Energiepaß: erhebliche Abweichungen bei Verbrauchs- vs. Bedarfsmessung

Diskutiere Energiepaß: erhebliche Abweichungen bei Verbrauchs- vs. Bedarfsmessung im Forum Sanierung allgemein im Bereich - Noch in diesem Jahr wird aufgrund der europäischen Richtlinie zur Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden die Ausstellung von Energiepässen bei...
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Noch
in diesem Jahr wird aufgrund der europäischen Richtlinie zur
Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden die Ausstellung von Energiepässen bei
Neubau, Verkauf und Vermietung zur Pflicht. Doch noch immer sind viele Fragen
offen: Soll es ein Verbrauchspass oder ein Bedarfspass werden? Wie sollen die
Kennzeichnung und die mit dem Energiepass verbundenen
Modernisierungsempfehlungen genau aussehen? Das ifeu-Institut hat im Auftrag des
Verbraucherzentrale Bundesverbandes e.V. (vzbv) untersucht, ob ein Bedarfs- oder
Verbrauchspass besser geeignet ist, die Anforderungen der EU-Richtlinie aus
Sicht von Mietern und Käufern zu erfüllen.



Mit der Pflicht zur Vorlage eines Energiepasses für potenzielle
Nutzer setzt die EU-Gebäuderichtlinie auf die Nachfrager nach Wohnraum. Bei der
bisherigen Diskussion wurde die Perspektive der potenziellen Mieter und privaten
Käufer bislang nur unzureichend berücksichtigt. Die Studie des ifeu-Instituts
legte den Fokus deshalb auf die Sicht dieser potenziellen Nutzer. Primär möchten
sie wissen, mit welchen Energiekosten sie bei einer Anmietung oder beim Kauf
rechnen müssen und mit welchen Maßnahmen zu welchen Kosten gegebenenfalls eine
energetische Verbesserung erreicht werden kann. Dazu benötigen sie unter anderem
Informationen über die energetische Qualität des Gebäudes.



<center>




<img border="1" src="http://www.baulinks.com/webplugin/2006/i/0216-ifeu2.gif" vspace="3" style="border: 1px solid #000000" alt="Verbrauchspaß, Bedarfspaß, Energiepaß, Energiepass, Verbrauchspass, Bedarfspass, Energieeffizienz, Energiekosten, Energieverbrauchskennwert, Energieverbrauchskennwerte, Heizkostenabrechnung, ifeu-Institut, Gebäuderichtlinie">

<span style="font-size: 10px">Bild vergrößern</span>

<span style="font-size: 10px">Vergleich der Heizenergieverbrauchs- und
Bedarfskennwerte von 99 Einfamilienhäusern</span>
<hr>

</center>

Anhand aktueller Auswertungen wurde herausgearbeitet, dass es im
Einzelfall selbst bei größeren Gebäuden zur erheblichen Abweichung zwischen dem
berechneten Energiebedarfskennwert und dem tatsächlichen
Energieverbrauchskennwert kommt. Die Vorstellung, von einem bekannten realen
Verbrauch (zum Beispiel aufgrund der letzten Heizkostenabrechnung) auf einen
nutzerunabhängigen Bedarf rückschließen zu können oder umgekehrt, ist daher
unrealistisch. Auch kann der Verbraucher aufgrund des unterschiedlichen
Nutzerverhaltens weder mit Hilfe des Energiebedarfs noch des Energieverbrauchs
seine persönlichen zukünftigen Energiekosten verlässlich einschätzen.



Auf der anderen Seite ist durch das Ziel der Gebäuderichtlinie,
mit dem Energiepass als Ranking-Instrument indirekt die Energieeffizienz der
Gebäude zu erhöhen, die Richtung bereits vorgegeben. Allein aus der Darstellung
des aktuellen spezifischen Energieverbrauchs kann nur sehr begrenzt ein
verlässlicher Vergleich mit anderen Gebäude erfolgen. Zudem gibt die Richtlinie
vor, dass dem Energiepass "Empfehlungen für die kostengünstige Verbesserung der
Gesamtenergieeffizienz" beigefügt werden sollen. Spezifische Empfehlungen für
Modernisierungsmaßnahmen können jedoch nicht aus einem Verbrauchspass abgeleitet
werden.



Ein aussagekräftiger Energiepass im Wohngebäudebereich für
Altbau und Neubau kann daher nur ein Energiebedarfspass sein.
Dieser stellt
die energetische Qualität des Gesamtgebäudes bei einer Standardnutzung dar und
erlaubt einen objektiven Vergleich mit anderen Gebäuden. Zugleich bietet er eine
Basis für die Ausarbeitung von Maßnahmenempfehlungen.



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<img border="1" src="http://www.baulinks.com/webplugin/2006/i/0216-ifeu3.gif" vspace="2">

<span style="font-size: 10px">Schematische Darstellung des
Energiebedarfspasses (Vorschlag des ifeu-Instituts)</span>
<hr>

</center>

Weitere Empfehlungen der Studie beziehen sich auf das Layout des
Energiepasses, Übergangsfristen und Kontrollmechanismen. Aus Sicht der
potenziellen Käufer oder Mieter sollte neben dem Primärenergieverbrauch
zusätzlich an prominenter Stelle die Qualität der Gebäudehülle (Dämmstandard)
und der Anlagentechnik aufgezeigt und bewertet werden. Bei Heizungssystemen mit
einem hohen Anteil an erneuerbaren Energien kommt es beispielsweise auch dann zu
einem günstigen Primärenergieverbrauch, wenn Gebäude in Teilaspekten erhebliche
Mängel aufweisen. Um zu vermeiden, dass das Instrument Energiepass bereits in
der Einführungsphase durch mangelnde Qualität der Ausstellung in Misskredit
gerät, sollte zudem ein System der Qualitätskontrolle aufgebaut werden.



<div align='right'>Siehe auch: ausgewählte weitere Meldungen:
 
Thema: Energiepaß: erhebliche Abweichungen bei Verbrauchs- vs. Bedarfsmessung

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