"Ideales Haus"

12.01.2012



Liebe Forenteilnehmer,
mit großem Interesse habe ich hier im Forum die Themen über Dämmung und Sanierung von alten Gebäuden gelesen. Als Laie kann man nur begrenzt den Ausführungen der Experten folgen. Nähern wir uns dem Thema von der anderen Seite.
Was ist nun das ideale Haus.
24 er Kalksandstein mit Luftschicht und Klinker
oder ist eine 60 cm "Vollsteinwand" perfekt?
Bringt eine dickere Wand mehr Behaglichkeit und spart Energie?
Wie wird die Wärme innen von der Wand aufgenommen, gibt es kennzahlen für Kalksandstein mit Kalkputz, Holz?
Wie verändert sich der Wert bei dem Einsatz einer dünnen Dämmtapete?
Wie wird Feuchtigkeit von einer Kalkwand mit Verputz aufgenommen? Wie bei anderen Materialien?

Berüvksichtigen sollte man später, dass durch übertriebene Dämmung oder falsch verwendetes Material ein schlechtes Raumklima entsteht.
Mit Recht weist hier der Architekt Konrad Fischer auf große Schimmelgefahr hin.

Auf Euere Einschätzungen bin ich gespannt-
Viele Grüße
schlappi2



Nur in seinem eigenen Denken gibt es das ideale Haus



Ich denke, die Sache mit der Dämmtapete braucht man nicht näher ausführen. ;-)



Also



die Dicke Wand ist auf alle Fälle besser.
K. Fischer hat zwar zum teil recht aber richtig ist auch wenn man eine Dämmung richtig plant und ausführt funktioniert auch eine Dämmung.
Wenn man dann kein Fachmann ist wie Sie versteht man bei K. Fischer immer nur Dämmung ist böse.
Wobei ich nicht abstreiten möchte das es viele Berater gibt die um Gedeih und Verderb versuchen die EnEv einzuhalten. Das muss nicht sein besonders nicht beim privaten Häuslebauer - Stichwort Befreiung wegen Unwirtschaftlichkeit oder groben Unfugs wegen zu erwartender Bauschäden.
Wenn Sie das Haus mit der 24 KS Wand Luftschicht Klinker mit irgendetwas die Luftschicht vollblasen könnte es schon zu erheblichen Problemen kommen.



"Ideal" ...



... definiert sich immer in Relation zu gegebenen oder gewünschten Randbedingungen subjektiver und objektiver Art.
Oder einfacher: Was "ideal" ist, definieren Sie in einer bestimmten Situation (das "ideale Auto etc).

Ihre Fragen beziehen sich auf das weite Feld der Baukonstruktion und der Bauphysik und berühren Themen wie Wärmespeicherkapazität, Wärmeleitfähigkeit, Wärmedurchgangswert, Feuchtetransport etc. Eine komplexe Materie, in die man sich lange einarbeiten muss. Das geht auch im Selbststudium.

Vereinfachen lassen sich diese Zusammenhänge nicht, weshalb aus Unkenntnis oder aus Unwillen, diese Komplexität zu berücksichtigen, Bauschäden produziert werden.

Konrad Fischer ist in diesem Forum ein Reizthema. Seine Ausführungen sind natürlich zum Teil gerechtfertigt und nachvollziehbar, in Ihrem Anspruch auf Ausschließlichkeit aber auch sehr dogmatisch. Geht in Richtung "der wahre Glaube", in dessen Name dann gerne Glaubenskriege geführt werden.

Eine "Dämmtapete" gibt´s nicht, genauso wenig wie einen "Dämmanstrich". Beides zieht Ihnen vorzugsweise das Geld aus der Tasche und wahrscheinlich die Kondensfeuchte in die Wand.





Danke für Euere Beiträge,
mich interessieren die Gründe für Euere kritische Einstellung.
1. wieso kann das Verfüllen der Luftschicht kritisch sein? Es soll dadurch versucht werden, dass die Kälte nicht durch die Wand nach innen geleitet wird. Da Luft schlecht leitet, erscheint mir dieses Verfüllen auch sinnlos.

2. Nimmt eine dickere Wand nicht zu viel Wärme auf und leitet sie aus dem Haus.
3. Warum ist eine "Isoliertapete" (5mm Styrophor auf Karton) "Schrott?

Viele Grüße
schlappi2



Meine Ansicht...



Wenn man dämmt - ganz egal wie - kommt man immer zu dem Ergebnis, dass Luftzirkulation den Erfolg mindert. Das führt in Konsequenz zu luftdichten Wohnungen mit einer Lüftung mit Wärmerückgewinnung. Das kann man gut und richtig machen, allerdings muss die Lüftungsanlage regelmäßig gereinigt werden.

Die ideale Wand ist m.E. eine zweischalige Wand mit Dämmung dazwischen. Und zwar ein feuchtestabiler Dämmstoff. Was auch geht, ist Bauen mit recht gut wärmedämmenden Ziegeln und entsprechender Wanddicke. Eine gewisse Wärmespeicherfähigkeit ist an der AUßenwand von Vorteil (Algenwuchs) als auch an der Innenwand (Sonneneinstrahlung).

Eine gedämmte Wand ist in der Regel warm und damit behaglicher als eine ungedämmte.

Dämmtapeten sind ihr Geld nicht wert. Hast Du schon mal versucht, Tapete von einer Dämmtapete zu entfernen?

Schimmel an gut gedämmten Wänden an der Innenseite gibt es eigentlich nicht. Schimmel gibt es eher in der Dämmung selbst (wenn die nass wird) oder an ungedämmten Wänden bei gut gedämmten Fenstern.

Gruß

Wolfgang



Hi



1. da genau sich dort in der Luftschicht der Taupunkt (hier entsteht Tauwasser) befindet wenn man die nun verfüllt wird / kann nun Dämmung und Mauerwerk so feucht werden das es auch in der trockenen Jahreszeit nicht mehr abtrocknet, Folge sind Bauschäden. Das ist selbstverständlich nicht immer so allerdings sollte man es doch mal berechnet haben.
2. Ja genau das soll die Wand auch Wärme aufnehmen. Genau aus dem Grund soll man im Winter auch nur kurz Lüften damit Bauteile nicht auskühlen. Luft kann man schnell erwärmen Bauteile nicht. Deswegen ist es auch dann ruck zuck wieder warm in der Wohnung.
3. Weil Styropor erst mal die Diffusion (Feuchte aufnehmen und wieder abgeben) der Wand behindert und außerdem 5 mm Styropor keine besondere Auswirkung haben.



Ihre Fragen ...



... können nicht beantwortet werden, ohne einen langen Aufsatz dazu zu schreiben und mit viel Hintergrundinformationen zu ergänzen. Die Art Ihrer Fragen lässt darauf schließen, das Sie sich erst seit kurzer Zeit mit diesem Thema beschäftigen. Alle Erläuterungen hier werden deshalb bei Ihnen neue "Warum/Wieso"-Fragen hervorrufen. Sie können zu den genannten Begriffen z.B.die entsprechenden Wikipedia-Einträge lesen und sich erste Informationen verschaffen.





Herzlichen Dank Herr Wegener für Ihre Antworten!

Über diesen Sachverhalt habe ich noch mehr bei www.u-wert.net gefunden. Besonders interessant fand ich die Beispiele für den Aufbau einer Außenwand. Dort wird die Dämmung durch die Baustoffe berücksichtigt und auch der Taupunkt beachtet.
Viele Grüße
schlappi2



ideal in der Bausubstanz wäre ...



... für mich ein möglichst homogener Wandaufbau, der ein vernünftiges Mittel zwischen Masse und Dämmung bringt.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



was ist nun richtig?



"Es soll dadurch versucht werden, dass die Kälte nicht durch die Wand nach innen geleitet wird"

oder

"Nimmt eine dickere Wand nicht zu viel Wärme auf und leitet sie aus dem Haus."

Grundsätzlich soll die Wand mit oder ohne Dämmung natürlich (auch) dazu da sein, einen Energieverlust nach außen zu vermeiden.
Die Energie / Wärme ist eingermaßen blöde und will sich immer möglichst gleichmäßig verteilen. Ist's also innen warm und außen kalt, will sie 'raus und umgekehrt. D.h. Kälte kommt gar nicht durch die Wand nach innen. Die Wand könnte aber ihre eigene Wärme nach außen verlieren, wird entsprechend kalt und die Raumluft kühlt sich an der Wand ab.

Was kann man tun:

man kann vermeiden, dass die warme Raumluft mit der kalten Wand in Kontakt kommt: d.h. innen Folie drauf. Problem: wenns nicht 100% dicht ist wird durch die Löcher doch warme Luft an die kalte Wand gelangen und dort wird das Wasser konsensieren wie auf einem kalten Bierglas im Sommer. Ist also ein Risiko, hält auch nicht ewig. Vom Raumklima mal ganz abgesehen.

Man kann vermeiden, dass die Außenwand kalt wird: Außendämmung. Die Wand bleibt warm aber die Außendämmung ist kalt. Wenn aber morgens sich der Tau in malerischer Art auf die Wiesen legt, legt er sich auch auf die kalte Dämmung. Dort kann's dann mit der Zeit herrlichen Algenbewuchs geben. Außerdem wollte man an dem Haus ja vielleicht die historische Fassade sehen.

Jetzt kommt der Königsweg:

Wenn die Wand viel Wärme aufnehmen kann kühlt sie nicht so leicht aus, logisch. Wenn die Wand Wärme gut leiten kann kühlt sie schneller aus, auch logisch. Ideal wäre also eine Wand mit einer großen Masse, aber schlechter Wärmeleitfähigkeit.

Wenn darüber hinaus die Wand immer wärmer ist, als der Taupunkt (innen und außen) gibt's kein Kondensat, die Wand bleibt trocken, das kostet aber Heizenergie.
Geht das nicht, muss man dafür sorgen, dass die Feuchtigkeit wieder abtrocknen kann: Kapillarität. Jegliche Folie oder Isotapete verhindert das wirkungsvoll und wenn ein Luftspalt (dort wird am ehesten Kondensat auftreten) mit etwas aufgefüllt wird, dass die Feuchtigkeit aufnehmen aber nicht weiterleiten kann, hat man bald ein Feuchtbiotop.
Dann kommt noch die Sache mit dem U-Wert Rechner.
Es gibt sicher unzählige Möglichkeiten eine Wand so aufzubauen, dass das alles funktionert. Einen Unterschied macht aber sicher die notwendige Heizenergie, um die o.g. Rahmenbedingungen einzuhalten. Das ist aber auch von der Nutzung, vom gewünschten Aussehen und nicht zuletzt vom Geldbeutel abhängig.

Ergo: die Ideale Wand gibt es nicht, es gibt immer nur den besten Kompromiss in einer bestimmten Situation.

Gruß Götz





Hallo Götz,
herzlichen Dank für Deine gute aufschlussreiche Antwort!
Gestatte mir ergänzend noch eine Frage zu stellen. Manche Häuser sind mit einer vor der Steinwand angebrachten Verbretterung (vermutlich 2 cm dick) versehen. Wahrscheinlich sind diese Bretter auf Dachlatten angebracht, so dass dort eine Luftschicht von 4 cm entsteht.
Was hältst Du bzw. Ihr von einer solchen Holzverkleidung?
Viele Grüße
schlappi2





in Ergänzung zu meiner letzten Frage:
Der U-Wert meines 1979 erbauten Hauses kalksandstein/Luftschicht/Klinker liegt bei 2,16 W/m2 K.
Wie wird eigentlich heute eine Wand aufgebaut. Hat sich da etwas geändert, um niedrigere Werte zu erhalten?

Jetzt schon einmal vielen Dank für Euere hilfen!!
Gruß
schlappi2



Holzverschalung als hinterlüftete Fassade....



... die Fassade macht durchaus Sinn. Eher auf der Sonnenabgewandten Seite des Hauses und natürlich dort, wo starker Wind die Wand sonst schneller auskühlen lässt.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de





den Ausführungen von Herrn Lipfert ist nichts hinzuzufügen, außer, dass in unseren Breiten auch gerne Abhangfassaden mit Tonziegeln gemacht worden sind. Ist ein idealer Wetterschutz und hält ewig.





Das ist eine sehr interessante Möglichkeit eine Wand außen mit Tonziegeln zu verkleiden. Danke ganz herzlich für diesen
Vorschlag.Vielleicht haben Sie noch einen Link für mich?

Aber nach wie vor interessiert mich, wie der heutige Stand der Dämmung bei einem Neubau ist.
Ein guter Freund berichtete:
"bei uns sind die Wände aus Kalksandstein, dann aussen gut 20cm (!) Styropor plus eine dünne Putzschicht (das nennt sich Wärmedämmverbundsystem).
Natürlich lässt das auch keine Wärme rein. Wenn Du aber Wärme drinnen hast,durch Heizung oder Sonnenlicht durch die Fenster, speichern die Beton- oder Steinwände schon die Wärme (dafür brauchst Du Masse). Ich glaube, Kondenzwasser bekommst Du, wenn Du innen dämmst. Wenn also die warme Luft von innen, die mehr Feuchtigkeit aufgenommen hat, an einer kalten Oberfläche abkühlt. Mit Holz statt Putz von aussen geht auch. Wir haben am oberen Stockwerk auch auf der Styroporschicht Holz."

Bekommt man bei einem solchen Wandabbau auch nicht Schwierigkeiten mit dem Kondenzwasser. Kann sich da nichts hinter der Styrorphorschicht bilden?

Viele Grüße
schlappi2



Ich fürchte,



Sie befinden Sich im falschen Forum!

Sie sollten vielleicht in einem Forum für U-Wert-Junkies suchen. Mit Fachwerk hat das nichts zu tun.