Ziegelmauer im Mauertauschverfahren durch moderne Baustoffen ersetzen

02.01.2022 huelsemania


Guten Tag und frohes neues Jahr,

Wir haben ein Haus gekauft, dass um 1915 erbaut wurde und das während seines Lebens einige Anbau- und Umbaumaßnahmen erleiden musst. Ich lese jetzt bereits seit einiger Zeit hier im Forum mit, habe aber auf meine Frage noch nicht die passende Antwort gefunden.

Wir haben innenliegend eine Ziegelmauer, Tragende Wand, die feucht ist. Der Bereich ist nicht unterkellert, die Wand steht auf Streifenfundamenten und besitzt keine Horizontalsperre.

Der Vorbesitzer hat den Wandabschnitt, circa 8 Meter lang, von beiden Seiten mit Styropor eingedeckt und mit Rigipsplatten "verschlossen", wodurch die Wand die Feuchtigkeit auch nicht mehr abgeben konnte und Salzausblühungen vorhanden sind.

Die Wand war mal eine Außenwand 24er Vollziegelwand, die durch einen Anbau zur Innenwand wurde. Der Bodenbelag im Altbau bestand aus Linoleum, der auf der Bodenplatte nass war. Die Bodenplatte haben wir entfernt, sie lag ohne Kapillarbrechende Sperrschicht auf Lehmboden.

Dadurch haben wir jetzt einen guten Zugang zum Mauerwerk und möchten auf höhe der neuen Bodenplatte eine Horizontalsperre einbringen.

Wir haben uns aufgrund einiger Forenbeiträge für das einbringen einer mechanischen Sperre entschieden und gegen ein Injektionsverfahren.

Zu meinen ersten Fragen, lieber eine Bitumenbahn oder eine Kunststoffsperre?

Frage zwei, kann ich einen anderen Stein nehmen als einen Vollziegel?
Ich habe hier gelesen, dass man keine modernen Baustoffe mit alten vermischen soll. Meine Idee war es, dass ich vielleicht die untersten 3 Steinreihen der Vollziegel entferne und mit einem Hohlblockziegel 3 DF wieder aufmaure.

Ich habe einige Artikel von Böttcher gelesen (vielen Dank hierfür!), habe aber auch hier keine passende Antwort gefunden.

In einem anderen Forum wurde als Einwand genannt, dass es zu unterschiedlichen Wärmeausdehnungen kommen kann und dadurch zu Rissbildung.
Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass die Deckenhöhe im Laufe eines Umbau vermutlich im Jahr 1980 erhöht wurde. Hierzu wurde auf die Ziegelsteinmauer eine Reihe Bims Hohlblocksteine aufgemauert, auf der dann die Decken-Träger aufliegen.

Über eine Antwort würde ich mich freuen,
Danke Sebastian



Als Horizontalsperre....



.... würde ich zwar eher eine Folie verwenden, Dachpappe tuts aber auch. Nimm was du einfacher/preisgünstiger bekommen kannst.
Was wohl eher suboptimal ist, ist 3 Reihen Ziegelsteine raus zu nehmen und mit 2 Reihen 3DF -Steinen wieder zuzumauern, wenn die Vollziegel im NF-Format sind. Du müsstest zur Anbindung an den Bestand eine passende Verzahnung in den Steinverband stemmen. Was spricht dagegen wieder NF-Steine zu verwenden?
Bei einer tragenden Wand würde ich statt Bims- eher KS- oder Ziegelsteine verwenden, weil die tragfähiger sind.

Ein Tipp noch: Wenn ihr die Horizontalsperre eingebaut habt, verliert nicht die Geduld. Es kann u. U. mehrere Monate dauern bis eine durchfeuchtete 24er-Wand komplett ausgetrocknet ist. Je später man so eine Wand verputzt, umso schneller kann sie austrocknen. Am Besten wärs den Putz auf beiden Seiten zu entfernen.

Gruß,
KH



Hallo Sebastian



du kannst 3 oder 5DF Steine problemlos vermauern, allerdings ist es besser am Wandfuß Steine hoher Druckfestigkeit zu nehmen (Kalksand z.b.). Wähle Deine Abschnitte nicht zu groß und lass genügend Zeit zur Aushärtung verstreichen bevor Du den nächsten Abschnitt freilegst. Fugenüberdeckung darf nicht sein, achte auf vollflächige und kraftschlüssige Vermörtelung.

Frohes Schaffen



Danke für die schnelle Antwort



Danke für eure Antworten!

Ich habe den Gedanken einen anderen Stein als einen NF Ziegel zu nehmen, weil ich vermute dass ich Schwierigkeiten bekomme die Höhe wieder zu erreichen. Daher dachte ich, dass es mit Steinen mit einem anderen Format einfacher werden wird.
Ich habe mir für eine Reciprosäge ein Stein-Sägeblatt gekauft, mit dem ich die Lagerfuge durchsägen möchte. Schön wäre es natürlich hier die Sperrschicht einzuführen und den Spalt mit Quellmörtel zu verschließen. Der Spalt wird hierfür allerdings nicht ausreichen.
Wenn ich Abschnittweise 2 Steinreihen raus nehme, eine Schicht Zementmörtel auftrage, die Sperrbahn auflege und dann mit Mauermörtel die NF Ziegel aufmauere befürchte ich, dass ich Schwierigkeiten bekomme die Ausgangshöhe zu erreichen. Bei einem höheren Stein, mit dem ich eine Lagerfuge einspare könnte ich vielleicht mehr Erfolg haben.
Dann also eher KS. Hier muss ich vorerst allerdings überprüfen, ob ich mit den Querfugen hin komme. Vielleicht kann ich mit 2DF und 3DF hinkommen.
Welche Festigkeit soll der Mauer-/Normalmörtel haben? M10?



Welches Verfahren für eine Horizontalsperre


Welches Verfahren für eine Horizontalsperre

VERBRAUCHERINFORMATION 31
85737 ISMANING Reisingerstrasse 10 http:\\www.haus-schwamm.de
Tel. 089 965077 e-mail: edbromm@gmail.com

Der Zufall spielt bei der Beurteilung welches Verfahren ist für die Trockenlegung das geeignetste mit.

Anhand eines Beispiels soll ein Unterschied sichtbar gemacht werden.

Es war purer Zufall, dass wir in der Schellingstraße München eine Instandsetzung ausführten und dies in unmittelbarer Nähe einer Baustelle die mir nicht unbekannt war. Mich trieb die Neugier, denn hier hatte ich vor über 20 Jahren schon zu tun. Ein Teil des Verputzes war abgeschlagen und eine erneute Trockenlegung wurde durchgeführt. Es wurde das Mauersägeverfahren durchgeführt.
Interessant ist, dass bei den jetzt durchgeführten Arbeiten Wandflächen freigelegt wurden und daher die früher eingebauten horizontalen Abdichtungen zum Vorschein kamen.
Das Gebäude litt schon damals unter starker Feuchte. Die Schäden und Putzzerstörungen waren bis über 2 m Höhe. Damals wurde eine Horizontalabdichtung nach dem Bohrlochverfahren ausgeführt.
Mir war das Objekt deswegen gut bekannt, weil wir uns vergeblich für die Trockenlegungsarbeiten beworben haben.
Dieses Objekt war schon vom Putz befreit und wir konnten ein Muster einer damals neuartigen Horizontalsperreabdichtung mit den Edelstahlplatten herstellen. Es wurden 6 Chromstahlplatten in einer Breite von 2,20 m eingeschlagen.

Deutlich sichtbar: die Schadensbegrenzung über den Chromstahlplatten.
Siehe Bild:
Damals wurde das gesamte Objekt mit der Bohrlochinjektion bearbeitet. Außerdem wurde ein neuer Fassaden- und ein Sockelputz angebracht.
Dieses Objekt wurde von mir auch noch Jahre später immer wieder besichtigt, um die Wirksamkeit sowohl der Bohrlochinjektion als auch der Chromstahlsperre zu beobachten.
Es zeigte sich schon nach einigen Jahren, dass neben der Horizontalsperre mit den Blechen eine Schädigung und eine Durchfeuchtung sichtbar wurde. Dies wurde von Jahr zu Jahr schlimmer, so dass man jetzt entschieden hat, eine völlig neue Instandsetzung durchzuführen.
Interessant ist jedoch, dass in den Bereichen wo eine Horizontalsperre mit den Chromstahlplatten hergestellt wurde, keinerlei Feuchteschäden sind.
Es steht zweifelsfrei fest, dass alle Maßnahmen an diesem Objekt in gleicher Weise durchgeführt wurden und es keine besonderen Maßnahmen im Bereich der Horizontalsperre mit Chromstahlplatten gegeben hat. Es wurde durchgehend die Bohrlochinjektion und der gleiche Verputz verwendet.

Wenn eine Horizontalsperre gegen aufsteigende Feuchtigkeit notwendig ist, dann stellt sich immer die Frage, welche Sperre ist die richtige?
Dabei gehen nicht nur die Meinungen der Fachleute weit auseinander.
Zum Gelingen einer gut funktionierenden Horizontalsperre sind unter anderem auch die geeigneten Materialien notwendig. Um dies zu ermitteln, ist immer eine gründliche Voruntersuchung (z. B. nach WTA) notwendig.
Mechanischen Horizontalsperren
Bei den mechanischen Trennungen, beim Einschlagen von Chromstahlplatten oder dem sogenannten Mauersägeverfahren und der Unterfangung spielt hauptsächlich die eingebaute Sperrschicht eine wichtige Rolle. Es ist jedoch auch bekannt, dass diese Verfahren bei ordentlicher handwerklicher Ausführung sicher sind und auf Dauer funktionsfähig bleiben.
Bohrlochverfahren
Eine völlig andere Verfahrensgruppe sind die sogenannten chemischen Injektionen und die elektro-physikalischen Verfahren.
Bei den Injektionsverfahren gibt es beträchtliche Unterschiede und zwar:
• Die porenverstopfenden Produkte
• Die hydrophobierenden (wasserabweisenden) Produkte
• Eine Kombination aus wasserabweisend und kapillar verstopfenden Produkten
Allen diesen Verfahren steht eine der wichtigsten Anforderungen aus der Physik gegenüber, nämlich, wo ein Körper ist kann kein zweiter sein.
Daher müssen Bedingungen geschaffen werden, um die Injektionsmaterialien aufnehmen zu können. Dies bedeutet, dass in der Regel getrocknet werden muss, wenn der Feuchtegehalt relativ hoch ist.
Um eine qualifizierte Aussage zu bekommen muss die tatsächliche Wasseraufnahme und das restliche Saugvermögen ermittelt werden. Die auch noch einer Trocknung verbleibende Feuchteaufnahme sollte dabei immer größer als 30-50 % der maximalen Wasseraufnahme aufweisen.
In den letzten Jahren wurden Injektionsmittel auf den Markt gebracht die in der Lage sind besser mit feuchtem Mauerwerk fertig zu werden. Diese sind in ihrer Wirksamkeit, insbesondere der Viskosität und einer umweltverträglicheren Art auf die Belange eines feuchtigkeitgeschädigten Mauerwerks ausgerichtet.
Daneben spielt selbstverständlich auch der Baustoff eine wesentliche Rolle. Er muss mit den Injektionsmaterialien verträglich sein und darf keine neuen bauschädlichen Salze bilden.
Außerdem muss eine chemische Beständigkeit gegeben sein und er darf keine ökologisch oder gesundheitliche Beeinträchtigungen auslösen.
Die chemischen Verfahren sind auch deshalb in Verruf gekommen, weil es lange Zeit keine exakten Verarbeitungsvorschriften gegeben hat. Dies hat sich zwar mit dem Merkblatt Nr. 4-10-15/D von der WTA* erheblich verbessert. Was immer bleibt ist noch die gewissenhafte Verarbeitung.
Ich wundere mich immer wieder über die schlechte Art der Ausschreibung. Den Bautenschutz Firmen bleibt in der Auswahl, nicht nur der Produkte, sondern auch in den Bohrlochabständen, Bohrlochtiefen, Ein- oder Zweireihige Verfahren soviel Spielraum, dass hierbei schon ganz erhebliche Unterschiede auftauchen müssen. Abgesehen davon ist auch die einzubringende Menge der Injektionsflüssigkeit von ganz entscheidender Bedeutung.
Durch eine qualifizierte Voruntersuchung ist sowohl die Menge als auch das zu verwendete Produkt zu ermitteln. In der Regel ist die einzubringende Menge bei einem Ziegelmauerwerk mit mindestens 20 Liter pro qm anzusetzen. Da die empfohlene Menge und die Bohrlochabstände sowie die eingefüllten Produkte oft nicht exakt eingehalten werden, kommt es immer wieder zu Fehlleistungen. Somit wird meist die gesamte Injektionstechnik als nicht brauchbar verworfen.
Die elektro-physikalischen Verfahren müssen nach dem jetzigen Kenntnisstand für die Mauertrockenlegung als nicht geeignet eingestuft werden.
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Zusammenfassung
Neben der theoretischen Bewertung spielt sehr oft auch die Langzeiterfahrung eine sehr wichtige Rolle. Es sind oft Zufälle die erst nach Jahren einen Hinweis auf die unterschiedlichen Qualitäten einer Horizontalsperre sichtbar machen. Ich rate heute immer erst zu den als Sicher geltenden mechanischen Horizontalsperren und nur wenn es objektspezifische Besonderheiten gibt zu alternativen Verfahren.
Allen Verfahren gemeinsam ist, dass im Anschluss an eine Trockenlegung noch flankierende Maßnahmen wie z.B. das Auswechseln der Verputze folgen müssen.
Nur dann ist eine Horizontalabdichtung von Erfolg gekrönt.

Edmund Bromm