Dachausbau: Dämmmaterialübersicht? Fenster oder Gaube? Boden...

11.04.2007



Hallo, habe bereits viel hier zum Thema gelesen und immer noch ein paar Fragen. Wir wollen das Dach ausbauen mit einer Aufsparrendämmung.
Hier meine Fragen:
1. Holzwolleplatten, Mineralwolle, Zellulose...? Wo kann man einen Überblick über Sommer-/Winterwärmeschuzt und Gewicht sowie Preise bekommen? Was eignet sich am besten? Gibt´s sonst noch Alternativen?
2. Dachflächenfenster oder Gauben? Habe gehört, daß Dachflächenfenster einen viel höheren Wärmeverlust mit sich bringen. Wie entscheidend ist das? Kann man heutzutage noch guten Gewissens Dachflächenfenster einbauen?
3. Wenn man auf dem Betonboden im Dachgeschoß hüpft hat man das Gefühl der ganze Boden schwingt. Ist das normal? Muß man etwas beachten?
Vielen Dank schonmal!





Moin Moin,

für eine Aufsparrendämmung eignen sich nur Holzweichfaserplatten,
ansonsten werden noch PUR und Polystyrol angeboten.

Die von Ihnenen angegebenen Materialien sind für eine Zwischensparrendämmung geeignet.
Dazu gehören noch Flachs und Hanf.
Ich habe mich für Hanf entschieden.

Selbst wenn Ihre Information stimmt, was ich bezweifel,
haben Gauben doch die größere Außenfläche,
mehr potentielle Fehlstellen/Wärmebrücken
und mindergedämmte Flächen, wenn man nicht
sorgfältigst plant und ausführt.
Die Frage nach Gaube oder Dachflächenfenster
würde ich nach gestalterischen und funktionellen
(Licht, Platz) Gesichtspunkten entscheiden.
Gauben benötigen Statik und Baugenehmigung.
Ich habe mich für Gauben entschieden.

Wenn ein echter Betonboden so stark schwingt,
würde ich mir ernsthaft Sorgen machen.
Handelt es sich vieleicht um Estrich o.ä. auf Balkenlage?

Viele Grüße,
Philipp Kawalek



Punkt für Punkt



1. Einen guten Überblick bietet das Buch "Ratgeber energiesparendes Bauen" von Thomas Königstein. Hier findet man sowohl Preise, die zwar nicht so sehr aktuell sind, aber im Vergleich untereinander immer noch weiter helfen, wie auch Angaben zu den bauphysikalischen Qualitäten und den ökologischen wie auch den baubiologischen Hintergründen. Die besten bauphysikalischen Eigenschaften haben immer die Naturdämmstoffe. Beim Schallschutz und beim sommerlichen Wärmeschutz die schwereren Materialien. Diese sind allerdings auch die Teuersten. Eine Aufsparrendämnmung ist natürlich auch mit lockeren Dämmstoffen wie z.B. Zellulose möglich, wenn man einen 2. Dachstuhl "drüber baut" bzw. die Sparren entsprechend aufdickt.
2. Dachflächenfenster haben mit ziemlicher Sicherheit die geringeren Wärmeverluste (aber auch die höchsten Wärmegewinne, wenn man sie denn haben will ;-))), immer vorausgesetzt, sie werden mit Dämmrahmen fachgerecht eingebaut. Aber ich gebe meinem "Vorredner" recht, entscheidend sollte die Gestaltung sein (Baurecht, Denkmalschutz, Statik)
3. Wenn der Betonboden schwingt, sollte überprüft werden, ob er für eine Belastung entsprechend der geplante Nutzung auch ausreichend ist.
4. Es sei darauf hingewiesen, dass diese Maßnahme vermutlich einer Baugenehmigung bedarf. Sicherlich muss ein Statiker und jemand, der den Wärmeschutz berechnen kann mit ins Boot geholt werden. (Es gibt durchaus die Fachleute, die alle drei Bereiche bearbeiten können und dürfen, was den Bauablauf häufig sehr vereinfacht.)





Viehlen Dank für die schnellen Antworten! Werde mich um Statik und Buch kümmern, gibt es nennenswerte Nachteile von Mineralwolle? Die würde sich doch auch für eine Aufsparrendämmung eignen, oder verstehe ich das falsch?
A. M.



Als Baubiologe



kann ich dieses Material immer noch nicht empfehlen. Zwar sind sie im Augenblick als frei von krebsverdacht eingestuft, aber wie sieht das in 10 Jahren aus?
Mineralwolle ist sehr empfindlich bei Feuchtigkeit. Sie kann nässe nicht kapilar weiter leiten und ist daher den Naturdämmstoffen unterlegen. Der Schallschutz und der sommerliche Wärmeschutz ist bei den schwereren Naturdämmstoffen auch besser.



Und die..



... Naturdämmstoffe sind also Hanf, Schilf, Flachs und Zellulose?
Könnte die vielleicht jemand kurz in eine absteigende Reihenfolge bezüglich
a) Preis
b) Dämmwert bringen?
(gerne auch durch andere ergänzt)
Das wäre sehr hilfreich und nett!!!



Dämmwerte sind gleich



Preis: Die Zellulose ist mit Sicherheit die preiswerteste Dämmung und in etwa mit Mineralwolle gleich zu setzen. Hanf und Flachs wird sich nicht unterscheiden.
Schilf, dass hatte ich übersehen, hat einen viel schlechteren Dämmwert. Ist mehr ein Putzträger als eine Dämmschicht.
Dann gibt es noch Holzweichfaser, Holzflexplatten, Zellulose Dämmplatten (Homatherm), ... Hiervon wird die Holzweichfaser die teuerste sein. Die Dämmwerte liegen alle bei 040, im schlechtesten Fall 045.



Vielen Dank!



Was ich allerdings noch nicht ganz verstehe, ist das mit den schwereren Dämmstoffen, von denen vorher immer die Rede war.
Wenn die Dämmwerte gleich sind...
Oder beziehen sich Dämmwerte nur auf Wärmeverlust und nicht auf sommerliche Dämmung?
Hat Zellulose irgenwelche Nachteile?



Die Dämmwerte beziehen sich



auf den winterlichen Wärmeschutz. Der sommerliche Wärmeschutz basiert auf einer Phasenverschiebung. Einfach ausgedrückt: Nach welcher Zeit kommt die von außen eingetragene Wärme innen an. Das dauert bei schwereren Dämmstoffen länger, so dass die Wärme innen erst ankommt, wenn schon wieder mit kühlerer Außenluft gelüftet werden kann.
Die Nachteile von Zellulose soll jemand anderes beschreiben. Ich bin von dem Material überzeugt. (Vielleicht ein kleiner Nachteil: man kann sie nicht selber verarbeiten. Da es aber an einer Baustelle an Arbeit nicht mangelt, gehe ich davon aus, dass man dieses Gewerk ruhig vergeben kann, ohne befürchten zu müssen unter Langeweile zu leiden ;-)) )



Verstehe...



ich das also richtig, daß Zellulose zu den schweren Dämmstoffen gehört und also einen guten Hitzeschutz hat?
(Kapiere nämlich immer noch nicht, welche Dämmstoffe nun als schwer gelten und welche nicht...)
Dann reicht´s aber wirklich!!! Danke!



Zu den schwereren



Glas und Steinwolle 15-80 kg/m²
Holzfaser 170-230 kg/m²
Zellulose 35-100 kg/m²