Bedenkliche Balkenschieflage, braucht Statik

30.04.2006



Hallo,

wir haben ein Fachwerkhaus Baujahr 1720 in Frankfurt/Main gekauft, indem wir das Erdgeschoß (ca. 60 qm)entkernt haben (Putz runter, Decken von Lehm, Spaken und Sand befreit). Dabei kamen einige Balken zum Vorschein, die sich extrem gesenkt haben. Ein großer Querbalken liegt mit knappen 10 cm auf der Ecke einer brüchigen, 7 cm starken Ziegelwand.
Ein herbeigerufener Architekt (von einem Architektenbüro, das sich auf Fachwerstatik spezialisiert hat) meinte nur "oh weh, oh jeh, das muss sich der Chef anschauen". Der Chef meinte dann telefonisch er könnte uns aus Haftungsgründen keine Aussage machen wo wir welchen Balken stützen, oder austauschen müßten, wenn er keine gesamtstatische Berechnung des Hauses machen würde (sprich alle Wande anbohren und eine komplette statische Berechnung machen). Oder wir sollten ein Bauunternehmen beauftragen, das wüßte dann schon, was wir machen sollen.
Wir wollen so viel wie möglich der alten Struktur erhalten, aber da das Erdgeschoss statisch wohl für den Gesamterhalt des Hauses massgeblich ist natürlich da abstützen, oder erneuern wo es nötig ist.
Dazu benötigen wir nun fachmännischen Rat und Hilfe.



Schätzen oder Rechnen!



Bei manchen Fachwerkbauten oder deren Sanierungen muß man nicht unbedingt alles berechnen lassen!

Kaputtes ersetzen und Austausch und manchmal auch neue Balken einbringen, falls da in den Jahrzehnten mal was rauskam das ist die Regel beim "Sanieren"!
Ein kompetenter Planer oder Berater oder ein guter Zimmermann sollten da schon beraten.
Allerdings wollen die auch was verdienen dabei!
Aber das meiden viele und suchen andere Wege!

Querbalken liegt mit knappen 10 cm auf der Ecke einer brüchigen, 7 cm starken Ziegelwand. Ist schon ein bisschen gewagt - da ist halt in den Jahren einiges rausgekommen, weil's im "Weg war"

Suchen Sie sich einen, der ein vernünftiges Sanierungskonzept macht und in dem die Sanierungsschritte katalogisiert sind - dann kann man auch ab und zu selbst Hand anlegen!

viel Erfolg

Florian Kurz



den Vorschlag von Herrn Kurz



kann ich voll unterstützen. Ein im Altbau erfahrener Zimmermann findet immer eine gute Lösung und erspart oftmals den teuren Statiker. Eine selbstgemachte Planungshilfe wäre ein maßstäblich exaktes Aufmaß der einzelnen Stockwerksgrundrisse. Da läßt sich oft die vhd. Statiksituation gut ablesen.
viel Erfolg!



Sie brauchen einen Statiker!!!!!!!!!!



Diesen Ratschlag habe ich in diesem Forum schon gegeben und in dem beschriebenen Fall, haben Sie ihn nötiger als sie denken. Denn:

1) Der Architekt hatte recht, es geht tatsächlich um eine Gesamtstatische Untersuchung dieses Hauses! Einen Pfusch gab es anscheinend schon, wenn ein "starker Querbalken" auf eine "7cm breite Ziegelwand" gelegt wurde. Das ist und wird keine Tragwand.
2) Auch hat der Architekt recht, dass er aus haftungsrechtlichen Gründen eine Ferndiagnose ablehnt, da er aus Erfahrung weiß, wie instabil solch ein System ist.
3) Sie brauchen ein Konzept für Ihre Umlastung und nicht nur eine kosmetische Raparatur. Deswegen, suchen sie sich einen Statiker, der sich das Haus in Ruhe ansieht, die Pläne durchsieht und sich die Lösung überlegt. Es kostet sie weniger als Sie gauben.



Zusätzliche Stützen, schlecht für Statik?



Hallo Herr Kugler,

vielen Dank für Ihre Antwort.
1.Ja, Pfusch gab es mehr als genug in unserem Haus. Der Balken, der auf einer Seite so knapp aufliegt hat zwei Zapflocher im ersten und letzen Drittel, d.h. darunter standen mal Balken, die wahrscheinlich ausgefacht waren und wir werden diese auch wahrscheinlich wieder einsetzen und eine Wand erstellen. Die 7 cm Wand fällt uns sowieso entgegen und wird erneuert (kann also doch noch tragend werden).
2.Eine Ferndiagnose wollten wir vom Architekten nicht haben und verstehen vollkommen das angesprochene Haftungsproblem.
3.Wir wohnen in diesem Haus, eine Anbohrung aller vorhandenen Wände würde mein seelisches Gleichgewicht arg aus dem Konzept bringen.
Pläne sind unser großes Problem! Ein befreundeter Baukonstrukteur hat nach einer Woche Vermessen und CAD-Zeichnen mit den Worten "Dieses Haus will sich nicht Vermessen lassen!" aufgegeben. Ich habe selbst habe nach weiteren drei Wochen aufgegeben. (eine statische Berechnung nach Plänen macht für mich nur Sinn, wenn diese stimmen und ich habe bis zu 55 cm Versatz an den Aussenwänden).
Kann ich der Statik des Hauses denn Schlechtes tun, wenn ich zusätzliche Stützen einbringe?



entweder mehr oder weniger?



Dass da mal Stützen waren ... sieht danach aus!
Was ist drunter! Was kommt von oben?

Das Haus "will sich nicht vermessen lassen" ... (kann ich nachvollziehen!)
Aber muss man es "vermessen"? Verstehen wäre besser!

Anschauen lassen - Gesamtkonzept - Machen!
Das ist sicher und sicher sinnvoll!

Rechnen kann man - muss aber nicht unbedingt!
Die Erbauer haben auch nicht gerechnet - und die Pfuscher, die alles mögliche rausgerissen haben auch nicht.
Die Wand schaut "schön" aus!

Frohes Finden und Schaffen!

FK



Noch mal - Gesamtkonzept!!



Man muß nicht alle Wände anbohren, um eine Tragkonstruktion herauszufinden. Ein in Altbausanierung erfahrener Statiker, kann sich auch so behelfen. Man brauch hierzu auch kein Aufmaß. Notizblock, Stift, Fotoapparat und Maßband genügen. Der Statiker muß sich überlegen, was trägt wo ab und welche Folgen hat eine Demontage der Stütze oder Wand. Deswegen ist ein statisches Gesamtkonzept notwendig. Einfach eine Stütze reinstellen, ohne sich zu überlegen, wo die Kraft anschließend hingeleitet wird, macht keinen Sinn.

Vor allem ist die Frage zu klären, wie die Kräfte hier genau fließen, denn diese Wand, wie oben schon erwähnt, wird uns kann keine Tragwand sein!!!! Sollte es tatsächlich so sein, stellt sich die Frage, was ist in dem Raum darüber? Wird er genutzt als Wohnraum? Wenn ja, wäre das eine Situation, die mich aus dem seelischen Gleichgewicht bringen würde...