Viele Fragen zum Badanbau

18.12.2013 tomte



Hallo!
Unser jetziges Bad ist ein Anbau. Aus mehreren Gründen haben wir uns entschieden den Anbau wegzureißen und verbessert/vergrößert wieder aufzubauen (ca 2m x7,5m). Im Moment beschäftigt mich der Wandaufbau.
Meine urpsrüngliche Vorstellung war von innen nach außen:
- Fliesen (evtl. an manchen Stellen Tadelakt)
- Kalkputz
- Poroton T12/14 24cm
- Holz-Verschalung (mit Hinterlüftung)

1.)Die ortsüblichen (Schweden) Regelungen verlangen (um Versicherungschutz für Feuchtschäden zu bekommen) eine komplett dichte Schicht hinter den Fliesen. Macht dies bei dem Wandaufbau überhaupt Sinn oder kommt die nur aus dem typischen Wandaufbau mit Holz?
2.) Die Wand ist wenig isoliert - der Platz ist knapp und mir sind die Schießschartenfenster unsymapthisch. 30cm und damit z.B. T8/T9 wäre möglich. Da die gesamte Wand recht klein ist (ca. 30m²) dachte ich eigentlich mit LM21 zu mauern. Wenn ich das richtig verstehe sollte man aber für solche Steine das V+ o.ä. System nutzen. Kann man die schlechter isolierte Fuge trotzdem in Kauf nehmen oder V+ in Handarbeit simulieren?
3.) An der langen Seite (7,5m) soll später ein weiterer Anbau folgen. Dieser soll aus Holz (mit Cellulosedämmung) gebaut werden. Was muss ich da jetzt schon beachten um später keine Probleme zu bekommen? Wand gegen Wand? Nur eine gemeinsame Wand? Luftspalt zwischen den Wänden?
4.) Die Wand zum alten Haus (Massivholz, ca.12cm) soll nicht mit Wasser bspritzt werden, reicht da eine einfach Verschalung? Oder muss ich da noch zusätzlich Isolieren und/oder eine feuchtigkeitssperrende Schicht einbauen?

Ich freue mich auf konstruktive Hilfe und Anregungen. Mehr Fragen z.B. zum Bodenaufbau kommen sicherlich noch ;)



Antworten



Zu 1. Seltsame Regelung, kann ich mir so wie geschildert für eine Wand nicht vorstellen, beim Fußboden ist das ehr denkbat und auch sinnvoll...
Zu 2. Je geringer die Wandstärke und je höher die Wärmeleitfähigkeit des Steinmaterials, desto schlechter die Wärmedämmung... ob es in und für Schweden Vorschriften für den Wärmeschutz eines solchen Anbaus gibt entzieht sich meiner Kenntnis.
Die Produkteigenschaften der Steine beziehen sich i.d.R. auf das Gesamtsystem. Abweichungen verändern die Eigenschaften. Im Prinzip kannst Du aber jeden geeigneten Mörtel verwenden, sogar Fliesenkleber, im Zweifelsfall beim Hersteller nachfragen...
Zu 3. Gemeinsame Wand sollte reichen, abhängig vom Zweck und Nutzung des künftigen Anbaus...
Zu 4. Solange im neuen Bad nicht ständige feuchtwarme Zustände herrschen sollte die Wand keinerlei besondere Behandlung benötigen...

MfG,
Sebastian Hausleithner



ja, komische Regelungen



Danke für deine Hinweise!
1.) In der Tat gibt es hier einige Regelungen die mir etwas schleierhaft sind. Die "Wand muss auch dicht sein" Regelung kommt vermutlich daher dass einfach viel mit Holz gebaut wird und im Wandaufbau bisher auch eine komplett dichtende Folie eingesetzt wurde (heutzutage geht der Trend in Richtung diffusionsoffene Windbremse). Aber wenn ich dich richtig verstehe gibt es in meinem Fall keinen Anlass die Wand abzudichten.
2.) Die Frage mit dem LM21 war mehr auf die T8/9 Steine ausgerichtet. Wenn ich solche gut wärmedämmende Steine verwende mache ich doch die Dämmung mit einem solchen Mörtel mehr oder weniger zunichte, oder? Oder ist der Einfluss der Fuge doch recht gering?
Regelungen zur Wärmedämmung gibt es, muss ich nochmal nachschauen (ich glaube im Schnitt 0,4W/m²K)

5.) Wie sieht es denn mit dem Bodenaufbau aus? Der später fertige Fußboden liegt ca. 50cm über Bodenniveau. Hatte mir eine Dämmschüttung mit Blähton oder Perlit vorgestellt, darauf Estrich + Fließen. Fußbodenheizung steht noch zur Diskussion. Womit würde ich den Boden abdichten? Und muss ich bei. z.B. Perlitschüttung auch eine Feuchtigkeitssperre gegen den Boden haben oder reicht die kapillarbrechende Wirkung und die Feuchtiglkeitssperre von der "Innenseite"?



Eins, Zwei und Fünf



Eins: Für das insgesamt mehr oder weniger monolitische Mauerwerk bei hinterlüfteter Fassade besteht eigentlich kein Grund für eine zusätzliche Sperrschicht, die Fliesen an sich sperren schon... bei vernünftiger Beheizung und Belüftung ist das feuchteproblem ohnehin eigentlich keins... aber wenn die Versicherung das so will... nunja...
Zwei: Ob Du jetzt einen oder zwei mm "Systemmörtel" verwendest oder zehnmal soviel LM21 ist für die Wärmedämmwirkung nicht wirklich entscheidend... und solange das Bad nicht gerade unweit vom Polarkreis entsteht auch sonst bauphysikalisch nicht wirklich wichtig. Entscheidend ist die Statik und die Zulassung des Mörtels.
Fünf: Irgendwelche Schüttungen müssen gegen irgendwas geschüttet werden, sonst kullert das Material weg oder wird vom Wind davongeblasen...

MfG,
Sebastian Hausleithner



Dämmschüttungen ...



... sind kein Ersatz für eine kapillarbrechende Schicht, ganz im Gegenteil. Auch wenn sie hydrophobiert oder bituminiert sind, wird ihr Einsatz nur in Bereichen zugelassen, die zuverlässig gegen Feuchtigkeit (hier: aufsteigende Bodenfeuchte) geschützt sind.

bei 50 cm Aufbauhöhe bis OKFF würde ich einekapillarbrechende Schicht (Kies 16/32, kein Feinkornanteil) von 15-20cm einbauen, darauf eine Baufolie 0,2mm, dann eine Sauberkeitsschicht 5-8cm Beton, unbewehrt, sauber abgezogen, eine Bauwerksabdichtung (Bitumenbahn geschweisst, Dichtungsbahn lose verlegt + kaltgeklebt, mineralische Dichtschlämme), darauf eine Dämmung (XPS; Foamglas), eine Trittschalldämmung, Schrenzlage, Estrich.

Wenn die kapillarbrechende Schicht allseitig von aufgehendem Sockelmauerwerk eingeschlossen ist, muss sie nach außen ggf. entwässert bzw. an eine Gebäudedrainage angeschlossen werden. Das muss aber ein Bodengutachten klären, welcher Lastfall bei der Feuchte im Boden angenommen werden muß.

Entscheidend wird auch die Ausbildung des Sockelbereiches sein und der Anschluss der Abdichtung des Bodens über Erdreich, die nahtlos an die BAuwerksabdichtung gegen aufsteigende Feucht angeschlossen sein muss.