico richtig, dass man bei Holzfaser Unterdeckplatten eher eine 40mm dicke Konterlattung nehmen soll, damit die Nägel der Dachlatten sicher halten?
Ich wollte nie ein eigenes Haus...
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 26.05.17

Bei einem Sparrenabstand


von 90 cm würde ich eine Steico Universal mit 52 mm nehmen, diese ist bei der Verlegung stabiler.

Der Unterschied zwischen normal und dry liegt wie schon gesagt in der Dichte des Materials.

Bei der Herstellung der dry-Platten werden die Holzfasern mit Leim benetzt und dann gepresst, beim Nassverfahren ist das Bindemittel das holzeigene Lignin.

Ich habe die besten Erfahrungen mit der dry gemacht, sie ist stabiler als die normale und lässt sich wunderbar verlegen.

Zu den Konterlatten:
Nicht die Dicke der Konterlatten ist entscheidend, sondern die Breite, weil der Randabstand der Nägel beim Dachlattenstoß mit einer 50er K-Lattung nicht fachgerecht ausgeführt werden kann, d.h. die Latte reißt hier auf.

Da es auf dem Markt entweder 30/50 oder 40/60er Latten gibt, schlägt Steico die 40/60er vor.

Grüße, Gerhard
Alles ist erhaltenswert
Mitglied der Fachwerk.de Community
Holzbau Schobig | | 27.05.17

bei 30/50er Konterlatten


muss man halt spezielle nägel oder schrauben nehmen, damit die Latten sicher verankert werden.
bei üblichen 80er nägeln steckt sonst ein teil des nagels nur in der Unterdeckplatte statt im Sparren und das reicht nicht.

ich verarbeite grad die universal dry in 35mm mit 30/50er latten.(65er sparrenabstand)
wir nehmen 6x60er schrauben (mit zulassung) für die traglattung.

dickere Platten oder Latten hätten hier einen zu hohen Aufbau ergeben, da der Nachbar (doppelhaus aus den 20ern) die Gauben direkt auf der Mauer gebaut hat und der Anschluss so schon schierig genug ist und die Rinnen sonst optisch ganz wo anders verlaufen würden etc...

gruß
micha
Fragen, denken, entscheiden
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 27.05.17


Danke für die Hinweise.

Sehe ich das richtig, dass die Breite der Konterlatten wegen Ausreißen an Dachlattenstoßstellen ein Thema ganz unabhängig von der Holzfaserplatte ist?

Die Hinweise von Steico hatte ich schon in Richtung Einschlagtiefe verstanden. Der geforderte achtfache Nageldurchmesser wird bei 50/30er K-Lattung nicht erreicht. Dazu passen dann die Ausführungen von Micha.

Ich bin sowieso am Überlegen, ob bei meinem alten Ziegelmauerwerk nicht besser geschraubt werden sollte, um Erschütterungen zu minimieren. Das gilt noch viel mehr für die Befestigung der Konterlatten.
Ich wollte nie ein eigenes Haus...
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 27.05.17

Konterlatten


müssen eh geschraubt werden, und zwar im Winkel von ca. 67° schräg nach unten (Belastung der Schrauben auf Zug), zusätzlich jede 2. Schraube winkelrecht zur Latte.

Die Einschlagtiefe der Nägel ist nicht so relevant, da diese nur auf Abscheren beansprucht werden.
Bei 30/50er Dachlatten verwenden wir je Befestigung 2 Stück 28/70er Nägel, die mit dem Druckluftnagler verarbeitet werden.

In allen Fällen lasse ich die Dachlatten durch mein Statikprogramm laufen.

Beispiel:
Dachneigung 45°, Eindeckung Ziegel, Latten 30/50
Mannlast 100 kg
Ergebnis: 1 Nagel 28/70, Auslastung 68%

Grüße, Gerhard
Alles ist erhaltenswert
Mitglied der Fachwerk.de Community
Holzbau Schobig | | 27.05.17


Zur Festigkeit der Platten:

Steico Universal oder Udi Top werden im Nassverfahren hergestellt und haben 270 Kg/m³ Rohdichte, >200KPa Druckfestigkeit und >30KPa Zugfestigkeit.

Steico Universal Dry 35 hat 210 Kg/m³, >180KPa, >25KPa.

Ohne dass ich die Platten selbst schon in der Hand gehabt hätte, sieht das von den Daten her für mich nach etwas höherer Festigkeit für die Platten aus dem Nassverfahren aus.

Viel mehr als 35mm will ich ohne guten Grund nicht machen. In den Mansardbereichen (Neigung fast senkrecht) muss ich mit Aufbauhöhe geizen, sonst springt das neue Dach zu weit über den gemauerten Sims an der Traufe.

Beim Hauptdach (Neigung 40 Grad) wäre das weniger ein Problem. Aber an die Schalung für ein Kaltdach stelle ich nicht so die großen Ansprüche. Großartig durchhängen soll da natürlich nichts.

Danke für die Hinweise zu den Nägeln bzw. Schrauben für die Konterlatten.
Die Hinweise für die Sicherung gegen Sog gelten dann wohl nur für die Befestigung der Konterlattung. Richtig?

90cm ist bei mir der freie Abstand zwischen den Sparren, für den Fall, dass ich da nicht den richtigen Begriff verwendet habe.
Ich wollte nie ein eigenes Haus...
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 27.05.17


Mein Baubetreuer hat wohl ähnliche Bedenken wie Gerhard bzgl. Plattenstärke.
Er hat bisher noch keine Firma gehabt, die es nicht geschafft hätte, die Platten irgendwo durchzutreten und 52mm sind für das Kaltdach dann doch schon etwas viel.
Er würde mir deshalb immer noch zur Kiefernholzschalung ohne Nut und Feder raten.
Bauphysikalisch ist die Holzfaser-Unterdeckplatte sicher optimal, aber er sieht nicht, dass die ausführenden Handwerker das zufriedenstellend hinbekommen und rät mir deshalb davon ab.
Ich wollte nie ein eigenes Haus...
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 29.05.17

Muss es denn undedingt Steico sein?


Es gibt qualitativ bessere und festere Plattenprodukte.
ZB. von Pavatex, Gutex oder auch von Doser.
Nur mal nebenbei auch an dieses denken.
Preis ist sicherlich relevant, aber Qualität halt eben auch!!

http://gutex.de/sortiment/produkte/produkt/gutex-multiplex-top/

http://www.zimmerei-doser.de/baustoffe/doser-holzfaser-daemmsysteme/holzfaserplatten-das-material/
(Anrufen und beraten lassen!)
LEHM - natur am bau
Mitglied der Fachwerk.de Community
LehmHandWerk Udo Mühle | | 31.05.17


Hatte mich noch auf gar keinen Hersteller festgelegt.

Die Beispiele waren nur willkürlich herausgegriffen. Je nachdem, wo ich beim ersten Suchen drauf gestoßen bin.

Die Gutex Multiplex-top 35mm hat:

200Kg/m³ Rohdichte,
>200KPa Druckfestigkeit und
>30KPa Zugspannung.

Die Rohdichte lässt auf Herstellung im Trockenverfahren schließen.
Die Festigkeiten sind zwar etwas besser als z.B. die Steico Universal Dry aber auch nicht besser als die Steico Universal oder die die Udi Top. Denen traue ich wegen der höheren Rohdichte eher höhere Festigkeiten zu.

Bei Doser scheint es max. eine 25mm Schalungsplatte zu geben (DHD 25W).
Ich wollte nie ein eigenes Haus...
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 01.06.17

Unterdeckplatten-Bilder aus der Bilddatenbank: