Vaillant Gasheizung und ein Feststoffbrennofen

14.09.2013 Funkenflug



Ich habe in 11/2012 ein altes Haus gekauft, in dem eine Vaillant Gasheizung und ein Feststoffbrennofen die Wärmeversorgung (ohne Warmwasserboiler) über Heizkörper übernimmt.Die Anlage ist gekoppelt und kann jeweils von einander betrieben werden. Nun hatte ich dieses Jahr nur den Gasbetrieb benutzt und dafür eine überraschend hohe Rechnung für den Gasverbrauch erhalten. Nun überlege ich, den Feststoffofen zu aktivieren, komme aber mit dem System alleine nicht klar, zB. läuft die Wärmepumpe der Gasheizung mit, wenn ich mit Holz heize (dabei darf die Gasheizung lt. Schornsteinfeger nicht mitlaufen)oder ist der Wasserkreis- lauf autonom wenn in der Feststoffheizung die höhere Temperatur errreicht ist. Im Haus selber sind 3 Kamine vorhanden.
Ist jemand in der Lage mir informativ zu helfen, da ich ohne Information das Holzsystem nicht anfeuern möchte. Vielen Dank für die Hilfe.



Heizungsbauer vor Ort.



Es wäre mit Sicherheit die einfachste Lösung, wenn sich das jemand "vom Fach" vor Ort mal anschaut, idealerweise derjenige, der die Anlage mal gebaut hat, oder auch derjenige, der die Wartung bislang durchgeführt hat. Vielleicht ist ja auch der Vorbesitzer bereit, sein Wissen um die Anlage weiterzugeben. Der Schornsteinfeger könnte auch weiterhelfen.

Für mich hat sich der Eindruck einer ziemlich selbstgebauten Anlage entwickelt, die "seinerzeit" nur mit viel Augenzwinkern vom Versorger und Schorni abgenommen worden ist. Das könnte der nächste Schornsteinfeger auch ganz anders sehen.
Es scheint eine manuelle Umschaltung zwischen der Gasheizung und dem Holzkessel zu geben, ohne Regelung und Steuerung einer Automatik. Hier aus der Ferne zu versuchen herauszufinden, welche Knöpfe gedrückt und welche Ventile geschlossen und geöffnet werden müssen, ist ohne Anlagenschema und/oder Fotos und weiterem Input nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. Ich vermisse z.B. die Erwähnung eines Pufferspeichers für den Scheitholzkessel.

Nebenbei: Wenn Du Holz auf dem freien Markt kaufen musst, wird das Heizen nicht (wesentlich) günstiger als bei einer halbwegs funktionierenden und sauber arbeitenden Gasheizung.

Ein Raummeter trocken/gespalten/geliefert kostet (bei uns zur Zeit) rund 100,-Euro, das entspricht also rund 5Ct/kwh Anfangsenergie.
Bei Berücksichtigung eines realistischen Gesamtwirkungsgrades von 60% für einen älteren Scheitholzkessel mit entsprechenden Abgas- und Abstrahlverlusten kostet die "nutzbare" Endenergie also 8,3Ct/kWh.
Dem gegenüber stelle ich einen Gaspreis von 6,2Ct/kWh (örtlicher Grundversorger) und einen Wirkungsgrad von 75% für einen älteren athosphärischen Heizwertkessel.
Das macht dann (zufälligerweise) ebenfalls 8,3Ct/kWh "nutzbar".

MfG,
Sebastian Hausleithner



Vaillant Gasheizung und ein Feststoffbrennofen



Lieber Sebastian Hausleithner,
vielen herzlichen Dank für die Antworten. Sie haben genau ins Schwarze getroffen. Ich werde den Rat - mich an das Fachpersonal (bzw. Schorni) zu wenden - aufnehmen und mich schlau machen. Ich befürchte fast, dass der Feststoffofen auf Grund des Alters nicht mehr benutzt werden darf. Die Vaillant Gasheizung ist ca. 10 Jahre alt und verbraucht halt viel. Abgenommen wurden allerdings beide kurz nach dem Hauskauf und ein Prüfungszertifikat über die Gasanschlussleitungen wurden als fehlerfrei bestätigt. Dennoch denke ich daran die Heizung erneuern zu müssen.
MfG
Peter Dimitrijevic



Nun mal keinen blinden Aktionismus.



Eine 10 Jahre alte Gasheizung mit Häschen drauf sollte, sauber eingestellt und gewartet, nicht mehr als 5-6% Abgasverlust produzieren, was zwar nicht berauschend, aber OK ist. Er "dürfte" sogar zweistellig. Vaillant ist zwar eher Massenmarke als Premium, aber keinesfalls ein exotischer Billigheimer, die Versorgung mit Verschleiß- und Ersatzteilen sollte also noch viele Jahre gesichert sein. Prinzipiell würde ich die Kiste bis zu einem ernsten Defekt (Kesselkörper, Wärmetauscher, Elektronik) bei jährlicher Wartung laufen lassen.

Der Festbrennstoffkessel (wirklich Allesbrenner? Oder reiner Scheitholzkessel?) hat nach BImSchV mindestens Bestandsschutz bis Ende 2014, sollte ein entsprechendes Herstellerzertifikat beschaffbar sein auch deutlich darüber hinaus.
Vielleicht postest Du mal die Gerätebezeichnungen und ein/zwei/drei gute Fotos der Anlage...

Also: Don't panic...

Prinzipiell braucht nicht so sehr die Heizung die Energie, sondern eher das Haus und vielleicht noch die Heizungsanlage in der Gesamtheit. Hier optimierend anzusetzen ist meist sinnvoller, auch finanziell, als sich nur auf neue Geräte und Techniken zu verlassen.
Stichworte sind bspw.
- sinnvolle Dämmung (Dach, bzw. oberste Decke, Kellerdecke)
- Dämmung der Rohrleitungen und Armaturen
- Hydraulischer Abgleich

MfG,
Sebastian Hausleithner



Nun mal keinen blinden Aktionismus.



Hallo Sebastian Hausleithner, danke für die weiteren Hinweise. Ich habe mal die Fotos aus den Besichtigungstagen der Immobilie (Bj. 1956) herausgesucht. Dannach sind Sie sicher schlauer. Tut mir leid, die Heizung mit dem "Häschen" ist eine Vießmann Atola, aber ich habe die Marken verwechselt. Das Haus wurde inzwischen total mit 10 cm dicken Isolierungen eingepackt, neu verputzt, neu eingedeckt und der Dachboden mit Folie bespannt. Da dürften keine großen Verluste entstehen. Was dagegen noch teilalt ist sind die dicken Heizungsrohre und Ventildrehknöpfe. Da hat der Heizungsmonteur keine Austauschmöglichkeiten gesehen und wollte überall neue H.Körper einbauen. Das wollte ich aber nicht, da die Heizkörper eine sehr gute, effektvolle Wärme abgeben. Anbei Bilder. Vorab Danke für die Mühe.
MfG
Peter Dimitrijevic
Ich kann die Fotos nicht laden. Gibt es eine alternative Adresse dafür, wohin ich die Bilder schicken kann?



Uuups, dann muss ich ein bissel revidieren.



Ersteinmal: Bilderupload geht nur nach vorheriger Registrierung/Anmeldung; das geht schnell, ist kostenlos und tut nicht weh...

Zum Kessel: Der Atola ist sowas wie ein Dinosaurier unter den athmosphärischen Gaskesseln und mit Sicherheit älter als 10 Jahre (er wurde nur bis 97 gebaut!), grundsolide, aber konstruktiv bedingt schon damals mit schlechtem Wirkungsgrad und eigentlich schon bei Vorstellung alles andere als innovativ und technisch veraltet. Jetzt kommen auch noch ungedämmte Rohrleitungen und statt Thermostatventilen Handregulierventile dazu, möglicherweise beides noch aus dem Baujahr des Hauses, wahrscheinlich dann noch 'ne Riesen-Pumpe.
Da lässt sich dann schon eine Menge mangelnde Energieineffizienz, also hoher Verbrauch, auf die Heizungsanlage schieben; könntest Du Deinen Gasverbrauch bitte mal quantifizieren, auch in Bezug auf die beheizte Wohnfläche?

Das man "alte" (wahrscheinlich) DIN-Gussradiatoren nicht grundsätzlich mit Thermostatventilen nachrüsten kann, halte ich für ein Gerücht und glaube es erst, wenn ich es bewiesen bekomme...

Der Typ und das BJ des Feststoffkessel wäre auch noch interessant...

MfG,
Sebastian Hausleithner



Die gute Nachricht vorweg:



Der "Fröling" ist nicht soooo alt, die Firma wurde erst 1961 gegründet ;-)
Die Grundfos-Pumpe könnte aus dem Gaskesseljahr stammen...

Aber ich denke, wir denken das Gleiche: In absehbarer Zeit wird eine Totalsanierung im Heizungskeller fällig; aus energetischer Sicht je eher je besser, aus finanzieller Sicht nicht unbedingt sofort notwendig.

Abgesehen vom Alter, was nicht grundsätzliches Ausschlusskriterium ist (Die Viessmann würde bestimmt noch 10 Jahre laufen, den Kesselkörper bekommt man kaum kaputt), fehlen einfach ein paar wichtige und sinnvolle Komponenten, ohne ins Detail zu gehen sind dies beispielsweise eine außentemperaturgesteuerte Vorlauftemperaturanpassung (Mischer), Sicherheitselemente am Fröling (sind möglicherweise hinterm Kessel verborgen), Pufferspeicher für bivalenten Betrieb mit entsprechender Steuerung, Ausdehnungsgefäß, außerdem sind deutliche Korrosionsspuren an der Abgasführung des Fröling und an der Sicherheitsgruppe beim Viessmann zu erkennen.

Jetzt musst Du mal in Dich gehen, was Deine Präferenzen sind, wie üblich gibt es viele Möglichkeiten...
Denkanstöße. bspw.:
- geringer Invest
- geringe Betriebskosten
- "ökologisch" und "nachhaltig"
- Komfort
- Trinkwassererwärmung integrieren
- nur ein Energieträger oder mehrere
- Solar nachrüstbar
etc...

Die wahrscheinlich einfachste und gleichzeitig preisgünstigste und komfortabelste Option wäre es, den Keller leer zu räumen und eine Gasbrennwertheizung zu installieren, dies bedingt allerdings eine Schornsteinsanierung, z.B. mit einem eingezogenen Rohr oder besser einem Luft-Abgas-System (LAS).

Hoffentlich hast Du bei der Ventilbestellung an die Möglichkeit einer Voreinstellung für den hydr. Abgleich gedacht. Im Hause Heimeier wären das die V-exact II (weiße Schutzkappe) oder A-exact (orange Schutzkappe). Bei den Standard (schwarze Kappe) wäre dann ein einstellbare Rücklaufverschraubung vorzusehen, das wäre dann die Regulux.

So weit, so gut ersteinmal...

MfG,
Sebastian Hausleithner