Fachwerk-Aussenwand ausmauern

22.08.2009



Guten Abend,
ich möchte in einem Fachwerkhaus (siehe Bild) eine Giebelwand neu ausmauern. Meine Fragen:

1. Ich benötige ca. 600 Steine im Reichsformat (25 x 12 x 6,5). Mir wurden weichgebrannte Ziegel empfohlen wegen der Diffussionswirkung. Richtig?

2. Nehme ich nun "frische Ware", wie sie teilweise angeboten wird, oder "Abbruchware"?

3. Wie beseitige ich bei der Abbruchware Reste von Mörtel etc. gerade auf der sichtbaren Seite des Ziegels wirkungsvoll? Ich habe es früher schon mal mit verdünnter Salzsäure versucht aber nur mit mässigem Erfolg.

4. Wer kann mir ca. 600 Ziegel im Reichsformat und in der Farbgebung (siehe Bild) anbieten. Raum Hannover wäre ideal.

5. Damit die Ziegel fest in den Gefachen sitzen wurde mir empfohlen, die Stiele an den Seiten mit einem ca. 3cm breiten Schlitz in Längsrichtung zu versehen.Der wird dann beim Ausmauern mit Mörtel ausgefüllt und hält die Steine. Dreiecksleisten auf die Stiele zu nageln wurde mir nicht
empfohlen, da sich an den Nägeln Feuchtigkeit niederschlagen würde. Welche Empfehlung geben mir die Fachleute?

Freue mich auf Antworten!

Steffen



Hallo Steffen Heinze,



gleich mal vornweg: schnuckeliges Häuschen!

Dann: Das zugemauerte Fensterloch (zwei Gefache rechts vom Fenster) braucht ein Fenster. Die Hilfsausmauerung setzt sich in diesem Gefache deutlich von der sorgfältigen Ausmauerung in den originalen Gefachen ab.

Und so sollten Sie meiner Ansicht auch im Giebelbereich weiter verfahren. Ich bin wirklich der letzte, der nach dem "erfahrenen Handwerker" ruft, aber in Ihrem Falle denke ich: Sie haben mit der Giebelwand eine überschaubare Fläche(ca. 10-14 Gefache), die bei einem Sichtmauerwerk von erfahrener Hand gestaltet werden sollte.

Von weichgebrannten Ziegeln möchte ich abraten, weil diese nicht Wetterfest sind..aber total schön bei der Innenraumgestaltung. Sie sollten sich bemühen, die originalen Steine aufzutreiben, sollte in Ihrer Region möglich sein und ist das Beste für das Haus.

Salzsäure, Diffussion...akademisch.

Und zum Thema: Stiele, Schlitz, Dreiecksleisten...hatten das die schönen erhaltenen Gefache bisher nötig oder soll das Rad für Ihr Häuschen mal wieder neu erfunden werden?

Gruß...j.



Diffusion...



...akademisch???

Na ich weiß nicht.

Weichgebrannte Ziegel haben auch den Vorteil, dass sie elastischer auf Holzbewegungen (die es bei Fachwerk nun mal gibt) reagieren.

Was die Witterungsbeständigkeit anbelangt muß ich Jürgen aber recht geben. Als Sichtvermauerung werden sich Weichgebrannte kaum eignen.
Ich hatte die weichgebrannten Ziegel, die bei uns übrig gebleiben waren im Hof gelagert um sie später wieder zu verwenden. Nach einen halben Jahr waren die nur noch Brösel (ursprünglich waren sie verputzt).

Aus dem "Bauch" heraus würde ich sagen, dass ein Sichern der Ausfachungen in jedem Fall Sinn macht.
Da eine Ausfachung (genau wie das Ständerwerk) aber auch zu den "Verschleißteilen" eines Fachwerkhauses gehört, würde ich die einfachere Variante der Dreiecksleisten wählen.

Es ist zwar richtig dass im Bereich der Nägel "Problemzonen" entstehen werden (weil Metall, anderes Temperaturverhalten, etc.), der Mörtel in den mühsam hergestellten Nuten wird aber auch altern und das Gefach wird irgendwann einmal lose (genau wie bei Dreiecksleisten wenn die vergammelt sind).

Wie wurde es bei Ihrem Haus den bisher gemacht?


Gruß
Martin



Weichgebrannte Ziegel



ist wohl ein irreführender Begriff. Die Steine sollten schon als Vormauersteine geeignet sein, allerdings nicht bis zur Sinterung gebrannt sein. Es gibt den sogenannten "Westfalenbackstein", der sowohl bauphysikalisch, als auch optisch hervorragend mit altem Ziegelmauerwerk harmoniert.
MfG
dasMaurer





Hallo,

lassen Sie sich die Steine doch nach Ihren Anforderungen und guten Farbfotos brennen:
Ziegelei Schüring in Gescher /Westf.

Kostet auch nicht mehr als alles andere.

@ Kollege Martin Wittwar:
wie reagiert denn ein weichgebrannter Ziegel elastisch ?
So wie die Gummibärchen, die ich mir gerade reinstopfe ?

Und was bleibt nach Ihrer Definition von "Verschleißteilen" noch vom Fachwerkhaus übrig ?

Grüße vom Niederrhein



In Bezug auf den Begriff weichgebrannte Ziegel



möchte ich mich Herrn Warnecke anschließen. Dieser Begriff wurde, wenn ich das richtig verstanden habe, von Herrn Heinze nicht für Mutschsteine (so nennt mein Großvater sie) verwendet, also eben jene, die beim Brennvorgang (der ja früher häufig direkt an der Baustelle stattfand) an den Randbezirken des Ofens standen und deshalb wenig Temperatur abbekamen, sondern für die welche man landläufig als Feldbrandsteine kennt, mit denen in Norddeutschland und am Niederrhein wohl tausende Fachwerkhäuser ausgefacht sein dürften. Diese kann man, im direkten Vergleich zu heutigen bei hohen Temperaturen durchgebrannten Ziegelgenerationen, durchaus als "weich" bezeichnen und taugen als einzige Ziegel für eine Fachwerkausfachung. Sie sind in der Lage, im Verbund mit Kalkmörtel gewisse Bewegungen von den Ständerwerken mitzumachen und vor allem können Sie Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben, was für Fachwerk lebenswichtig ist.

Sollten Sie die Möglichkeit haben, gebrauchte Steine aus einem Abbruch zu bekommen, würde ich Ihnen die Verwendung dieser auch empfehlen. Sie dürften sich am besten in das vorhandene Bild einpassen (wobei Ihre Steine recht "jung" aussehen).

Wo jetzt der unterschied zwischen der Nut und den aufgenagelten Dreieckleisten, rein von der Arbeit her gesehen, sein soll, weiß ich nicht. Die Leisten müssen zurechtgesägt und vernagelt werden, die Nuten bekommt man entweder mit einer entsprechenden Fräse oder einem Stechbeitel in die Balken. Das dürfte sich in etwa die Waage halten, wenn man nicht gerade zwei linke Hände hat.

Aus meiner Sicht würde ich von den Dreieckleisten abraten, obwohl diese ihren Zweck sicher erfüllen. Erstens wegen den Metallnägeln und zweitens bilden nicht nur die Nägel im Zweifel ein Feuchtigkeitsrisiko. Die Nuten habe ich hierzulande häufig gesehen. Auch an unserem Haus sind sie vorhanden. Die Ausfachungen sind mindestens hundert Jahre alt und dort, wo man sie in Ruhe gelassen hat, ist keines lose oder sonst geschädigt.

Herr Wittwar hat sicher recht, wenn er sagt, das die Gefache am Fachwerkhaus ein Verschleißteil sind, aber deshalb muß der Verschleiß ja nicht früher eintreten, als unbedingt nötig.

Zur Reinigung kann ich leider nicht viel sagen. Sorgfältig und sachte abklopfen bzw. -bürsten.

Viele Grüße
Achim Hecke



Fachwerkausmauerung



Die Nuten in den Gefachen alter Fachwerkwände sind nicht für Ausmauerungen hergestellt woden.
Die Zimmerer spänten solche Vertiefungen aus, damit Holzscheite eingeklemmt werden konnten. Die wurden dann mit Weiden umflochten (ausgezäunt).
Eine andere Variante waren Strohlehmwickel.
Später, etwa ab dem 19.Jhr., wurden solche Gefache häufig im Zuge von Sanierungen gegen Ziegelausmauerungen ausgetauscht.
Ziegel, Profilleisten und Drahtstifte wurden industrielle Massenware und auch für einfache Leute erschwinglich.
Aus dieser Zeit stammen auch die Dreiecksleisten als Lagesicherung und Winddichtung.
Die Nase aus weichem Kalkmörtel, die sich in einer Nut bildet, ist nie so mechanisch belastbar wie die formschlüssige Verbindung mit einem genuteten Ziegel.
Rost spielt damals bei einem gut ausgeführtem Sichtfachwerk mit entsprechendem konstruktiven Holzschutz keine Rolle und der Kalkmörtel schützt die Nägel Jahrzehnte durch Passivierung vor Rost.
Wenn die paar Nägel anfangen zu rosten dann ist ihr Versagen das kleinste Problem, das der Hausbesitzer hat.

Viele Grüße

p.s. Übrigens findet man solche Nuten auch deshalb, weil beim Neubau oft alte, noch brauchbare Profile wieder verbaut wurden.



Wohl bekommts....



....Kollege Dietmar Beckmann ;-) (die Gummibärchen natürlich)

Vielleicht ist der Begriff "elastisch" der Falsche, bin mir aber sicher, dass eine Ausfachung aus "weicheren" Materialien (und seien es weichgebrannte Ziegel) "Fachwerkbewegungen" (auch das ist der falsche Begriff, denn das Haus läuft ja nicht) besser verkraften kann als eine aus steifen, harten, unelastischen Materialien. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie wissen was ich meine.

Und, ja: auch die Ausfachung ist ein "Verschleißteil" welches von Zeit zu Zeit erneuert, bzw. instand gesetzt werden muß. Oder haben Sie als Architekt schon etwas anderes erlebt?

@Achim
ein "handelsübliches" Gefach mit Dreiecksleisten zu versehen dauert wenn es hoch kommt, fünf Minuten. Wenn ich mir vorstelle mit einem Stechbeitel entsprechende Nuten in die Ständer zu "klöppeln" (wohlmöglich noch Eichenfachwerk) wird das vermutlich ein vielfaches an Zeit und Kraft benötigen, die Haltbarkeit der Ausfachung möglicherweise aber nur imaginär beeinflussen. Da würde ich tatsächlich die "einfachere" Variante wählen.

Die einzigen Ausfachungen die ich gesehen habe, die über viele Jahrzehnte gehalten haben, waren Stakungen mit Lehmbewurf. Eben das, wofür, wie Georg Böttcher schreibt, die Nuten einmal vorgesehen waren.
Und die haben eben so lange gehalten, bis die Staken verfault waren (und sei es durch den Einsatz von Glaswolle und Gipskarton als "Innenisolierung").
Verschleißteil eben ;-)

Schönen Sonntag
Martin



Fachwerkwand ausmauern



Also,
schönen Dank erst einmal für die vielen Antworten.

Ich würde dem Hinweis mit der Ziegelei Schüring gerne nachgehen wollen, könnte ich da eine Kontaktadresse haben?

Auch der Hinweis mit dem Westfalenbackstein gefällt mir, wo kann ich dazu Näheres erfahren?

Das zugemauerte Fensterloch: Dahinter (also innen)führt die Treppe nach oben. Ich habe damals Steine von einem Bauern im Ort geholt. Aber erstens nicht richtig sauber gekriegt und zweitens die Farbe des alten Mörtels auch nicht so wie gewünscht hingekriegt.

Ich werde die Steine aus den Gefachen der Giebelwand erst einmal herausschlagen und mir dann die Stiele ansehen. Vielleicht sind ja Nuten schon vorhanden...

Also Allen nochmals Dankeschön!

Steffen



Westfalenbackstein



ist ein Markenname der Ziegelei Schüring in Gescher und einer der wenigen Steine, die es standardmässig noch im RF gibt. Jeder Baustoffhändler sollte diesen Stein liefern können.
Und zu der Frage, ob Nut oder Dreikantleiste, das sind wohl regionale Vorlieben. Funktionieren wird beides, ebenso genügt beides nicht den aktuellen Anforderungen bezüglich Winddichtigkeit, aber bitte jetzt keine dauerelastischen Dichtstoffe oder Folien einbauen.
MfG
dasMaurer
MfG
dasMaurer